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Stadtkinder bewältigen den Alltag: Ich wäre gerne wie Wallis Simpson

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Stadtkinder bewältigen den Alltag: Ich wäre gerne wie Wallis Simpson


Dass wir uns da richtig verstehen: Ich habe es nicht auf einen Prinzen abgesehen, nichts weniger als das. Aber ich kann nicht umhin, diese Frau zu bewundern: Eine zweifach geschiedene Amerikanerin, die sich den damaligen Prince of Wales geschnappt hat, noch während sie mitten in ihrer zweiten Ehe steckte. Obwohl weder besonders hübsch noch reizvoll nach damals gängigen Maßstäben und erst recht keine „angemessene Partie“.

Ehrlicherweise, das muss man offen zugeben, sollen ihre Erziehung und ihre Umgangsformen mehr als nur ein bisschen zu wünschen übrig gelassen haben, beziehungsweise sollen sie der Erwähnung gar nicht wert gewesen sein. Den Mann, der später kurzzeitig König Edward VIII war (bis Simpson ihn zum Abdanken brachte), öffentlich bei seinem Rufnamen David zu nennen – Skandal! Bei öffentlichen Anlässen murrend herumzustehen und sich zu beschweren, dass man statt eines Kinderheimes viel lieber ein Kaufhaus hätte aufsuchen können – undenkbar. Kurz: Wallis Simpson war ein Störfaktor. Nicht nur für die Krone, die von ihrer Existenz ebenso wenig begeistert war wie der Rest des Commonwealths. Unbeliebter als sie war vermutlich nur Gareth Southgate nach seinem verschossenen Elfmeter gegen Deutschland bei der Euro 1996 und selbst das nur kurz. Diese Frau war nicht tragbar, für niemanden. Besonders nett soll sie auch nicht gewesen sein. Und das größte Ärgernis von allen: Sie hat drauf geschissen. Sie hat die Regeln nicht gebrochen, sondern gleich ganz ignoriert und das war ihre Geheimwaffe. Dass ihre Existenz eigentlich ein großer Glücksfall für die britische Krone, ach was, für die ganze Welt war, möchte eigentlich bis heute niemand gerne zugeben. Aber Fakt ist, dass Edward VIII im Grunde genommen ein Trottel war. Ein Dulli, der einerseits die Nazis irgendwie cool fand und nicht uninteressiert daran schien, mit ihnen zu paktieren, andererseits viel zu unkonventionell war, um das Amt eines konstitutionellen Monarchen adäquat auszuüben. So war es doch ein Segen für alle, dass Simpson ihn nach nicht einmal einem Jahr, sogar noch vor der Krönung, aus dem Amt gebumst hat. Einzig Patricia Knatchbull, geborene Mountbatten, erkannte diesen Glücksfall und schlug vor, eine Statue von Wallis Simpson errichten zu lassen, da man ohne sie niemals in den Genuss von Königin Elizabeth II gekommen sei. Aber genug der Politik und in aller Kürze: Wallis Simpson war ein fieses Arschloch, wie sie selbst sehr genau wusste. Und in diesem Wissen hat sie sich etabliert und sich ein schönes Leben gemacht.

Oscar Wilde hat einmal gesagt: „Hör nichts Böses, sag nichts Böses und du wirst niemals zu einer Party eingeladen.“ und außerdem „Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.“ Zwei Richtlinien, an die sich Wallis Simpson offenbar immer gehalten hat, wie übrigens auch Oscar Wilde selbst. Und genau das ist es, worauf ich neidisch bin: Den Mut zu haben, sich unbeliebt zu machen. Ich würde sehr gerne Sätze sagen wie: „Deine Scheiße interessiert mich nicht, hör auf, mich damit zu belästigen!“ oder „Diese Party ist so langweilig wie ein Diavortrag über Ölradiatoren. Ich gehe jetzt irgendwo hin, wo es lustiger ist als hier, Guantanamo, zum Beispiel!“

Das würde mir gefallen! Ich würde mir dann gefallen! Stattdessen hör ich zu, wenn jemand langweiligen Kram erzählt, reagiere angemessen darauf und bleibe auf schlechten Partys so lange, bis es einigermaßen vertretbar ist, sich vom Acker zu machen. Und alles deswegen, weil ich nicht möchte, dass sich meinetwegen jemand schlecht fühlt. Sicherlich, es gibt bestimmt auch einen Mittelweg, aber den zu finden, ist noch viel schwieriger. Nein, ich will das ganze Paket: Fies sein und trotzdem eingeladen werden. Genau wie Wallis Simpson.

IH

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Stadtkinder kochen Cooper-Marmelade

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Stadtkinder kochen Cooper-Marmelade


Eigentlich bin ich nicht so Eine. Wirklich nicht. Ich bin einfach kein Marmeladentyp. Vor vielen Jahren, als es hier im Heft noch das Format „Küchenpsychologie“ gab, schrieb ich mal darüber, wie Marmeladenesser so ticken und dass Erbeermarmeladenesser die Traditionalisten unter den Marmeladenessern seien und all solchen Quatsch. Dazu gehöre ich nicht. Auch kann ich nicht behaupten, auf der Suche nach dem heiligen Marmeladengral gewesen zu sein, denn ich wusste die ganze Zeit, wo sich die Marmelade befindet, die ich gerne essen möchte: In England.

Und zwar für sage und schreibe acht Pfund pro Glas. Acht Pfund! Brennt denen der Hut? Oder viel mehr die Beefeatergrenadiermütze? Kulinarisches Gatekeeping ist eine Frechheit, das denke ich mir jedes Mal, wenn einer was von geheimen Familienrezepten quatscht. Und doch wollte ich in den Genuss von Cooper’s Oxford Marmalade (wird wirklich so geschrieben) kommen.

Also recherchierte ich, denn das kann ich gut, und stieß nach einiger Suche auf ein englisches Rezept aus dem Jahr 1867, handgeschrieben in feinster alter Ronde-Kalligraphie und von einem netten Menschen ins Netz gestellt. Sogar mit dem Hinweis, man könne, sofern man kein Bitterorangenöl hat (hab ich nicht), genau so gut Angostura nehmen (hab ich). Und schon lässt sich sehr schön selber Bitterorangenmarmelade kochen und Fortnum’s und Harrod’s können einen mal.

Ich bin kein Gatekeeper und teile gern; aber als Reminiszenz habe ich das feine Zeug Cooper-Marmelade getauft. Hier, bitte schön:

Wir brauchen etwa anderthalb Kilo Orangen. Am besten Sevilla, aber andere Saftorangen tun es auch. Dazu noch etwa ein Glas Orangensaft, 500g Gelierzucker 2:1, Angostura und einige Teefilter (oder Stücke von Feinstrumpfhosen). Das war’s schon. Nichts Geheimnisvolles oder Seltenes wie Haare einer jungfräulichen Person der britischen Thronfolge, keine von einem anglikanischen Priester gesegnete Zauberapfelsine, nichts dergleichen.

Unsere Orangen werden jetzt gewaschen, kommen in einen großen Kochtopf und werden knapp mit Wasser bedeckt. Nun kochen wir sie bei mäßiger Hitze. Doch, wirklich! Und zwar eine halbe Stunde lang. Dann werfen wir sie kurz in Eiswasser und schon lassen sie sich pellen wie hartgekochte Eier. Was wir auch tun und dann das Weiße von der Schale trennen. Das geht mit gekochten Orangen so viel einfacher als im Rohzustand, dass es geradezu ein Vergnügen ist. Die orangene Schale hacken wir jetzt sehr klein und tun sie schon mal in eine Schüssel. Das Weiße stopfen wir in den Teefilter (nicht alles, aber eine großzügige Handvoll). Jetzt schneiden wir die Filets aus den Orangen und hacken auch die klein, der weiße Fruchtkörper kann ggf. noch mit ins Beutelchen. Gemeinsam mit der Schale wird das Fruchtfleisch nun gewogen und mit dem Orangensaft auf ein Kilogramm aufgefüllt. Jetzt kommt alles – Orangenausbeute, Teefilter und Gelierzucker – in einen Topf und wird aufgekocht. Dann geben wir einige Spritzer Angostura dazu (15 vielleicht), während der Teefilter nach drei, vier Minuten heraus genommen wird. Kurz Gelierprobe machen: Jau, wird fest! Dann die Marmelade noch in Gläser füllen (vier Halblitergläser sollten reichen), abkühlen lassen und den Engländern eine lange Nase drehen.

IH

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Stadtkinder essen: Jiji‘s Tacos & Bowls

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Stadtkinder essen: Jiji‘s Tacos & Bowls


Mitten in der Altstadt, genauer gesagt, an der Ecke Schmiede- und Grupenstraße, befindet sich seit kurzem der neue Place to be für Insta-Babes und solche, die sich dafür halten: Jiji‘s Tacos & Bowls. An Instagram hängt unser Herz nicht so besonders, aber dafür an Essen umso mehr, weshalb der Laden natürlich dringend ausprobiert werden musste. Online sah das nämlich alles sehr hübsch und appetitlich aus, aber vielleicht hat da auch jemand einen Filter über die Bilder gelegt – wir werden es herausfinden.

Auf den ersten Blick stellen wir fest: Optisch macht der Laden eine Menge her. Im Boho-Stil eingerichtet, Möbel aus Bambus und Wasserhyazinthe, massenhaft Pflanzen wie Efeutute und Bogenhanf, Trockengräser und Makrameegedöns. Der feuchte Traum einer jeden freigeistigen Studienanfängerin und wirklich sehr instagrammable. Wir werden freundlich begrüßt und bekommen die Karte in die Hand gedrückt, die selbstverständlich auf einem Klemmbrett befestigt ist, macht man ja heute so. Apropos, macht man heute so: Auch hier gibt es dieses unsägliche Piepser-Verfahren: Man geht zum Tresen, bestellt, bekommt einen Piepser und wenn das Essen fertig ist, quiekt der Apparat und man muss sich seine Mahlzeit abholen. Ein ausgesprochen unsympathisches Konzept, das da immer mehr um sich greift, hat es doch rein gar nichts mit wirklichem Service zu tun, aber nun denn.

Wir dackeln also, nachdem wir unsere Auswahl getroffen haben, zurück zum Counter und bestellen: Pulled Chicken Quesadillas mit Avocadocreme, Cheddar und Zwiebeln (3 Stück 11,95 Euro), Cauliflower Bites Bowl mit Blumenkohl im Teigmantel, mit Reis, Kraut, Avocadocreme, Pico de gallo, eingelegten roten Zwiebeln, Frühlingszwiebeln und Nachotopping (13,50 Euro), überbackene Nachos mit Cheddar, Zwiebeln, Karotten-Joghurt-Creme und Avocadocreme (9,30 Euro) und, weil wir schon mal hier sind und Freitag ist, zwei Cocktails. Mai Tai und Mojito (je 7,95 Euro).

Der Piepser gibt uns bald darauf Bescheid und wir holen unser Essen ab. Wie auch der Rest des Ladens wirkt es optisch sehr ansprechend, jetzt geht es ans Testen. Erst mal die Cocktails: Hätten wir mal lieber eine Cola bestellt! Beide Getränke schmecken zu süß und nach Instantpulver, der sogenannte Mai Tai wird von einem penetranten Mandelaroma überlagert, während man beim Mojito nach Minzgeschmack suchen muss. Suchen muss man auch die Pico de gallo bei der Blumenkohl-Bowl, nur leider vergeblich. Eigentlich handelt es sich um eine Salsa aus gehackten Tomaten und frischen Kräutern. Auf unserer Bowl befindet sich aber eine, Pardon, rote Convenience-Schlempe, die im Geschmack an das erinnert, worin Baked Beans aus der Dose für gewöhnlich schwimmen. Die roten Zwiebeln sind nicht eingelegt sondern roh, der Reis ist in Ordnung, aber ungewürzt, für den Blumenkohl gilt das Gleiche. Der allerdings schmeckt, als sei der Frittiervorgang schon eine Weile her – und kaltes frittiertes Gemüse ist nicht gerade ein Hochgenuss. Alles in allem essbar. Die Quesadillas sind in Summe solide, wenn auch recht ereignislos. Auf die Idee, den Cheddar auf den Nachos zu verteilen, ist man hier nicht gekommen, ein Käseklumpen liegt zentriert auf den überraschend guten Chips. Tja.

Es gab mal einen bösen Spruch über die frühere Tennisspielerin Anna Kournikova: „Sieht gut aus, gewinnt selten.“ Lässt sich leider 1 zu 1 auf das Essen von Jiji‘s Tacos & Bowls anwenden. Aber es kann nicht immer Wimbledon sein, vielleicht haben wir einfach einen sehr schlechten Tag erwischt.

Wer sein Glück trotzdem versuchen möchte:

Jiji‘s Tacos & Bowls

Schmiedestraße 6

30159 Hannover

Di.-Do.: 12-14.30 Uhr, 17-21 Uhr

Fr.-Sa.: 12-23 Uhr

So.: 12.30-20 Uhr

IH

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Neu in der Stadt: Cool Blue & Hønest

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Neu in der Stadt: Cool Blue & Hønest


Coolblue

Das leuchtende Azurblau, das den niederländischen Elektronikhändler Coolblue kennzeichnet, kann ab November auch in der Hannoverschen Innenstadt erblickt werden. Auf rund 1.300 Quadratmetern wird das neue Geschäft in der Bahnhofstraße die Kund*innen aus 8 verschiedenen Produktwelten versorgen: ob Smartphones oder Laptops, Audioequipment, Fernseher und Gaming, Waschen und Trocknen oder Küchen- und Haushaltsgeräte. Mit dabei sind auch kostenfreier Kaffee oder Tee und eine Spielecke mit Bausteinen für die Kinder, um den Eltern eine ruhige Minute und einen freien Kopf für die Auswahl zu ermöglichen. Besonders definiert sich das Unternehmen über seine individuelle Beratung durch Expert*innen vor Ort. Außerdem betont Coolblue Germany Manager Urs Möller die Wichtigkeit davon, Produkte vor dem Kauf erleben und ausprobieren zu können, anstatt sie einfach nur online zu bestellen. Der nach eigenen Angaben am schnellsten wachsende Elektronikhändler in Deutschland begann seinen Ausbau in Niedersachsen Anfang dieses Jahres mit der Eröffnung eines neuen Logistikzentrums in Langenhagen. Dieses bietet Menschen in der Region einen Next-Day-Liefer- und Installationsservice für Haushaltsgroßgeräte und Fernseher. Das Geschäft in der Landeshauptstadt ist der natürliche nächste Schritt. Möller erklärt: „Als bedeutende Messe- und Technologiestadt bietet Hannover das ideale Umfeld für unser Konzept aus persönlicher Beratung, digitalen Services und Produkten zum Anfassen.“

Bahnhofstraße 8, 30159 Hannover. Store-Eröffnung Mitte November 2025.

Hønest

Wer am Aegi auf der Suche nach einer leckeren Tasse Kaffee und einem Snack für zwischendurch sucht, kann seit April bei dem kleinen aber feinen Café Hønest fündig werden. Der Laden im Scandi-Chic ist das zweite Geschäft von Inhaberin Seray Krause, die bereits das „Sweet & Hygge“ in der Südstadt betreibt. Hier geht es aber nicht um ausgedehnte Frühstücke und den gemütlichen Kaffeeklatsch, sondern die schnelle Mittagspause, die kleine Auszeit zwischen Terminen oder auch ein fixes Frühstück zum Mitnehmen. Deshalb hat der Laden auch nur unter der Woche geöffnet und schließt Samstags und Sonntags seine Türen. Die Inspiration für das Konzept bekam Krause bei einer Reise nach New York, bei dem sie die vielen kleinen Takeaway Spots im Financial District faszinierten. Mit dem Hønest möchte sie gesundes Superfood und leckeren Kaffee in den stressigen Arbeitsalltag vieler Menschen bringen. Atmosphärisch soll es aber trotzdem sein, weshalb das kleine Café mit Blick auf aktuelle Trends und minimalistisches Design eingerichtet wurde. Auf der Speisekarte stehen verschiedene Bowls, ob süß mit frischem Obst oder salzig mit Salat und Quinoa, und jeweils einer Reihe von Toppings. Außerdem gibt es belegte Sandwiches und eine kleine Auswahl an Gebäck wie Zimtschnecken und Bananenbrot. Unter den Getränken sind vor allem die saisonalen Matcha-Variationen der Renner. Bezahlt wird nur mit Karte, damit der Vorgang umso flotter ablaufen kann. Ganz nach dem Motto: „Wenn’s mal schnell gehen muss, aber trotzdem ehrlich gut sein soll.“

Breite Str. 2, 30159 Hannover. Mo-Fr 8-17 Uhr.

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Der besondere Laden: STEPS Kinderschuhe

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Der besondere Laden: STEPS Kinderschuhe


Unter dem Motto „Wir leben Kinderschuhe“ bringen Sabine Kücken und ihr Team schon seit 15 Jahren Kinder- und Elternaugen zum Leuchten. Mit sorgfältiger und individueller Beratung versprechen sie, auf die verschiedenen Bedürfnisse ihrer kleinen Kund*innen einzugehen und so das ideale Schuhwerk für jeden Fuß zu finden.

Bei STEPS Kinderschuhe ist nicht nur für jeden Geschmack etwas dabei, sondern auch für jede Größe und Passform. Das umfangreiche Sortiment am Lister Platz und in der Südstadt ist voller namhafter Kinderschuhhersteller sowie auf höchste Qualität und die Individualität der Kund*innen ausgelegt. „Die große Auswahl ist, was uns ausmacht“, so die Inhaberin. Vor allem die Marken „Affenzahn“ und „froddo“ sind laut Frau Kücken bei den Kindern sehr beliebt. Neben Hausschuhen, Gummistiefeln, Leder- und Gymnastikschläppchen sind im Sortiment von STEPS auch Badeschuhe, Hallenturnschuhe, Strümpfe und Strumpfhosen, aber auch Einlegesohlen und Pflegemittel vertreten. Viele der Modelle sind auch für Orthesen geeignet. „Egal, ob jemand einen Barfußschuh oder einen konventionellen Schuh haben möchte – wir finden etwas Passendes.“

Die Idee zu STEPS ist der Hannoveranerin gekommen, als sie selbst Kundin eines Schuhgeschäfts in Nordrhein-Westfalen gewesen ist. „Die Schuhverkäuferin dort wusste ganz genau, was an welchen Fuß passt und hat gezielt die richtigen Schuhe rausgesucht. Das war für mich so ein Schlüsselerlebnis, dass ich gesagt habe ‚Das brauchen wir in Hannover auch, aber für Kinder!‘“.

Da Kinderfüße noch sehr weich und formbar sind, ist es besonders wichtig, sie regelmäßig nachzumessen. Nur so kann der ideale Schuh für ein gesundes Fußwachstum gefunden werden. Bei STEPS wird hierfür das Weiten-Maß-System (WMS) verwendet, das auch zahlreiche Kinderschuhhersteller zur Orientierung nutzen. Das WMS-Gütesiegel wurde vom Bundesverband der Deutschen Schuhindustrie initiiert und belegt neben kinderfußfreundlichen Passformen auch Qualitätsstandards hinsichtlich atmungsaktiver und schadstofffreier Materialien. „Damit unsere kleinen Kund*innen von gesunden Füßen durchs Leben getragen werden.“

Bei ihrer Arbeit ist es Sabine Kücken besonders wichtig, dass sich alle in ihren Kinderschuhgeschäften wohlfühlen. „Wir konzentrieren uns komplett auf die Kinder und ihre Bedürfnisse“, betont sie. „Es gibt Kinder, die rufen einem in der Tür schon entgegen, welche Schuhe sie haben möchten, und es gibt Kinder, die sich ganz schüchtern hinter ihren Eltern verstecken. Wir passen uns immer gerne an.“ Die Ladeninhaberin ist selbst Mutter und kennt die Probleme, die beim Schuhkauf mit Kindern auftreten können. „Die Kinder sind vielleicht auch mal müde, haben keine Lust oder müssen mit der Situation erst vertraut werden.“ Hierfür gibt es bei STEPS jede Menge Möglichkeiten, das Ausmessen der Füße mit Spaß zu verbinden. In einer kleinen Spielecke liegen Kinderbücher und ein paar Spielsachen, mit denen sich die Kinder beschäftigen können, während Frau Kücken oder eine*r ihrer Mitarbeiter*innen sich die Füße ansehen. „Wir wünschen uns, dass die Kinder genau so viel Freude bei uns haben wie wir an unserem Job!“

Und das Konzept funktioniert: Die Inhaberin berichtet mit einem breiten Lächeln von Kund*innen, die schon seit 10 Jahren oder länger regelmäßig zum Schuhkauf in eines ihrer Geschäfte kommen und denen sie dadurch beim (Auf-)Wachsen zusehen kann. „Es gibt so viele tolle Geschichten von schönen Momenten hier im Laden. Ich könnte ein Buch darüber schreiben.“ Aus dem einstigen Schlüsselerlebnis ist längst eine tiefsitzende Leidenschaft geworden, die Sabine Kücken und ihr Team tagtäglich mit ihren kleinen Kund*innen teilen. „Das Arbeiten mit den Kindern ist jeden Tag aufs Neue eine bunte Tüte voll einzigartiger Augenblicke – eine Freude, die ich gar nicht richtig beschreiben kann!“

Laura Druselmann

STEPS Kinderschuhe

Standort List:

Podbielskistr. 8 / Lister Platz, 30163 Hannover

Tel.: 0511 64078070

E-Mail: info@steps-kinderschuhe.de

Standort Südstadt:

Im Haspelfelde 12, 30173 Hannover

Tel.: 0511 89865688

E-Mail: info@steps-kinderschuhe.de

Öffnungszeiten

Mo bis Fr: 10 bis 18 Uhr

Sa: 10 bis 14 Uhr

STEPS Kinderschuhe

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Editorial 07-2025

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Editorial 07-2025


Liebe Leserinnen und Leser,

diese Juli-Ausgabe ist für mich eine ganz besondere Ausgabe. Ich habe mich zum Titel-Interview mit Erwin Schütterle getroffen. Viele werden Erwin kennen als Kanapee-Gründer und Freundeskreis-Geschäftsführer. Ich habe ihn 2007 kennengelernt. Und das war damals für mich zuerst ziemlich skurril. Ich bekam nämlich einen kurzen Anruf im Büro und mir wurde gesagt, dass ich in ein paar Minuten einen Termin hätte. Am anderen Ende ein Mann, dessen Name mir auf die Schnelle gar nichts sagte. Aber es klang wichtig und irgendwie auch unausweichlich. Und dann saß auch schon Erwin bei mir im Büro und ich war ein bisschen misstrauisch. Wenn man so ein Stadtmagazin gründet (im März 2005 ist die erste Ausgabe erschienen), und stellenweise noch ziemlich ahnungslos ist, dann sitzen relativ häufig Menschen mit einer „sehr guten Idee“ vor einem im Büro – und diese Ideen kosten dann meistens eine Menge Geld. Also bleibt man freundlich distanziert, faltet die Hände und wartet ab.

Der sympathische und sehr freundliche Mann mit Schnurrbart und Brille, den ich für mich in die Schublade „Künstler oder irgendwas mit Kultur“ steckte, erzählte mir dann etwas von einem Bürgerverein namens Freundeskreis. Und klar, was mir im Kopf herumspukte während der ersten Minuten: Okay, ich muss jetzt also mal wieder irgendwo Mitglied werden – mal sehen, was der Spaß kosten soll. Dann aber nahm das Gespräch eine ganz andere Wendung. Während ich noch damit beschäftigt war, mir eine höfliche Ausrede zurechtzulegen, hörte ich etwas von einem Preis, den dieser Verein mir verleihen wollte. Ich war natürlich trotzdem weiter vorsichtig. Was für ein Preis? Für was? Und was würde ich für diesen Preis am Ende bezahlen müssen? Fragen über Fragen. Erwin ließ sich nicht davon beirren, dass bei mir nicht gleich Begeisterungsstürme ausbrachen. Für mein Stadtkind sollte ich den Preis bekommen. Wo war der Haken? Und gab es da nicht noch ein paar andere Stadtmagazine, viel länger am Markt, die bereits weitaus mehr für die Kultur in der Stadt geleistet hatten? Warum ich, warum nicht beispielsweise ein Reinhard Stroetmann? Es sei ihnen wichtig, die jüngste Pflanze zu gießen. Okay, gut, ehe ich mich schlagen lasse … Ich würde also demnächst einen Stadtkulturpreis bekommen. Als Erwin schon fast aus der Tür war, drehte er sich noch einmal um: „Ach ja, fast vergessen, der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert“, sagte er. „Aber das Geld ist nicht die Hauptsache, das wirst du noch sehen.“ Und dann war er draußen. Und ich habe ziemlich sprachlos „Stadtkulturpreis“ und „Freundeskreis“ gegoogelt.

Etwas später bekam ich dann tatsächlich diesen Preis verliehen, nach einer Laudatio von Erwin, während der ich ein paar Köpfe größer wurde. Und ich durfte dann sogar selbst ein paar Worte sagen vor der versammelten Stadtgesellschaft – mit arg begrenzter Redezeit. Ich vermute, man hatte damals doch gewisse Befürchtungen, dass ich mich politisch zu weit aus dem Fenster lehnen könnte. Immerhin war ich noch nicht so lange im Geschäft und darum auch noch nicht so richtig „auszurechnen“. Ich habe damals etwas zur Kulturlandschaft gesagt, was ich heute noch denke und was mich auch immer mal wieder umtreibt. „Kultur“, das meint in einer Stadt nicht nur die sogenannten Leuchttürme, die natürlich wichtig sind und darum gerne an die erste Stelle gestellt werden, unter Kultur summiert sich für mich eigentlich alles, was für Begegnung sorgt. Und da haben wir glücklicherweise in Hannover sehr viele kleine, strahlende Laternen, fast ein Lichtermeer. Wer das nicht glaubt, der kann gerne mal in unserem Online-Kalender (www.stadtkind-kalender.de) stöbern. Ich glaube, wir müssen heute mehr denn je darauf achten, diese vielen kleinen Laternen zu schützen und vor allem zu achten. Sie machen eine Stadt erst so richtig lebenswert. Und sie sind eine Basis unserer Demokratie.

Aber zurück zu Erwin und zum Stadtkulturpreis. Erwin hat absolut Recht gehabt. „Aber das Geld ist nicht die Hauptsache, das wirst du noch sehen.“ Nein, das Geld war nicht die Hauptsache. Ich bin noch heute Erwin und dem gesamten Freundeskreis zutiefst dankbar. Dieser Preis hat mir sehr viele Türen geöffnet. Das Stadtkind hat quasi über Nacht ungemein an Reputation gewonnen. Was auch daran lag, dass viele zum ersten Mal nicht nur kurz geblättert, sondern tatsächlich gelesen haben. Und dabei festgestellt haben, dass das Stadtkind gar kein Magazin für Kinder ist … Ich weiß gar nicht, ob dem Freundeskreis, diesem Bürgerverein, bei dem ich seit 2007 gerne Mitglied bin, eigentlich bewusst ist, was für großartige Impulse er bereits in die Stadt gesendet hat – und noch senden kann. Ich hoffe sehr, dass da noch ganz viel kommt. Schade, dass Barbara Sommer als Geschäftsführerin nach ganz großartiger Arbeit schon wieder aufgehört hat. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle!

Zurück zu Erwin. Er ist für mich nicht nur ein Wegbegleiter, er ist inzwischen ein sehr wichtiger Freund und Vertrauter. Und immer wieder auch ein harter Kritiker. Dafür muss ich mich wahrscheinlich am meisten bedanken. Echte Freunde sprechen aus, was andere nur denken, aber niemals direkt sagen. Das ist das Gegenteil von Erwin. Er trägt das Herz auf der Zunge. Und das schätze ich sehr. „Lars, alles gut, aber der offene Brief auf Seite 12, das war scheiße, das kannst du so nicht machen …!“

Erwin ist jemand, der durchaus auch polarisiert. Und der „nervt“, mit immer neuen Ideen (insbesondere Menschen, die selbst keine besonders spannenden Ideen haben). Erwin kann wunderbar wütend und laut werden, wenn ihm etwas nicht gefällt, aber vor allem, wenn er etwas ungerecht findet. Man kann sehr gut mit ihm streiten. Man kann sich mit ihm auch sehr gut wieder vertragen. Erwin kann außerdem herrlich schwärmen. Und er kann – was ich am meisten schätze – unfassbar ausufernd ins Träumen geraten. Ich würde sehr viel dafür geben, auch nur einen Tag in einer Stadt leben zu dürfen, wie Erwin sie sich erträumt. Wie wichtig Menschen wie Erwin für eine Stadt sind, für unsere Gesellschaft, das kann man gar nicht genug herausstellen und wertschätzen. Mein Freund Erwin Schütterle wird am 17. Juli 81 Jahre alt und ich Wünsche ihm von Herzen alles Gute. Und ich wünsche ihm und uns, dass er noch viele Jahre hat, um all die Ideen umzusetzen, die noch unerledigt sind. Das wäre ein Geschenk für Hannover! Danke Erwin!

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