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Ehrenamtliches Engagement: Frauen-Treffpunkt e.V.

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Ehrenamtliches Engagement: Frauen-Treffpunkt e.V.


Hilfe zur Selbsthilfe leisten – das ist die Grundlage, auf der die Arbeit des Frauen-Treffpunktes basiert. Die Räumlichkeiten in der List sind eine Anlaufstelle für alle Frauen, die mit alltäglichen, aber auch tieferliegenden Sorgen und Problemen zu kämpfen haben. „Wir bieten einen Schutzraum, einen sicheren Ort, an dem wir den Frauen zuhören, ihnen glauben und sie unterstützen.“

Gegründet vor 40 Jahren leistet der Frauen-Treffpunkt bis heute Stabilisierungsarbeit für Frauen in allen Lebenslagen. In geschützten Räumen gibt es die Möglichkeit, einzeln oder in Gruppen mit Themen wie Gewalterfahrungen, Trennung und Scheidung, Depressionen, Burnout oder auch der weiblichen Identität zu arbeiten. „Oftmals ist es so, dass sich die Frauen an uns wenden, wenn es eigentlich schon gar nicht mehr geht“, berichtet Sanna Kennett, Diplom-Sozialpädagogin und Mitarbeiterin des Frauen-Treffpunktes. „Unsere oberste Priorität ist dann, den Frauen Halt zu geben und Schritt für Schritt, ohne Erwartungsdruck voranzugehen.“ Individuelle Beratungstermine können neben Deutsch auch auf Englisch, Ukrainisch und Russisch stattfinden.

Darüber hinaus erstreckt sich die Arbeit des Frauen-Treffpunktes von Telefon- und Onlinesprechstunden, über Gruppenangebote wie einem offenen Treff für Frauen mit Essstörungen, einem Kunstatelier sowie Tanz- und Kampfsportkursen, bis hin zu einem Pferdeprojekt und einem Treff für Natur und Kultur. „Wir geben den Frauen einen Raum, sich zu entwickeln – auf ganz vielen Ebenen“, so Beate Schacht, Diplompsychologin aus dem Team der Beratungsstelle. Es sei wichtig, dass die Frauen auch Spaß haben, ihr Selbstbewusstsein (wieder-)erlangen und Selbstwirksamkeit lernen. Während eines Kampfsportkurses ein Holzbrett mit den bloßen Händen zu zerschlagen habe zum Beispiel eine Wirkung darauf, wie die Frauen ihren eigenen Wert wahrnehmen. „Sie merken: Ich kann Dinge verändern. Und das überträgt sich auf ihren Alltag“, erläutert Kennett.

Der Frauentreffpunkt sollte allerdings nicht als Therapiezentrum missverstanden werden. Vielmehr bieten die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle, wenn nötig, übergangsweise eine Beratung an, bis ein Therapieplatz gefunden wurde und wahrgenommen werden kann. Auch bei der Suche nach dem passenden therapeutischen Ansatz und dem Verfassen von Anträgen, beispielsweise auf Opferentschädigungshilfe, steht der Frauen-Treffpunkt zur Seite. Für das Frauenhaus „Frauen helfen Frauen e.V.“ werden zudem Sachspenden unter anderem in Form von Bettwäsche und Handtüchern oder auch Kinderspielzeug gesammelt.

Neben der Unterstützung, die vom Frauen-Treffpunkt nach außen strahlt, sind finanzielle oder materielle Hilfen von Außenstehenden von großer Bedeutung, um die Arbeit der Beratungsstelle weiterhin zu gewährleisten und auszubauen. Ein Förderverein besteht bereits, „damit wir den Frauen, die hierher kommen, und ihren Kindern in Notlagen sofort helfen können“. Der Hauptanteil der Finanzierung des Vereins besteht allerdings aus öffentlichen Geldern. Da regelmäßig zur Debatte steht, freiwillige Leistungen der Stadt zu kürzen, kommen in den Reihen des Frauen-Treffpunktes Sorgen auf. „Das raubt wirklich Energie!“ Energie, die in wertvolle Arbeit mit Frauen investiert werden könnte, die die Beratung in Anspruch nehmen. „Wir wollen jeder Frau, die zu uns kommt, helfen und wieder Hoffnung geben können. Wir wollen zeigen: Das ist nichts Endgültiges und ich habe immer selbst den Schlüssel in der Hand, die Dinge anzupacken und zu verändern.“

Laura Druselmann

Frauen-Treffpunkt e.V.

Jakobistraße 2, 30161 Hannover

Tel.: 0511 332141

E-Mail: info@frauentreffpunkt-hannover.de

www.frauentreffpunkt-hannover.de

Instagram: frauentreffpunkt_hannover

Telefonische Sprechzeiten:

Di: 10 bis 12 Uhr

Do: 17 bis 19 Uhr

Sprechstunden vor Ort (mit Terminabsprache):

Di: 17 bis 18.30 Uhr

Do: 11.30 bis 13 Uhr

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Ehrenamtliches Engagement: Lions Malstudio Hannover e.V.

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Ehrenamtliches Engagement: Lions Malstudio Hannover e.V.


Mitten im Stadtzentrum, verborgen hinter tristen Fassaden liegt ein Ort, an dem Farben vermeintlich zum Leben erwachen. Seit 48 Jahren bietet das Lions Malstudio hier Kurse an, in denen Senior*innen die Möglichkeit bekommen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Von Öl- und Aquarellmalerei, über Acryl- und Mischtechniken bis hin zu Zeichnen und Kolorieren wird eine bunte Palette an Malgruppen geboten.

Gemeinsam kreativ werden, einander inspirieren und etwas Schönes schaffen – das ist es, was das Lions Malstudio seinen Mitgliedern verspricht. Auch die Vorstandsmitglieder sind selbst in Malgruppen aktiv. „Wenn ich nach meinen Kursen nach Hause gehe und es ist ein schönes Bild entstanden, bin ich ganz beseelt“, strahlt Rita Scribelka, zweite Vorsitzende des Vereins. Das Malen im Lions Studio sei nicht nur eine schöne Freizeitbeschäftigung, sondern verändere auch den Blick auf die Umgebung. „Ich sehe die Welt in Bildern und bin auch ein bisschen offener für das, was mich umgibt“, so Linda Mull, Vorstandsbeisitzerin. Die Schönheit auch in den kleinen Dingen im Alltag zu entdecken, mache deutlich zufriedener, denn „bei uns darf man sich künstlerisch richtig ausleben“.

Für einen jährlichen Beitrag von 240 Euro können die Vereinsmitglieder 40 Wochen im Jahr je zwei Stunden pro Woche unter professioneller Anleitung malen. Das ursprüngliche Konzept zielte darauf ab, dass Senior*innen von Studierenden der Kunsthochschule unterrichtet werden und auf kreativem Weg eine Brücke zwischen den Generationen gebaut wird. Inzwischen unterrichten im Lions Malstudio keine Studierenden mehr, sondern fünf erfahrene Dozentinnen aus verschiedenen Kunstrichtungen, darunter Künstlerinnen aus der Ukraine, Serbien und Russland.

Während der Malgruppen steht nicht nur das kreative Schaffen im Fokus, sondern auch die Geselligkeit. Menschen ab 50 Jahren kommen zum Zeichnen oder Malen zusammen, lernen einander dabei kennen und können auf diese Weise auch ihre sozialen Kontakte pflegen. Neben Kaffee und Tee gibt es gelegentlich auch mal ein Stück Kuchen. „Was unsere Vereinsarbeit nämlich auch ausmacht, ist der gegenseitige Austausch und das Miteinander.“

Neben den regelmäßig stattfindenden Kursen werden außerdem gemeinsame Ausflüge unternommen. Wenn es zum Beispiel eine interessante Ausstellung in Hannover oder der Umgebung gibt, organisiert das Vorstandsteam einen Besuch für die Vereinsmitglieder. Und bei gutem Wetter geht es auch mal nach draußen: „Im Sommer waren wir mit der Aquarellmalgruppe am Steinhuder Meer und haben den Tag damit verbracht, die Umgebung künstlerisch wiederzugeben“, berichtet Mull.

Wer außerhalb der Kurszeiten mal einen Stil oder eine andere Maltechnik ausprobieren möchte, hat an Freitagen und Samstagen die Möglichkeit, einen Workshop im Lions Studio zu besuchen. Hier werden den Teilnehmer*innen beispielsweise Monotypie und Kohlezeichnungen nähergebracht. Dieses Angebot richtet sich an alle, die Interesse an einer künstlerischen Tätigkeit haben – ohne Altersbeschränkung und auch ohne Mitgliedschaft. Darüber hinaus kann in die regulären Malgruppen regelmäßig „reingeschnuppert“ werden.

Damit diese Angebotsvielfalt auch in Zukunft noch viele Senior*innen in Hannover für sich nutzen können, wünschen sich die Frauen aus dem Vorstand finanzielle Unterstützung für den Verein. Nur auf diese Weise sei es möglich, die Mitgliedschaftsbeiträge auf der aktuellen Höhe zu belassen. Auch, wer Interesse daran hat, Malgruppen oder Workshops anzubieten, sei im Lions Studio herzlich willkommen. „Wir freuen uns über alle, die zu uns kommen, Zeit bei uns verbringen, mit uns malen oder uns unterstützen.“

Laura Druselmann

Vernissage der jährlichen Ausstellung:

02.02.2025, 11 Uhr

Stadtteilzentrum Ricklingen

Lions Malstudio Hannover e.V.

Kurt-Schumacher-Str. 18, 30159 Hannover

Tel.: 0177 4946461

E-Mail: info@lionsmalstudio.clubdesk.com

www.lionsmalstudio-hannover.de

Instagram: lions_malstudiohannover

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Ehrenamtliches Engagement: Martina der Nachtengel

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Ehrenamtliches Engagement: Martina der Nachtengel


Martina ist der „Nachtengel“ für obdachlose Menschen in Hannover. Jede Nacht zieht sie mit heißem Tee und warmer Suppe durch die Innenstadt und kümmert sich um Bedürftige. Sie hört zu, spendet Trost und schenkt Hoffnung.

Seit rund zwölf Jahren ist Martina nachts auf den Straßen rund um den Hauptbahnhof unterwegs und hilft denen, die auf der Straße leben. Sie kocht jeden Tag selbst in ihrer kleinen Dachgeschosswohnung und macht sich gegen 20 Uhr auf den Weg nach draußen. Voll bepackt mit Suppentopf, Teekannen, Brötchentüten, Einweggeschirr und -besteck, Erste-Hilfe-Kasten, Wasserflaschen und gespendeter Kleidung zieht sie los: von der Lister Meile, vorbei am Weißekreuzplatz und Pavillon zum Hauptbahnhof. Viele kennen Martina schon seit einigen Jahren und freuen sich jede Nacht auf ihren Besuch.

Anfangs finanziert Martina alles selbst von ihrem Gehalt und hat zusätzlich zu ihrem Vollzeitjob als Wimperndesignerin noch einen Minijob. Sie arbeitet von 9 bis 18 Uhr, geht einkaufen, kocht zu Hause und zieht dann los. Mittlerweile erhält sie regelmäßig Sachspenden, wie zum Beispiel Brötchen, Gemüse oder Becher für Tee, sowie finanzielle Spenden.

Jede Nacht ist sie sechs bis sieben Stunden unterwegs und versorgt 70 bis 100 Obdachlose mit Essen, Trinken und warmen Worten. Aber auch warme Kleidung hat sie oft dabei, denn die wird gerade jetzt in den kalten Jahreszeiten dringend benötigt. Wenn der Tee ausgetrunken und die letzte Portion Suppe verteilt ist, kümmert Martina sich um Wunden und nimmt sich Zeit zum Reden oder um bei wichtigen Unterlagen und Arztterminen zu helfen. Ein- bis zweimal im Monat wird sie von einer befreundeten Ärztin unterstützt, die bei schwerwiegenden Verletzungen und Krankheiten helfen kann.

Martina kämpft jeden Tag und jede Nacht für „ihre Obdachlosen“, wie sie selbst sagt, und versucht, ihre Stimme zu sein. Doch sie weiß auch, dass sie allein nicht allen helfen kann: „Wenn ich könnte, würde ich sie alle aufnehmen, aber das geht leider nicht. Es würde viel helfen, Mecki 1 und Mecki 2 oder die Berliner Allee 8 durchgehend zu öffnen. Wir brauchen in Hannover mehr sichere und vor allem warme Schlafplätze.“ Auf die Frage, wie man die Situation der Obdachlosen bei uns in der Stadt außerdem verbessern könnte, hat Martina eine klare Antwort: kostenlos Stadtbahn und Bus fahren, damit sie zum Beispiel in Notunterkünfte fahren können, die außerhalb der Innenstadt liegen. Außerdem wäre es wichtig, dass Obdachlose auch ohne Krankenversicherung in Krankenhäusern behandelt werden.

Auch, wenn man als einzelne Person nicht die Welt verbessern kann, wünscht sich Martina von uns allen etwas mehr Empathie und Hilfsbereitschaft für unsere Mitmenschen. „Wir alle können bei uns zu Hause anfangen. Helft euren Eltern oder wenn ihr wisst, dass im Haus eine alleinstehende Dame oder ein einsamer Opa wohnt, fragt diese, ob sie Hilfe brauchen. Haltet anderen die Tür auf und schaut genau hin, ob jemand Hilfe benötigt. Mit solchen Kleinigkeiten kann man die Welt immer ein kleines bisschen besser machen. Und habt Mitleid. Viele sagen, das sei ein schlechtes Wort, aber das finde ich nicht. Wir alle sollten Mitleid haben und dankbar dafür sein, was wir haben. Denn für das, was wir haben,selbst wenn es nur ein kleines Zimmer oder ein Bett ist, beten andere jeden Tag.“

Laura Druselmann

Spendenkonto

DE70 2555 1480 0313 2797 39

(Für eine Spendenquittung bitte Anschrift angeben)

Instagram:

nachtengel.hannover

martina_der_nachtengel

Facebook: nachtengel.hannover

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Randgruppenbeleidigung: Genusskaputtquatscher

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Randgruppenbeleidigung: Genusskaputtquatscher


Ein Sonnenuntergang. Der feine weiße Sand ist noch warm vom Tag, türkisblaue Wellen spülen rhythmisch an den Strand und im Glas mit dem Tequila Sunrise klimpern die Eiswürfel. Es könnte nicht besser sein, es ist geradezu perfekt. Da: „Börps!“ Ein Rülpser zerschmettert die Schönheit des Augenblicks. „’Tschuldigung. Das ist wegen dieses blöden Granatapfelsirups. Ohne den wär der Cocktail besser.“ Szenenwechsel. Am Esstisch. Ein Mahl ist aufgetragen. Es riecht gut, schmeckt gut, sieht schön aus und ausnahmsweise ist nicht mal der Tellerrand bekleckert. Der Wein korrespondiert hervorragend. Dann: wichtigtuerisches Schmatzen am Weinglas. Ein Bissen wird abgeschnitten, beschnüffelt, in den Mund geschoben und gekaut. „Mh-hm“ zur Kenntnis nehmend, aber doch auch irgendwie wertend. „Ja gut, ich persönlich hätte jetzt keinen Riesling genommen. Bisschen spitz, oder? Das Fleisch ist natürlich okay von der Garstufe her, aber ich weiß nicht, vielleicht wär ein Augenblick kürzer irgendwie besser gewesen. Schade auch, dass es keinen Romanesco gab. Also, der Brokkoli ist natürlich gut, aber ich frag mich, ob’s mit Romanesco nicht vielleicht etwas runder… verstehst du? Aber so in der Kombination mit der Sauce -– echt schön, doch, muss ich wirklich sagen. Die Säure braucht’s aber auch, ne? Das Brot ist gut, schön kurz im Biss!“ Erneuter Szenenwechsel. Man hört Musik. Das Stück arbeitet sich zum Klimax voran, die Band spielt perfekt, der Produzent hat einen tollen Job gemacht und im Mix die Stärken des Sängers eindrucksvoll herausgearbeitet. Der Text ist außergewöhnlich gut, man möchte fast weinen. „Versteh ich nicht. Kann sich doch keiner merken, warum macht man so was? Hätt‘ ich anders gemacht. Das Interlude ist auch viel zu lang. Da hören die Leute ja schon gar nicht mehr zu, wenn’s richtig los geht. Und Text… tja. Hab ich jetzt gar nicht so richtig drauf geachtet. Ist aber auch egal.“

Wir sind uns einig, oder? Es gibt Menschen, denen gelingt es mit Leichtigkeit, einem jeden noch so kleinen Genuss kaputt zu quatschen. Oft noch nicht einmal mit böser Absicht, sie hören sich einfach gerne reden und haben immer viel Meinung. Und die muss auch raus, ohne Rücksicht auf Verluste. Diese Idee „Wenn ich meinen Schnabel nicht halte, mache ich wahrscheinlich einen sehr schönen Moment kaputt“ kommt ihnen entweder gar nicht oder es ist ihnen schnurz. Es wird nicht genossen, es wird operiert, ja sogar seziert. Und zwar so lange und so ausgiebig, bis von jedem noch so tollen Augenblick, jeder noch so schönen Situation nichts mehr übrig ist. Gar nicht, weil ihnen nach Stunk machen oder gar Romantik zuwider ist. Und auch nicht, weil sie wirklich Lob oder fundierte und ergebnisorientierte Kritik von sich geben möchten. Nein! Einfach nur, weil sie die Fresse nicht halten können. Mit der Planierraupe durchs Wunderland, ohne die Vorfahrt zu achten. Wäre Schweigen vielleicht gerade Gold? Kann ich mich nicht glücklich schätzen, dass gerade mein größtes Problem ist, dass mir Granatapfelsirup nicht schmeckt? Was für ein schöner Moment, was für gutes Essen, was für ein tolles Lied – egal, ich hab eine Meinung, hier, pass auf! Niemand, wirklich niemand möchte diese Meinung hören. Auf keinen Fall in diesem Augenblick und sehr wahrscheinlich auch zu keinem späteren Zeitpunkt. Es gibt gute Gründe dafür, dass „genießen und schweigen“ oft und gern in Kombination verwendet werden. Zeit, das zu erkennen und zu beherzigen. Sonst könnte es schon passieren, dass der Eine genießt, wenn der Andere schweigt. Gegebenenfalls auch dauerhaft, wer weiß?! IH

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SK bewältigen den Alltag: Die Kräutermafia

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SK bewältigen den Alltag: Die Kräutermafia


Ich wollte schon immer mal gerne in Lebensgefahr sein. Schon seit ich ganz klein war. Wenn meine Eltern von irgendeiner Begebenheit erzählten, von irgendetwas, das ich angestellt hatte, fragte ich gerne: „Und? War ich dabei in Lebensgefahr?“ War ich nie. Nicht mal, als ein Ball, ein Werbegeschenk der Supermarktkette „Bonus“, auf die Straße rollte und ich ihn, kurz bevor ein Auto kam, zurückholte, gestand man mir den kleinen Nervenkitzel zu. „Das war keine Lebensgefahr,“ sagte mein Vater, „das war dumm.“ Bestimmt war ich aber schon ganz oft in Lebensgefahr, nur nicht aufmerksam genug, das auch mitzukriegen. Bis auf ein Mal, letzten Mai. Mein Freund und ich spazierten durch Tremé, einen Stadtteil von New Orleans, der sich nie so ganz von Katrina erholt hat, als urplötzlich keinen Meter neben uns eine Gruppe Männer auf einen anderen Mann einprügelte, ihn mit einer Waffe bedrohte und ihn immer wieder anschrie: „D‘ya wanna live?“ Das hätte ganz schön ins Auge gehen können, wenn ich in dem Moment so großmäulig gewesen wäre wie sonst immer.

Nun darf man mich nicht missverstehen, ich bin keineswegs ein Adrenalinjunkie. Weder klettere ich irgendwo hoch (nicht mal gesichert), noch springe ich von irgendwas runter. Kein Wrestling mit Rochen, keine kulinarische Jagd nach dem besten Fugu, nichts dergleichen. Wenn ich einen aufregenden Tod sterben sollte, wird er dergestalt sein, dass ich, im festen Glauben, es handele sich um eine zutiefst missverstandene Kreatur, das falsche Tier gegen dessen Willen an mich gedrückt und geküsst habe. Tiere küssen ist nämlich ein Hobby von mir und so ziemlich das Gefährlichste, was ich für gewöhnlich tue. Aber ich mag nun mal auch True Crime, je blutiger, desto besser. Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust, kann ich nicht leugnen.

Und eins davon begann kürzlich zu rasen. Und wie! Ich war nämlich fest überzeugt davon, dass mir jemand nach dem Leben trachtet, jawohl!

Der Grund dafür war… Petersilie!

Vor einigen Wochen fand ich vor dem Gebäude meines Arbeitsplatzes auf dem Rasenstück einige Stengel glatter Petersilie, die noch recht frisch aussahen. Ich dachte mir kaum etwas dabei, glaubte an kalte Platten-Deko von irgendeiner Weihnachtsfeier. Keine zwei Wochen später: Schon wieder Petersilie. Nicht gerade wenig! Ich fragte mich also: Wer kauft sich ein Sträußchen Petersilie, um es dann wegzuwerfen? Zu guter Letzt: Ein ganzes Bund! Und zwar direkt vor der Eingangstür, die im Grunde nur von drei Menschen benutzt wird.

Da ich weiß, dass unterschiedliche Blumen unterschiedliche Bedeutungen haben (rote Nelken stehen für Sozialismus, Orchideen für Fruchtbarkeit – der ganze Bums), habe ich mich gefragt, ob das auch für Gewürzpflanzen gilt. Und siehe da, es gibt einen alten Ausspruch: „Petersilie hilft dem Mann aufs Pferde und der Frau unter die Erde“. Kein Zweifel, ich soll also sterben! Ich bin in Lebensgefahr! Na endlich! Aber wer bedroht mich da? Meine Kollegin indes sah das anders, entweder alles Zufall oder ein missglückter Petersilienkimchiversuch. Ich aber wollte mich nicht damit abfinden, dass es nichts bedeutet. Ist das etwa eine Form von Voodoo? Vielleicht durch unseren ehemaligen Kollegen? Dem ist Einiges zuzutrauen! Oder ist Petersilie gar das vegane Äquivalent zu einem Schweinekopf? Habe ich es hier mit der Kräutermafia zu tun, die mich dafür meucheln will, dass ich behauptet hab, Koriandergrün schmecke so wie die Seife im Gästeklo meiner Oma riecht? Da bin ich ja wohl nicht die Einzige!

Das ist alles so aufregend, ich kann kaum an mich halten. Ich! Gejagt von Sergio Brokkoli (Mann fürs Grobe) und Emilio Petersilio (Drahtzieher)! Das kann man sich doch schöner gar nicht ausdenken. Mal schauen, was als Nächstes passiert. Zeugenschutz, ich komme! IH

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Stadtkinder streuen Gerüchte: Eine pragmatische Lösung

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Stadtkinder streuen Gerüchte: Eine pragmatische Lösung



So geht es absolut nicht weiter in der Ostsee! Ständig vergisst irgendein betrunkener Kapitän irgendeines Tankers den Anker, der dann den Meeresboden durchpflügt und diverse Kabel beschädigt. Die machen das bestimmt gar nicht extra. Man muss ja nicht allen Menschen gleich schlechte Absichten unterstellen. Okay, vielleicht gibt es ein paar schwarze Schafe, die Böses im Schilde führen. Und vielleicht ist der eine oder andere unterbezahlte Kapitän auch daran interessiert, das Kupfer aus den Kabeln zu verkaufen. Blöd, wenn er dann ein Glasfaserkabel erwischt. Aber das werden ja Ausnahmen sein. Die Krux ist, dass man als Kapitän gerne mal den Anker vergisst. Wer kennt das nicht? Und dann wundert man sich vielleicht, dass man ein bisschen langsamer unterwegs ist, bis man merkt, dass irgendwas am Haken hängt. Passiert. Und passiert vor allem, weil man die diversen Kabel am Meeresboden ja nicht sieht. Die sind meist im Schlamm verborgen, unsichtbar für die Kapitäne der Weltmeere, beziehungsweise der Ostsee. Was also tun? Okay, Xi Jinping und Wladimir Putin könnten mal ihren Kapitänen ins Gewissen reden. Weniger Alkohol, mehr Achtsamkeit. Aber man kennt ja diesen Schlag. Die senken schuldbewusst das Haupt, lassen den Ärger über sich ergehen, kratzen sich verlegen den Bart, aber wenn sie dann wieder unterwegs sind, die Nase im Wind, dann ist der Rüffel schnell vergessen. Es nützt also alles nichts, jetzt sind pragmatische Lösungen gefragt. Denn die Kabel sind ja wichtig, da hängt eine Menge Wirtschaftskraft dran. Und das alles ist ja auch eine Frage der Sicherheit. Freunde, die nicht miteinander kommunizieren können, sind im Zweifel allein, wenn ein Feind an die Tür klopft. Man hat natürlich schon einige Ideen durchgespielt. Abgerichtete Delphine als Wachhunde, Unterwasserdrohnen, die grundsätzlich alle Schiffe begleiten, die auf der Ostsee unterwegs sind, Stahlröhren, die die Kabel gegen Anker schützen. Aber die richtig große Lösung ist das alles nicht. Darum hat man sich nun entschlossen, einen ganz neuen Weg zu gehen. Schweden und Lettland werden demnächst das erste Überseekabel verlegen. „Wir arbeiten mit schwimmenden Masten, die auf dem Meer verankert werden. Das sind eigentlich ganz normale Freileitungsmasten, wie man sie vom Land kennt. Die sind dann auch für total besoffene Kapitäne gut sichtbar und wir können die gesamte Strecke dazu lückenlos überwachen, da reichen ja einfache Kameras. Wenn sich dann jemand an unseren Kabeln zu schaffen macht, werden wir das sofort registrieren“, so berichtet uns ein beteiligter schwedischer Ingenieur. Für deutsche Kabel ist das allerdings keine Lösung. „Wir würden allein für die Genehmigungsverfahren mehrere Jahrzehnte brauchen, weil bei uns natürlich sehr viele Bürgerinitiativen gegen so eine optische Verschandelung der Ostsee klagen würden“, so erklärt man uns am Telefon, wobei wir gar nicht genau wissen, ob wir bei dem richtigen Ministerium angefragt haben. Aber wahrscheinlich schon, es klingt ja plausibel. GAH

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