Marco Finkenstein, Zeichendozent aus Hannover, lässt sich von allem inspirieren, was ihm unter die Nase gerät. Ganz besonders schlägt sein Herz jedoch für das Fantasy-Genre. Deshalb begann er eines Tages seine eigene fantastische Welt zu Papier zu bringen und hält heute seine erste lange Comicerzählung in den Händen: „Maximillo und der Gloriogant“.
Seine künstlerische Reise startete bereits in seiner Kindheit. „Ich zeichne schon mein Leben lang. Von Kinderbildern, über Wettbewerbe und Werbung, bis hin zu Mathelehrern mit Gurkennasen“, erzählt er. Marcos Vorbilder in der Comicwelt sind zahlreich: Darunter unter anderem Carl Barks, der bekannteste Zeichner und Autor der Disney-Comics rund um die Familie Duck, Karikaturist Walt Kelly und seine „Pogo“-Comicstrips und Bill Watterson, der mit „Calvin und Hobbes“ eine Freundschaft zwischen Kind und Tiger aufs Papier brachte. Schließlich Jeff Smith, der amerikanische Zeichner und Autor der Fantasy-Reihe „Bone“, von dem sich Marco am meisten hat inspirieren lassen: „Inhaltlich ist mein Comic wohl der Welt von Jeff Smith am nächsten. Auch bei ihm gibt es kleine, eher unbedarfte Wesen, die in etwas Riesiges hineingeworfen werden. Im „Gloriogant“ geht es zunächst um Schrulliges und Obskures, dann öffnet sich das Tor ins Epische. Aus kleinen Zufällen wird plötzlich ein Gesamtbild, da lauert etwas hinter all dem Bunten. Und da geht dann richtig die Post ab.“ Im gleichen Atemzug verrät er, dass zwei Fortsetzungen geplant sind – dazu später mehr.
An Inspiration fehlt es Marco nicht, denn seine ganze Umwelt kitzelt kreative Ideen und Gedanken aus ihm heraus: „Mich inspiriert alles, von der Handseife im Waschbecken über zerknüllte Papierkugeln bis hin zu allem, was kreucht und fleucht.“ Hintergrunderzählungen und Charakterzüge kommen ihm mal ganz spontan in den Sinn, mal lassen sie ein wenig auf sich warten und entwickeln sich dann aber im Handumdrehen. So entstand die Figur „Maximillo“ in ihrer Rohform schon 2013. Nach vielen anderen Projekten wurde Marco schließlich von seiner Frau dazu bekräftigt, dieser Figur endlich ein eigenes Universum zu geben. Ab da begann Marco wie im Rausch, der Welt um Maximillo turbulentes Leben einzuhauchen. Gezeichnet habe er mit schwarzen Tuschestiften auf Papier, Vorzeichnungen mache er mit Bleistift. Dann werde die Zeichnung gescannt und in Photoshop nach seinem Geschmack koloriert. Nach 1.000 Arbeitsstunden war der erste Teil der Comicerzählung abgeschlossen. „Ein bisschen aufwendig war das schon“, berichtet Marco. „Organisiert habe ich das neben meinem Hauptjob als Zeichendozent so, dass ich einfach morgens um vier aufgestanden bin und dann gezeichnet habe. Zweieinhalb Jahre lang.“ Entstanden sind die Abenteuer um Maximillos Welt überall: in allen möglichen Cafés, an verschiedenen Stränden, in Hotelbars, auf dem Fußboden liegend und an knarzenden Tischen. In Hannover, Paderborn, Lübeck, Kiel, Rostock und Mailand. „Meine Frau kann sich mich überhaupt nicht mehr ohne einen ,Maximillo‘-Zeichenblock vorstellen.“
Was macht Marcos Fantasy-Welt so besonders? Für ihn ist Fantasy mehr als nur das Abrufen von Standards wie Elfen, Orks und Tolkien. „Fantasy heißt Spinnen, Fühlen, Erfinden“, sagt Marco. „Meine Welt quillt über vor seltsamen Kreaturen mit noch seltsameren Namen, alles ist irgendwie miteinander im Groove, es gibt so eine Lockerheit der Geschehnisse. Und manches ist einfach ungewöhnlich und unerwartet. Damit meine ich gar nicht so sehr die große ganze Gesamtheit der Story, sondern eher das kleine Extrazeug, was plötzlich ins Bild flupst.“ Das stimmt, denn auf ausnahmslos jeder Seite ist irgendeine, wenn auch kleine Kuriosität zu entdecken. Auch hat die Geschichte eine dezente politische Message, denn sie warnt vor zu viel Eitelkeit und Machtrausch und kann somit alle Altersklassen erreichen. „Für Kids und Verrückte!“, lacht Marco.
Momentan ist Marco auf Seite vierzehn des zweiten Bandes und kann somit ganz offiziell verraten, dass es nicht nur eine, sondern gleich zwei Fortsetzungen geben wird. Ihm gefalle jetzt schon der Schaffensprozess, das Sich-Freuen, das Handwerkliche und die innere Einkehr beim Zeichnen. „Bald werde ich auch den Titel des zweiten Buches verraten“, berichtet er, denn die komplette Story für Band zwei ist schon fertig. Jetzt freue er sich aber erstmal, dass sein Lesepublikum den ersten Teil in den Händen halten und in die Geschichte eintauchen kann. Ein kleiner Traum von ihm ist, „irgendwann mal Post von Lesenden zu bekommen, welche eine Psia, einen Maximillo oder den Glorioganten gezeichnet haben. Dann platze ich vor Glück.“ Also los, ran an die Comics und Stifte!
» Lilly Struckmeier



