Tonträger Juni 2026

Maite Kelly – „24/7“

Im Schlager ist die Welt noch in Ordnung. Liebe, Freundschaft, girls support girls, Durchhalteparolen und Sex. Allein in den ersten drei Songs hat Maite Kelly erstaunlich viel Sex, was bestimmt auch gut geht bei immer gleichem Beat und stoisch pumpender Bassdrum. Tja. Man muss diese Art von Musik schon aktiv gut finden wollen.

Melanie C – „Sweat“

Man stelle sich ein Jane Fonda-Aerobic-Video vor, textlich kommentiert von DJ Bobo, dann hat man’s ungefähr. Sackdoof stampfende Beats und dümmliche Motivationssprüche à la „take your chance, it’s time to dance“ oder solcher Quatsch. Einzig „One Track Mind“ hat Potenzial. Ein verdammt guter Song, der aber in Summe nichts reißt.

Foo Fighters – „Your Favorite Toy“

Deutlich angriffslustiger als sein Vorgänger „But here we are“ präsentiert sich das neue Werk mit neuem Drummer Ilan Rubin. Dabei wünschte man sich, vielleicht nicht ganz so oft angeschrien zu werden, irgendwann ist ja auch mal gut mit ostentativer Katharsis. Abgesehen vom bereits bekannten „Asking for a friend“ und dem sensationellen „Child Actor“ nur mittel.

Ringo Starr – „Long Long Road“

Der Mann ist sehr alt und er darf machen, wonach auch immer ihm der Sinn steht. Seit einiger Zeit ist das anscheinend Country. Auch wenn er mit der einen oder anderen Fab-Four-Referenz zurückblickt, klingt es, als fände Ringo sein Leben, so wie es jetzt ist, absolut spitze und es macht große Freude, ihm dabei zuzuhören.

Social Distortion – „Born to kill“

Endlich! 15 Jahre nach ihrem letzten Album schmeißen Mike Ness und seine Jungs was Neues auf den Markt. Oldschool-Attitüde trifft auf Eleganz und Hook trifft Hook trifft Hook. Ein besonderes Highlight dürfte der Honky-Tonk „Crazy Dreamer“ mit Lucinda Williams sein, während das Chris Isaak-Cover „Wicked Games“ wirklich nicht sein musste.

Thomas D – „Neocortex“

Es gibt wenig Schlimmeres, als wenn einem jemand auf spirituelle Art und Weise die Welt erklärt. Thomas D rappt hier ein ganzes Selbsthilfebuch, zwar mit Flow und bekannter musikalischer Qualität, aber doch lästig, während die wirklich schönen Storytelling-Momente wie in „Kurz zu mir“, „Auf Wiedersehen“ oder „Mein Nachbar“ leider zu kurz kommen.

V.A. – „We love Udo“ Das Udo Lindenberg Tribute-Album

Noch ein Album von der Sorte, na, darauf hat die Welt gewartet. Alles, was in der deutschen Musikszene Rang und Namen hat und ganz sicher ohne Udo völlig andere Wege eingeschlagen hätte, versammelt sich hier zur kollektiven Denkmalpflege. Während manche erwartungsgemäß farblos bleiben (Max Giesinger, Johannes Oerding, Michael Schulte oder Ina Müller), überbieten sich andere an Scheußlichkeiten. The Boss Hoss schunkeln sich unangenehm durch „Reeperbahn“ (nicht das „Penny Lane“-Cover, das andere), bei Thomas D. hofft man, der Sonderzug nach Pankow fährt durch bis Australien und Samy Amara und Deine Cousine – was hätte schön sein können – arbeiten sich bei „Horizont“ nervig aneinander ab. Positive Ausreißer sind Gentlemans Reggae-Version von „Eldorado“ und, man staune, „Na und?“ in der Interpretation von Tokio Hotel.

Madsen – „Smile“

Vielleicht ist das der Sound, den wir jetzt gerade brauchen. Wie immer treffen Madsen den kleinen, sensiblen Punkt zwischen Umarmung, Bestärkung und Eskapismus. Der letzte Longplayer „Hollywood“ schoss just an dem Tag auf Platz 1 der Albumcharts, da die Wendländer bei „Jamel rockt den Förster“ gegen Rechts auftraten. Das gibt einem ein bisschen Hoffnung. Ebenso wie die Tatsache, dass Madsen sich von dem gegen sie und den mitwirkenden Scheeßeler Kinderchor gerichteten Netz-Hass nach VÖ der Single „Auf die Barrikaden“ nicht einschüchtern ließen. Das ist exemplarisch für „Smile“. Du darfst durchhängen, du darfst auch straucheln, aber aufgeben darfst du nicht. Für alle, die lächeln, auch wenn ihnen gerade nicht danach ist: Madsens mittlerweile zehntes Album ist der Soundtrack zum Durchhalten.

» IH


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