Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht irgendwelche neuen asiatischen Foodtrends aus dem Digital gekrabbelt kommen. Seit einiger Zeit sind von Hand gezogene Nudeln das große, heiße und ziemlich lange Ding. Man stellt sich natürlich sofort eine Szene vor wie seinerzeit bei „Susi und Strolch“. Ob es tatsächlich auch so romantisch ist, so gut schmeckt und ob wir einen singenden Hundechor vorfinden würden, haben wir eruiert und waren in der zweiten, neueren Filiale des Changle Noodle Houses auf der Marienstraße. Deren Partnerfiliale ist schon seit längerem auf der Lister Meile zu finden und die Spezialität des Hauses sind eben nämliche Nudeln. Mit Pho oder ohne, warm, kalt, mit Gemüse und/oder Fleisch – jegliche denkbare Zubereitung. Wir fragen uns, ob der Hype berechtigt ist.
Zur Vorspeise gönnen wir uns frittierte Dumplings (5 Stück für 4,90 Euro) mit Schweinefleischfüllung, trinken ein Bier (0,33l für 4,90 Euro) und eine große Johannisbeer-Saftschorle (0,4l für 4,90 Euro) Innerhalb kürzester Zeit bekommen wir die Vorspeise serviert.
Die Dumplings sind knusprig und obwohl ein bisschen salzarm, schmecken sie doch recht gut. Wir können uns nicht ganz einigen, ob es sich um selbstgemachte oder gekaufte Ware handelt, was am Ende aber auch gar nicht so furchtbar wichtig ist. Während wir noch kauen, kommt schon eines unserer Hauptgerichte. Zum einen haben wir das zweifach gebratene Schweinefleisch mit Reis (15,90 Euro) bestellt und zum anderen natürlich das Gericht, weshalb wir hier sind: handgezogene Nudeln mit Salat, Gemüse, Hackfleisch und Five Spice-Würzung (13,90 Euro). Letzteres Gericht wird zuerst serviert, was ein bisschen ärgerlich ist. Wenn die Gerichte nicht zeitgleich kommen, wartet der Eine natürlich aus Höflichkeitsgründen auf den anderen und muss dann später lauwarmes Essen essen.
Nach einer gewissen Wartezeit wird dann auch das Schweinefleisch gebracht. Was sich als erstes bei beiden Gerichten herausgestellt: Das mit der Salzarmut zieht sich durch, generell ist das Würzen hier anscheinend verpasst worden, es schmeckt doch alles sehr… tja… naturbelassen. Leider ist auf dem Tisch weder eine Menagerie zu finden noch ist das Servicepersonal aufmerksam genug (wenn auch sehr freundlich) nachzufragen, ob alles in Ordnung sei.
Bei der Five-Spice-Gewürzmischung, die für die asiatische Küche typisch ist, schmeckt man am deutlichsten den Sternanis hervor, was das Ganze in Kombination mit den nahezu ungewürzten Restzutaten nach Nudeln mit Hustensaft schmecken lässt. Das zweifach gebratene Schweinefleisch ist, so soll es ja auch sein, ein bisschen gummig, ja fast toffeeartig klebrig. Handwerklich wirklich gut gemacht, dünn geschnitten, schön glasiert aber ebenfalls relativ geschmacksarm. Da sieht man mal wieder: Optik ist nicht alles.
Alles in allem sind wir zwar satt, besonders begeistert aber nicht. Nicht von der Einrichtung – statt der erhofften „Susi und Strolch“-Romantik hat das Changle eher Kantinencharakter – und das Signature Dish: Nun, letzten Endes sind es dann doch nur ein paar ungewöhnlich lange Eiernudeln (ohne Hundechor) für vergleichsweise viel Geld bei wenig Gewürzen. Hält sich unserer Meinung nach nicht die Waage, wiederkommen werden wir wohl eher nicht.
» IH
Changle Noodle House
Marienstraße 54
30171 Hannover
Di-So: 12-15 Uhr und 17-21.30 Uhr



