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Ein offener Brief an… Xavier Naidoo

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Ein offener Brief an… Xavier Naidoo


Mensch Xavier,

da biste ja wieder. Der Augenblick, auf den wir alle gewartet haben. Gut, vielleicht nicht alle. Aber die meisten! Also bestimmt der eine oder andere … wurscht, du bist zurück. Aber dass du dir ausgerechnet Köln ausgesucht hast für diesen Aufschlag – Berlin wäre doch viel passender gewesen. Im Reichstag! Schade auch, dass die Krolloper nicht mehr steht. Wie man hört, ließ es sich dort früher vortrefflich Heimatlieder schmettern. Machst du natürlich alles nicht mehr.

Du warst, wie du selbst sagtest, zwischenzeitlich vom Weg abgekommen, verblendet und was nicht noch alles. Deshalb hast du auch Dinge gesagt und getan, für die du dich heute schämst. Nicht ganz zu Unrecht! Sowohl Corona als auch den Holocaust zu leugnen … tja nun, das war vielleicht ein bisschen ungeschickt. Ein ganz kleines bisschen. Aber man muss auch mal Gras über so eine Sache wachsen lassen. Nein, Xavier, nicht dieses Gras. Obwohl, wenn‘s hilft, dann bitte.

Wo waren wir? Gras, ach ja. Die Menschen vergessen schnell. Vor gerade mal 28 Jahren hat irgend so ein Heini gemeint, Vergewaltigung innerhalb einer Ehe sei etwas gänzlich anderes als außerhalb einer Ehe und müsse deshalb nicht bestraft werden. Und stell dir vor: Genau diesen Heini hat man jetzt zum Kanzler gemacht. Kannste dir nicht ausdenken, so was. So schnell vergessen die Menschen! Damit wollten wir jetzt nicht sagen, dass du mit deinem Comeback bitte noch 23 Jahre warten sollst; wobei, doch, eigentlich schon. Sowohl wir finden das als auch bestimmt die „sogenannten Juden“, die du beleidigt hast, aber das muss man ja nicht so grob formulieren. Eher so: Dieser Weg wurde dir wirklich leicht gemacht, er hätte steiniger und schwerer sein sollen, um dich mal zu zitieren.

Da hast du ganz schön Glück gehabt. Andererseits, das wirst du uns zugestehen, fällt es schwer, an Koinzidenz zu glauben: Das Land befindet sich in … na ja … diesem Zustand und da kommt ein wegen Volksverhetzung angeklagter Popsänger aus der Versenkung und – aber ja, entschuldige, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Du hast natürlich völlig Recht, man muss Werk und Künstler voneinander trennen. Das haben wir von Morrissey und Roger Waters auch schon so gehört. Habt ihr Drei euch ja fein ausgedacht in eurem Antisemitismus-Club! Nur, Xavier, ist es doch so: Du hast früher mal schöne Lieder geschrieben (und wenn du uns ein bisschen Zeit gibst, fällt uns bestimmt auch eins ein) und danach hast du dann doofe Sachen gesagt. Damit trennen wir doch ganz eindeutig Werk und Künstler. Das schöne Lied (dieses eine, Moment noch, gleich haben wir‘s) geht in Ordnung, wir finden aber nicht, dass wir 60 Euro aufwärts von unserem schwer verdienten Geld ausgeben sollten, bloß damit du im emotionalen Überschwang den Großen Diktator geben kannst.

Aber wir wollen nicht ganz so unversöhnlich enden. Denn weißt du, was wir richtig, richtig gut von dir finden? Dass du dich in Köln um die Sache mit dem Stadtbild kümmerst, die der Kasper (s.o.) da neulich angestoßen hat. Alle Krachlatten, die sonst frei rumlaufen würden, sind nämlich bei dir in der Lanxess Arena. Davor ziehen wir unseren Aluhut und sagen herzlichen Dank, deine Stadtkinder.

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Tonträger Januar 2026

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Tonträger Januar 2026


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Bandporträt Januar 2026: MANTRA

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Bandporträt Januar 2026: MANTRA


MANTRA machen Jazz auf ihre ganz eigene Art. Kürzlich veröffentlichten sie ihr Debütalbum „In Motion“, das die Unruhe und Energie ihrer Generation widerspiegelt.

MANTRA – das sind Valentin Seidl als Songwriter und Pianist, Linus Hutzler am Bass und Dejan Hauch am Schlagzeug.

Valentin und Linus sind beide in Bayern aufgewachsen und haben sich an der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl kennengelernt, wo sie beide eine zweijährige Ausbildung zum Ensemble- und Chorleiter absolvierten. 2022 zogen beide nach Hannover, um im Bereich Popular Music der Hochschule für Musik, Theater und Medien zu studieren. Hier trafen sie auf Dejan, der nach einem Vorstudium an der Glen Buschmann Jazz-Akademie in Dortmund ebenfalls an die HMTMH kam.

Die Musik begleitet alle drei seit der Kindheit. Linus begann auf Wunsch seiner Eltern mit Blockflötenunterricht, wechselte später zur Gitarre und zum Bass, nahm zeitweise Geigenunterricht und spielte in der Bigband und im Orchester seiner Schule. Valentin wuchs in einer musikalischen Familie auf, sein älterer Bruder ist Schlagzeuger – gemeinsam machten sie früh Musik. Auch Dejan kommt aus einer musikalischen Familie.

Obwohl sie Popmusik studieren, machen sie gemeinsam Jazz. Oder genauer: Musik, in der Jazz, Pop und Rock zusammenfinden. Ihre Mission sei es, die Welten miteinander zu verbinden. Valentin schreibt gerne „Songs, die diese ganzen Jazzelemente wie Improvisation und das Zusammenspiel haben, sich aber mehr auf Melodien zentrieren als der klassische Jazz.“ Dabei soll Jazz mit Ohrwurm-Potenzial entstehen. „Ich habe jetzt schon mehrfach mitbekommen, dass Leute einen Ohrwurm von unseren Songs hatten, Das hat mich immer extrem gefreut, weil das eigentlich genau das Ziel ist“, sagt er.

Nach zwei Jahren gemeinsamer Arbeit, veröffentlichte das Trio 2024 ihre erste gemeinsame EP „The Quiet Mind“ mit fünf Songs. Im November 2025 folgte nun das Debütalbum „In Motion“. Der Titel „In Motion“ steht dabei sowohl für den Sound und die Art, wie MANTRA Musik macht – kreativ und offen für Neues – als auch für die Lebensphase der drei Musiker. „Ich glaube der Titel ist ein ganz guter Oberbegriff. Unsere Generation ist irgendwie ein bisschen lost und verwirrt, weil einfach so viel passiert, zum Beispiel in der Politik. Außerdem ist die Phase von 20 bis 25 auch eine, in der privat extrem viel passiert. Manchmal merke ich erst nach dem Schreiben, dass ich dieses Gefühl der Verwirrtheit und das Chaos in den Songs ein bisschen verarbeite“, sagt Valentin. „Ich glaube ‘In Motion‘ steht für ganz viele Gefühle und Gegensätze: Durcheinander, Ruhe und vor allem dafür, in dem ganzen Chaos Balance zu finden“, ergänzt Linus.

Ein Highlight ihrer bisherigen Karriere war das Releasekonzert im Jazzclub Hannover. In Zukunft würden sie gerne in weiteren großen Jazzclubs in Deutschland spielen. Doch als junge, selbstorganisierte Band ist das mit viel Arbeit im Hintergrund verbunden. Bisher kümmern sie sich selbst um alles: Bookings, PR, CD-Produktion und ihre Präsenz in den sozialen Medien. Für Proben und Aufnahmen kommt ihnen ihr Studium zugute, denn sie können dafür die Räume der Hochschule nutzen.

Langfristig möchte die Band bei einem Label unter Vertrag kommen, auf Festivals wie der Jazzwoche spielen und offen bleiben für neue Konstellationen: andere Instrumente, Features und vielleicht Gesang.

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Gründungsstory Januar 2026: All About Midlife – Wie zwei Gründerinnen die zweite Lebenshälfte neu definieren wollen

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Gründungsstory Januar 2026: All About Midlife – Wie zwei Gründerinnen die zweite Lebenshälfte neu definieren wollen


Eine Milliarde Frauen weltweit werden im Jahr 2030 in den Wechseljahren sein. Zwei Drittel von ihnen kämpfen schon heute mit Beschwerden – körperlich, emotional, hormonell. Viele schweigen, viele suchen vergeblich nach kompetenten Ansprechpartner*innen. Für Constanze Stock und Katja Ohly-Nauber ist genau das ein unhaltbarer Zustand. Mit ihrem Startup ALL ABOUT MIDLIFE wollen sie „die weibliche Lebensmitte radikal neu definieren“ – hin zu mehr Gesundheit, Selbstbestimmung und einem neuen, positiven Narrativ über diese Lebensphase.

Die Plattform, die die beiden im März 2025 gegründet haben, verbindet Wissen und Praxis aus Physiotherapie, Ernährung, Beckenbodentraining und Hormoncoaching mit einer aktiven Community. Constanze bringt ihre Expertise als Fitness-Trainerin, Ernährungsberaterin und Atemtherapeutin ein, während Katja als Holistic Health & Wellbeing Coach mit Ausbildungen in Hypnose und Mindset-Arbeit Frauen mental stärkt. Ihr Ziel: Frauen durch eine oft turbulente Zeit begleiten – klar, kompetent, nahbar.

Eine Idee, die aus Erfahrung gewachsen ist

Die Entscheidung zur Gründung fiel zwar erst 2025, doch im Grunde arbeiten die beiden schon seit 15 Jahren auf dieses Projekt hin. „Unsere beruflichen Wurzeln liegen in der Wirtschaft – wir kennen Führungspositionen, aber auch die Bedürfnisse von Frauen in herausfordernden Lebensphasen“, sagt Katja. Mit ihrem ersten „Business-Baby“ LAUFMAMALAUF brachten sie bereits über 100.000 Frauen in Bewegung – ein Erfolg, der deutlich zeigt, wie sehr ihnen Frauengesundheit am Herzen liegt.

Jetzt widmen sie sich der Lebensmitte. „Wir wollen, dass Frauen die körperliche Umstellungsphase stark und energiegeladen durchlaufen“, ergänzt Constanze. ALL ABOUT MIDLIFE kombiniert dafür vier Komponenten: Digital Education, Tracking, Austausch und Telemedizin, gegliedert in die Bereiche Food, Move und Mind. Es geht um Aufklärung, praktische Umsetzung – und darum, endlich über Themen zu sprechen, die lange tabuisiert waren: von Hormonen über Achtsamkeit bis hin zu Sexualität.

Mehr als ein Kurs – ein Kompass für die Lebensmitte

Die Plattform versteht sich nicht als klassisches Online-Programm, sondern als Begleiterin durch eine Zeit, die oft mit Unsicherheit verbunden ist. „Wir sind ein Kompass für eine Lebensphase, die häufig von Tabus, Unwissen und Isolation geprägt ist“, erklären die Gründerinnen. Ihr Angebot reicht von 30 thematischen Kurseinheiten über Workout-Videos, einen dreiwöchigen Trainingsplan, Ernährungspläne mit Kochvideos, ein Rezept-E-Book, Mindset-Tools, Hypnosen und Meditationen bis hin zu digitalen Workbooks, Checklisten und Habit-Trackern.

Wer einsteigen möchte, kann zwischen einem dreiwöchigen Starter-Kurs und dem umfassenden 360°-Online-Kurs über neun Wochen wählen. Einmal gebucht, bleibt der Zugang lebenslang – und wer nicht zufrieden ist, bekommt innerhalb von 14 Tagen sein Geld zurück.

Doch die Gründerinnen denken größer. Immer häufiger werden sie von Unternehmen angefragt, um für das Thema Frauengesundheit am Arbeitsplatz zu sensibilisieren. „Das wird oft unterschätzt, hat aber massive Auswirkungen auf Zufriedenheit und Bindung“, betonen sie. Ihre Vorträge sind inzwischen stark nachgefragt.

Unterstützung durch hannoverimpuls: „Eine echte Möglichmacherin“

Auf ihrem Weg begleitet sie hannoverimpuls – und zwar mit spürbarem Engagement. „hannoverimpuls ist für uns eine echte Möglichmacherin“, sagen Constanze und Katja. Über das Female Startup Mentoring Programm erhalten sie Zugang zu einem starken Netzwerk, Workshops, Mentorinnen und gezielter Unterstützung beim Geschäftsmodell. Auch Wettbewerbe wie Startup-Impuls oder die „Höhle der Karpfen“ brachten große Sichtbarkeit.

Besonders wertvoll sei jedoch die Haltung: „Es geht nicht nur um Beratung, sondern um echtes Mitfiebern und Mitdenken – ein partnerschaftliches Miteinander, das uns enorm vorangebracht hat.

Dass die Energie der beiden im Netzwerk ankommt, bestätigt auch Vivica Bree, Leiterin Gründerinnen-Consult bei hannoverimpuls: „Zwei starke Frauen, die seit vielen Jahren für ihr Thema brennen. Constanze und Katja bringen viel Erfahrung mit und bereichern unsere Netzwerke. Bei unseren eigenen Veranstaltungen sind sie inzwischen sehr gefragte Speakerinnen.

Der Rat der Gründerinnen: Netzwerke nutzen

Anderen Gründer*innen raten die beiden deshalb: „Nutzt die Angebote von hannoverimpuls! Sie helfen, den Blick zu schärfen, Netzwerke aufzubauen und in allen zentralen Bereichen Unterstützung zu bekommen.

Mit ALL ABOUT MIDLIFE wollen Constanze Stock und Katja Ohly-Nauber nicht weniger als eine Kulturveränderung anstoßen – weg vom Defizitblick, hin zu einer starken, sichtbaren, selbstbewussten zweiten Lebenshälfte. Ihre Mission: Frauen dabei unterstützen, diese Phase nicht als Krise, sondern als kraftvollen Neubeginn zu erleben.

Kontakt:

ALL ABOUT MIDLIFE GMBH

0177 5283234

info@allaboutmidlife.com

allaboutmidlife.com

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Literarisches: Markus Brunner

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Literarisches: Markus Brunner


Der Autoritarismus erlebt in den letzten Jahren einen merklichen Aufschwung; mit rechtspopulistischen Parteien, mit Protestszenen … In diesem Zuge rückt auch die Autoritarismusforschung mehr in den Blick, um Hintergründe und Dynamiken dieser Entwicklung besser zu verstehen – und die Studien, Analysen und Thesen zum Autoritarismus aus der Kritischen Theorie des Instituts für Sozialforschung erhalten größere Aufmerksamkeit. Die Aneignung dieser Forschungen von Max Horkheimer, Erich Fromm, Theodor W. Adorno oder Leo Löwenthal aus den 30er- und 40er-Jahren für die Gegenwart verläuft dabei vielfältig. Der Soziologe Markus Brunner hat nun den Band „Sozialpsychologie des Autoritären. Zur Aktualität der Autoritarismusforschung der Frankfurter Schule“ veröffentlicht, der sowohl einen systematischen Überblick über die Forschungsergebnisse des Instituts für Sozialforschung bietet als auch die darauf Bezug nehmenden, bis in die Gegenwart reichenden Debatten nachzeichnet. Brunner positioniert sich dabei auch mit eigenen Ansätzen, die der Massenpsychologie mehr Aufmerksamkeit widmen und die Psychoanalytikerin Melanie Klein für sich fruchtbar machen …

Als wissenschaftlicher Leiter des Schwerpunktes „Sozialpsychologie & Klinische Psychologie“ arbeitet Brunner, der 2014 in Klagenfurt promovierte, an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien. Dass er als Wahl-Österreicher – und gebürtiger Schweizer – dennoch auf dieser Seite als Autor vorgestellt wird, liegt freilich nicht am Schwitters-Motiv auf seinem Buchcover, sondern an Brunners besonderem Hannover-Bezug: Von 2001 bis 2008 studierte er nämlich – nach zwei Jahren in Zürich – Sozialpsychologie und Soziologie in Hannover.

Und die hiesige Sozialpsychologie besaß lange Zeit international großes Renommee: Gegründet wurde sie immerhin von Peter Brückner, der 1967 seinen Lehrstuhl in Hannover bekam – und als linksorientierter Dozent aus politischen Gründen zweimalig suspendiert wurde, wobei sich u. a. Michel Foucault für ihn stark machte. Auch andere namhafte VertreterInnen ihres Faches wären zu nennen: etwa Alfred Krovoza oder Regina Becker-Schmidt und Gudrun-Axeli Knapp, die, so Brunner, „eine in der Tradition der Kritischen Theorie stehende gesellschaftstheoretisch reflektierte Geschlechterforschung entwickelt haben.“ Als sich 2008 die Frage der weiteren Denomination der Stelle von Knapp stellte, war die Abschaffung der Sozialpsychologie dann 2008 trotz intensiver Proteste beschlossene Sache. Mit der Verabschiedung von Rolf Pohl („Feindbild Frau“, 2004/2019) endete diese fruchtbare Ära der Sozialpsychologie in Hannover endgültig.

„Mit dem Beschluss der Abschaffung der Sozialpsychologie 2008 – Rolf Pohl war danach für die sog. Abwicklung zuständig – gab es für mich in Hannover keine berufliche Perspektive mehr und so zog es mich dann weiter nach Wien“, resümmiert Brunner, der gerne auf seine Studienzeit in Hannover zurückblickt: „Ich habe sehr gern in Hannover studiert, erstens weil die Universität von ihrer Ausrichtung her damals wirklich noch etwas Besonderes war und wir ungemein selbstbestimmt studieren konnten, zweitens weil ich mich in der Nordstadt mit den vielen Kneipen, dem Sprengelkino, der studentischen Kultur und dem vielen Grün sehr wohlgefühlt habe.“

Nun also die Sigmund Freud PrivatUniversität Wien. Und Freud ist natürlich auch in seinem aktuellen Buch zum Autoritarismus präsent, ist er doch Bezugspunkt des Instituts für Sozialforschung. Wobei Brunner freilich mit kritischer Distanz auf Freuds Arbeit blickt: „Einerseits setzte er entwicklungspsychologisch sehr wenig voraus – nichts ist einfach vorgegeben, alles entwickelt sich in Beziehungen und Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Ansprüchen. Andererseits zeigen sich immer wieder problematische normative Vorgaben, die eigentlich diesem offenen, neugierigen Blick widersprechen, und immer wieder auch sexistische oder rassistische Bilder.“ Für hochaktuell hält Brunner aber „Freuds Blick auf die Herstellung dessen, was wir für ,normal‘ halten – und die psychischen Kosten, die diese Normalität mit sich bringt.“

Brunners „Sozialpsychologie des Autoritären“ richtet sich freilich vor allem an ein Fachpublikum, bemüht sich aber – auch via Glossar – darum, Lai*innen einen Einstieg zu ermöglichen. Von den Schriften zum „autoritären Charakter“, der für die Herstellung gesellschaftlicher Konformität ebenso dienlich ist wie auch für die Disposition „potenziell faschistischer Subjekte“ für Propagandaangebote, kommt er – den historischen Kontext der jeweiligen Arbeiten stets im Blick – zu Typen des Autoritären und autoritären Modi in der heutigen Autoritarismusforschung. Daran anknüpfend richtet sich das Augenmerk auf die autoritäre Propaganda, die heute weit mehr als in den 30er-/40er-Jahren flexibel und ironisch zwischen den Rollen switche und im Internet eine entscheidende Plattform gefunden habe. Hier wie auch im Kapitel zur Massenpsychologie dürften sich fachfremde Leser*innen bereits etwas mehr abgeholt fühlen. Und das Abschluss-Kapitel, das sich gegen Ende auch auf Melanie Klein stützt, macht dann unter anderem noch anschaulich, wie gesellschaftliche Krisen, „in der Sozialisation erworbene innere Ängste und Konfliktlagen“, „Eigen- und Fremdgruppenbilder“, Propaganda und Massendynamiken ineinandergreifen und welche autoritären „Flugbahnen“ – so ein von Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey eingeführter Terminus – Individuen zwischen unterschiedlichen Regressionsstufen und zwischen „Ich-Prothetisierung“ und „Ich-Aufgabe“ aufweisen können. Nicht unbedingt leichte Lektüre, aber spannend!

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El Kurdis Kolumne im Januar: Ich bin dann mal weg – oder doch nicht?

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El Kurdis Kolumne im Januar: Ich bin dann mal weg – oder doch nicht?


Wenn ich auf das Jahr 2025 zurückblicke, scheint mir alles so gewesen zu sein wie immer. Eben der übliche furchtbare Kram, mit dem wir Erden-Bewohner seit jeher – nicht erst in den letzten Jahren – klarkommen müssen: Kriege, Naturkatastrophen, Krankheiten und krawallige, verbal inkontinente Regierungsoberhäupter.

Dabei wäre 2025 fast etwas Bedeutendes passiert. Aber eben nur fast. Oder vielleicht hat das Ereignis doch stattgefunden? Ganz genau kann man das nicht sagen. Das müssen Sie, liebe Leser*innen, selbst entscheiden.

Der südafrikanische Freizeitprediger Joshua Mhlakela hatte nämlich im Jahr 2018 eine Vision, in der Jesus Christus ihm offenbarte, dass 2025 alle wahren Christen in den Himmel entrückt würden. Und zwar am 23. September. Danach beginne eine siebenjährige Zeit des Chaos, die „große Drangsal“, die schließlich am 15. September 2032 im Jüngsten Gericht, dem Ende der Welt, kulminiere, und dann kehre Jesus zurück, um als König über die Welt zu herrschen.

Diese Ankündigung löste vor allem in den USA große Begeisterung aus. Dazu muss man wissen, dass die Entrückung – auf Englisch: „the rapture“ – zum theologischen Standardrepertoire der fundamentalistischen Christen gehört.

Praktisch muss man sich die Entrückung so vorstellen: Sie sitzen als Atheist, Jude oder Muslim mit einer christlichen Freundin in einem Café, Sie plaudern grade über Fußball, Keuschheit vor der Ehe oder Jens Spahn und plötzlich – puff – ist die Freundin verschwunden! Der Stuhl Ihnen gegenüber ist leer. Weil die Freundin stattdessen nun zur Rechten Gottes sitzt.

In Amerika kursiert seit Jahren das Gerücht, dass Fluggesellschaften, die von gläubigen Christen geführt werden, stets darauf achten, niemals rein christliche Flugteams zusammenzustellen. Jedem gläubigen Piloten werde ein ungläubiger Co-Pilot zur Seite gesetzt – damit Letzterer im Falle der „Entrückung“ des Ersteren das Steuer übernehmen könne und das Flugzeug nicht abstürze. Anscheinend wollen die CEOs auch in der Zeit der großen Drangsal nicht auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagt werden. Obwohl ihnen das im Himmel ja eigentlich egal sein könnte.

Dazu passt, dass eine freikirchlich aufgewachsene Freundin mir erzählte, dass sie sich als Kind mit Hilfe von Büchern theoretisches Wissen übers Autofahren aneignete, um bei einem Familienausflug im Falle des Falles auf den leeren Fahrersitz zu springen und das Auto unfallfrei zum Stehen bringen zu können.

Andere ähnlich sozialisierte Menschen berichteten mir, dass sie früher fest damit rechneten, irgendwann vom Spielen nach Hause zu kommen und eine leere Wohnung vorzufinden. Weil die ganze fromme Familie in ihrer Abwesenheit entrückt wurde. Nur eben sie selbst nicht, weil sie dann doch nicht dolle genug an Gott geglaubt hatten. Was übrigens eine interessante Form von kognitiver Dissonanz bzw. ein nettes Paradoxon ist: Man glaubt, man wird von Gott bestraft, weil man nicht an ihn glaubt!

Aber zurück zum 23. September des vergangenen Jahres. Falls Ihnen an diesem Tag seltsame Dinge passiert sind, falls sich zum Beispiel im Supermarkt die Schlange vor Ihnen in Luft aufgelöst oder Ihre Ärztin sich während des Gesundheits-Check-ups entmaterialisiert hat: Sie hatten keinen psychotischen Schub oder LSD-Flashback. Es war nur die Entrückung. The rapture. Und da Sie selbst ja anscheinend nicht entrückt wurden, kommen Sie mit großer Wahrscheinlichkeit in die Hölle. Also, wenn Sie demnächst sterben, spätesten aber am 15. September 2032.

Falls die Entrückung tatsächlich solchermaßen stattgefunden haben sollte, wäre das für mich durchaus von Vorteil. Auf die eine oder andere Art. Entweder werde ich für diese Kolumne keine bösen Leser-E-Mails von evangelikalen Christen bekommen, weil die alle seit Mitte/Ende September im Himmel sind. Oder ganz anders: Vielleicht wurden am 23.9. auch nicht die Christen, sondern ich wurdeentrückt. Und nun schreiben sich die auf der Erde zurückgebliebenen Frömmler die Finger wund, nachdem sie diesen in ihren Augen blasphemischen Text gelesen haben. Aber mir kann das egal sein. Ich sitze ja im Himmel und muss dort die Beschwerdebriefe nicht lesen. Vielleicht arbeite ich nun seit über drei Monaten zusammen mit Millionen anderen Agnostikern im großen göttlichen Coworking-Space und schreibe entspannt meine Texte, die ich dann in einer Art allmonatlichem Pfingstwunder in Lars Kompas Computer einspeise. Denn womöglich ist Gott ja doch smarter, als seine irdischen Apologeten meinen?! Seine Wege sollen ja unergründlich sein…

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