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Ein offener Brief … an Karin Prien

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Ein offener Brief … an Karin Prien


Liebe Karin, herzlichen Glückwunsch! Du bist zurück, „Back in the CDU“. Endlich! Wir hatten uns ehrlich gesagt schon ein bisschen Sorgen gemacht. Jahrelang warst du das, was man in der Union mit sehr kritischem Unterton gerne als „liberal“ bezeichnet. Fast ein Schimpfwort. Du hast unter anderem „zivilisierte Verachtung“ gegenüber der AfD gefordert, du hast dich für eine „Union der Mitte“ starkgemacht, du warst Bildungsministerin in Schleswig-Holstein in einer Koalition mit den Grünen. Und das birgt natürlich immer die Gefahr, dass man sich mit dem links-grün-versifften Bazillus infiziert. Du hattest ein paar gute Ideen und hast sogar ein bisschen was umgesetzt. Kurz: Manchmal hatte man fast den Eindruck, dir gehe es hin und wieder tatsächlich um so etwas wie Gerechtigkeit. Fast wie eine Sozialdemokratin oder Linke, aber natürlich mit besserer Rhetorik.

Und jetzt bist du Bundesfamilienministerin im Kabinett Merz und zuerst sah es ganz danach aus, dass du ähnlich weitermachst, dass du in der Union das Gerechtigkeits-U-Boot bleibst, fast zu links, um wahr zu sein. Worüber viele in deinen Reihen schon die Nase gerümpft haben. Der Spahn – haben wir gehört – soll hinter deinem Rücken zum Beispiel gesagt haben, dass du nach seinem Geschmack zu viel „rumreichinnecken“ würdest. Damit ist nun Schluss und viele Unionisten atmen gerade hörbar auf. Rund 200 Projekte aus dem Programm „Demokratie leben!“ willst du nicht weiter fördern. Weg damit! Ende 2026 soll Schluss sein mit den fragwürdigen Aktivitäten. Darunter HateAid, das Opfern digitaler Gewalt hilft. Darunter die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Menschen unterstützt, die von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt betroffen sind. Darunter Correctiv, das 2024 über das Geheimtreffen von Rechtsextremen in Potsdam berichtete. Darunter der Zentralrat der Juden. Ja, genau, der Zentralrat der Juden. Was zeigt, dass du keine Unterschiede machst. Auch nicht als Sprecherin des Jüdischen Forums in der CDU. Auch nicht Frau, deren Großeltern vor den Nazis geflohen sind und die sich jahrelang nicht offen zu ihrem Glauben bekannt hat, weil das in Deutschland noch immer mit gewissen Problemen verbunden ist. Alles egal, auch der Zentralrat der Juden wird gestrichen, denn das bisherige Programm war viel zu sehr auf ein „linksliberales Milieu“ ausgerichtet. Darum werden jetzt die Strukturen abgerissen, die sich über Jahre aufgebaut haben. Das nennt man „Neustart“. Und was danach fehlt, wird sich dann schon demnächst von selbst regeln. Prävention gegen Extremismus ist ohnehin überbewertet. Man kann ja auch einfach über mehr „Pluralität“ reden. Das reicht doch und ist wesentlich günstiger.

Wir freuen uns jetzt einfach auf die Neuausrichtung, die sich vielleicht ein bisschen mehr auch um ein rechtsextremistisches Milieu kümmert. Was ist eigentlich mit den Gefühlen der Täter? Fühlen die sich gehört? Das ist doch auch wichtig. Das wurde aber bisher immer einfach beiseite gewischt. Echte Ausgewogenheit ist das Gebot der Stunde. Wir haben dieses mutige Konzept übrigens schon erprobt, bei uns in Hannover hat die Deutschland-Koalition bei Kunst und Kultur kräftig den Rotstift angesetzt – und damit zum Beispiel Kargah e.V. in Bedrängnis gebracht, ein Verein, der sich seit Jahrzehnten um interkulturelle Arbeit und Geflüchtete kümmert. Oder war dir das vielleicht sogar schon bekannt? Hast du dich eventuell inspirieren lassen? Das wäre ja was. Hannover als Blaupause, wir machen’s vor, Berlin macht’s nach. Nur halt größer. Und mit mehr Pressemitteilungen über Pluralität. Liebe Karin, weiter so! Lass dich nicht beirren.

Die Grünen-Vizefraktionschefin Misbah Khan hat jetzt zwar angemerkt, dass ausgerechnet jene Organisationen dran sind, die vor der letzten Bundestagswahl öffentlich die Zusammenarbeit der CDU mit der AfD kritisiert haben, aber das ist sicher purer Zufall. Solche Koinzidenzen gibt es halt manchmal. Und dass die AfD all das wohlwollend beobachtet und kommentiert, ist völlig egal. Gute Schritte werden ja nicht schlecht, weil sie von den Falschen unterstützt werden. Und außerdem willst du ja auch gar nicht das gesamte Programm schrotten. Es sollen sogar dreißig neue Partnerschaften für Demokratie entstehen. Du willst Menschen zusammenbringen, die das Gespräch verlernt haben. Das klingt nicht nur gut, das kostet auch fast nichts und macht niemanden nervös. Besser als all die unbequemen NGOs, die Rechtsextremismus und andere zu vernachlässigende Randthemen bearbeiten oder noch schlimmer, darüber berichten. Stattdessen viele nette Runde Tische mit Keksen.

Liebe Karin, das ist alles ganz großartig und klug bis zu Ende gedacht. Willkommen zurück in der CDU, die sich ja stellenweise schon für ganz neue Koalitionen warmläuft. Die nächste Generation wird die Bedenken begraben und sich an dich erinnern. Alles richtig gemacht. Und die 200 gestrichenen Projekte werden sich schon irgendwie selbst tragen. Kargah gibt’s ja auch noch. Vorläufig. GAH

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Tonträger Mai 2026

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Tonträger Mai 2026


Bosse – „Stabile Poesie“

Aki Bosse ist genau so nett, wie man immer annimmt. Kein Etikettenschwindel. Gleiches gilt für „Stabile Poesie“, die ist nämlich das Gegenteil der allgegenwärtigen KI-Musik. Gleich der erste Titel, „Liebe hat nicht ewig Zeit“, könnte dem Namen nach auch von Zarah Leander oder Hildegard Knef sein, weshalb es überhaupt nicht verwundert, dass ein Gesangsbeitrag von der letzten großen Diva, Tim Fischer, kommt. In 12 Tracks gibt es maximale Seele, aber auch maximale Haltung: Nicht zuletzt „Lass dich nicht f!cken“, in dem es um Hass und Hetze im Netz geht, legt zärtlich aber bestimmt den Finger in eine Wunder unserer Zeit. „Stabile Poesie“ hat nichts Gekünsteltes, ist echt, ohne allzu pathetisch zu sein und lebt von unmittelbaren Betrachtungen bei gleichzeitigem Verweigern der Hoffnungslosigkeit. Ein Album, das die Welt für kurze Zeit ein bisschen schöner macht.

Marteria – „Zum Glück in die Zukunft III“

Da haben wir gedacht, der dritte Teil der Trilogie müsste doch jetzt ein Knaller werden, Hit an Hit, ein Finale wie ein Feuerwerk. Nun ja. Das Feuerwerk hat eher was von der Silvesternacht um halb vier. Ab und zu ist noch mal was Aufregendes dabei, das Meiste ist aber eher Geballer. Und tatsächlich muss man die leisen Töne auf dem Album ziemlich suchen, bei „Sad Holiday (Schwarzer Sand)“ wird man aber fündig und fühlt sich vielleicht ein bisschen an die lila Wolken von früher erinnert. Auch in Sachen Gesellschaftskritik hält sich Marteria dieses Mal ziemlich zurück, was aber das Middle of the Road-Gefühl, das einen beim Hören befällt, nur unterstreicht. „Mehr davon, nur weniger Reibungsfläche“, mach alle Tracks wie immer, nur glatter. Das ist nicht schlecht oder gar scheußlich, aber leider ausgesprochen vorhersehbar und deshalb relativ schade.

Katja Krasavice – „Bundeskanzlerin“

Die Einen halten sie für eine coole, feministische Geschäftsfrau, die Anderen finden, sie atmet nur unnötig Luft weg (hier: Team 2). Auch ihr aktuelles Album ist wieder vollgepackt mit Plastiksounds, semi-gutem Rap, mehr Koprolalie und Fäkalsprache, als ein normaler Mensch ertragen kann. Wer sich Tiefe wünscht, sollte lieber ne Wendy lesen.

Das Lumpenpack – „Bevor der Mut dich verlässt“

Der Vorteil bei den ehemaligen Poetry-Slammern ist natürlich, dass die Texte gut sind. Das können sie. Und vieles auf der Platte macht auch Spaß, allerdings ist das Feld mittlerweile doch sehr abgegrast. Sehr radiotauglich, sehr glatt geschliffen, sehr poliert und nur sehr selten kommt ein rebellisches „das können wir so nicht lassen“ durch.

Voodoo Jürgens – „Gschnas“

Im Jahr 2026 mit Mundart-Folk noch was zu reißen, ist so einfach nicht. Along comes Voodoo Jürgens und wienert lässig und charmant vor sich hin. Aktuell und doch zeitlos trifft Wolfgang Ambros auf Bob Dylan, man ergeht sich in Betrachtungen zu den schönsten Melodien und am Ende regnet’s für alle Faschingskrapfen. Leiwand!

Long Distance calling – „The Phantom Void“

Düstere, fast retrofuturistische Klangästhetiken werden, Schlagzeug und Drumcomputer tanzen und verzahnen sich miteinander, dazu die Delaygitarren – so kennt man die Musik von Long Distance Calling. Verspielt und ausufernd ineffizient. Aber dieses Mal nicht, statt Klangpanorama klingt es eher etwas nach Gruselfilmsoundtrack. Aber spannend allemal.

Hawel/McPhail – „Sorrow Wonderland“

Was willst du von Indie-Garagenrock erwarten, den zwei nicht mehr junge Männer aus Spaß an der Freude spielen? Am besten nichts. Und dann wird man überrascht: War das Debüt der beiden doch eher schraddelig, reflektiert man hier über Mid-Life-Probleme, Freundschaft und Resilienz und kleidet das in ein Gewand aus erstaunlich viel Kraft, Melodie und Tiefe.

Jessie Ware – „Superbloom“

Mit großer Opulenz orchestrierter Soul-Disco-Funk, den man schon fast riechen kann, so sinnlich ist er. Sexy, sehr saftig und eine knappe Dreiviertelstunde lang geht es auf 13 Stücken in erster Linie um körperliche Freuden, die sich im vorletzten Track in einem epischen Chor-Breakdown entladen. Ein Hörorgasmus wie aus dem Lehrbuch.

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Musikerportrait Mai 2026: Jens Bernewitz

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Musikerportrait Mai 2026: Jens Bernewitz


Jens Bernewitz – Musiker und Musikproduzent in seinem eigenen Studio, den Noah Studios, feiert dieses Jahr seinen 60. Geburtstag. Anlässlich dieses persönlichen Meilensteines ist es an der Zeit, seine facettenreiche Geschichte zu erzählen und ein Gesicht hinter den vielen bekannten Arbeiten zu zeigen.

Begonnen hat Jens’ musikalische Reise bereits in seiner Kindheit. Schon vor der Schule fing er klassisch mit Instrumentalunterricht an: Noten lesen, Noten schreiben lernen und ein Gefühl für die Musik bekommen. Gestartet habe er mit Blockflöte im Alter von 6 Jahren. Später begeisterte er sich für Gitarre und Bass und war mit 13 Jahren Mitglied in der Jugendband Hannover, die damals von Bodo Schmidt geleitet wurde. In dieser Band entstanden seine ersten Berührungspunkte mit der Bühne und damit, wie es sich anfühlt, Teil einer Band zu sein. Geprägt habe ihn auch sein älterer Bruder Torsten, mit dem er damals zusammen Bands wie Pink Floyd oder die Beatles gehört habe. Mit Auftritten in verschiedenen Bands verdiente Jens schon während seiner Schulzeit sein erstes Geld und entschied sich nach dem Abitur für ein Studium in Popularmusik an der Hochschule für Musik in Hamburg.

Nach seinem 1991 erfolgreich abgeschlossen Studium, begannen „intensive Jahre als Musiker“, berichtet Jens. Auf den Bühnen von Hannover, wie etwa dem Leine Domicil, dem Pavillon oder dem Capitol, fühlte er sich zu Hause. In verschieden Bandbesetzungen erklomm er die ersten wichtigen Meilensteine seines Lebens: Ende der 80er Jahre war Jens Bassist in der Band Steinwolke. In einer reduzierten Besetzung mit dem Schlagzeuger Dominic Dias und dem Sänger Konrad Haas landeten sie sogar im Fernsehen: Als Minipigs spielten sie in ein paar Folgen in der Lindenstraße im Keller von Benny Beimer den Song „Die Kuh“. Da zeitgleich ihre neue Platte erschien, waren sie auch in großen Musiksendungen willkommen, wie zum Beispiel der ZDF-Hitparade oder Formel 1 und schafften den Absprung in die Charts.

Mit seiner anschließend gegründeten Band Los Tumpolòs lebte er Ende der 90er Jahre ausschließlich von der Musik. Gemeinsam spielten sie 120 bis 130 Konzerte im Jahr, brachten insgesamt vier Alben raus. Bis heute haben sie noch engen Kontakt. Mit ihnen habe er auch sein absolutes Highlight erlebt: „Wir haben auf dem Splash Festival in Jamaika vor 15.000 Leuten gespielt und waren die einzige europäische Band unter den ganzen Reggae-Bands. Ziggy Marley, der Sohn von Bob Marley, hat performt und unsere für jamaikanische Ohren eher ,exotischen‘ Sounds kamen doch echt gut bei der Menge an. Das war ein absolut berauschender Moment“, erzählt Jens.

Während seiner Arbeit als Musiker entdeckte Jens auch sein Interesse für die Technik und das Arbeiten mit Tonaufnahmen. Aus einer Faszination entstand eine Leidenschaft und nun arbeitet Jens in Hannover in seinem eigenen Studio: den Noah Studios. Entwickelt habe sich diese Idee bereits in den Achtzigern, da das Aufnehmen in vielen Tonstudios immer sehr teuer gewesen sei und das Geld oftmals verpuffte. Beim Überlegen, nach einer Alternativlösung kam ihm der Gedanke seine Technikfaszination und die Musik zu vereinen. Eine Investition in Räumlichkeiten und Technik später konnte es losgehen. Begonnen habe Jens mit einer analogen Bandmaschine mit 16 Spuren, heute nutze er die neuste Technik. In seinem Studio verwirklicht er vielerlei unterschiedliche Projekte. „Ich habe eine ziemliche Bandbreite an Leuten, mit denen ich arbeite“, erzählt Jens. „Von Musikern, die jahrzehntelange Aufnahmeerfahrung haben bis hin zu Schülerbands, die das erste Mal im Studio sind.“

Über die Jahre findet sich sein Produktionsstil in ganz unterschiedlichen Werken wieder: Das Album „Hier rein da raus“ von Heinz Rudolf Kunze erreichte die Charts, die Titelmusik „Eule findet den Beat“ gewann Gold und Platin und gemeinsam mit dem Kabarettisten Matthias Brodowy sowie Musikern wie unter anderem Wolfgang Stute an der Gitarre und dem mittlerweile verstorbenen Geiger Hajo Hoffmann entstand das Werk „In Begleitung“, dass 2013 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde. Dazu kommt das Vertonen von Werbespots, Dokumentarfilmen oder Erklärvideos. Ein weiterer Schwerpunkt, in dem er momentan tätig sei, ist der Bildungsbereich. Angefangen habe er mit Begleitmaterialien für Musikbände im Westermann Verlag. Nach und nach etablierte sich dann die Produktion von Sprachaufnahmen für den Deutschunterricht und schließlich auch für die fremdsprachlichen Fächer, wie Französisch, Englisch und Spanisch. Von kleinen Hörspielen, über gelesene Textauszüge aus Büchern bis hin zu Abituraufgaben für das Hörverstehen, die jährlich für das Kultusministerium neu produziert werden.

Ans Aufhören kann Jens noch lange nicht denken – die Leidenschaft und der Spaß am Arbeiten sei viel zu groß. Für seinen 60.Geburtstag ist eine große Feier mit fast all seinen Weggefährten, Freunden und der Familie geplant. Seine Band Los Tumpolòs findet für ein paar gemeinsame Lieder an diesem Tag ebenfalls wieder zusammen. Das Stadtkind wünscht alles Gute für zukünftige Projekte und Happy Birthday!

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Gründungsstory Mai 2026: Kosmetik im Einklang mit Natur und Mensch: „echt natürlich“ aus der Wedemark

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Gründungsstory Mai 2026: Kosmetik im Einklang mit Natur und Mensch: „echt natürlich“ aus der Wedemark


In einem kleinen Holzhaus im Garten, umgeben von Natur und fernab vom Trubel klassischer Studios, hat Brit Kayser ihr Kosmetikkonzept verwirklicht. Mit ihrem Studio „echt natürlich“ in der Wedemark bei Hannover verbindet die 46-Jährige moderne Schönheitsbehandlungen mit einem konsequent nachhaltigen Ansatz – und trifft damit den Nerv einer wachsenden Zielgruppe.

„Ich habe im Juni 2025 mein eigenes Studio eröffnet – ein kleines Holzhaus in unserem Garten“, erzählt Kayser. Dort bietet sie Kosmetikbehandlungen, Wellness und Fußpflege an. Ihr Fokus liegt auf Naturkosmetik in Kombination mit moderner Hautpflege. Dabei gehe es ihr um mehr als nur äußere Schönheit: „Entscheidend ist für mich, dass sich meine Kundinnen und Kunden wirklich entspannen können – und darauf vertrauen, dass alles, was ich verwende, ihnen und der Umwelt guttut.“ Der Weg in die Selbstständigkeit war für Kayser kein spontaner Schritt, sondern das Ergebnis langjähriger Erfahrung. Nach ihrer Ausbildung zur Kosmetikerin und dem Friseurmeister wechselte sie zunächst in die Forschung. „Nach der Familienphase und weiteren Stationen im Angestelltenverhältnis war klar: Ich möchte mein eigenes Konzept umsetzen“, sagt sie. Nachhaltigkeit, Qualität und persönliche Betreuung seien dabei von Anfang an die Leitlinien gewesen.

Diese Haltung spiegelt sich auch im gesamten Konzept wider: Das Studio wurde mit regionalen Handwerkern gebaut, besteht aus natürlichen Materialien und wird mit Solarstrom betrieben. Zum Einsatz kommen ausschließlich nachhaltige Produkte – frei von Mikroplastik und verantwortungsvoll produziert. „Mir ist wichtig, dass hinter den Produkten transparente Werte stehen. Ich teste alles selbst und empfehle nur, was ich wirklich überzeugt vertreten kann“, betont Kayser. Ihre Kundinnen – überwiegend Frauen zwischen 35 und 70 Jahren – schätzen vor allem die persönliche Atmosphäre. „Viele sagen, es fühlt sich eher an wie ein Besuch bei Freunden als ein Termin im Studio“, berichtet sie. Die Lage im Grünen verstärke diesen Effekt zusätzlich und biete einen bewussten Gegenpol zum oft hektischen Alltag.

Hilfe auf dem Weg in die Selbstständigkeit erhielt Kayser von hannoverimpuls. „Ich habe von Anfang an viel Unterstützung bekommen – von Coachings über Workshops bis hin zur individuellen Beratung“, sagt sie. Besonders bei Themen wie Businessplan, Finanzierung und Fördermöglichkeiten habe ihr das Angebot geholfen. Auch die Zusammenarbeit beschreibt sie positiv: „Ich hatte nie das Gefühl, allein zu sein.“

Für Anke Pawla, Projektleiterin Gründung und Entrepreneurship bei hannoverimpuls, ist das Beispiel „echt natürlich“ ein gelungenes Zusammenspiel aus Erfahrung und Vision: „‚echt natürlich‘ zeigt, wie sich Erfahrung, Familie und persönliche Vision in einer Gründung vereinen lassen. Wir verstehen uns als Partner, der ergänzt und unterstützt – damit aus Ideen konkrete Projekte werden.“ Auch anderen Gründerinnen und Gründern rät Kayser, sich frühzeitig Unterstützung zu holen: „Leidenschaft ist wichtig, aber ein solides Konzept und finanzielle Stabilität sind entscheidend.“ Rückschläge gehörten dazu – doch wer für seine Idee brenne, werde am Ende belohnt.

echt natürlich
Brit Kayser
Eichhornweg 21a, 30900 Wedemark
Telefon: 0151 594 594 58
E-Mail: info@echtnatuerlich.de
Web: echtnatuerlich.de

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Literarisches: Burkard Rabe von Pappenheim

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Literarisches: Burkard Rabe von Pappenheim


Ein Förster, ein Mord, und ganz viel Waldwissen. Burkhard von Pappenheim verbindet all
das in einem Krimi. Knapp, dialoggetrieben, auf 150 Seiten.
Wald, Wild, Tod – ein Försterroman von Burkard Rabe von Pappenheim (B.Rabe). Als
Journalist schreibt von Pappenheim sein Buch anders als andere Autorinnen. Eine Krimi-Geschichte, Wissen über den Wald und eine Liebesgeschichte auf 150 Seiten. „Ich mag keine Texte, bei denen ich das Gefühl habe, da wird etwas wiederholt, das ich schon weiß. Redundanzen stören mich. Ich schreibe lieber klar und zielgerichtet“, sagt Burkhard von Pappenheim über sein erstes Buch. Der Journalist und Autor besitzt in Liebenau, im Dreiländereck Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, ein Stück Wald, das er bewirtschaftet. „Dort kümmere ich mich intensiv um unseren kleinen Wald von 100 Hektar und habe angefangen, ihn im Sinne der naturnahen Waldwirtschaft umzubauen. Ich arbeite da auch selbst mit: pflanze und arbeite mit der Motorsäge – immer mit Profis. Dadurch habe ich einen Einblick in die ganze Bandbreite bekommen.“ Schon lange wollte von Pappenheim das, was er dort tagtäglich erlebt, zu Papier bringen und etwas über die Leute schreiben, „die sich schon seit Jahrzehnten dafür einsetzen, den Wald vorsichtig und nachhaltig zu behandeln“. So kam die Idee, Wissenswertes mit einem Krimi zu verbinden – Pappenheims Lieblingsgenre. „Die Geschichte hat in meinem Kopf rumgegeistert. Das hat mich irritiert und ich habe gemerkt, ich werde sie nur los, wenn ich sie aufschreibe.“ Der Förster Alexander Wilesen wird zu einer der Hauptfiguren in Wald, Wild, Tod. In seinem Waldrevier häufen sich die Probleme: Ein Wolf wird erschossen. Dann ein Jäger. Dazu schleichen Wilderer durch Wälder, der Borkenkäfer frisst sich durch Fichten und eine Frau protestiert lautstark gegen die Jagd. Alexander muss entscheiden, ob er eingreift. Ein Krimi über Wald, Mensch, Liebe und die Frage, wie weit man für das einsteht, was man kennt und schützen will. Von Pappenheim ist in seinem Roman nicht der klassische allwissende Erzähler. Er sagt über sich: „Ich bin ein handlungsgetriebener Leser: Wenn jemand aus der Tür geht und nach rechts abbiegt, möchte ich nicht wissen, warum – sondern wohin.“ Als Autor wählt er also Dialoge als Stilmittel, um Handlung, Gesehenes und natürlich auch Gesagtes zu beschreiben. „Dialoge treiben einen Text voran, machen Spaß und bringen Leben ins Buch. Deshalb erkläre ich Dinge lieber im Dialog als in Beschreibungen.“ Durch die fehlenden Ausmalungen liest sich von Pappenheims Roman beinahe protokollartig, kantig. Das Werk eines Journalisten, dem das „Bla-Bla abgewöhnt“ worden ist. Wald, Wild, Tod ist im Eigenverlag erschienen. Dadurch lassen sich kleine Makel finden: Es gibt keine Seitenzahlen, das Buch ist nicht im Blocksatz gelayoutet und ohne professionelles Lektorat haben sich auch kleine Schreibfehler eingeschlichen. Vorerst ist von Pappenheims Försterroman sein einziges Buch. Aber „es irrlichtet wieder etwas in meinem Kopf. Ich denke, irgendwann wird da wieder so viel sein, dass es raus muss.“ Bisher vorwiegend in seinem näheren Umfeld gelesen, „sickert“ das Buch unterdessen in eine breitere Leserinnenschaft. „Ich habe sehr gute Rückmeldungen
bekommen, keiner hat sich abfällig geäußert. Ich hätte also den Mut, ein zweites Buch zu
schreiben. Dann aber in Zusammenarbeit mit einem Verlag.“
Burkhard von Pappenheim verwebt in Wald, Wild, Tod Sachbuch mit Kriminalroman und
erfindet so ein neues Genre, das „amüsant und unterhaltend“ Wissen vermitteln möchte. Der
Försterroman ist ein „Plädoyer für die naturnahe Waldwirtschaft im Gewand einer
spannenden Geschichte über eine mörderische Auseinandersetzung zwischen Jagdgegnern
und Jägern.“

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Der Freundeskreis im Gespräch mit Günter Evert und Hajo Rosenbrock

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Der Freundeskreis im Gespräch mit Günter Evert und Hajo Rosenbrock


Wir treffen uns heute mit zwei Mitgliedern im Freundeskreis, die den Vereinssport in Hannover von innen kennen wie kaum jemand sonst. Günter Evert ist Vizepräsident beim VfL-Eintracht Hannover, einem der größten Fußball- und Mehrspartenvereine der Stadt. Er ist erst seit zwei Jahren im Ehrenamt – nach einer langen Karriere in leitenden Positionen bei der Mediengruppe Madsack, zuletzt verantwortlich für HAZ und Hannoversche Presse. Hajo Rosenbrock ist Vorsitzender des Turn-Klubb zu Hannover – mit rund 9.500 Mitgliedern einer der größten Vereine Hannovers überhaupt, hauptberuflich geführt, tief in der Südstadt verankert. Beide kennen die Stadt und ihre Vereinslandschaft seit Jahrzehnten. Und beide haben gelernt: Was Vereine am Leben erhält, sind Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen – ehrenamtlich oder hauptberuflich, mit 25 oder mit 60.

Stellt euch zum Einstieg bitte kurz vor und erzählt, wie ihr ins Vereinsleben gekommen seid?

GE: Ich bin in Hannover aufgewachsen – fünf Generationen meiner Familie kommen aus derselben Straße. Mein Vater war leidenschaftlicher Fußballer, und so habe ich das runde Leder früh entdeckt. Ich habe bei Arminia Hannover gespielt, in Ramlingen Ehlershausen, beim TSV Havelse und der Eintracht – immer Amateur, aber mit viel Leidenschaft. Was mich gehalten hat, war dieser Geruch der Kabine, das Teamspiel, das Gemeinschaftsgefühl. Der Sport hat mich nie losgelassen. Dann habe ich 25 Jahre bei Madsack gearbeitet – und als ich aufgehört habe, war für mich klar: Jetzt machst du etwas Ehrenamtliches. Eintracht war naheliegend. Mein Vater war dort 40 Jahre im Vorstand, meine Tochter Carlotta spielt dort Fußball, und ich kenne die Stadt und ihre Netzwerke. Seit zwei Jahren bin ich Vizepräsident. Und ich merke jeden Tag, wie anders das ist als in einem Unternehmen. Da habe ich im Zweifel gesagt, jetzt machen wir das so. Heute frage ich. Das lernt man schnell – und es ist eigentlich das Schönere, weil man am Ende wirklich gemeinsam etwas bewegt hat.

HR: Ich bin über den CVJM ins Ehrenamt gerutscht. Mit 15 wurde ich Basketballtrainer, mit 16 Jugendleiter – und ich habe schnell gemerkt: Es hängt alles am Menschen, nicht am Inhalt. Wenn du die Gruppe mitreißt, geht sie mit. Das war meine erste wirklich wichtige Lektion. Ich habe bis Mitte des Studiums als Trainer, Spieler und Kümmerer alles Mögliche gemacht, habe nebenbei für ein Stadtmagazin geschrieben und irgendwann gemerkt, dass man das, was Günter heute ehrenamtlich erledigt, auch hauptberuflich machen kann. Nach dem Studium in Göttingen haben die vom Turn-Klubb angerufen – die suchten jemanden. „Da ist einer, der ist knapp unter 30 und will auf die Wiese“, hieß es. So bin ich 2009 hierher gekommen. Es war ein Zufall – aber spätestens nach einem Jahr war klar, dass das total passt. Es gibt wenig attraktivere Jobs. Du kannst etwas für die Gesellschaft tun, damit Geld verdienen und andere Menschen glücklich machen – und du siehst die Ergebnisse: mal an Menschen, mal an Gebäuden und Einrichtungen, mal einfach durch ein Feedback.

Beide Vereine tragen stolze Namen mit einer langen Geschichte. Wie wichtig sind sie heute für den Sport in Hannover?

GE: Der Turn-Klubb ist eine Institution – nicht nur für die Südstadt, sondern für die ganze Stadt. Bei Eintracht sind wir mit rund 1.000 Fußballerinnen und Fußballern der größte Jugend-Fußballverein der Stadt. Vereine sind das Herz der Gesellschaft.

HR: Was funktioniert auf dem Dorf noch? Vielleicht die Feuerwehr – wenn genug Leute da sind. Der Sportverein ist der Ort, wo du einfach hinläufst und etwas machst. Wenn die Menschen nett sind, bleibst du. Wenn die Bedingungen stimmen, kann Sport weit mehr sein als Bewegung: Er leistet Prävention, schafft Begegnung, hält die Gesellschaft zusammen.

GE: Das erlebe ich täglich. Familien, die nie etwas mit Sport zu tun hatten, stehen plötzlich am Spielfeldrand und backen Kuchen – weil ihr Kind Fußball spielt. Und sie stellen fest: Da sind ganz nette Menschen. Das ist Integration, nicht als Programm, sondern als gelebte Praxis. Auf dem Platz sind alle gleich. Der Sparkassendirektor kickt neben dem Maler, und der Automechaniker sagt dir geradeheraus, wo es langgeht. Diese Mischung ist politisch wertvoll – vielleicht heute mehr denn je. Und ich glaube, auch diese Stammtischmentalität hat sich verändert. Wenn heute jemand abwertend über andere redet, gehen sofort Leute dazwischen. Das war vor 20 Jahren noch anders.

Was ist Sport für euch persönlich – und hat sich das im Laufe der Jahre verändert?

HR: Sport war für mich immer vor allem Gemeinschaft. Ich war beim Basketball nie der Beste, aber ich durfte immer in der ersten Fünf mitspielen – das sagt vielleicht alles. Das Getränk hinterher war manchmal wichtiger als das Spiel selbst. Heute bedeutet Sport für mich auch Integration im stadtgesellschaftlichen Sinne: Egal ob jemand hierher geflüchtet ist, ob er viel oder wenig Geld hat – im Sportverein treffen sich alle. Mein eigener Freundeskreis besteht fast ausschließlich aus Lehrerinnen und Lehrern. Im Verein treffe ich den Handwerker, den Maler, den Mechaniker. Der sagt mir auch mal klipp und klar, was er denkt. Das ist gut so. Das braucht eine Gesellschaft. Und ich glaube, dass der Sport gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung wichtiger ist denn je – weil er Begegnung erzwingt, die sonst nicht stattfindet.

GE: Ich habe früh für den Profibereich trainiert – bei Arminia Hannover, mit der Hoffnung, irgendwann den Sprung zu schaffen. Den habe ich nicht geschafft – dafür habe ich mit 28 beim TSV Havelse noch mal gespielt, und da sind wir im Pokal auf den Karlsruher SC getroffen. Ich wurde in der 60. Minute eingewechselt, lief aufs Tor – und Oliver Kahn hält den Ball. Aus Spaß erzähle ich immer: Wäre der reingegangen, hätte meine Karriere vielleicht doch noch begonnen. Aber er hat gehalten, wir haben drei zu null verloren. Heute spiele ich Golf und gehe zweimal die Woche zur Krankengymnastik. Und ich beobachte die Leute über 80, die sich morgens bei Regen auf dem Golfplatz treffen. Neun Loch, zwei Stunden. Das finde ich großartig. Sport so lange wie möglich, in Gemeinschaft – das ist das Ideal.

Gibt es einen Moment in eurer Vereinsarbeit, den ihr so schnell nicht vergessen werdet?

HR: Es ist kein einmaliger Moment, sondern ein wiederkehrendes Bild. Wenn ich am Freitagnachmittag in die Turnhalle schaue und da doppelt so viele Eltern mit Kindern drin sind, wie eigentlich reinpassen sollten. Oder wenn wir in Schulen Turniere ausrichten und ich die Siegerehrung moderiere – und dann rufe ich 150 Kindern zu: „War Alex, unser Koordinator, der Coolste?“ Und 150 Kehlen antworten aus tiefster Seele. In dem Moment denke ich: Die haben alle alles richtig gemacht. Das bewegt mich mehr als jede Gebäudeeinweihung, und das bleibt.

GE: Mein Moment war, als die Zusage aus Berlin kam: Wir sind bei der SportMilliarde dabei. Zwei Jahre Hausaufgaben, Anträge, Architektengutachten – das Aufstellen des Förderantrags hat allein 20.000 Euro gekostet. Dann die Zusage. Jetzt können wir endlich unsere Umkleidekabinen sanieren – die stammen von 1975. Wir haben elf Frauenmannschaften und keine einzige Umkleide für Frauen. Das ist unhaltbar. Wenn das jetzt besser wird, ist das für mich der Moment. Und gleich daneben: unsere Abrissparty. Unser Clubhaus von 1954 wird modernisiert – und vorher darf sich jeder mit Sprühfarbe verewigen. Das ist auch ein Moment.

Mitgliederzahlen, Nachwuchs, Ehrenamt – das beschäftigt viele Vereine. Wo drückt bei euch der Schuh am meisten?

GE: Das größte Problem, das kaum einer laut ausspricht: Wir haben in Hannover zu wenig Sportstätten. Nicht Old-School-Turnhallen, sondern moderne, nutzungsoffene Sportflächen. Und wenn wir bauen wollen, werden uns so viele Steine in den Weg gelegt, dass das Geld nicht das größte Hindernis ist – sondern die Bürokratie. Die Steine aus dem Weg zu räumen dauert länger, als sie aufeinanderzustapeln. Hinzu kommt: Rund 500 Kinder in Hannover stehen auf Wartelisten, weil sie keinen Fußballverein finden. Nicht weil der Wille fehlt – sondern weil uns Trainer und Plätze fehlen. Das ist ein strukturelles Problem, das wir allein nicht lösen können.

HR: Und beim Ehrenamt hat sich etwas grundlegend verschoben. Das alte Modell – einer sitzt 30 Jahre im Vorstand, weil er schon immer da war – funktioniert nicht mehr. Was wir brauchen, sind Menschen, die Erfahrung mitbringen und sich aktiv entscheiden, noch mal etwas zu tun. So wie Günter das gemacht hat. Und wir brauchen eine gesunde Mischung aus Ehrenamt und Hauptberuf. Das hohe Lied des „reinen Ehrenamts“, ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr hören. Das Bürgerschaftliche Engagement an sich ist wichtig, mir ist egal, ob und in welcher Höhe das vergütet wird. Es geht ums Ermöglichen und um ein echtes Dankeschön. Es wäre schön, wenn das Ehrenamt finanziell besser ausgestattet wäre.

Wenn ihr einen jungen Menschen davon überzeugen müsstet, heute Verantwortung in einem Verein zu übernehmen – was würdet ihr sagen?

HR: Ich würde sagen: Engagement lohnt sich – du kriegst Liebe zurück. Die wichtigsten Kompetenzen, die ich beruflich brauche – Durchsetzungsfähigkeit, Leidenschaft, Durchhaltevermögen –, habe ich nicht im Studium gelernt, sondern zwischen 14 und 25 als Ehrenamtlicher. Du organisierst ein Turnier, und es funktioniert nicht. Niemand räumt auf. Du räumst allein auf. Das passiert dir kein zweites Mal. Und wenn du ein FSJ bei uns machst, weißt du nach drei Monaten, ob das dein Weg ist – zu hundert Prozent. Dieses Reinschnuppern, diese echte Verantwortung früh zu übernehmen – das formt einen Menschen mehr als jedes Seminar. Und es macht Spaß.

GE: Wir setzen stark auf FSJ und Bundesfreiwilligendienst – junge Leute, die bei uns reinschnuppern, Trainerscheine machen, Verantwortung übernehmen. Man muss nicht die oder der Beste im Sport sein, man muss Menschen mögen und das wollen. Meine Nichte spielt in der dritten Frauenmannschaft Fußball und hat gar nicht vor, in die Spitze zu kommen. Aber sie trainiert zusätzlich Mädchen mit einer Begeisterung, die ansteckend ist. Das ist genau das, was Vereine brauchen: Menschen, die brennen.

Was schätzt ihr aneinander – und was könnten eure Vereine voneinander lernen?

GE: Wir haben uns bei Madsack kennengelernt – Hajo war überall, wo ich war. Wir haben schnell gemerkt: gleiche Wellenlänge. Er hat mir gezeigt, wie man als Vorsitzender Präsenz zeigt – als Mensch, nicht als Institution. Ich schätze, dass bei ihm alles entspannt ist, ohne Vorbehalte. Wir haben noch keinen einzigen Vertrag miteinander geschrieben – aber wenn ich eine Mail von ihm kriege, steht drin, was ich selbst gedacht habe. Das ist selten. Was ich von ihm lerne: wie man einen Verein führt, ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen. Wir wollen weg vom präsidial geführten Verein – hin zu einer starken Geschäftsführung, die wirklich lenkt. Dafür schaue ich gerne auf den Turn-Klubb.

HR: Günter unterlegt alles mit Humor und schafft damit sofort eine besondere Atmosphäre im Raum. Ich bewundere die Bereitschaft, jetzt noch einmal voll einzusteigen – er hätte auch einfach Schiffsreisen machen können. Stattdessen sitzt er hier und kämpft für Fußballplätze und Umkleidekabinen. Das verdient Respekt. Was ich von Eintracht lerne: den Blick fürs Kleine zu bewahren. Bei uns laufen 9.500 Mitglieder, alles funktioniert im Großen. Aber wenn ich sehe, mit welcher Liebe bei Eintracht ein Feriencamp organisiert wird, erinnert mich das daran, wie das war, als wir noch ein oder zwei Camps hatten. Diese Rückbesinnung ist wertvoll – und sie schärft den Blick dafür, was wirklich zählt.

Was wünscht ihr euch für den Vereinssport in Hannover in zehn Jahren?

HR: Dass wir weniger mit Neid umgehen müssen. Wenn ein Verein Fördergeld bekommt, erzählt keiner, dass das Projekt 20 Millionen kostet und der Förderanteil davon nur drei Millionen sind. Am Wochenende wurde ich angesprochen: Ihr kriegt ja so viel Geld! Ich habe gefragt: Weißt du, dass das Projekt 20 Millionen kostet? Danach kam kein Wort mehr. Ich wünsche mir, dass die Vereine – die großen und die kleinen – mehr kooperieren, statt zu konkurrieren. Wir alle sitzen im gleichen Boot, kämpfen um die gleichen Talente, die gleichen Ehrenamtlichen, die gleichen Fördertöpfe. Das sollte verbinden, nicht trennen. Und für den Turn-Klubb: dass unser Bauprojekt gelingt, dass wir wachsen – nicht unbedingt in Mitgliedszahlen, sondern gesellschaftlich. Dass die Menschen, die hier sind, Freude daran haben.

GE: Ich wünsche mir, dass die kleinen Vereine viele Verwaltungsaufgaben loswerden – damit sie sich ums Wesentliche kümmern können: den Sport. Am Maschsee gibt es Paddel- und Rudervereine, die keinen Vorstand mehr finden, weil die Bürokratie sie erdrückt. Das ist tragisch. Und ich wünsche mir, dass die Verbände die Basis endlich mehr hören. Wenn unsere Kapitänin beim Frauenfußball ihre Armbinde vergisst, zahlen wir fünf Euro Strafe. Das sagt alles über den Zustand der Verbandspolitik. Es gibt für alles eine Regelung, und die hat irgendwann mal jemand mit bestem Willen aufgeschrieben – aber die Realität hat sich weitergedreht. Für Eintracht selbst: sanierte Umkleidekabinen, eine funktionierende Gastronomie, eine echte Kooperation mit dem Turn-Klubb im Jugendbereich. Und dass wir aufhören, den anderen mit Argusaugen zu beäugen.

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