Lieber Willy, entschuldige bitte, aber wir müssen dich einmal kurz stören. Wir wissen, du hast dir deinen Ruhestand redlich verdient, und vermutlich hast du im Jenseits Wichtigeres zu tun, als dich mit dem aktuellen Zustand der Sozialdemokratie herumzuschlagen. Aber wir kommen hier allein nicht mehr weiter. Die SPD steckt fest. Bei 15 Prozent. Tendenz fallend. Und sie wirkt dabei so, als hätte sie sich damit abgefunden. Das deprimiert uns. Nicht nur, weil 15 Prozent schon fast unter zehn Prozent sind, sondern weil man den Eindruck bekommt, dass dieser Zustand inzwischen als neue Normalität akzeptiert wird. Als wäre Schrumpfung ein Naturgesetz und keine Folge politischer Entscheidungen.
Darum unsere Bitte: Könntest du vielleicht kurz als Geist in die Hirne der führenden Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten fahren? Nur so ein kleiner Spuk, ein sanftes Poltern im Parteivorstand, ein kalter Luftzug durch die Fraktionssitzung. Nichts Dramatisches, einfach eine kleine Erinnerung, was diese Partei einmal ausgemacht hat. Offenbar hat man dort aus den Augen verloren, wofür Sozialdemokratie ursprünglich gedacht war. Für Aufstieg durch Bildung. Für Respekt vor Arbeit. Für echte Solidarität. Für Mut. Für Haltung. Für Politik, die nicht zuerst fragt, ob sie irgendwem wehtut, sondern ob sie notwendig ist. Für eine Partei, die sich nicht klein macht, um irgendwo noch mitspielen zu dürfen, sondern die groß denkt, weil sie etwas verändern will.
Stattdessen hören wir auf dem politischen Aschermittwoch den Parteivorsitzenden sagen, man brauche jetzt „mehr Stammtisch“. Mehr Stammtisch, Willy. Als wäre das Problem der SPD ein Mangel an Lautstärke und nicht ein Mangel an Richtung. Als hätten wir zu wenig Bauch und zu viel Kopf. Dabei wäre im Moment doch eher mehr Hirn ratsam. Mehr Analyse. Mehr Ehrlichkeit. Mehr Klarheit darüber, warum man eigentlich noch existiert.
Du hast einmal gesagt: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“ Heute wirkt es eher so, als wollten die Genossinnen und Genossen die Zukunft lieber abwarten. Oder sie kommunikativ begleiten. Oder sie moderieren. Oder sie in Arbeitsgruppen verschieben. Hauptsache, niemand ist beleidigt. Und am Ende nennt man diese Mutlosigkeit dann „strategische Neuaufstellung“.
Du, lieber Willy, hast nicht moderiert, du hast gestaltet. Du hast nicht gewartet, bis alle zustimmen, du hast einfach gegen Widerstände gearbeitet, gegen Häme, gegen Misstrauen, gegen die eigene Partei. Du bist in Warschau auf die Knie gegangen – nicht, weil es populär war, sondern weil es richtig war. „Mehr Demokratie wagen“, war kein Slogan, sondern ein bewusstes Risiko. Du hast Konflikte nicht gefürchtet, du hast sie in Kauf genommen. Heute wirkt es eher so, als würde man sich lieber vor Umfragekurven verbeugen als vor der eigenen Geschichte.
Die SPD war einmal eine Partei, die Konflikte ausgehalten hat. Die wusste, dass Fortschritt Reibung erzeugt. Heute wirkt sie ängstlich. Sie zittert sich von Wahldesaster zu Wahldesaster und wundert sich anschließend, warum niemand mehr Vertrauen in ihre Gestaltungskraft hat. Sie hat Angst, irgendjemanden zu verprellen – und verliert damit am Ende alle. Arbeiterinnen und Arbeiter, weil man nicht mehr für sie kämpft. Junge Menschen, weil man zentrale Realitäten ausblendet: dass die Rentenfrage ungelöst ist, dass der demografische Wandel längst Fakten geschaffen hat und dass es keine Zukunftspolitik ist, diese Themen aus Angst vor Unbeliebtheit zu umschiffen. Man verspricht Sicherheit, ohne zu sagen, wie sie finanziert werden soll. Man redet von Generationengerechtigkeit, ohne zu erklären, wer was tragen muss. Und man wundert sich, warum sich junge Menschen reihenweise abwenden.
Vielleicht könntest du Lars und den anderen mal kurz zuflüstern, dass die Sozialdemokratie ein Versprechen ist. Dass die Gesellschaft gerechter werden kann. Dass Macht kontrolliert werden muss. Dass Wirtschaft und Kapitalismus kluge Leitplanken brauchen. Dass Reichtum verpflichtet. Dass Demokratie durch Haltung lebt. Und dass Glaubwürdigkeit nicht entsteht, indem man Probleme kleiner redet, sondern indem man sie ernst nimmt – auch wenn sie unbequem sind.
15 Prozent, lieber Willy. Das ist kein Betriebsunfall. Das ist das Ergebnis jahrelanger Selbstverkleinerung. Ist es nicht höchste Zeit, wieder größer zu denken, statt immer nur Schadensbegrenzung zu betreiben. Also, falls du die Zeit findest: Die SPD würde sich freuen. Und wir uns auch.
Abgelegt unter offene BriefeKommentare deaktiviert für Ein offener Brief … an Willy Brandt
Wenn man von „Kunst und Künstler voneinander trennen“ spricht, ist meist die Rede von Rammstein oder von Morrissey. Und von Letzterem ist ja nun hinlänglich bekannt, dass in dessen Oberstübchen irgendwas ganz und gar nicht richtig ist. Da soll er doch statt Polemik lieber Musik machen, oder? Naja. Sein am 6. März erscheinendes Album dient leider nicht zur Stützung dieser These. Zu zwei Dritteln ist es nämlich zunächst einmal eines: langweilig. 8 von 12 Songs, bei denen einem die Füße einschlafen, ist wirklich keine gute Bilanz. Zudem klingt es auf störende Art heterogen, unruhig. Und ob man will oder nicht, man fahndet halt doch immer irgendwie, ob in den Texten nicht vielleicht eine Morrissey‘sche Scheußlichkeit steckt. Gute Nachricht: Man muss Künstler und Werk hier nicht trennen, man kann getrost beides scheiße finden.
Robbie Williams – „Britpop“
Ein kleiner Witz meinerseits, die Alben dieser beiden Künstler hier neben einander zu präsentieren. Zum einen sehen die sich mittlerweile ziemlich ähnlich, zum anderen hat Williams seinem Idol Morrissey auch einen gleichnamigen Track auf diesem Album gewidmet (Co-Autor war Gary Barlow), der, Trommelwirbel, schlecht ist. Ja, sogar der Schwächste auf dem Album und das will was heißen. Denn was mit „Rocket“ richtig stark und breitbeinig anfängt (mit einem Gitarrensolo von Tony Iommi), zerfasert leider mittendrin. Denn da macht Robbie komprimiert alle Fehler, die er zuvor auf mehrere Platten verteilt hatte: Pseudolustige Anekdoten aus seiner Drogenzeit, überkitschte Balladen, affenscheußlicher Sprechgesang und schlecht geklaute Kinks-Rhythmik. Alles weder wirklich Britpop (bis auf das Oasis-Soundalike) noch wirklich schön.
Mika – „Hyperlove“
Nach seinem 2007er Debüt „Life In Cartoon Motion“ verschluckte ihn die Erde und spuckte ihn nun als blinke-buntes Partyeinhorn wieder aus. Dabei ist aber das zauberhaft Exaltierte ziemlich verloren gegangen. Alles klingt sehr glatt, sehr clean, sehr gezähmt – eher wie ein Tanzlehrer für die Disco-Fox-Klasse auf MDMA. Aber schön bunt.
Lina – „Melodrama“
Ein Melodrama findet man auf dieser Platte nicht. Ein Drama aber schon: Da hat die Frau so eine spannende Stimme und macht so wenig damit. Ausgesprochen schade, denn das hätte den doch recht generischen und gleich klingenden Deutschpopsongs ein bisschen Tiefe verliehen – die findet man nämlich nur im Rausschmeißer „Morgen ist auch noch ein Tag“.
Moby – „Future Quiet“
Das Tolle an Moby ist, dass er keine Angst vor Einfachheit hat. Gott, wie sympathisch und ein schöner Gegenentwurf zu den Nils Frahms unserer Zeit. Diese Einfachheit nun auf anderthalb Stunden Spieldauer auszudehnen, ist fast schon frech. Aber darüber tröstet einen das wunderschöne „When it‘s cold, I‘d like to die“ locker hinweg.
Mumford & Sons – „Prizefighter“
Nicht einmal ein Jahr liegt „Rushmere“ zurück, da kommt schon das nächste volle Album auf den Markt. Und zwar eins mit 14 Stücken! Mit tollen Melodien, ausgeklügeltem Folk-Handwerk und hymnischen Refrains. Am Tollsten aber sind nach wie vor die kleinen, leisen Momente – wie zum Beispiel das Hozier Feature „Rubber Band Man“.
Rosa Hoelger – „Für immer Gummistiefel“
Da ist schon viel Schönes bei! Ein recht spannendes Debüt, breit angelegte Arrangements und viel Raum für Ausflüge in beispielsweise Bar-Jazz oder Chanson. Tolle Texte auch! Leider werden die von der einen oder anderen unklug/unnötig platzierten Feminismuskeule zu Klump gehauen, aber das ist verzeihlich. Trotz des kruden Titels schön!
Bianca Stücker & Mark Benecke – „Abysmal Affairs“ (EP)
Ja, genau, der Käfermann singt. Es wäre besser, er täte das nicht – und erst recht nicht das ikonische „Henry Lee“ von Nick Cave – aber verbieten kann man‘s ihm wohl kaum. Wer nicht gerade ein Riesenfan von Gothic-Folk oder Finster-Electronica ist, verpasst an dieser Stelle nichts und kann stattdessen lieber „Medical Detectives“ gucken.
Abgelegt unter Musik, TonträgerKommentare deaktiviert für Tonträger März 2026
Das erste Album entstand in ihrem Kinderzimmer – jetzt steht Thelma Malar auf großen Bühnen, schreibt intensive Songs, hat ihre eigene Marke IT´S FINE ins Leben gerufen und organisiert Festivals und Writing Camps für FLINTA*-Artists.
Thelma Malar ist Künstlerin, Songwriterin und Musikerin. In ihren Songs zeigt sie sich schwach und fragil, aber auch ehrlich und stark. Ihre neusten Singles „5TB Geduld“ und „86 Tasten“ beschreibt sie in drei Worten als „beat-driven, ehrlich und komplex“. Sie findet einen Kontrast zwischen Fragilität und Stärke, der die Seele berührt.
Geboren und aufgewachsen ist die 23-jährige in Berlin. Um sich selbst und ihre Musik neu aufzustellen, ist sie nach Hannover gezogen. Die Musikindustrie in Berlin sei unfassbar intensiv und in Hannover sieht sie für sich mehr Perspektiven. Der Start in einer neuen Stadt hat ihr gut getan, erzählt sie, und es gefällt ihr hier zu leben und Musik zu machen. Dennoch agiert sie weiterhin viel in Berlin für Projekte und Sessions.
Ihre ersten Berührungspunkte mit der Musik machte sie zusammen mit ihrem Opa auf der Orgelbank. Als kleines Mädchen hat sie oft auf Familienfeiern gesungen und in der 7. Klasse dann ihren ersten Song geschrieben, verrät sie. „Es war irgendwie immer klar“, dass sie Sängerin werden wird. Nach dem Abitur hat Thelma zusammen mit ihrem besten Freund begonnen, ein Album zu produzieren. Angefangen habe alles in ihrem alten Kinderzimmer. „Das war der Startschuss“, sagt sie und nach zwei Jahren Arbeit war das Ergebnis Thelmas erstes Album „Second Pillow“.
Lange hat sie Musik auf Englisch geschrieben, doch mit ihren zwei neusten Singles, die 2025 erschienen sind, hat sie einen Neustart gewagt und erstmals Songs auf Deutsch veröffentlicht. „Ich hatte das Gefühl, dass ich schon alles gesagt habe, was ich auf Englisch sagen kann.“ Durch die Sprache sei sie noch stärker mit sich selbst verbunden. Durch den Weg ins Deutsche wünscht sie sich, dass ihre Musik und ihre Persönlichkeit in Zukunft mehr zusammenrücken.
Ihre zweite große Leidenschaft ist die Festivalorganisation. Auf dem von ihr ins Leben gerufene IT´S FINE FESTIVAL verbindet sie aufstrebende Newcomer*innen und schenkt ihnen nicht nur eine Stimme, sondern auch einen Safe Space auf der Bühne. Es ist ein Festival, das für Thelma einen nachhaltigen, feministischen Wert vertritt. In der Musikbranche werden FLINTA*-Artists oft mit Gender-Stereotypen konfrontiert. Beispielsweise werden ihnen ihre Kompetenzen in vielen Bereichen abgesprochen. Sei es das musikalische Talent, die Urheberschaft am eigenen Werk oder das Know-how im Technikbereich. Und das ist nur ein Teil – FLINTA*-Artists müssen sich meist doppelt so hart beweisen wie männliche Artists, um ernst genommen zu werden. Das führt unter anderem dazu, dass FLINTA*-Artists auf Festivals oft unterrepräsentiert sind und geringere Gagen erhalten. Außerdem steigt dadurch der Wettbewerbsdruck unter den FLINTA*-Artists immens. Thelma möchte mit ihren IT´S FINE FESTIVALS gegen diese Gender-Stereotypen und gegen diesen Druck wirken. „Man kann nicht immer tiefer in die Wunde drücken. Irgendwann muss jemand kommen und ein Pflaster drüber kleben“, sagt sie.
In ihren Writing Camps arbeitet sie eng mit Künstler*innen zusammen. Unterstützt vom Meisel Verlag und der GEMA, kuratiert sie, organisiert Workshops und Open Spaces, schafft Raum und bringt FLINTA*-Artists zusammen. Für sie ist es am wichtigsten, dass sich alle dauerhaft wohlfühlen und nicht unter dem permanenten Wettbewerbsdruck stehen, wie es häufig in klassischen Writing-Camps der Fall ist. Dieses Jahr fanden die IT´S FINE SESSIONS im Februar in den Hansa Studios in Berlin statt.
Für das Jahr 2026 ist viel geplant: „Ende des Jahres soll es knallen“, verspricht Thelma. Im November spielt sie zwei große Release-Konzerte in Hannover und Berlin, soviel kann sie schon mal verraten. „Und was dann alles noch kommt, wird sich zeigen“, sagt sie mit einem verheißungsvollen Lächeln. Ihr nächster Auftritt findet am 29. März im Kulturzentrum Faust statt. Thelma ist eine von insgesamt drei FLINTA*-Artists, die an diesem Abend spielen werden.
Lilly Struckmeier
Mehr Infos: www.thelma-malar.de
Abgelegt unter Musik, MusikerporträtKommentare deaktiviert für Musikerinnenporträt März 2026: Thelma Malar
Wenn Tore Padula über Veranstaltungen spricht, leuchten seine Augen fast so sehr wie die LED-Armbänder, die zum Markenzeichen seines Unternehmens geworden sind. Der 34-jährige Veranstaltungskaufmann organisiert, moderiert und konzipiert Events aller Art – von Hochzeiten über Workshops bis hin zu Kongressen und Festivals. Sein Anspruch: Veranstaltungen zu schaffen, die nicht nur funktionieren, sondern in Erinnerung bleiben.
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal dabei ist das von ihm entwickelte LIGHT-UP!-Konzept. „Mit den LED-Armbändern holen wir das Feeling von Großkonzerten auf kleinere Veranstaltungen“, erklärt Padula. Was bei Coldplay & Co. Zehntausende Menschen synchronisiert, nutzt er heute für Struktur, Orientierung und spielerisches Networking. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: „Bei Hochzeiten sorgen sie für besondere Lichteffekte, bei Workshops helfen sie, Gruppen zu steuern – oder sie regeln ganz pragmatisch, welcher Tisch wann zum Buffet geht. So verbindet man Spaß mit Struktur.“
Die Idee entstand aus einem Schlüsselmoment. „Ich habe bei einem Coldplay-Konzert gesehen, wie 70.000 Menschen über Armbänder synchronisiert wurden – da war mir klar: Das muss auch im kleineren Rahmen funktionieren.“ Inzwischen wächst die Nachfrage stetig. Aktuell prüft Padula sogar, wie sich das Konzept auf Veranstaltungen mit bis zu 10.000 Teilnehmenden übertragen lässt, um es auch regionalen Konzertveranstaltern anzubieten.
Der Weg in die Selbstständigkeit war dabei kein spontaner. Gelernt hat Padula an der Medizinischen Hochschule Hannover, wo er für Tagungen und Kongresse zuständig war. Stationen bei einer Bank und einem Home-Shopping-Sender folgten. „Der Wunsch, Veranstaltungen zu organisieren, war aber schon immer da“, sagt er. 2019 gründete er zunächst im Nebenerwerb. „Ich habe Urlaub genommen, um eigene Projekte umzusetzen. Der Schritt in die volle Selbstständigkeit fühlte sich wie ein Sprung ins kalte Wasser an.“
Dann kam Corona – und stellte vieles infrage. „Da war ich froh, noch angestellt zu sein.“ Heute steht das Unternehmen stabil da: Padula beschäftigt eine Mitarbeiterin, die ihn unter anderem im Social-Media-Bereich unterstützt, und arbeitet mit einem breiten Netzwerk an Freelancern. Sein Ziel ist weiteres Wachstum – auch personell.
Wichtige Impulse erhielt er dabei durch hannoverimpuls. Über eine Beratung zum Gründungszuschuss kam er mit der Wirtschaftsförderung in Kontakt und bewarb sich mit LIGHT UP! beim Startup-Impuls-Wettbewerb. „Auch wenn ich nicht ins Finale gekommen bin – allein die Vorbereitung hat mir enorm geholfen.“ Businessplan, Präsentationen, Schärfung der eigenen Idee: „Das hat meine Selbstständigkeit deutlich stabiler gemacht und mir geholfen, mein Geschäftsmodell klarer zu strukturieren.“
Besonders wertvoll war für ihn die Auseinandersetzung mit Zahlen. „Gerade beim Thema Finanzen hatte ich anfangs Respekt. Aber mit der Unterstützung habe ich gemerkt: Wenn man sich damit auseinandersetzt, ist es machbar.“
Seinen Rat an andere Gründerinnen und Gründer formuliert Padula klar: „Ich würde immer empfehlen, zunächst im Nebenerwerb zu starten. Das gibt Sicherheit und hilft herauszufinden, ob man wirklich der Typ für die Selbstständigkeit ist.“ Und noch wichtiger: Unterstützung annehmen. „Nehmt jedes Beratungsangebot wahr. Es kostet meist nichts außer Zeit – und die investiert man in sich selbst und die eigene Idee.“
Auch bei hannoverimpuls ist man vom Weg des Eventprofis überzeugt. Projektleiterin Anke Pawla sagt über ihn: „Tore bringt viel Erfahrung und große Leidenschaft für Events mit. Er schafft Erinnerungen und entwickelt immer wieder neue Ideen, die er konsequent umsetzt.“ Genau diese Mischung lässt Veranstaltungen mit Tore Padula Eventservices nicht nur gut organisiert, sondern buchstäblich leuchtend in Erinnerung bleiben.
Abgelegt unter Menschen, Stadtkinder sind mutigKommentare deaktiviert für Gründungsstory März 2026: Light up! – Wie Tore Padula Events zum Leuchten bringt
Matthias Brodowy, obwohl in Braunschweig geboren und bundesweit bekannt und geschätzt, ist ohne Zweifel ein echtes Stadtkind Hannovers! Richtig gut und trotzdem bescheiden! Egal wo er in Hannover auftritt, der große Saal oder die kleine Konzertstube sind immer voll. Bei seinem übervollen Terminkalender und seiner Familienverbundenheit hätte er es nicht nötig, auf den zahlreichen kleinen Bühnen der Region aufzutreten, aber da spielt sein menschenfreundliches und auch soziales Herz nicht mit. Er ist nun mal eben nicht nur der gefragte Kabarettist, Komiker, Conférencier, Sänger, Pianist, Komponist und Sozialaktivist, er will mit seinen feinsinnigen, nie unter der Gürtellinie angesiedelten Texten und seinen nie mit unmenschlichen persönlichen Herabwürdigungen verbundenen satirischen Auslassungen den Menschen (und auch den kleinen Spielstätten) einfach eine Freude machen. Keine Spur von Agitation wie bei Dietrich Kittner, dafür viel weiser, heiterer Humanismus à la Hanns-Dieter Hüsch. Jetzt wird er auch noch literarisch aktiv und man fragt sich automatisch: Wann und wie schafft dieses umtriebige Multitalent das alles.
„Der Leuchtturmhüter“, eine Co-Produktion mit dem Maler Ole West war 2017 der Anfang. Dann erschienen 2023 im zu Klampen Verlag die satirisch-phantastischen Miniaturen „Klappstuhl und ich!“ und jetzt ebenfalls bei zu Klampen „Erinnerungen, die noch nicht stattgefunden haben, sind umgehend nachzuholen“. Es ist kein Roman, keine Novelle, es ist – in aller brodowyschen Bescheidenheit – „nur“ eine ziemlich „verrückte“ satirische Erzählung. Dafür mit genial und ganz nebenbei verstecktem Tief- und Hintersinn und alles in allem ein ausgesprochener, in dem Fall aufgeschriebener Lesespaß.
Sorry, dieser letzte Satz müsste eigentlich am Ende dieser Buchvorstellung stehen, aber diese unübliche Vorgehensweise lässt mich hoffen, dass meine Rezension zu Ende gelesen wird: Das Buch beginnt und endet mit einem verflixten Zauberwürfel. Dazwischen liest man ebenso skurrile wie wortspielerische, ironische, satirische, echte und erfundene Begebenheiten, Beobachtungen, Reflexionen, Absurditäten, witzige Dialoge, nachdenkliche, beklemmende Erinnerungen, verblüffende Einsichten, aktuelle Zeiterscheinungen und Zufälle, die keine sind. Das hört sich alles wie ein wilder Mix an, ist es aber nicht, denn alles ist ganz logisch und lesefreundlich in den höchst originellen Frage-Rahmen „verpackt“, was in diesem Büchlein eigentlich alles stehen soll. Was das Lesevergnügen noch erhöht, ist ein nicht hochgestochener Schreibstil, sondern die Kunst, sich mit einer einfachen, jedoch feinen Sprache glasklar auszudrücken. Und was für mich dieses Büchlein geradezu wertvoll macht, sind zum einen die nachdenklichen „Sätze für die Ewigkeit“ sowie seine ganz altmodisch per Füllhalter notierten Einträge in sein „Sudelbuch“. Das sind ohne Frage originäre literarische Perlen! So ganz nebenbei wird darüber hinaus eine brandheiße, höchst aktuelle Frage mit all‘ ihren Sichtweisen ins Spiel gebracht. Ohne besserwisserischen Zeigefinger und ohne konkrete Antwort. Um welche Frage es sich dabei handelt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Schließlich sollen Sie das Büchlein ja lesen und die aufgeworfene Frage selbst beantworten. Aus meiner Sicht: Unbedingt!
Erwin Schütterle
Abgelegt unter Literarisches, MenschenKommentare deaktiviert für Literarisches: Matthias Brodowy
Bildung, Recht und politische Verantwortung – nicht nur im Freundeskreis engagieren sich Prof. Dr. Matthias Limbach (ML) und Felix Semper (FS) für eine lebendige Stadtgesellschaft. Wir sprechen über Motivation, Bildungsauftrag und die Frage, wie viel Regulierung junge Menschen im digitalen Raum brauchen.
Stellen Sie sich zum Einstieg bitte kurz selbst vor …
FS: Felix Semper, 38 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Geboren wurde ich in Hannover, studiert habe ich in Göttingen. Seit vielen Jahren engagiere ich mich politisch ehrenamtlich – zunächst im Bezirksrat, inzwischen seit 15 Jahren im Rat der Stadt Hannover, davon seit fünf Jahren als Fraktionsvorsitzender der CDU. Beruflich bin ich Rechtsanwalt und Notar sowie Gesellschafter einer mittelständischen Kanzlei.
ML: Ich freue mich, zusammen mit Felix hier das Interview machen zu können. Matthias Limbach, ich bin 50 Jahre alt, in Hannover geboren und bekennender Hannoveraner. Seit 35 Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich in verschiedenen Sportvereinen, in den letzten 14 Jahren beim TSV Havelse, dazu im Freundeskreis und vielen Netzwerken. Ich bin geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Buhmann Schule. Als Dozent bin ich dort seit 2005, seit 2007 fest in der Akademieleitung und 2012 wurde ich zum Geschäftsführer. Seit letztem Jahr bin ich zusammen mit der Dirk Rossmann GmbH auch Gesellschafter der Dr. Buhmann Schule.
Warum engagieren Sie sich im Freundeskreis?
ML: Ich finde, dass eine Stadt ein starkes bürgerliches Engagement braucht. Ich glaube, das ist das der Kitt der Gesellschaft. Ich liebe Hannover und mir liegt sehr am Herzen, dass die Gesellschaft funktioniert. Und die funktioniert deswegen, weil es Organisationen, Vereine und Gemeinschaften gibt, die Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen und Schichten zusammenbringen.
FS: Mich verbindet viel mit unserer Stadt – persönlich wie politisch. Bürgerliches Engagement halte ich für einen zentralen Pfeiler unserer Gesellschaft. Im Freundeskreis kann man Dinge bewegen, die aus echter Überzeugung entstehen.
Was bedeutet Ihnen dieses Netzwerk persönlich?
FS: Es ist ein tolles Projekt mit engagierten, verantwortungsbewussten Menschen. Der Austausch jenseits parteipolitischer Grenzen ist besonders wertvoll.
ML: Für mich bedeutet dieses Netzwerk langjährige Freundschaften, die man bei Veranstaltungen wieder trifft. Da freut man sich, dass man das als Ort der Begegnung hat. Aber es ist genauso ein Ort der Begegnung mit neuen Menschen.
Was kann ein Bürgerverein heute leisten, was Politik oder Institutionen allein nicht schaffen?
ML: Menschen mit einem gemeinsamen Interesse zusammenzubringen. Und wenn unser Interesse ist, ein lebenswerteres Hannover zu haben. Ein starker Freundeskreis kann Themen auf die Agenda bringen, die dann auch politisch oder in Institutionen diskutiert werden. Und der Austausch auf Augenhöhe zwischen verschiedenen Altersklassen und Gruppen der Gesellschaft wird gefördert. Es ist das, wo die Politik in der Regel daran scheitert.
FS: Ein Bürgerverein kann schnell, unbürokratisch und mit persönlichem Einsatz unterstützen. Außerdem schafft er Identifikation und Gemeinschaft – etwas, das staatliche Strukturen allein nicht leisten können.
Herr Semper, wie wichtig ist eine starke Bildungslandschaft aus kommunalpolitischer Sicht?
FS: Bildung ist eines der zentralen Zukunftsthemen für jede Kommune. Sie entscheidet über Chancengerechtigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Stabilität. Kommunalpolitik trägt hier eine enorme Verantwortung – von der Schulentwicklung bis zur Ausstattung.
ML: Die Bildungseinrichtung, die wir haben, ist eine Traditionsschule. Es geht um eine grundlegende Vorbereitung auf das Leben. Dazu gehört aus meiner Sicht eine sehr gute Allgemeinbildung. Wenn wir das große Schlagwort KI nehmen: Durch die Allgemeinbildung, die ich über die ganze Schulkarriere erworben habe, bin ich überhaupt erst in der Lage, Ergebnisse von künstlicher Intelligenz zu beurteilen. Daher wäre Kritikfähigkeit für mich ein ganz großes Thema, und Dialogfähigkeit. Das Bewusstsein, was wir schaffen müssen für gesellschaftliche Themen, insbesondere in der Demokratiebildung, aber eben auch um ein soziales und geschichtliches Verständnis zu schaffen.
Geht es bei Bildung in erster Linie um Qualifikation für den Arbeitsmarkt – oder um mehr?
FS: Es geht um weit mehr als nur berufliche Qualifikation. Bildung bedeutet Persönlichkeitsentwicklung, Wertevermittlung und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Sie ist Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben und für demokratische Teilhabe.
ML: Wir haben ja sich ständig wandelnde Anforderungen. Die Gesellschaft und die der Arbeitsmarkt wird immer dynamischer. Wir wissen heute noch gar nicht, für was wir ausbilden, wenn wir junge Leute in drei oder fünf Jahren in den Arbeitsmarkt entlassen. Es geht viel mehr um grundsätzliche Kompetenzen, Urteilsvermögen, persönliche Entwicklung, Haltung zu Themen zu schaffen, den eigenen Auftritt zu schaffen, und das fachgebunden für die Bereiche, für die ausgebildet wird.
Welchen Wert hat gute Bildung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt?
FS: Gute Bildung schafft gleiche Chancen und verhindert soziale Spaltung. Wer Perspektiven hat, fühlt sich zugehörig und gebraucht. Bildung ist deshalb auch ein Schlüssel für Integration und sozialen Frieden.
ML: Genau. Schule hat den großen Vorteil, dass Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten auf Augenhöhe zusammenkommen. Hier haben wir die Möglichkeit, Haltung, Verständnis, Dialogfähigkeit zu fördern. Die Demokratie ist ja im Moment in starker Bewegung. Demokratie hat damit zu tun, dass wir die Bereitschaft und Fähigkeit haben, einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen, die Argumente von jemand anders gelten zu lassen, in den Diskurs zu gehen. Das ist eine Kompetenz, die in Schule in guter Bildung fundiert liegt.
Wie schätzen Sie die Bildungslandschaft in Hannover aktuell ein?
ML: Der Markt hat sehr viele Anbieter, sowohl Allgemeinbildung als auch gerade berufsbildend. Und das heißt aber auch, dass sich Anbieter gegenseitig antreiben. Die Bildungsträger müssen sich alle anstrengen, ein gutes Angebot zu präsentieren.
FS: Hannover hat viele engagierte Lehrkräfte und gute Ansätze. Gleichzeitig stehen wir vor großen Herausforderungen – etwa bei der Infrastruktur, der Digitalisierung und der Integration. Unterm Strich gibt es Verbesserungsbedarf.
Was hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert – positiv wie negativ?
FS: Positiv ist, dass Bildung stärker als Zukunftsthema wahrgenommen wird und Investitionen zugenommen haben. Negativ sind jedoch wachsende Leistungsunterschiede, Personalmangel und eine zunehmende Belastung der Schulen. Die gesellschaftlichen Herausforderungen spiegeln sich direkt im Klassenzimmer wider.
ML: Der digitale Wandel uns natürlich viele Möglichkeiten geboten, Bildung zu verändern, wenn ich an Ansätze von Gamification denke. Das ist etwas, wo wir viel mit umgehen. Wenn ich sehe, dass wir Zukunftsthemen wie KI in unsere Bildung mit integrieren können, dann ist das positiv, aber auch herausfordernd. Wenn ich negativ etwas Herausstellen müsste, dann sehe ich doch eine Veränderung in der Sozialstruktur, im Umgang miteinander. Da ist ein sehr stark geprägter Ich-Bezug und nur eigentlich einen Fokus auf das eigene Kind gibt und weniger auf die Gemeinschaft.
Wo sehen Sie akuten Handlungsbedarf?
ML: Erstmal müssen wir grundsätzlich in der Bildung überlegen: Wie müssen wir da eigentlich herangehen? Wir haben zum Beispiel das Thema rund um digitalen Wandel in den Fokus genommen. Wir glauben, dass es nur dann gesund und gut funktioniert, wenn wir einen Blick darauf haben, wie wir junge Leute in diesen Feldern Schule und Kompetenz mitgeben. Das heißt, für uns ist das Thema „Grundlagen der KI“ ganz wichtig, um da zu schauen: Wie geht man eigentlich mit ethischen Themen um, mit Datenschutz und Persönlichkeitsrechten? Das sind für mich Dinge, die müssen noch besser geregelt werden und gut umgesetzt werden.
FS: Beim Ausbau und der Sanierung von Schulgebäuden, bei der digitalen Ausstattung und vor allem bei der Gewinnung von Fachkräften sehe ich auf jeden Fall Handlungsbedarf. Zudem müssen wir Integration und Sprachförderung konsequent stärken. Bildung darf kein Reparaturbetrieb sein, sondern muss vorausschauend gestaltet werden.
Derzeit wird ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige diskutiert. Wie stehen Sie zu dieser Debatte?
FS: Ich halte ein solches Verbot grundsätzlich für richtig. Soziale Medien bergen erhebliche Risiken für Kinder und Jugendliche – von Suchtverhalten bis hin zu psychischen Belastungen.
ML: Ich bin da ein bisschen gespalten. Ich glaube, dass es psychische Folgen von Social Media Konsum für junge Leute gibt. Ich habe nur die Sorge bei Verboten, dass sie das noch attraktiver machen. Auf der anderen Seite ist es ganz wichtig, Regeln einzusetzen, die wir auch einhalten können, um junge Menschen davor zu schützen, dass sie sich in diese Abhängigkeit von Social Media bringen.
Ist ein Verbot ein sinnvoller Schutz – oder eher Symbolpolitik?
ML: Wir müssen unbedingt Regeln schaffen. Ich finde zum Beispiel den Ansatz, Smartphones bis zu einem gewissen Zeitpunkt gar nicht an junge Leute zu geben, und auch bis zu einer gewissen Altersstufe Smartphones an Schulen zu verbieten, genau richtig. Es muss nur begonnen werden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
FS: Ich halte es auch für sinnvoll. Natürlich ersetzt ein Verbot keine Erziehung oder Aufklärung, aber es setzt einen wichtigen Schutzrahmen. Der Staat hat hier auch eine Verantwortung.
Welche Wirkung hat bei Kindern und Jugendlichen der Umgang mit sozialen Medien? Was beobachten Sie?
FS: Ich beobachte eine starke Ablenkung, verkürzte Aufmerksamkeitsspannen und zunehmenden sozialen Druck. Gleichzeitig entstehen Abhängigkeiten und unrealistische Vergleichsmaßstäbe. Das wirkt sich spürbar auf Konzentration, Selbstbild und Miteinander aus.
ML: Wir haben durchaus eine ganze Menge an psychischen Störungen, die man sicherlich auf das Thema Social Media Nutzung zurückführen kann. Wir merken, dass die Aufmerksamkeitsspanne durch Social Media deutlich zurückgegangen ist, dass es jungen Leuten schwerfällt, sich für längere Zeit auf Themen zu fokussieren. Auch diese Vergleichsmöglichkeit mit anderen Menschen und die Tatsache, dass das Leben plötzlich ganz realitätsfern dargestellt wird, führt zu psychischen Störungen und Problemen. Diese Thematiken müssten eigentlich viel früher, nämlich meistens an den allgemeinbildenden Schulen, aufgenommen werden.
Sind Schule und Elternhaus ausreichend vorbereitet, um junge Menschen im digitalen Raum zu begleiten?
FS: Nein, vielfach nicht. Die Dynamik der digitalen Welt ist enorm, und viele Erwachsene kommen kaum hinterher.
ML: Wir sind noch so stark in dem Diskurs, dass wir noch gar kein gutes Regelwerk und gute Rahmenbedingungen haben. Und dementsprechend würde ich sagen, können Schule und Eltern auch kaum darauf vorbereitet werden. Wir haben im eSport Innovation Hub das Thema Verantwortungsbewusstes Gaming. Dort bieten wir Eltern Informationsveranstaltungen an, um ihnen bei ihren Unsicherheiten zu helfen. Das ist zumindest ein Ansatz, wie man in diesem Bereich mit fehlenden Regeln umgehen kann.
Braucht es mehr Regulierung – oder mehr Medienkompetenz?
ML: Wir müssen uns auf ein Regelwerk für die schützenswerten Jugendlichen einigen. Das heißt eben aber auch, dass alle Lehrkräfte, die gerade im allgemeinbildenden Bereich mit jungen Leuten umgehen, selber erst auch diese Kompetenzen aufweisen müssen und dann in dem Rahmen, auf den wir uns einigen, als Zusammenspiel tatsächlich einwirken oder wirken können. Da fehlt im Moment noch die Grundlage.
FS: Es braucht beides. Klare Regeln schaffen Schutz und Orientierung, Medienkompetenz ermöglicht einen verantwortungsvollen Umgang. Das eine funktioniert ohne das andere nicht.
Wie viel Eigenverantwortung trauen wir Jugendlichen zu?
FS: Jugendliche können viel Verantwortung übernehmen – aber altersgerecht. Eigenverantwortung wächst mit Reife und Erfahrung. Deshalb brauchen sie klare Leitplanken und Begleitung, nicht völlige Freigabe.
ML: Wenn wir uns auf Regeln einigen, dann sollten wir auch den jungen Generationen zutrauen, dass sie bereit sind, im eigenen Sinne das Ganze auch vernünftig umzusetzen. Das gilt nicht für Kinder, die müssen wir bis zu einem gewissen Alter leiten. Danach müssen wir Jugendlichen ein Wertekorsett mitgeben, in dem sie sich bewegen können. Und dann müssen wir auch das Zutrauen haben, dass sie sich in diesem Korsett zu ihrem eigenen Wohl eigenverantwortlich verhalten. Und dann dürfen wir auch in unsere jungen Leute ein großes Vertrauen haben.
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