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Stadtkinder haben Töne: Was man so singt

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Stadtkinder haben Töne: Was man so singt


Vor ein paar Jahren war ich zu Gast in einem Podcast, bereitgestellt von einem privaten deutschlandweiten Radionetzwerk, wo ich meine Expertise zu einer gewissen Band zum Besten gab. Der Moderator dieses Podcasts ist ein feiner Kerl mit angenehmer Stimme und weil ich ausgesprochen loyal bin, habe ich mir auch noch einen anderen Podcast angehört, den er moderiert. Voll mein Ding! Es geht nämlich um Musik und Verbrechen in Kombination (Hörempfehlung an dieser Stelle: „True Crime Tracklist“ mit Nina Loges und André Dostal). Eine der letzten Folgen drehte sich um die Story hinter einem der größten Hits meiner Jugend, „Teenage Dirtbag“ von Wheatus. Wheatus’ Frontmann Brendan B. Brown ist eine ziemlich tragische Figur der Rockmusik – er hat’s großflächig verkackt. Das selbstbetitelte Album der Band, das im Jahr 2000 herauskam, ist wirklich gut und macht immer noch Spaß zu hören. Es ist ein Jammer, dass Tracks wie „Sunshine“ oder „Leroy“ nicht denselben Impact wie „Teenage Dirtbag“ hatten, denn das hätte die Band nicht als One Hit Wonder gebrandmarkt. Den Sophomore wollte Brown gerne selbst produzieren, Sony war dagegen und ließ Wheatus fallen. Brown stand dumm da, fluchte wild und verpasste seinem zweiten Album aus Rache den Untertitel „Suck Fony“, man kann sich ausrechnen, dass das der Karriere nicht förderlich war. Seither dümpeln Wheatus in wechselnder Besetzung im Hades der Bedeutungslosigkeit herum. Aber was eben kaum jemand weiß: Der fröhliche Song mit dem drolligen Video (und der wunderschönen Mena Suvari und Jason Biggs, dem zu groß geratenen 5-Jährigen aus „American Pie“), hat einen sinistren Hintergrund. Als Brendan B. Brown 10 war, passierte bei ihm um die Ecke ein ziemlich schockierender Mord. Ein 17jähriger, obdachloser und drogensüchtiger Metalfan wurde von einem Exemplar gleichem Kalibers um die Ecke gebracht. Die ersten Wochen interessierte sich buchstäblich niemand dafür, obwohl sich der Täter damit brüstete und Kumpels zu dem im Wald versteckten Leichnam führte, um ordentlich anzugeben. Aber das Opfer, Gary Lauwers, war nur ein „Dirtbag“ gewesen, am Rand, wenn denn überhaupt, der Gesellschaft lebend. Dieser Vorfall im Jahr 1984 raubte Brown nach eigener Aussage eine normale Pubertät, weshalb er sich einfach eine ausdachte und sie mit „Teenage Dirtbag“ vertonte. Tragisch – aber unsereins singt fröhlich mit.

Bei einem anderen Song singt man auch fröhlich mit – bis man dann merkt, was man da singt! Der „Independent Love Song“ aus 1994 von dem aus Hull stammenden Popduo „Scarlet“ ist eine wörtliche Aufforderung zu gut gemachtem Cunnilingus. Gar nicht groß verhohlen, und betrachtet man das Video, könnte man auf den Gedanken kommen, es ginge sogar um lesbische Liebe. Ist mir recht. Nur frag ich mich: Warum genau wurde das Mitte der 90er kein Skandal? Wieso sind da keine Muttchen schockstarr von den Kirchenbänken gekippt? Wieso hat keiner beim damaligen Tory-Premier John Major angeklopft und die unmittelbare Hinrichtung, zumindest aber ein Verbot der satanischen Lesbierinnen (Lesben = Satanismus. Immer.) gefordert? Wie viele Eltern haben ihre Kinder das Lied hören und mitträllern lassen, ohne was zu merken, oder, noch spannender: Wie viele haben in sich reingegrinst und gedacht „wenn du wüsstest!“? Aber es war ein Hit! Und nicht nur für Scarlet, sondern auch für eine deutsche Band. Die qualitativ eher unterdurchschnittliche Band „The Bates“ aus Nordhessen landete nur drei Jahre nach Originalrelease einen Hit damit. Deren Sänger Zimbl starb 2006 an Herz-Kreislauf-Versagen, das auf seinen Drogenkonsum zurückzuführen war und gewissermaßen war auch er eine Art Dirtbag. So schließt sich der Kreis dieser Kolumne. Also ehrlich. Man sollte sich viel öfter zuhören, was man so singt.

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Stadtkinder kochen einen Osterkranz

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Stadtkinder kochen einen Osterkranz


Es gibt österliche Gebäcktraditionen, die muss man schon gut finden wollen. Hot Cross Buns zum Beispiel. Die armen Engländer! Gewürzte Hefebrötchen – nicht schlecht eigentlich – süß verziert. „Süß“ in diesem Fall bedeutet, einfach etwas Mehl, Zucker und Wasser zusammen zu patschen und kreuzweise auf die Brötchen zu spritzen. Eingeführt Ende des 16. Jahrhunderts von Elizabeth I. – vermutlich als Zeichen ausgelassener Dekadenz. Abgelehnt! Auch die ukrainischen Lerchen überzeugen mich nicht. Süßer Hefeteig ohne Gewürze, der so geformt wird, dass er aussieht wie ein in der Mitte zerhackter Kraken mit Rosinenaugen? Nein, danke! Oder gar Jidáše, ein tschechisches Ostergebäck: Der selbe Hefeteig, nur anders geformt. Soll das ein Paragraphenzeichen sein? Nicht doch, es symbolisiert den Galgenstrick, an dem Judas sich erhängt hat. Kaum morbide oder so! Ab-ge-lehnt!

Wir machen das ganz anders und backen einen schönen Osterkranz mit Marzipan und Mohn.

Aus 500g Mehl, einem Viertelwürfel Hefe, 250ml warmer Milch, 50g Zucker, 80g geschmolzener Butter, einem großen Ei und einer Prise Salz kneten wir einen Hefeteig, der über Nacht im Kühlschrank wohnt. Aus vielerlei Hinsicht ist die Nacht- oder Kühlgare sinnvoll. Zum einen verfliegt der Hefegeschmack ein bisschen und die anderen Aromen kommen besser zur Geltung. Man braucht auch weniger Hefe als beim direkten Backen. Die Krume wird feinporiger. Die lange Gehzeit begünstigt den Abbau einiger Stoffe, was die Bekömmlichkeit erhöht. Und, hier fast am wichtigsten: Der Teig wird deutlich elastischer und lässt sich besser verarbeiten.

Den gegangen Teig holen wir aus der Kälte und teilen ihn in zwei gleich große Stücke, die wir dann jeweils auf etwa 40x25cm ausrollen und sich kurz entspannen lassen. In der Zwischenzeit halbieren wir 300g Marzipanrohmasse und 150g Mohnfüllung (ruhig die Fertige kaufen, macht nix). Die Marzipanhälften werden pi mal Auge zu je einem Streifen gerollt, der etwa 5x35cm misst. Dann kommt je eine Hälfte der Mohnmasse auf eine Teigplatte, mit einem kleinen Rand. Mittig auf die Platten platzieren wir die Marzipanstreifen und rollen nun von der breiten Seite gewissenhaft auf. So gleichmäßig, wie es möglich ist. Das letzte unbestrichene Stück „kämmen“ wir ein bisschen mit der Gabel und feuchten es an, damit der Teig besser schließt. Zusätzlich drücken wir vorsichtig sämtliche Nähte mit den Fingerspitzen zusammen und legen die so entstandenen Rollen mit dem Schluss nach unten zur Ruhe. Nach einer weiteren Stunde schneiden wir sie der Länge nach in Hälfte, aber nicht ganz durch, sondern lassen mittig ca. 3cm stehen. Jeden Teigstrang drehen wir nun um etwa 90 Grad nach außen, damit die gefüllte Seite nach oben zeigt. Beide Teiglinge legen wir dicht nebeneinander und flechten die jeweils vier Stränge zusammen (wer nicht flechten kann: Jeweils zwei Stränge helixmäßig verdrehen und die entstandenen zwei dann noch mal miteinander verschnurpseln geht auch). Den ganzen Zopf bugsieren wir irgendwie auf ein Blech und formen ihn zum Kranz. Jetzt wird erst der Backofen auf 180°C Ober-/ Unterhitze vorgeheizt. Unmittelbar vor dem Weg in den Ofen bepinseln wir den Kranz mit einem mit etwas Milch verquirltem Dotter und backen ihn für 30 Minuten. Dann nehmen wir ihn kurz heraus und tragen die Aprikotur auf: Eine helle Konfitüre (meist, wer hätte es gedacht, Aprikose) wird erwärmt, bis sie flüssig ist – 2 Esslöffel voll reichen – und auf den Kranz gepinselt. Darüber streuen wir eine Handvoll Mandelblättchen und backen noch mal zehn Minuten bei 150° Grad. Und das, verehrte Herrschaften, war schon alles. Anlassbedingte Standardphrase und viele bunte Eier!

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Stadtkinder essen: Cape Town

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Stadtkinder essen: Cape Town


Cape Town

Die Entfernung zwischen Hannover und Kapstadt beträgt 9632,78 Kilometer Luftlinie. Das sind ungefähr 11,5 Stunden mit dem Flugzeug, keine akzeptable Strecke also für Lieferando oder Uber eats. Darüber nachzudenken ist aber auch gar nicht nötig, gibt es doch seit ein paar Monaten die Möglichkeit, authentisches südafrikanisches Essen in Hannovers Altstadt zu genießen. Die Online-Bewertungen überschlagen sich, Südafrikaner finden, es schmecke „wie zuhause“. Aber wie schmeckt das denn wohl, da zuhause? Finden wir’s raus!

Da im selben Gebäude zuvor ebenfalls ein afrikanisches Restaurant untergebracht war, hat man, ganz pragmatisch, an der Deko nicht viel gemacht. Holzmasken glotzen von den Wänden, schweigen sich aber darüber aus, ob sie süd- oder zentralafrikanischer Herkunft sind. Soll uns egal sein, bedrohlich wirken sie nicht. Im Gegenteil, es ist recht gemütlich hier: Dekostoffe mit Giraffenprint als Tischdecken, das Personal ist aufmerksam und zugewandt. Als erstes werfen wir einen Blick auf die Weinkarte. Aus Südafrika kommt sehr guter Wein, das weiß man schließlich. Wir entscheiden uns für Sauvignon Blanc und Pinotage zu je 7 Euro pro Glas mit 0,2 Liter.

Boah. Gute Wahl. Eine sehr gute Wahl.

Als Vorspeise bestellen wir uns Samosas mit Lammfüllung (3 Stück 7,90 Euro). Richtig gut! Der Teig ist blättrig, sehr knusprig und die Füllung aus Lammhack und Erbsen ist toll gewürzt, das Aprikosenchutney passt sehr gut dazu. Daneben finden wir eine frische Salatbeilage mit Dressing – aber nicht zu viel – und Saatengarnitur. Alles in allem ein exzellentes Entrée. Beim Hauptgang sind wir unschlüssig. Ja, sicher, Zebrafleisch ist exotisch und alles, aber wir haben keine Vergleichsmöglichkeiten. Wir können sagen: schmeckt oder schmeckt nicht. Ganz subjektiv – wenig repräsentativ also. Nein, wir machen das anders. Bei Bobotie (14,50 Euro) handelt es sich um ein südafrikanisches Nationalgericht, das mit uns durchaus bekannten Zutaten hergestellt wird: Eine stark gewürzte, mit Aprikosen verfeinerte Masse aus Hackfleisch und eingeweichtem Weißbrot, die mit einer Haube aus Eiern und Sahne bedeckt und gegart wird. Im Grunde Hackbraten mit Mütze. Die starken Gewürze, besonders Zimt kommt hier deutlich zum Ausdruck, und die Süße der Aprikose harmonieren sehr gut miteinander. Ein richtiges Wohlfühlgericht, das man am liebsten mit einem großen Löffel einstrudeln möchte. Auch zum Bobotie wird eine Salatbeilage serviert, was Sinn ergibt, denn ohne wäre das Gericht vielleicht zu schwer und mächtig – Fresskomaalarm wegen lecker.

In Durban leben 25% Asiaten, die meisten davon haben, geografisch bedingt, indischen Hintergrund. Deshalb ist es auch kaum verwunderlich, dass uns ein Durban Curry angeboten wird. Erhältlich ist es mit Huhn (15,90 Euro) und ohne. Auch, wenn die Karte es als scharf ausweist, ist es das nicht, eher recht würzig. Zwiebeln, grüne Bohnen und Blumenkohl herrschen hier vor. Das Hühnerfleisch hingegen wirkt etwas fehl am Platz, als sei es separat gekocht und erst gegen Ende hinzugefügt worden. Nichts Falsches daran, aber nicht so richtig unser Geschmack, deshalb unser Tipp: Das Curry lieber vegetarisch bestellen. Auch hätte hier eine frische Note in Form von Salat nicht geschadet; bei Curry läuft man schnell mal Gefahr, dass der Geschmack leicht staubig gerät. Alles in allem sind wir aber sehr angetan von Essen, Getränken und Service und werden sicher noch einmal wieder kommen – vielleicht trauen wir uns dann ans Zebra.

Cape Town

Knochenhauerstraße 2

30159 Hannover

www.restaurant-capetown.de

Di-So 17.00-23.00 Uhr

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Neu in der Stadt: Kaffeeklein und Lista Concierge

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Neu in der Stadt: Kaffeeklein und Lista Concierge


Wenn man durch Vinnhorst schlendert und Lust auf guten Kaffee hat, hat man jetzt eine neue Anlaufstelle. Mitten im Stadtteil hat das Kaffeeklein eröffnet – ein kleines Café, das auf das Wesentliche setzt – Qualität, Ruhe und echte Begegnungen. Die Betreiber*in Gabriella und Ioannis Sterkas möchten hier auch einen Ort der Verkostung schaffen. Bei ihnen dreht sich alles um hochwertigen Kaffee, der mit großer Sorgfalt ausgewählt und im Haus schonend geröstet wird. Die Bohnen stammen aus direkten Partnerschaften mit ausgewählten Kaffeebauern – transparent, nachhaltig und mit Respekt für das Produkt und die Menschen dahinter. Die kleine Rösterei im Café macht den Prozess sichtbar und erlebbar – vom Rohkaffee bis zur fertigen Bohne und schließlich zum beliebten Heißgetränk – so erleben Gäste ihren Kaffee nicht nur im Geschmack, sondern können auch das Handwerk entdecken, dass dahintersteckt. Die Innenausstattung des kleinen Cafés ist bewusst reduziert gehalten – es gibt nur ein paar Sitzplätze, doch wenn man einen ergattert hat, laden warme Materialien und sanftes Licht zum verweilen ein. Drinnen wie draußen möchten die Sterkas hier einen Ort der Entschleunigung etablieren, an dem Nachbarschaft gelebt wird, an dem Menschen zusammenkommen um einen Moment Ruhe im Alltag zu genießen.

KAFFEEklein

Friedenauer Str. 2

30419 Hannover

Mo und Mi-So 10-16 Uhr

Mehr Infos bei Instagram @kaffee.klein

Lista Concierge

In Hannover gibt es nun mit „Lista Concierge“ einen Service, der den Alltag vielbeschäftigter Menschen erleichtern soll. Hinter dem Konzept steht die 29-jährige Gründerin Dajana Xhemalaj, die sich mit ihrem Angebot an Menschen richtet, deren Zeit im Berufs- und Privatleben stark beansprucht ist. Ihr Ziel: mehr Freiraum schaffen, indem sie Aufgaben übernimmt, die sonst zusätzlich belasten. Die Idee entwickelte sich aus einer einfachen Beobachtung: Viele Verpflichtungen lassen sich im Alltag kaum unterbringen, obwohl sie notwendig sind. Genau hier setzt ihr Service an. Ob Terminabstimmungen, Einkäufe, die Koordination mit Handwerker*innen oder Unterstützung bei Reisen und Veranstaltungen – die Leistungen werden individuell abgestimmt und flexibel gestaltet. Das Angebot konzentriert sich auf die Stadtteile List, Zooviertel und Oststadt, wo besonders viele Berufstätige und Familien leben. Dort sieht Xhemalaj einen hohen Bedarf an verlässlicher Unterstützung im Alltag. Mit ihrer kaufmännischen Ausbildung und Erfahrung im Marketing bringt sie die nötigen Grundlagen mit, um ihr Konzept professionell umzusetzen. Wichtig sind ihr dabei vor allem Vertrauen, Diskretion und persönliche Betreuung.

Mehr Infos unter Tel. 0175 9659111, per E-Mail an lista.concierge@gmx.de oder bei Instagram @lista.concierge.

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Der besondere Laden: Majolie – botanische Kerzen

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Der besondere Laden: Majolie – botanische Kerzen


Wenn Katya und Varduhi über majolie sprechen, leuchten die Augen der zwei Gründerinnen. Mit einer Mischung aus Mut, Stolz und dem festen Glauben daran, dass Kreativität manchmal größere Wünsche erfüllen kann als jede noch so perfekte Karriereplanung, kreieren sie ihre eigenen Kerzen und verschenken persönliche Botschaften „durch die Blume“.

Die beiden Schwestern, ursprünglich aus Armenien, wirken schon auf den ersten Blick wie ein eingespieltes Duo, das längst weiß, wohin es will. Doch der Weg zu ihren botanischen Kerzen war weniger Businessplan als Bauchgefühl. Angefangen hat alles mit Stress, Sehnsucht nach Ruhe und dem Wunsch, am Ende eines langen Tages „einfach mal was Schönes zu machen.“ Das Kerzengießen war zunächst ein ganz privates Ritual gegen den Druck, der sich im Berufsalltag aufgebaut hatte – und wuchs schnell darüber hinaus.

„Als hätten wir die Gedanken der anderen gelesen, kam uns beiden gleichzeitig die Idee, mit den Kerzen ein Business aufzubauen“, so Katya. „Es hat uns so gut gefallen, dass wir immer mehr machen wollten“, lächeln die zwei. Aus ihren Hauptberufen bringen die beiden die idealen Voraussetzungen mit. Katya ist als Augenoptikerin tätig, kennt den persönlichen Kontakt zu Kund*innen und weiß, auf deren Wünsche einzugehen. Varduhi bringt ihre Erfahrung aus Management und Buchhaltung mit. Die zwei ergänzen sich perfekt und haben in sich eine Balance zwischen Gefühl und Ordnung, zwischen Herz und Kopf gefunden.

Mit majolie, was übersetzt aus dem Französischen „Meine Schöne“ bedeutet, erweitern sie den Kerzenmarkt um einzigartige Blütenvariationen. In ihren botanischen Kerzen wirken liebevoll zusammengestellte Blumenkombinationen, als wären sie gerade erst gepflückt worden. Damit das gelingt, braucht es viel Geduld. Eine botanische Zylinderkerze zu gießen, dauert zum Beispiel etwa drei Tage. Drei Tage Schichten, Aushärten und Glätten – als würden die Schwestern sorgfältig eine Frühlingsblume wässern, die schon bald darauf erblüht.

„Die Idee zu den Blumen kam uns, weil wir etwas machen wollten, was es noch nicht gab. Etwas, das Ausdruck hat, ein Gefühl vermittelt. Wir wollten nicht einfach Kerzen machen, sondern Emotionen gießen. Mit Blumen geht das sehr gut.“

Wenn die zwei mit ihren botanischen Kerzen auf Märkte gehen, ist die Reaktion der Kund*innen oft verblüfft. „Viele Fragen, ob das tatsächlich echte Blumen sind, und sind total begeistert.“ Noch begeisterter sind sie, wenn sie hören, dass die Schwestern auch ganz individuelle Kerzen nach Kund*innenwünschen gießen. „Unsere Kerzen sollen nicht in ein Raster passen, sondern zu den Menschen, zu ihren Persönlichkeiten und Lebensphasen“, erklärt Varduhi. Düfte, Blüten und Farben können beliebig variiert und zu echten Unikaten vereint werden.

Und die Vision dahinter, Persönlichkeiten zu stärken, reicht noch weit über das Kerzenglas hinaus. Katya und Varduhi möchten Räume schaffen „in denen Frauen kommunizieren können, sich wohlfühlen und einfach Frau sein dürfen.“ Ob mit Workshops, Community-Treffen oder Expertinnen-Talks, ob es um Selbstständigkeit, Sicherheit oder berufliche Fragen geht – „wir wollen einen Ort erschaffen, an dem Frauen Antworten auf all ihre Fragen finden, sich gegenseitig stärken und Mut machen.“

Die Schwestern folgen mit majolie nicht einfach einem weiteren Trend, sondern verbinden die Schönheit eines Deko-Elements mit einer wichtigen Botschaft: Du darfst wachsen wie eine Blume, du darfst leuchten wie das Licht einer Kerze, du darfst einfach du selbst sein.

Laura Druselmann

majolie – botanische Kerzen

Podbielskistraße 270

Tel.: 01516 1608334

E-Mail: info@majolie-candles.de

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Ein letztes Wort im April

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Ein letztes Wort im April


Wir treffen uns jeden Monat, also in relativ kurzen Abständen, und es ist gar nicht so selten, dass die Welt von einem Gespräch zum anderen schon wieder eine ganz andere ist. Jetzt haben wir einen neuen Krieg. Haben Sie damit gerechnet, dass das passiert?

Ich habe das zumindest für möglich gehalten. Donald Trump spricht ja oft Drohungen aus und wir haben leider gelernt, dass er bei einigen ernst macht. Die Drohungen richten sich nicht nur gegen Iran, Venezuela, Kuba oder Grönland, sondern auch in den USA gegen diverse Gruppen. In seiner ersten Amtszeit hat man in solchen Fällen noch gesagt, dass er vielleicht einen schlechten Tag hat. Jetzt hat er nur noch schlechte Tage.

USA und Israel bombardieren den Iran, der schlägt in der gesamten Region zurück. Wie wird das enden?

Das weiß heute wohl niemand. Mir sind die Ziele der USA nicht klar. Ich verstehe wirklich nicht viel vom Militär, aber vor Beginn eines Krieges sollte man wissen, was man erreichen möchte. Mir bleibt schleierhaft, welche Ziele die USA verfolgen. Will man das Regime stürzen oder nur dessen militärischen Möglichkeiten ausschalten? Auf Dauer oder nur für eine gewisse Zeit? Oder ist ein grundlegender Wandel im Iran das Oberziel? Falls das so ist, wird man das allein mit Luftschlägen nicht erreichen. Mir erscheint es so, als ob die USA gar keine Strategie hatten, als sie den Krieg begonnen haben.

Ich denke, der Bevölkerung im Iran zu helfen, das ist weder für Israel noch für die USA ein Motiv …

Ja, ich glaube auch, das kann man ausschließen. Und auch der iranischen Führung ist die eigene Bevölkerung völlig egal. Das hat sich schon gezeigt, als die zivilen Proteste zusammengeschossen wurden und zehntausende Menschen ums Leben gekommen sind. Die Menschen im Iran sind zwischen die Mühlsteine geraten. Und jetzt werden sie von den USA bombardiert. Sie sind nicht das Ziel, aber sie werden getroffen. Das alles zu sehen, macht traurig und betroffen. Und die Iraner hierzulande können nur hilflos und verzweifelt zusehen.

Europa ist bei all dem nur Zuschauer, ohne großen Einfluss auf die Beteiligten. Was wäre ihre Agenda für Europa, um mittelfristig wieder mehr Gewicht zu bekommen?

Europa muss sicherlich zuallererst die eigenen Probleme in den Griff bekommen. Man sollte jetzt nicht versuchen, sich als Weltmacht zu inszenieren, das wäre schlicht unglaubwürdig. Aber Europa kann trotzdem eine Menge tun und sich beispielsweise neu vernetzen. Es gibt viele Länder, die nach verlässlichen Partnern suchen. Länder, die sich internationale Partner auf Augenhöhe wünschen, um auf der Basis von Regeln und mit Respekt zu kooperieren. In einer Gemeinschaft von Staaten, die auf Regeln und Verlässlichkeit setzen, müssen die europäischen Länder ganz vorne stehen und auf andere Länder zugehen. Ich denke da zum Beispiel an einige Länder der BRICS-Staaten, aber nicht alle, darunter sind ausgesprochen autoritäre Systeme. Europa sollte vernünftige Partnerschaften mit Hochdruck ausbauen. Das stärkt automatisch den eigenen Einfluss. Mangels eigener großer militärischer Macht ist der Einfluss in dieser Hinsicht derzeit begrenzt, aber in wirtschaftlicher Hinsicht sind solche Partnerschaften wichtig. Ich denke an das EU-Mercosur-Abkommen oder an eine Freihandelszone zwischen Europa und Indien. Und an den militärischen Fähigkeiten der EU angeht, wird intensiv gearbeitet, das ist auch dringende nötig. Allein das, was wir in Deutschland machen müssen, hat die finanzielle Dimension der Deutschen Einheit. Und Europa muss versuchen, eine starke eigene Verteidigungsindustrie aufzubauen, damit dieses Geld zumindest in Europa bleibt.

Der Einfluss Europas ist marginal, aber die Konsequenzen des Krieges sind für Europa sehr spürbar. Die Energiepreise explodieren. Wie sollte die Bundesregierung jetzt reagieren?

Wir sehen deutlich erhöhte Energiepreise, und das gilt nicht nur für Öl, sondern auch für Gas, weil der Preis ans Öl gekoppelt ist. Das heißt, mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung wird auch der Gaspreis unangenehm steigen. Und gleichzeitig haben wir eine Bundeswirtschaftsministerin, die offenbar ernsthaft meint, dass Gas die Zukunft unserer Energieversorgung sei. Da kann man nur sagen: das ist eine gefährliche Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher, die am Ende zahlen müssen. Die Bundesregierung sollte vernünftige, fundierte Entscheidungen treffen und da bleiben die Erneuerbaren die Energie der Zukunft. Und sie sollte Haltung zeigen. Sie sollte sich klar positionieren. Ich habe zu Beginn des Krieges gegen Iran ein deutliches Statement vermisst, dass es sich bei diesem Angriff natürlich um einen eklatanten Bruch des Völkerrechts handelt.

Haben Sie Verständnis für jene, die gegen Rüstung demonstrieren? Die fordern, dass die Bundeswehr sich von den Schulen fernhält? Oder für die Jugendlichen, die gegen eine Wehrpflicht demonstrieren?

Jein. Ich kann die jungen Leute verstehen, mich hat der Gedanke an einen Wehrdienst zu meiner Zeit auch nicht begeistert. Aber in einem entscheidenden Punkt hat sich mein Standpunkt seit Beginn des Ukraine-Krieges sehr gewandelt. Biografisch hat mich die Friedensbewegung in den 70-er und 80-er Jahren sehr geprägt und ich finde nach wie vor, dass Frieden und Abrüstung die entscheidenden Ziele bleiben müssen. Aber man kann sich die Welt, in der man lebt, nicht aussuchen. Wir sind im Moment eingeklemmt zwischen Putin und Trump. Wenn wir das tatenlos hinnehmen, machen wir uns noch schwächer und noch angreifbarer. Wir müssen in der Lage sein, unsere Freiheit und die Werte unserer liberalen Demokratie zu verteidigen.

Machen wir hier mal einen harten Schnitt. Es gibt ja noch ein Thema, die Wahlen in Baden-Württemberg. Und die SPD bei 5,5 Prozent. Ein Desaster …

Ja, das war gar kein schöner Tag. Erst verliert 96 zu Hause gegen den Tabellenletzten. Da war meine Laune schon ziemlich im Keller. Und den Rest haben dann die Wahlergebnisse in Baden-Württemberg geschafft. Ich war an dem Abend wirklich ziemlich bedient. Aber ich neige nicht zum Masochismus. Ich habe mir die Prognosen angesehen und später die Nachrichten, aber mehr nicht. Es gab einen netten Film auf arte.

Das schlechteste Ergebnis bei Landtagswahlen, das es jemals gab. Viele Leute wissen offenbar nicht mehr so genau, wofür die SPD steht. Sie wird momentan sogar eher als Partei gesehen, die Reformen verhindert.

Das ist aktuell vielleicht richtig, aber auf der anderen Seite gibt es Umfragen dazu, welche Partei man sich noch vorstellen könnte zu wählen, außer der, die man gewählt hat. Und da kommt die SPD noch immer auf Werte bis zu 50 Prozent. Wenn aktuell aber nur etwa 14 Prozent im Bund der SPD ihre Stimme geben würden, machen wir offensichtlich etwas falsch. Ich glaube, die Grundideen der Sozialdemokratie sind vielen Leuten nach wie vor sympathisch. Aber sie sind nicht überzeugt, dass die SPD sie durchsetzen kann. Das wird auch kein neues Grundsatzprogramm schaffen können, so notwendig es auch ist. Wir bewegen uns in großen Teilen in einer völlig neuen Welt. Wir haben eine technologische Revolution, die gleichzeitig eine Kulturrevolution ist. Wir haben den Klimawandel, der über Generationen hinweg die Lebensbedingungen unserer Gesellschaft prägen wird. Die Geopolitik strebt nicht nach Freundschaft und Partnerschaft, sondern ist hart konfrontativ. Die SPD muss es schaffen, ihre nach wie vor aktuellen Werte in diese neue Welt zu transferieren. Wir müssen überzeugende Antworten auf Fragen geben, die wir uns vor Jahren ein paar Jahren noch nicht gestellt haben. Und aktuell muss sich die SPD zuallererst für das Thema Wirtschaft zuständig fühlen. Daran hängen die Arbeitsplätze und die soziale Sicherheit. Leider sagen auf Bundesebene nur noch acht Prozent der Leute, dass sie die SPD in Wirtschaftsfragen für kompetent halten. Das muss sich dringend ändern.

Wir sprechen kurz vor der nächsten Wahl in Rheinland-Pfalz am 22. März. In den Umfragen liegt die SPD dort bei 27 oder 28 Prozent. Die CDU ungefähr gleichauf. Ich prophezeie das nächste Debakel. Sie geben die Hoffnung nicht auf, oder?

Nein, ich halte dagegen. Die Umfragen zeigen sehr deutlich, dass Alexander Schweitzer als Ministerpräsdent eine mit Abstand größere Unterstützung hat als sein Konkurrent. Und ganz am Ende wählen viele Leute eben auch und vor allem Menschen. Aber warten wir‘s getrost ab.

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