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Ein offener Brief an… Nicolás Maduro

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Ein offener Brief an… Nicolás Maduro


Lieber Nicolás, wir wollten nicht verpassen, dir für deinen neuen Job viel Glück zu wünschen. Das fühlt sich für dich wahrscheinlich gerade alles noch total ungewohnt an in den USA, oder? Gerechnet hast du ja offensichtlich nicht mit dieser Beförderung. Wobei es dir eigentlich hätte klar sein müssen. Wer sich derart empfiehlt, wird geheadhunted. Du hast einfach zu viel richtig gemacht.

Deine Regierungstruppen und Sicherheitskräfte haben regierungskritische Leute ohne rechtliche Grundlage verhaftet und misshandelt. Viele sind einfach für immer verschwunden. Andere wurden ganz offen umgebracht. Du hast sehr nachhaltig die Menschenrechte mit Füßen getreten. Du hast die Demokratie und politische Pluralität systematisch untergraben. Du hast Wahlen manipuliert. Du hast das Parlament entmachtet. Du hast die Gewaltenteilung abgeschafft. Du hast die Opposition drangsaliert und schikaniert, sie ins Gefängnis gesperrt oder ins Exil getrieben. Du hast die Justiz und die Medienfreiheit eingeschränkt und du hast deine Sicherheitskräfte gerne einfach so auf Menschen gehetzt. Du hast die Armen immer ärmer werden lassen, während du dich bereichert hast. Korruption und Misswirtschaft waren deine liebsten Hobbys. Man munkelt auch etwas von Drogen in Cacao-Säcken. Kurz, du hast deine autoritäre Herrschaft mit allen Mitteln zementiert und man kann schlicht feststellen, dass du in Amt und Würden ein unglaubliches Arschloch warst.

Und klar, da werden nun einige schimpfen, über dieses Urteil, weil du ja das einzig übrige Bollwerk warst, der letzte Anti-Imperialist, mit dem man sich gemeinsam so herrlich empören konnte gegen den Westen und gegen die gemeinen Sanktionen und gegen den Kapitalismus. Wenn etwas klemmte, waren es die USA. Inflation? Hunger? Stromausfälle? Überall hatte die CIA ihre Finger im Spiel. Herrlich! Klar würde der Sozialismus funktionieren, aber die Amis machen ja immer alles kaputt. Und Armut ist im Grunde nur eine Form von Widerstand. Es war so schön, mit dir gemeinsam auf der moralisch richtigen Seite zu stehen. Das ist nun natürlich alles vorbei. Verständlich, dass nun manche traurig sind. Aber hey, vielleicht ist das auch ein neuer Anfang vom Ende.

Du spielst jetzt jedenfalls in Donalds Team. Klar, das läuft momentan noch alles heimlich. Er kann ja nicht so einfach zugeben, dass der wahre Grund deiner Entführung sein Interesse an deiner Expertise war. Wie steuert man ein Land in eine Autokratie, in eine Diktatur? Wer weiß das besser als du? Falls Donald Trump noch irgendwelche Skrupel hat, wirst du sie ihm ganz sicher ausreden. Und dann, in ein oder zwei Jahren, wird alles egal sein. Und du wirst das Gästehaus in Mar-a-Lago verlassen und alle auslachen, die gedacht haben, dass du im Gefängnis gesessen hast. Und dann werdet ihr beide eine Runde Golf spielen. Oder? Stimmt das alles gar nicht und du sitzt am Ende doch im Knast? Dann bist du aber schön blöd. Du hättest es wirklich wissen müssen. Irgendwo auf der Welt gibt es immer einen, der ein noch größeres Arschloch ist als man selbst. Und der hat dich jetzt am Wickel. So der so.

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Tonträger Februar 2026

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Tonträger Februar 2026


Zah1de – „Pretty Privilege“
Niemand fühlt Musik intensiver als ein Teenager. Das gilt auch für die Rapperin, deren Name irgendwie an eine BIC erinnert. Künstlerisch eher uninteressant, da nichts davon ihrer eigenen Feder entstammt, aber hand- und mundwerklich extrem beeindruckend. Wenn es zu einem zweiten Album kommt, müssen sich einige alten Hasen sehr warm anziehen.

J.B.O. – „Haus of the Rising Fun“
Die sind lustig, wenn du unter 20, betrunken und gerade in Erlangen bist (eigene Erfahrung). Danach: Schlimm und peinlich. Als Beweis dafür dient auf diesem Album u.a. „Woke on the Smater“. Die 90er-Jahre haben angerufen, sie wollen ihre Spoonerismen genau so sehr zurück wie die Original-Songs ihre Würde. An die Band: Bitte löst euch auf.

Von Wegen Lisbeth – „Strandbad Eldena“
Top-Idee: Ins Wachsfigurenkabinett gehen. Man ist unter Leuten, aber alle halten die Fresse. Der beste Gedanke auf diesem Album. Der Rest ist eine Aneinanderreihung „unterhaltsamer“ Gleichnisse, bei denen man die Stimmen junger Leute im Hinterkopf hat „Voll random! Aber same here, total relatable!“. Kann weg.

Alter Bridge – self titled
Wer immer noch Creed hinterher trauert, dem ist auch nicht zu helfen. Harte Riffs, komplexes Songwriting, wuchtiger, kompromissloser Sound, darüber treiben Tremonti und Kennedy einander an und singen sogar gemeinsam (und beide gut). Das Album schließt mit einem 8minütigen Meisterwerk – wird von Genrevertretern in 2026 hart zu schlagen sein.

Beyond The Black – „Break The Silence“
Musikalische Übertötung! Von den meisten Effekten hätten ein paar Tropfen gereicht, aber die Band bevorzugt einen Eimer voll. Es ist zu viel von allem, gepaart mit einem bulgarischen Chor hier, französischem oder deutschem Gesang dort. Als hätte man ein Kleinkind eine ohnehin zu süße Hochzeitstorte dekorieren lassen. Schade eigentlich.

Hinterlandgang – „Vielleicht wird alles gut“
Sie sind nicht die größten Rapper oder akrobatischsten Wortzauberer, aber sie haben ein untrügliches und exzellentes Auge für Bilder. Hört man ihnen zu, wähnt man sich selbst im Hinterland, grau und verlassen in einem Ort, der auf -ow oder -in endet, irgendwo in MeckPomm. End- 80er- Klangästhetik trifft auf Wende-Vibes, Rap und Liebe. Skurril.

Versengold – „Eingenordet“
Es ist rund, abwechslungsreich und hitdicht, Freunde von Mythen kommen ebenso auf ihre Kosten wie Melancholiker und Trunkenbolde. Also alles richtig gemacht, könnte man meinen. Oder? Hm, weiß nicht: Irgendetwas stört. Versengold haben die (ostentativ) richtige Haltung, das wird unterstrichen, indem man ein Feature mit einem anderen Großen auf die Beine stellt (hier Sebastian Madsen, „Falscher Leuchtturm“), denn schließlich machen das heute alle so. Man gönnt sich Klamauk und Lustigkeiten, mit dem Ergebnis, dass es klingt, als hätte man den Ballermann nach Kappeln an der Schlei verlegt (vgl. „Klabauterfrau“, „Dans op de Deel“). Letztlich bleiben es Haus-Maus-Reime, gewandet in – man verzeihe das Wortspiel – Seemannsgarn, gewoben aus In Extremo, J.B.O. und den Dubliners. Kann man bestimmt gut finden, wenn man denn will, aber eigentlich zu viel von zu viel.

Die Sterne – „Wenn es Liebe ist“
„Langeweile ist ein Pulverfass, am Ende bist du Fan von irgendwas“. Da komm ich ins Schwitzen: Ist mir etwa langweilig? Denn: Was ist das für eine gute Platte, bitte? Ich habe diesen ganzen Hamburger Schule-Diskurs-Pop immer verstehen wollen, was mir aber nie gelang, da viel zu ernstgemeint und spaßbefreit, das alles. Along comes Frank Spilker. Schon der erste Track, „Ich nehme das Amt nicht an“ (großartig auch das Video in schwarz-weiß: Spilker als Atze Schröder-Lookalike mit Vampirzähnen) macht Freude und versprüht ein bisschen David Byrne-Vibes, während beim zweiten („Ändern wir je den Akkord?“) die Rhythmusgruppe treibend und eindrucksvoll The Ruts-mäßig vor sich hin rametert. Und so schön geht‘s weiter bis Track 10, das Highlight ist aber Nummer 6, „Ich habe nichts gemacht (außer weiter)“. Nahezu herrlich! Ja, warum denn nicht gleich so?

IH

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Wohnzimmeratmosphäre im Dinky Café

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Wohnzimmeratmosphäre im Dinky Café


Mitten in der Nordstadt, ein paar Schritte abseits vom Trubel, fühlt sich das Dinky Café an wie ein Besuch bei Freund*innen: klein, warm, ein bisschen zusammengewürfelt – und genau deshalb so charmant. Gründerin Lena Mähnß hat sich hier ihren Traum erfüllt: ein Café, das nicht auf Lautstärke setzt, sondern auf Atmosphäre.

Zwölf Plätze gibt es drinnen, sechs draußen – und schon für 2026 sind zusätzliche Sitzplätze im Außenbereich geplant. Der Name passt perfekt zum Konzept: Dinky bedeutet im Englischen „klein“ und „schnuckelig“. Oder wie Lena es selbst beschreibt: „Es ist die Wohnzimmeratmosphäre – das Gemütliche und vielleicht auch das leicht Zusammengewürfelte mit viel Liebe zum Detail.“

Tatsächlich erzählt jeder Winkel im Dinky eine kleine Geschichte. An den Wänden hängt Kunst von lokalen Künstler*innen, auf den Tischen stehen Pflanzen, und sogar die Keramik hat ihren eigenen Ursprung: „Wir verkaufen Keramik aus einem kleinen Studio aus der Südstadt. Dort wurden auch unsere Flat-White-Tassen von Hand getöpfert“, sagt Lena. Dazu kommen kleine Formate, die das Café zu einem Treffpunkt machen – nicht nur für Kaffeefans, sondern für Menschen, die sich nach Gemeinschaft sehnen.

Auch das Angebot folgt einer klaren Idee: Qualität, Transparenz – und konsequente Haltung. Der Kaffee stammt aus einer kleinen Rösterei, die Bohnen sind fair gehandelt, die Lieferkette nachvollziehbar, die Herkunft sortenrein von einer einzelnen Plantage. Dazu gibt’s ausschließlich vegane Kuchen und Backwaren – und ein Aushängeschild, das mittlerweile vielen in der Nordstadt ein Begriff sein dürfte: „Lenns selbstgemachte Zimtschnecke“. Ergänzt wird die Karte durch gefüllte Donuts und hausgemachte Quiche. Lenas Zielgruppe? Möglichst alle. „Alle sind herzlich willkommen: Menschen aus der Nachbarschaft, aus der Uni, jüngere und ältere Gäste – alle, die gerne guten Kaffee trinken“, sagt sie. Und auch hier setzt sie einen Akzent, der zum Dinky passt: „Bei uns kostet Kuhmilch einen Aufpreis. So drehe ich den Spieß um und schaffe einen Anreiz für Hafermilch. Und es funktioniert tatsächlich.“

Dass Lena einmal ihr eigenes Café führen würde, war nicht von Beginn an Plan A: „Während meines Studiums habe ich in der Gastronomie in der Küche gearbeitet – und hatte richtig Spaß daran. Außerdem backe ich sehr gerne“, erinnert sie sich. Nach dem Bachelor in Wirtschaftsmathematik wurde aus der Idee schließlich ein echtes Vorhaben: „Die Idee eines eigenen Cafés hat aber erst nach meinem Bachelor richtig Fahrt aufgenommen.“

Mutig war dabei nicht nur die Idee – sondern vor allem das Durchhalten. Denn ursprünglich war das Projekt nicht als Solo-Nummer gedacht. „Anfangs waren wir zu dritt. Als im Februar der Mietvertrag anstand, sind die anderen beiden abgesprungen. Ich wollte es aber unbedingt – und habe es dann allein durchgezogen.“ Heute arbeitet Lena mit einer Teilzeitkraft und drei Minijobberinnen zusammen. Und weil kreative Synergien in der Nordstadt oft nur eine Tür weiter liegen, teilt sie sich die Miete mit einem kleinen Tattoo-Studio im selben Gebäude. Beide Unternehmen sind eigenständig, aber eng verbunden: Tattoo-Kund*innen bekommen Rabatt im Café – und die Kunst der Artists ist im Dinky ausgestellt.

Unterstützung auf dem Weg in die Selbstständigkeit fand Lena auch bei hannoverimpuls. „Ich habe dort alle wichtigen Informationen bekommen, zum Beispiel zum Gründungszuschuss und zu den Voraussetzungen“, sagt sie. Besonders entscheidend sei die Hilfe beim Finanzplan gewesen: „Das Team stand mir bei allen Fragen zur Seite.“ Für Lena war nicht nur das Wissen wichtig, sondern auch das Gefühl, ernst genommen zu werden. „Die respektvolle und persönliche Betreuung war großartig und hat mein Selbstbewusstsein für die Umsetzung meines Traums enorm gestärkt.“

Auch Kristina Ebel, Projektleitung Gründerinnen-Consult bei hannoverimpuls, erinnert sich an den Start: „In Lena spürte ich direkt, dass das Dinky ihr Herzensprojekt ist. Sie ist die Seele des Cafés – und das merken sicherlich auch die Gäste.“ Genau das sei der Kern der Beratung: „Wir unterstützen, vernetzen und stehen mit Rat und Tat zur Seite, um Träume wie den von Lena Wirklichkeit werden zu lassen.“

Lena dazu: „Einfach mal machen – auch wenn es leichter gesagt als getan ist. Geht zu Beratungsstellen wie hannoverimpuls und holt euch Unterstützung. Die wissen, wie es geht.“

Wer im Dinky Café sitzt, eine Zimtschnecke vor sich und die handgetöpferte Tasse in der Hand, merkt schnell: Das hier ist nicht einfach nur ein Geschäftsmodell. Es ist ein Gefühl. Und genau das macht das Dinky so besonders.

AL

Dinky Café
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 10–18 Uhr
An der Lutherkirche 5
30167 Hannover

Instagram: @dinky.cafe

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Literarisches: Heike Wolpert

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Literarisches: Heike Wolpert


Heike Wolpert ist im Pool hiesiger Lokal-Autor*innen längst fest etabliert. Mit bekannten Kolleginnen wie Bettina Reimann, Sibylle Narberhaus oder Claudia Rimkus war sie schon häufiger Teil gemeinschaftlicher Projekte, ihre Katzenkrimi-Reihe um Kater Socke ist bereits in die fünfte Runde gegangen – bzw. in die sechste Runde, wenn man ihr Weihnachtsbuch „Vier Pfoten für ein Wunder“ mitzählt – und Lesungen hält Wolpert auch immer wieder ab, demnächst etwa am 17. April im Theater der Nacht in Northeim. Bei ihnen zeigt sich dann nicht nur immer wieder, dass die Leser*innenschaft ihrer Katzenkrimis vornehmlich weiblich ist, sondern dass diese Romane, die ja stets auch Hannover-Romane sind, weniger die Regionalkrimi-Fans begeistert, sondern eben vor allem die Katzenroman-Liebhaber*innen – aus welcher Region sie auch stammen mögen …

Den Boom der in den letzten Jahren merklich angewachsenen Katzenromane kann Wolpert gut nachvollziehen: „Katzenkrimis anderer Autor*innen gibt es einige – und die sind alle klasse. Gerade habe ich für mich die Krimis von Martina Hancke neu entdeckt: ,The Pussycat Poisener‘ und ,The Dog Racing Dealer‘ – Cosy-Crime mit Kater, Hund und viel Humor.“ Ähnlich dürften auch andere Leser*innen über Wolperts Katzenkrimis denken, denn inzwischen erhält Wolpert „Rückmeldungen von Katzen-Fans aus ganz Deutschland und darüber hinaus, was mich sehr freut!“ Darunter befand sich sogar „eine Postkarte des Bürgermeisters von Bad Harzburg, der mich nach der Lektüre von ,Schönheitsfehler‘ sogar spontan in den Harz eingeladen hat.“

Im Februar darf ihr vierbeiniger Ermittler Kater Socke nun sein erstes Schnapszahl-Jubiläum feiern und – während Wolpert selbst Ende Februar ihren 60. Geburtstag begeht – auf elf Jahre erfolgreichen Ermittlerdaseins zurückblicken, denn Wolperts Debütroman „Schönheitsfehler“ kam Anfang Februar 2015 auf den Buchmarkt. Ausgesetzt in einer Katzenbox stieß Kater Socke damals auf einen Leichnam und ging der Angelegenheit neben dem Hauptkommissar Peter Flott auf den Grund. Schon im Folgejahr ließ Wolpert „Schlüsselreiz“ folgen: Darin geht Socke zunächst auf der hannoverschen Heimtiermesse eigenen Verwandtschaftsverhältnissen auf den Grund, ehe plötzlich ein toter Wachmann gefunden wird und Flott und Socke wieder alle Hände respektive Pfoten zu tun haben.

Seitdem ist Socke immer wieder aktiv: in „Katertrunk“ (2018), in „Katergericht“ (2019) und in „Katzenrausch und Katertausch“ (2023) sowie dem erwähnten, liebevoll illustrierten Weihnachtsbuch, das im August des letzten Jahres herauskam – und worin es Kater Socke samt Tigerkatze Clooney mit einem verschwundenen Mädchen und dem süßen Hund Fiete aus dem Tierheim zu tun bekommt.

Inspiration aller Kater-Socke-Romane ist Wolperts eigener Kater Socke, der ihr und ihrem Mann im Jahr 2009 zugelaufen ist. Damals lebte die gebürtige Bad Mergentheimerin bereits seit 19 Jahren in Hannover – bei der Norddeutschen Landesbank unter anderem für Programmierung und Businessanalyse zuständig. Der Vierbeiner machte aus der Krimi-Liebhaberin zunächst auch einen Fan von Katzenromanen – und schließlich eine Katzenkrimi-Autorin, die selbstverständlich, etwa mit ihren „Taubertal“-Bänden, auch ohne tierische Protagonist*innen auskommt. Der Plan eines eigenen Katzenkrimis reifte Anfang 2013 heran, das Manuskript war dann Anfang 2014 fertig. Für Wolpert ist „Schönheitsfehler“ als erster eigener Roman freilich etwas ganz besonderes; zugleich hält sie „Katzenrausch und Katertausch“ aufgrund der eigenen Weiterentwicklung für ihren gelungensten Katzenkrimi.

Und weitgehen soll es auf jeden Fall: Da wäre zunächst Wolperts bzw. Kater Sockes „Kolumne in einer Katzenzeitschrift, die auch 2026 fortgeführt wird“, wie Wolpert verrät. Im Frühjahr wird sie zudem bei der Anthologie „Mord auf Norddeutsch“ mit dabei sein, gegen Jahresende voraussichtlich auch in einem dritten Band der Reihe „Plätzchen, Diebe, Fest der Liebe“. Und neue Romanprojekte? „Da habe ich viele. Ob mit oder ohne Katze, vielleicht sogar zusammen mit einer Co-Autorin? Da geht mir einiges durch den Kopf. Auf jeden Fall wird es etwas mit viel (schwarzem) Humor werden.“ Man darf also gespannt sein …

CK

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Der Freundeskreis im Gespräch mit Ariane Jablonka und Assunta Verone

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Der Freundeskreis im Gespräch mit Ariane Jablonka und Assunta Verone


Wir treffen uns heute im Klavierhaus Döll im Lister Pelikanviertel mit der Geschäftsführerin Ariane Jablonka (AJ) und der Künstlerin Assunta Verrone (AV). Beide sind Mitglieder im Freundeskreis und teilen eine Leidenschaft: die Liebe zur Kultur. Seit Jahren engagieren sie sich in Hannovers Kulturszene.

Stellt euch zum Einstieg einfach kurz selbst vor.

AV: Ich bin Künstlerin, komme aus Italien und habe dort Politikwissenschaften studiert. Als ich dann nach München gezogen bin, habe ich gemerkt, dass Sprachbarrieren mich zu sehr einschränkten. Ich konnte nicht so arbeiten wie in Italien und habe mich darum neu orientiert. Was folgte, war eine Bewerbung an der Akademie der Bildenden Künste. Ich habe mich also für die Kunst entschieden. Und gleichzeitig meine Leidenschaft für die Philosophie entdeckt, die ich mit meinem Mann teile. Er ist Philosoph. Gemeinsam betreiben wir seit 25 Jahren den Treffpunkt Ästhetik in Hannover und verbinden dort Philosophie mit Kunst und Musik. Außerdem organisieren wir noch das Festival der Philosophie.

Was ist das für ein Festival?

AV: Die Idee stammt aus Modena, Italien, von Michelina Borsari. Sie wollte ein Netzwerk in ganz Europa aufbauen, ein Netzwerk der Festivals. In Köln ist sie zuerst auf Ablehnung gestoßen, aber wir hier in Hannover fanden die Idee großartig und haben sie umgesetzt, wie auch St. Emillion in Frankreich, St. Andrews in England und Velke Mezerici in Tchechien. Inzwischen haben sich die Festivals der Philosophie vermehrt. Wir sind in Kontakt mit Tschechien. Der Austausch mit anderen Ländern ist wichtig und immer inspirierend.

Was erwartet die Besucher*innen beim Festival der Philosophie?

AV: Wir möchten die klassische Kontinentalphilosophie lebendig halten und servierfertig anbieten. An Universitäten dominieren heute ja eher die Wissenschaftsphilosophie und Linguistik, oft mit Fokus auf Logik. Wir hingegen wollen eine Philosophie, die im Dialog mit der Gesellschaft steht. Sie soll Frieden, vor allem sozialen Frieden, Demokratie und den Austausch fördern. Unser Ziel ist, dass Menschen wieder miteinander reden. Das ist die Basis. Philosophie war immer der Anfang von allem. Sie inspiriert Kunst und Musik und steht vor allen anderen Künsten. Diese Synergie bereichert alle Disziplinen. Philosophie setzt wichtige Impulse.

Ariane, du kennst das, Kunst erlebbar zu machen, oder?

AJ: Ja, das stimmt. Ich bin Ariane Jablonka, Geschäftsführerin vom Klavierhause Döll. Wir sind vor zwei Jahren hier ins Pelikanviertel gezogen und haben damit einen lebendigen neuen Ort für Musik geschaffen. Unser Geschäft ist eine Art Concept Store mit dem Fokus auf dem Verkauf von Klavieren und Flügeln. Gleichzeitig bieten wir aber Raum für Bildende Kunst. Wir haben bereits Werke von Künstlern wie Wolfgang Kessler über unsere Kooperation mit dem Kunsthaus Hannover und Portraits im Rahmen des Heros Charity Projektes von Michael Strogies gezeigt. Nachdem wir 20 Jahre lang das Festival Klassik in der Altstadt veranstalten durften, haben wir uns gedacht, dass es eine schöne Idee ist, dieses Festival als KLASSIK IM PELIKANVIERTEL nun hier zu etablieren, wo ja auch viele unserer Unterstützer sind.

Und hat dieser Umzug funktioniert?

AJ: Es hat super funktioniert. Es war ohnehin schwierig, die Spielstätten in der Altstadt zu erhalten. Die Innenstadt hat sich hinsichtlich der Bedingungen stark verändert. Also war der Schritt hierher ins Pelikanviertel sehr logisch. Wir haben mit sehr wenig Vorlaufzeit ein wirklich großes Festival organisiert mit 25 Konzerten an zwei Wochenenden im September und an drei Tagen im Oktober. Das war klasse, aber auch sehr sportlich. Es gab große und kleine Bühnen, viele unterschiedliche Spielstätten und ein vielfältiges Programm.

Also nicht nur Klassik?

AJ: Genau, wir wollten mehr Cross over präsentieren von Klassik über Jazz bis Pop und Boogie Woogie war alles dabei. Ein künstlerisches Potpourri, von alter barocker Musik bis zu modernem Jazz. Wir hatten zum Beispiel Lutz Krajenski hier mit einer Sängerin aus Berlin. Wir haben das Programm dazu mit kleinen, neuen Formaten ergänzt, etwa einem Yoga-Klavierkonzert in der N-Bank und einem Inklusionskonzert. Solche Kooperationen sind großartig. Auch das Tandure gegenüber hat eine Bühne für Open-Air-Konzerte angeboten. Hier im Klavierhaus hatten wir ebenfalls ausverkaufte Veranstaltungen. Das Festival hatte eine unglaubliche Bandbreite und entsprechend hatten wir ein bunt gemischtes Publikum, von Kindern bis zum gängigen Klassikliebhaberpublikum.

Also ein voller Erfolg trotz neuem Standort?

AJ: Absolut. Bei manchen Konzerten standen 300 Leute bis zur Tür hinaus. Insgesamt hatten wir rund 5.000 Besucher*innen an sechs Tagen. Wir werden darum das Festival unbedingt fortsetzen, diesmal aber im Sommer, um eine noch schönere, sommerliche Atmosphäre zu haben. Geplant ist das nächste Festival KLASSIK IM PELIKANVIERTEL vom 21.- 30. August. Ich wünsche mir eine noch stärkere Verbindung zu anderen Künsten, etwa zum Tanz oder auch zur Philosophie. Beim ersten Anlauf ist so etwas schwer umsetzbar, aber es bleibt ein Ziel für die Zukunft.

Dann passt es ja perfekt, dass Assunta hier ist. Ist bei euch ebenfalls die Tür auf für Kooperationen?

AV: Auf jeden Fall. Unser nächstes Festival der Philosophie ist aber erst für 2027 geplant. Wobei wir natürlich schon jetzt planen. Jedes Festival bekommt immer ein Thema, etwa Seele, Nachhaltigkeit, Schönheit oder Freiheit. Diese Themenfindung ist nicht so schwer, sie sollte nur in zwei Jahren noch aktuell sein. Seit der Pandemie zeichnen wir übrigens alles auf, sodass man das Festival online nacherleben kann. Und außerdem veröffentlichen wir begleitend immer ein Buch mit den Manuskripten, so bleibt etwas für alle erhalten. Es ist ein Beitrag zur Philosophie insgesamt, denn viele Impulse, die wir während unseres Festivals geben, fehlen an den Universitäten. Viele Masterstudiengänge sind zum Beispiel inzwischen auf Englisch, aber die deutsche Sprache ist viel reicher an Wortvielfalt und -akrobatik. Bei Übersetzungen geht oft etwas verloren. August Schlegel hat gesagt, die deutsche Sprache können fast alle Gedanken ausdrücken. Darum finde ich es schade, wenn Philosophie an Universitäten nur auf Englisch gelehrt wird. Das schafft eine Distanz zwischen Philosophie und Gesellschaft. Ich stelle mir immer die Frage, wie wir verhindern, dass die Philosophie im Elfenbeinturm bleibt.

Eine sehr gute und wichtige Frage.

AJ: Als ich im letzten Jahr das Festival der Philosophie besucht habe, war ich begeistert von der Vielfalt und von der Faszination der Leute für das Thema. Die Eröffnungsveranstaltung in der Marktkirche war anspruchsvoll und beeindruckend. Bernhard Taureck hat einen Vortrag gehalten, der mich wirklich mitgerissen hat. Ein großer Philosoph. Sehr komplexe Gedankengänge, aber ganz klar strukturiert. Es hat sich angefühlt, als hätte man ein philosophisches Hörbuch in Expressform inhaliert. In einer Stunde war da unglaublich viel drin, ohne dass man den roten Faden vermisst hätte.

Also herausfordernd und bereichernd zugleich?

AJ: Genau. Es ist diese moderne Art zu denken, die mich fasziniert. Man muss sich trauen, neue Interpretationen zu wagen. Das Festival regt dazu an, sich auf solche Gedanken einzulassen. Letztes Jahr lautete die zentrale Frage: Was ist dir heilig? Spontan habe ich zu meinem Partner gesagt: Meine Familie. Aber dann begann das Nachdenken: Was bedeutet heilig wirklich? Wie definieren andere das? Plötzlich eröffnen sich neue Ebenen, die im Alltag oft verborgen bleiben. Dafür braucht es Zeit und den Mut, sich auf Neues einzulassen.

Gedanken austauschen, um ins Gespräch zu kommen, mit sich selbst oder anderen. Das klingt nach Philosophie!

AJ: Ja, und in der Kulturszene ist das essenziell. Letztes Jahr haben wir mit dem NDR RedakteurInnen das Format „Talk und Talente“ entwickelt. Junge Künstler*innen stellen sich vor und sprechen über ihre Arbeit: Wie entstehen Ideen? Wie setzt man sie um? Welche Rolle spielen soziale Medien? Es war ein inspirierender Austausch. Zudem hatten wir ein Konzertformat „Junge Leidenschaften“ bei dem die Young Artists aufgetreten sind. Das sind talentierte Musiker*innen, noch keine Profis, die auf hohem Niveau musizieren. Von Filmmusik bis zu eigenen Kompositionen war alles dabei. Diese Vielfalt verbindet Assunta und mich: die Faszination für Kunst und Kultur. Ich selbst male zwar nicht so gut wie Assunta, aber ich genieße es, Kunst zu erleben. Solche Erlebnisse bringen Menschen zusammen. Nur so entsteht gemeinsames Denken, ein gemeinsames Erleben.

Philosophie heißt ja „Die Liebe zum Denken“. Klingt eigentlich ganz leicht, sobald man sich mal darauf eingelassen hat.

AV: Das ist nicht immer so einfach. Beim letzten Festivalthema „Was ist dir heilig?“ musste ich mich gegenüber der taz verteidigen für so ein Gedankenthema. Ich musste erklären, dass unser Festival kein zweiter Kirchentag ist. Das Heilige ist eine eigene Kategorie. Rudolf Otto, ein berühmter Religionsphilosoph aus Peine, hat das beschrieben. Oder Mircea Eliade aus Rumänien. Heute fehlt uns oft das Gefühl für das Heilige. Eine Frau auf dem Festival hat gesagt, Kinder seien das Heiligste. Das fand ich sehr schön. Kinder brauchen deshalb besonderen Schutz und Räume, doch genau das fehlt ihnen oft.

Euer Festival ist offen für alle und kein elitärer Zirkel?

AV: Das ist unsere Grundidee, inspiriert von Modena. In Italien gibt es jedes Jahr das Festival mit sehr viel mehr Besucher*innen und einem festen Budget, unterstützt von Banken und der Region. In Hannover fehlt uns dieses finanzielle Fundament. Wir arbeiten mit Spenden und versuchen so, die Philosophie zurück auf den Marktplatz zu bringen. Also dorthin, wo sie entstanden ist.

Wie steht es denn generell um die Unterstützung in Hannover?

AV: Wir haben kein festes Budget und sind tatsächlich sehr auf Spenden angewiesen. Förderungen sind schwierig, weil Philosophie weder als Wissenschaft noch als Kunst gilt. Sie hinterlässt kein greifbares Ergebnis, man kann sie nicht anfassen, sondern sie zeigt sich im Kopf und im Herzen. Das macht es im kapitalistischen System schwer.

AJ: Wir haben glücklicherweise traditionell sehr starke Supporter wie das Kulturbüro der Landeshauptstadt und dies Stiftung Sparda-Bank Hannover. Wir sind Partner von UNESCO City of Music. Letztes Jahr haben haben wir neue Unterstützer wie das Porsche Zentrum, Sheraton Hannover Pelikan Hotel und N- Bank bekommen. Und manchmal helfen auch Sachleistungen, etwa eine kostenlose Saalnutzung. Jede kleine Spende zählt. Wenn jede und jeder nach seinen Möglichkeiten etwas beiträgt, hilft das enorm. Vielleicht müssen wir auch noch neue Ideen entwickeln. Ich denke etwa an ein Mentoring-Programm: Familien könnten Künstler*innen ein Gästezimmeranbieten. Solche Ansätze könnten eine Art kulturelle Börse schaffen, die Menschen und Projekte verbindet.

Kultur also mal wieder als Brückenbauer einer entfremdeten Gesellschaft?

AJ: Genau. Kultur kann Plattformen schaffen, auf denen sich Menschen begegnen und austauschen. Ein Zettelboard für kulturelle Projekte wäre eine schöne Idee. Suche Gastgeber für Künstler*innen! Wer unterstützt ein Orchester? Solche Netzwerke könnten viel bewegen.

Wie kann die Philosophie sich aktiv einmischen?

AV: In Wien gibt es zum Beispiel einmalig den Studiengang „philosophische Praxis“, der den Menschen Orientierung bietet. Auch Hannover bräuchte solche Ansätze. Philosophie kann als Lebensbegleitung helfen, besonders bei jungen Menschen, die ihren Weg oft noch finden müssen. Das würde die Gesellschaft bereichern.

Macht ihr euch momentan Sorgen um unsere Gesellschaft?

AV: Wir müssen uns keine Sorgen machen, wenn wir in Bewegung bleiben. Das Festivalthema 2026 in Velke Mezerici ist „Brücken und Abgründe“. Wenn man etwas tut, baut man Brücken. Angst entsteht dagegen in der Stille, wenn nichts geschieht. Wir müssen Menschen ermutigen, sich nicht zu verstecken und ihre Gedanken zu teilen. Nur so können wir Brücken bauen. Und wir brauchen das Regionale, das Lokale. Wirtschaft und Kultur sind aus meiner Sicht sehr eng verbunden. Der lokale Handel ist ein Beispiel. Online-Shopping zerstört den Sinn für den Standort. Dabei gibt es vor Ort großartige Geschäfte. Dieser Sinn für den Standort, das muss neu gefühlt werden. Das ist auch Kultur.

AJ: Handel ist vor allem auch immer Kommunikation. Nicht jedes Gespräch im Laden ist ein Verkaufsgespräch. Oft geht es um Ideen, um Austausch. Die Frage ist: Wie bringen wir Menschen dazu, sich einzubringen? Zeit, Kreativität und Ideen sind so wertvoll. Nur im Dialog können wir eine lebenswertere Gesellschaft schaffen.

Also nach vorne durch Begegnung?

AJ: Genau. Begegnung bedeutet aber auch, Widerspruch zuzulassen. Unterschiedliche Meinungen fördern die Entwicklung und halten die Neugier wach. Das macht das Leben spannender.

AV: Es gibt das Konzept der Reziprozität und das bedeutet mehr als ein einfaches Geben und Nehmen zwischen zwei Menschen. Es schließt Dritte, Vierte und viele andere ein. Ich muss nicht demjenigen etwas zurückgeben, der mir etwas gegeben hat. Stattdessen geht es um ein größeres Prinzip: Ich gebe der Gemeinschaft etwas und erhalte von jemand anderem etwas zurück. Und das nicht unbedingt von dem, dem ich geholfen habe. Wir müssen wieder lernen, dieses größere Ganze in Bewegung zu setzen. Dieses enge Denken im direktem Geben und Nehmen bringt keine Gesellschaft zum Blühen.

Interview: Annika Spohn, Lars Kompa

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Ehrenamtliches Engagement: MediNetz Hannover e.V.

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Ehrenamtliches Engagement: MediNetz Hannover e.V.


Es macht mich wahnsinnig glücklich, wenn ich einen Termin klarmachen kann – sei es beim Hausarzt oder eine Vorsorgeuntersuchung für eine Schwangere“, strahlt Banu, eine der Ehrenamtlichen im MediNetz Hannover. Diese leidenschaftlichen Worte treffen den Kern dessen, was den Verein seit über zwei Jahrzehnten antreibt.

MediNetz Hannover ist keine gewöhnliche Studierendeninitiative, keine klassische Patient*innenberatung und auch keine staatliche Anlaufstelle. Es ist ein Netzwerk aus Studierenden, jungen Ärzt*innen und engagierten Menschen, die sich Woche für Woche dafür einsetzen, dass Leute ohne Krankenversicherung und ohne sicheren Aufenthaltsstatus in Hannover medizinische Hilfe erhalten. Alles läuft anonym, vertraulich und möglichst kostenlos.

Schon vor 27 Jahren wurde der Verein mit dem Ziel gegründet, ein lokales medizinisches Versorgungsnetz für Menschen ohne Papiere aufzubauen, und gehört damit zu einem deutschlandweiten Netzwerk. Die Grundidee: Gesundheit darf nicht vom Aufenthaltsstatus abhängen. In Hannover hat sich MediNetz darüber hinaus politisch engagiert und zum Beispiel die Entwicklung einer Clearingstelle mit Gesundheitsfonds unterstützt, die Betroffenen hilft, einen Behandlungsschein zu bekommen, wenn es möglich ist.

Anders als im regulären Gesundheitssystem, wo die Vorlage einer Versicherungskarte die Voraussetzung für einen Termin ist, organisiert MediNetz alles mittels Bereitschaftstelefon, E-Mails und interner Abstimmungen. „Wenn sich jemand bei uns meldet, besprechen wir den Fall in unserer Gruppe, klären ab, welche Hilfe gebraucht wird und rufen dann direkt bei Ärzt*innen an, um einen Termin zu machen“, berichtet Ronî, ein weiteres Mitglied des Vereins. Die meisten Anfragen enden mit einem erleichterten Aufatmen am andere Ende der Telefonleitung, so Banu. „Die Leute sind oft sehr verzweifelt und daher so dankbar, wenn wir für sie einen Termin ausmachen.“

Die Bandbreite der Fälle ist groß. Von Hausarztterminen und Schwangerschaftsvorsorge über Laborkosten bis hin zu Notfällen im Krankenhaus ist alles dabei. Wenn nötig, organisieren die Ehrenamtlichen von MediNetz auch Übersetzer*innen oder sind selbst als Unterstützung vor Ort. Eine Situation, die Banu und Ronî im Kopf geblieben ist, ist die einer Frau mit heftigen Schwindelattacken: „Wir haben sie nicht alleine gelassen. Zwei aus unserem Team fuhren mit ihr ins Krankenhaus und haben dafür gesorgt, dass sie sofort versorgt wurde.“ Finanziert werden Behandlungen wie diese über Spendengelder oder institutionelle Förderung.

All das funktioniert, obwohl der Verein fast ausschließlich aus Studierenden besteht. Sie investieren mehrere Stunden pro Woche, koordinieren Termine, beantworten Telefonate und sind gleichzeitig Seelsorger für die entmutigten Anrufer*innen – und das neben Vorlesungen, Prüfungen und Praktika.

Doch ihr Alltag ist nicht immer rosig. Oft treffen die MediNetz-Mitglieder auf Behördenhürden, Kommunikationsprobleme oder auf Menschen, die aus Angst oder Scham kaum kooperieren. „Wenn jemand illegal hier ist und seinen richtigen Namen nicht preisgeben will, müssen wir das respektieren“, erklärt Ronî. Das macht die Koordination komplex, gleichzeitig aber auch unglaublich bedeutsam, denn für viele Menschen ist MediNetz die letzte Anlaufstelle, bevor eine Erkrankung unbehandelt bleibt.

Die Ehrenamtlichen im Verein sehen MediNetz nicht nur als Hilfe für erkrankte Menschen ohne Dokumente, sondern auch als „kritischen Spiegel“ für das deutsche Gesundheitssystem. „Es wäre so viel weniger Druck und Last, wenn es eine offizielle Anlaufstelle gäbe, bei der jede*r versorgt wird“, betont Ronî. Trotz all dem Stress ist das Team von MediNetz Hannover aber sehr stolz auf seine Arbeit und das, was sie für zahlreiche Menschen bedeutet. „Wir setzen dort an, wo das System versagt.“

Laura Druselmann

MediNetz Hannover e.V.
Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover
Tel.: 0176 81119654
E-Mail: medinetz-hannover@posteo.de
www.medinetz-hannover.de

Spendenkonto:
Hannoversche Volksbank
IBAN: DE692 519 000 10 653 582 800
BIC: VOHADE2HXXX

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