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Stadtkinder essen: Mosaik Café

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Stadtkinder essen: Mosaik Café


Mitten in der List, gleich oben in der Jakobistraße am Lister Platz, gibt es seit kurzem ein neues Schmuckstück. Das muss man so sagen. Denn das Mosaik Café, Patisserie und Restaurant ist wirklich eines: Allein der Schriftzug erinnert, namensgebend, an Glasmosaik, was sich drinnen fortsetzt: Schwarz gestrichene Wände mit handwerklich herausragenden Wandmalereien, bunte Mosaiklampen (na, was sonst!), Sitznischen zum Hineinkrabbeln und eine enorme Menge an Zierkissen. Meisterwerke konditorischer Handwerkskunst stehen hinter Glas in Vitrinen, schwarz gekleidete Servicekräfte im Hijab wuseln busy umher und schenken uns ein strahlendes Lächeln, als wir zu unserem Tisch geführt werden. Das afghanische Mosaik Café bietet neben spannenden Tellerfrühstücken und sensationellen Gebäckkreationen auch afghanische Küche an, naturgemäß allerdings keine alkoholischen Getränke. Dafür gibt es eine enorme Tee-Auswahl. Aus Gründen der diesbezüglichen Überforderung entscheiden wir uns für Wasser (eine Karaffe mit Orange und Zitrone, die war kostenlos) und einen einfachen Schwarztee.

Und es ist kein Witz: Das ist so ungefähr der leckerste Schwarztee des Jahrhunderts! Gereicht wird er mit einem Kandisstab, in den ein Safranfaden eingegossen ist. Ob es nun am Safran liegt oder die Teemischung eine besondere ist – keine Ahnung, aber es schmeckt herrlich. Unsere Servicekraft rät uns von unserer Vorspeisenauswahl ab und erklärt, wer ein Hauptgericht bestellt, bekommt ohnehin einen Begrüßungsteller, auf dem sich das befindet, was wir auch bestellt hätten. Und schon wenig später bringt sie uns ein frisch gebackenes, noch ganz aufgeblähtes Fladenbrot und drei Schälchen mit Dips: Eine leckere Mayonnaise-Joghurtcreme mit Knoblauch, eine Art Salad-e Shirazi (sehr fein gewürfelte Gurken, Tomaten, rote Zwiebel, Minze) und einen scharfen Dip aus Paprika- und Tomatenmark, Chilipaste und Granatapfel. Alles ist super abgeschmeckt und macht direkt glücklich und Lust auf mehr. Es dauert gar nicht lange, schon werden unsere Hauptgerichte gebracht: Qaboli mit Mahiche (22,90 Euro) und Kose Kebab mit Hähnchen (15,90).

Beim Qaboli handelt es sich um ein afghanisches Festtagsgericht: Aromatischer Basmatireis und brauner Reis gemischt, mit süßen Karottenstreifen, Rosinen und Mandeln, gewürzt mit Kardamom und Garam Masala. Dazu gibt es eine langsam geschmorte Lammkeule, für die man weder ein Messer noch Zähne braucht: Äußerst zart fällt das Fleisch schon vom Knochen, wenn man es nur zu ruppig anschaut, orientalisch gewürzt mit Zimt, Nelke und gemahlenem Koriander. Ein Volltreffer! Allerdings eine gigantische Portion, die alleine schwer bezwingbar ist, selbst, wenn man sich nicht vorfreudig auf den Begrüßungsteller gestürzt hat. Das Kose Kebab steht dem in nichts nach, im Gegenteil, allein der Serviervorgang ist schon ein aufregendes Spektakel: Das Hähnchenfleisch ist in mundgerechte Stücke geschnitten, um Zwiebeln und Paprika ergänzt, mit Curry gewürzt und in einer Tonschale gegart worden. Oben über diese Schale hat man ein Hütchen aus Brotteig gestülpt und der ganze Wahnsinn wird brennend serviert. Die Servicekraft zerfetzt das Brothütchen, damit wir uns den Schnabel nicht verbrennen und bringt noch mehr Brot zum Auflöffeln des Kebabs. Das ist extrem lecker und wir ärgern uns über unsere stark eingeschränkte Magenkapazität.

Aufgrund des hohen Aufkommens an Laufkundschaft sei ausdrücklich zum Reservieren geraten, wir haben diverse Gäste enttäuscht abziehen sehen, weil das Café ausgebucht war.

Hier waren auch wir definitiv nicht zum letzten Mal!

Mosaik Café, Patisserie und Restaurant

Jakobistraße 6

30163 Hannover

So.-Do.: 08-20 Uhr

Fr.-Sa.: 08-22 Uhr

www.mosaik.cafe

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Der besondere Laden: die schlafzimmerei

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Der besondere Laden: die schlafzimmerei


Keine Rabattschlachten, kein Verkaufsdruck – dafür ein Produkt, das selbst nach Jahren garantiert noch überzeugt. Heiko Huegel bietet in seiner schlafzimmerei nicht nur bedürfnisorientierte und ehrliche Beratung, sondern auch eine Matratze, „die sich an den Menschen anpassen kann“.

Wer die schlafzimmerei in Hannover betritt, merkt schnell, dass hier vieles anders läuft als in klassischen Bettenhäusern. Man sucht vergeblich die endlosen Reihen an Betten und aggressiven Rabattaktionen. Stattdessen gibt es acht Liegeplätze, viel Ruhe und ein Team, das sich Zeit nimmt. „Ein Matratzenkauf ist kein Speeddating“, sagt Heiko und lacht.

Genau aus dieser Haltung heraus ist die everybody Matratze entstanden. An dem System hat der Inhaber jahrelang gearbeitet und unter anderem Daten einbezogen, die er als Schlafcoach beim VfL Wolfsburg über Jahre gesammelt hat. Seine Idee war eine Matratze, die sich an Körper und Schlafposition anpassen lässt und regelmäßig verändert werden kann, statt komplett ersetzt werden zu müssen. Damit wirkt Heiko einem Problem entgegen, das er aus eigener Erfahrung kennt: „Die Leute liegen Probe, alles fühlt sich super an und zu Hause nach einer Woche merken sie: Das geht gar nicht.“

Die Lösung ist ein modularer Aufbau. Die everybody Matratze besteht aus einem Stahlfederkern und einem Naturlatex-Topper, der in unterschiedlichen Härtegraden erhältlich ist. Alles ist austauschbar und nichts verklebt. „Wir haben kein Stück Schaumstoff und kein Stück Klebstoff in der Matratze“, erklärt Heiko – ungewöhnlich in einer Branche, in der viele Produkte ausschließlich aus verklebten Kunststoffschichten bestehen.

Die einzelnen Komponenten lassen sich anpassen, drehen und auswechseln. Ist die Oberfläche zu hart, kann der Topper verändert werden und ist der Kern zu weich, wird er getauscht. Dadurch bietet die everybody Matratze nicht nur Komfort, sondern auch Nachhaltigkeit. Laut Heiko landen jedes Jahr enorme Mengen Matratzen auf dem Müll. „Was hier in Hannover an Müllbergen entsteht, ist Wahnsinn“, findet er. Dem will er entgegenwirken. Naturlatex und Stahl lassen sich recyceln und Wegwerfen wird in der schlafzimmerei zur Ausnahme.

Dass die schlafzimmerei so konsequent auf Individualität setzt, hat auch mit Heikos beruflichem Hintergrund zu tun. Als gelernter Heilpraktiker und Schlafcoach „war ich bestimmt schon in 12.000 Schlafzimmern“, lacht er. „Irgendwann versteht man, warum Menschen schlecht schlafen und wie man das ändern kann.“

Heute fließt sein Wissen auch in die Beratung ein. Wer in der schlafzimmerei einen Termin vereinbart, bekommt keine schnelle Verkaufsshow, sondern eine einstündige Analyse. „Wir machen erst mal eine Anamnese“, erklärt Heiko. Es werden zum Beispiel Rückenprobleme, Schlafposition und das eigene Lattenrost besprochen, bevor jemand überhaupt auf einer Matratze liegt.

Und das kommt gut an. Obwohl der Laden von außen eher unscheinbar wirkt, kommen viele Kund*innen von weit her – aus ganz Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Ein Grund dafür ist auch der YouTube-Kanal der schlafzimmerei. Dort erklärt Heiko seit Jahren verständlich, wie Matratzen aufgebaut sind und worauf man achten sollte. „Das ist kein Verkaufskanal“, betont er. „Wir wollen einfach aufklären.“

Und auch an neuen Ideen mangelt es nicht. Aktuell arbeitet der Schlafcoach an einem weiteren Patent. Geplant ist ein spezielles Lattenrostsystem. „Du kannst kein Haus auf Sand bauen. Wenn der Untergrund nicht stimmt, bringt die beste Matratze nichts.“

Wer in die schlafzimmerei kommt, kann sich dank dieser jahrelangen Erfahrung und Expertise darauf verlassen, ernst genommen und ehrlich beraten zu werden. „Jeder hier tut so, als ginge es um sein eigenes Bett.“ Heiko und seinem Team liegt es am Herzen, dass jede*r Kund*in in den Genuss von erholsamem Schlaf kommt – körperlich und geistig.

Laura Druselmann

die schlafzimmerei GmbH
Abelmannstraße 3, 30519 Hannover
Tel.: 0511 80093805
E-Mail: kontakt@dieschlafzimmerei.de
www.dieschlafzimmerei.de

Öffnungszeiten:
Mo, Di, Do und Fr: 10 bis 18 Uhr
Mi: 10 bis 13 Uhr
Sa: 10 bis 15 Uhr

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Ein letztes Wort im Mai

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Ein letztes Wort im Mai


Herr Weil, ich habe heute keine Lust, über die SPD zu sprechen. Und auch keine Lust, über die Koalition und die aktuelle Debatte um die Spritpreise zu sprechen. Und schon gar keine Lust, über Katharina Reiche zu sprechen. Können Sie das nachvollziehen?

Das geht mir irgendwie auch so. Bin gespannt, was jetzt kommt.

Ich dachte, wir widmen uns mal erfreulicheren Themen. Orbán ist abgewählt. Man konnte es nach den Umfragen erwarten, aber geglaubt habe ich es bis zum Schluss nicht. Sie?

Das ist ja ausnahmsweise wirklich mal ein schönes Thema. Ich habe es natürlich gehofft. Geglaubt habe ich es immer mehr, je dichter es an die eigentlichen Wahlen ging. Noch vor einem Monat hätte ich Zweifel gehabt, ob das faire Wahlen werden. Aber niemand bestreitet das Ergebnis. Auch alle Einflüsse von außen, sei es von den USA oder Russland, scheinen an den Menschen in Ungarn abgeperlt zu sein. Eine richtig, richtig schöne Wahl. Gerne mehr davon.

Mit einer Mehrheit, die Orbán selbst nie hatte …

Dazu muss man wissen, dass Orbán sich ein Wahlsystem geschnitzt hat nach dem Motto: The winner takes it all. Wer 40 Prozent hat, bekommt viele weitere Mandate dazu. Orbán hat damit jahrelang seine Macht gesichert. Jetzt hat Magyar eine Zweidrittelmehrheit. Insofern hat das Wahlsystem von Viktor Orbán einen ordentlichen Beitrag zu seinem Abgang geleistet.

Das ist ein bisschen Ironie des Schicksals.

Ja. Aber mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Ich habe gedacht, da kommt noch was. Dass er so klaglos abtritt, hat mich überrascht.

Auch das hätte ich vor ein paar Wochen nicht für möglich gehalten. Aber bis jetzt hält sich Orbán an die Regeln. Viele Beobachter sagen allerdings, auf der Strecke wird es für Magyar noch richtig schwierig werden. Alle entscheidenden Stellen in Verwaltung und Politik sind von Vertrauensleuten der Fidesz besetzt. Das wird ein harter Anfang. Magyar scheint aber seine Lehren aus Polen zu ziehen, wo es die Regierung Tusk mit einem hart rechten Präsidenten zu tun hat. Magyar will offenbar nicht in dieselbe Situation geraten; er hat den Staatspräsidenten bereits zum Rücktritt aufgefordert.

Sind hybride Regime am Ende doch verletzlicher als wir dachten?

Verletzlicher sind sie, aber leicht ist ihre Ablösung nicht. Man braucht einen sehr starken Willen in der Bevölkerung, um unter diesen Bedingungen einen Richtungswechsel herbeizuführen. In Ungarn waren die Medien fast vollständig im Dienste Orbáns. Trotzdem kann es eine klare Mehrheit geben, die sagt: So soll es nicht mehr weitergehen. Allerdings lehrt uns Polen, achtsam zu bleiben. Die polnischen Präsidentschaftswahlen haben gezeigt, dass die Demokratie dort keineswegs schon sicher ist. 

Haben Sie Orbán je persönlich erlebt – was ist das für ein Mensch?

Er gehört zu den europäischen Spitzenpolitikern, die ich nie kennengelernt habe. Ich war aber auch nie ernsthaft traurig darüber (lacht). Seine Haltung gegenüber der Ukraine war wirklich zynisch und bösartig. Die größten Freudensprünge am Wahlabend hat sicherlich Selensky in Kiew gemacht. Putin dürfte weniger erfreut gewesen sein. Putin und Trump sind beide unzufrieden mit dem Ergebnis – das spricht Bände.

Das ist jetzt ein Zeitfenster auch für die EU. Magyar hat angekündigt, Ungarns Westbindung wiederherzustellen. Werden wir die lähmende Einstimmigkeit endlich loswerden?

Ich habe den Eindruck, dass es dem ganzen Rest der EU wirklich auf den Geist gegangen ist, wie Orbán ein ums andere Mal gemeinsame Beschlüsse blockiert hat. Die Milliarden für die Ukraine einzufrieren, nachdem er zugesagt hatte – das ist schon eine Nummer. Insofern gibt es eine Chance, dass jetzt eine Zeit der Reformen beginnt. 

Magyar gilt nicht als Progressiver. Manche sagen, man habe nur einen Rechtspopulisten gegen einen anderen ausgetauscht. Wie viel Euphorie ist wirklich angebracht?

Er ist ein erklärter Konservativer und hat seinen Wählerinnen und Wählern nichts vorgespiegelt. Andererseits ist er offenbar sehr authentisch – in seiner Haltung zur EU, im Kampf gegen Korruption, die in Ungarn ein riesiges Problem ist, und in seiner Haltung gegenüber Russland. Das sind qualitative Sprünge gegenüber Orbán.

Es ist ja quasi eine Kleptokratie, was Orbán hinterlässt.

Genau. Und das erklärt auch, warum die EU am Ende so ungewöhnlich konsequent gegenüber Ungarn war. Orbán ist über sämtliche roten Ampeln gefahren. Jetzt, nach 16 Jahren, einen Staat zu übernehmen, der durchsetzt ist von seinen Parteigängern – das ist eine echte Herausforderung.

In Deutschland hat sich die AfD bei den letzten Landtagswahlen jeweils mehr als verdoppelt. Was muss jetzt passieren, damit wir in fünf Jahren nicht auch so ein Orbán-Problem in Deutschland haben?

Zunächst: Auch bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz haben etwa 80 Prozent der Bevölkerung ganz bewusst eine andere Partei als die AfD gewählt. Man darf die Auseinandersetzung mit der AfD durchaus mit einem gewissen Selbstbewusstsein führen — wir sind mehr. Die Bedingungen in Ostdeutschland sind allerdings um einiges schwieriger – vor allem bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im September dürfte sie sehr stark abschneiden. Dabei ist das Wahlprogramm der AfD dort haarsträubend. Einige Forderungen darin, zum Beispiel die Schulpflicht abzuschaffen, sind sehr beunruhigend. Ich habe mich in der letzten Zeit öfter mit Ostdeutschen ausgetauscht. Als Wessi bin ich mir sehr bewusst, dass ich dabei eher zuhören als reden sollte. Hinter der großen Zustimmung zur AfD scheint vor allem der Eindruck zu stehen, man sei in Gesamtdeutschland ein ungesehener Teil der Bevölkerung. Manche fühlen sich als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse. Ich kann das nicht bestätigen, aber man muss dieses Gefühl ernst nehmen. Was mich zusätzlich sorgt: Die demokratischen Parteien finden vor Ort kaum noch statt. Ich habe im letzten Jahr in Sachsen und Thüringen bei den Landtagswahlen mitgeholfen. In Sachsen wurde ein SPD-Kandidat zusammengeschlagen. In Thüringen warteten Leute abends vor Wahlkampfbüros und riefen Mitarbeitern zu: „Du, sei vorsichtig. Wir wissen, wo du wohnst.“ Ich ziehe tief meinen Hut vor denjenigen, die dort trotzdem weiter Politik machen. Um das zu ändern, brauchen wir eine zuverlässige und auch erfolgreiche Politik auf der Bundesebene. 

Womit wir dann doch bei Katharina Reiche wären.

Über die wir nicht sprechen wollten, wenn ich mich recht erinnere.

Das fällt mir aber schwer, wenn ich mir Reiches Pläne zur Energiepolitik ansehe – ich finde das irre.

Ich finde sie völlig falsch. Es kann sein, dass wir für eine Übergangszeit noch Gas brauchen. Aber vor allem brauchen wir einen schnellen Ausbau der Erneuerbaren und der Netze. Es gibt das bekannte Dreieck der Energiepolitik: bezahlbar, sicher, sauber. Sauber: Die einen mit CO2, die anderen ohne. Sicher: Wir sehen gerade am Beispiel des Irankrieges, dass bei Gas und Öl überhaupt nichts sicher ist. Der Gaspreis hängt am Ölpreis, das dicke Ende kommt für viele Bürger noch. Und zur Bezahlbarkeit: Erneuerbare sind schlicht die günstigsten Energieerzeugungsformen. Natürlich muss man eine Antwort haben auf mögliche Dunkelflauten bei den Erneuerbaren. Aber man muss auch mit sauberen Argumenten bei den fossilen Alternativen arbeiten. Wann steht uns ein Gaskraftwerk zur Verfügung? Und welche Speicherkapazitäten haben wir bis dahin? Die Batterietechnik entwickelt sich rasant – vielleicht sieht die Rechnung in zwei, drei Jahren ganz anders aus. Was meine Erwartung an die SPD wäre: klar machen, was die Pläne der Frau Reiche kosten und wie unsicher das alles ist. Wenn ich mich nicht sehr täusche, käme bei einer rationalen Betrachtung ein ganz anderes Ergebnis heraus als das, was Frau Reiche sich wünscht.

Aus meiner Sicht kann Lobby-Politik eigentlich nicht offensichtlicher sein.

Klar geht es auch um wirtschaftliche Interessen großer Konzerne und das ist kein Geheimnis. Das Problem ist nur: Die meisten Leute schalten bei Energiepolitik inzwischen ab. Wir haben seit 2009 ein permanentes Hin und Her – dagegen ist die Echternacher Springprozession eine geordnete Formation. Dabei verstehen viele sehr wohl: Es muss genau jetzt etwas passieren. Und es gibt eine klare Alternative zu Öl und Gas. 

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Editorial 05-2026

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Editorial 05-2026


Liebe Leser*innen,

für diese Ausgabe habe ich Nico Röger getroffen, den geschäftsführenden Gesellschafter von Hannover Concerts. Er ist in einem kleinen Städtchen bei Heidelberg augewachsen. Sein Onkel war Manager von PUR, so gab es schon früh Berührungspunkte zur Konzertbranche. Mit 21 Jahren hat er sich auf den Weg nach Hannover gemacht, um Wolfgang Besemer zu überzeugen, ein Jahrespraktikum bei Hannover Concerts machen zu dürfen. Er durfte. Und ist in Hannover gestartet, ohne hier irgendjemanden zu kennen. Geblieben ist er bis heute und er verantwortet mit seinem Team inzwischen rund 450 Veranstaltungen im Jahr, von der Clubshow mit 200 Leuten bis zum Stadionkonzert mit 45.000 zahlenden Gästen. Das klingt nach Geschäft, nach Organisation, nach Logistik, nach Zahlen und Margen. Und das ist es natürlich auch. Die Branche muss Geld verdienen. Aber wenn man mit Nico Röger spricht, merkt man sehr schnell, dass es ihm noch um ein bisschen mehr geht.
Er erzählt natürlich von Wolfgang Besemer, seinem Mentor. Wolfgang hat Hannover Concerts 1978 zusammen mit Michael Lohmann gegründet und er war zeit seines Lebens eine echte Größe in der Stadt – mit echter Größe. Ich weiß gar nicht, wie oft mir sein Name in den mittlerweile über 20 Stadtkind-Jahren schon begegnet ist. Ich hatte selbst einige Male Gelegenheit, ihn zu treffen. Wolfgang Besemer hat in Hannover unfassbar viel bewegt. Er ist dabei gerne im Hintergrund geblieben, aber sehr viele Kultur-Fäden sind bei ihm zusammengelaufen. Ein beeindruckender Mensch, der auch mal Experimente gewagt hat. Vielleicht war Nico so ein Experiment. Wolfgang Besemer hat ihn von Beginn an in Hosen gesteckt, die eine ganze Nummer zu groß waren. Und er hat ihm etwas mitgegeben, das man nicht studieren kann: den Kompass. Wolfgang war, sagt Nico, Geschäftsmann und Gefühlsmensch in einem. Und das Menschliche war dabei nie Nebensache. Als Wolfgang 2014 viel zu früh gestorben ist, hat Nico von einem Tag auf den anderen übernommen. Und er hat versucht, Hannover Concerts in Wolfgangs Sinne weiterzuführen – bis heute, obwohl Menschlichkeit und Bauchgefühl in dieser Branche immer mehr ins Hintertreffen geraten.
Nico erzählt mir fast beiläufig von einer Präsentation im eigenen Haus, in der ihm Mitarbeitende gesagt haben, dass es auf keinen Fall mehr Entscheidungen nach Bauchgefühl geben dürfe. Und klar, für solche Entscheidungen gibt es diverse datenbasierte Tools. Trotzdem hat Nico festgestellt, dass er weiterhin – auch – auf seinen Bauch hören wird. Und das nicht etwa, weil er sich gegen neue Wege sträubt, sondern weil er weiß, dass es eben manchmal doch diesen speziellen Instinkt braucht, diese besondere Nase für Gelegenheiten. Das kann keine Tabelle ersetzen. In einer Branche, die heute ein knallhartes Geschäft ist, in der die Ticketpreise eskalieren und Algorithmen mitentscheiden, wer auf welcher Bühne steht – in dieser Branche macht genau das vielleicht doch den entscheidenden Unterschied. Das Bauchgefühl, verbunden mit der anderen besonderen Stärke, der Menschlichkeit. Hannover Concerts funktioniert so ein bisschen wie eine Familie. Klar, hin und wieder wird es auch mal laut und knallt, aber es gibt doch diesen besonderen Spirit. Wer mal das Vergnügen hatte, das Büro am Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg zu besuchen, weiß sofort, was ich meine.
Was Nico momentan umtreibt, das ist vor allem die Frage, wie es mit den kleinen Clubkonzerten weitergehen kann. Für die Nachwuchsförderung sind solche Konzerte essenziell, aber mit den großen Konzerten heute nicht mehr so einfach quer zu subventionieren. Die Kosten sind überall immens gestiegen. Im Zweifel nennt man es eine Investition in den Nachwuchs. Unterm Strich ist es oft erstmal einfach eine rote Zahl. Und trotzdem wird nicht hart nach Zahlen reagiert, sondern mit sehr viel Umsicht und Augenmaß. Es ist klar, dass man sich um dieses Thema kümmern muss. Aber eben auf eine Art und Weise, die harte Schnitte möglichst vermeidet. Genau das macht Hannover Concerts zu einem besonderen Konzertveranstalter. Professionalität trifft Empathie und Bauchgefühl, Geschäft trifft Familie, Zahlen treffen auf Verantwortung für die Mitarbeitenden, aber auch für den eigenen Standort. Man muss sich nicht entscheiden zwischen Zahlen und Haltung, zwischen Effizienz und Wärme. Beides geht. Wolfgang Besemer hat das vorgelebt, Nico geht diesen Weg weiter mit Kopf und ganz viel Herz für die Musik. Wenn jemand demnächst fragt, warum dieser oder jener richtig große Act „ausgerechnet“ in Hannover spielt, dann ist die Antwort ganz einfach. Weil Hannover Concerts für etwas steht in dieser Branche. Mehr im Interview ab Seite 58

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Das Mai-Kind ist da!

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Das Mai-Kind ist da!


Für den Mai gab es ein Gespräch zwischen Lars Kompa und Nico Roeger, dem geschäftsführenden Gesellschafter bei Hannover Concerts. Der kommt eigentlich aus der Nähe von Heidelberg. Wie er hier gelandet ist, was das mit PUR zu tun hat, warum Konzerttickets so teuer sind und wie es um (Konzert-)Kultur in Hannover bestellt ist, ist ab Seite 58 im Heft zu lesen.

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Ein offener Brief… an Ursula von der Leyen

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Ein offener Brief… an Ursula von der Leyen


Liebe Ursula, Respekt! Wirklich. In einer Zeit, in der sich die mächtigen Männer dieser Welt mal wieder gegenseitig mit diversen irren Ungeheuerlichkeiten überbieten, hast du bewiesen, dass Wahnsinn kein biologisches Geschlecht hat. Das darf man getrost historisch nennen. Wenn alle Herren permanent die Zone mit Scheiße fluten – wie es neuerdings so schön heißt –, dann sollten die Frauen jetzt einfach mal mitmischen. Ein genialer Plan mit geopolitischem Kalkül. Die Logik ist brillant. Wenn Autokraten und Narzissten die Vernunft begraben, sollte Europa sich nicht isolieren, sondern ebenfalls zur Schaufel greifen. Wer am bescheuertsten agiert, gewinnt. Der mit der schönsten Rolle rückwärts wird am Ende die Nase vorn haben. Los geht’s: Atomkraft!

Der ganz neue, heiße Shit. Da sind wir gerne maximal technologieoffen und freuen uns, weil nun vielleicht doch noch auf uns alle eine strahlende Zukunft wartet. Natürlich alles ganz anders, viel smarter, ganz niedlich und klein. Small Modular Reactors. Klingt großartig. Bitte mehr von diesen englischen Akronymen. Das hat diesen Sound von Startup und Innovation, das brauchen wir in Europa und insbesondere in Deutschland. Dafür müssen wir unbedingt Geld locker machen. Das sind lohnende Investitionen in Visionen. Wer weiß denn schon, was die Wissenschaft in Zukunft noch ausbaldowern wird. Vielleicht werden wir uns eines Tages in den Urlaub beamen können. Oder sie erfinden ein Faxgerät mit Bluetooth. Oder Small Modular Reactors, die restlos den eigenen Atommüll verbrauchen. Okay, das ist alles noch ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Diese kleinen Dinger rechnen sich noch nicht, ohne riesige Subventionen wird es wohl nie gehen, die Bauzeiten sind noch zu lang, die Technologie ist noch nicht wirklich serienreif und am Ende bleibt wohl doch immer ein kleines bisschen Müll übrig, den man über zehntausende Jahre irgendwo sicher aufbewahren muss. Davon abgesehen, dass die Brennstäbe auch nicht auf den Bäumen wachsen. Aber das sind ja alles nur Details. Unkenrufe aus der Wissenschaft. Man kennt sie ja, diese grünen Bedenkenträger, die alles kaputtreden, nur weil sie vielleicht das eine oder andere Buch mehr gelesen haben. Es ist gut, dass wir mit der CDU/CSU hier bei uns und der EVP in Europa Menschen haben, die auch mal die Wissenschaft beiseitelassen und schlicht an etwas glauben. Was ist klüger als die Fähigkeit, aus Fehlern der Vergangenheit neue, teurere Fehler zu entwickeln, und das dann Fortschritt zu nennen? Wo kommen wir denn hin, wenn wir den Glauben an solche Ideen verlieren?

Darum sind nicht nur wir dankbar für dein Plädoyer für die Atomkraft, für deinen klaren Kurs. Klein denken ist angesagt. Kein Geld mehr für erneuerbare Energien, Speichertechnologien und kluge Netze, solche Ideen sind nur was für Technokraten, die noch an Evidenz glauben. Wir sind alle zusammen dankbar. Deine große, kleine Atom-Idee, das ist Balsam für die von grünem Schmalz verklebten Ohren der Menschen hierzulande. Findet ja auch der Markus Söder. Was dir, liebe Ursula, den Rücken stärken wird. Denn wenn die Richtigen jubeln, weiß man, dass man einen klugen Kurs eingeschlagen hat. Markus Söder hat das schöne Bayern bereits als Testlabor für die Small Modular Reactors vorgeschlagen. Und für den Atommüll wird er bestimmt demnächst noch ein Endlager (in einem anderen Bundesland) aus dem Ärmel schütteln. Oder wie wäre es tatsächlich mit Bayern. Die Infrastruktur ist gut und eine gewisse Bereitschaft, Dinge unter den Teppich zu kehren, ist politisch ja durchaus vorhanden. Vielleicht wäre Bayern sogar eine gute Endlagerlösung für ganz Europa. Der Müll ist ja der Rohstoff der Zukunft.

Und ein schönes Endlager wäre Bayern auch für alle, die an der großen Energiewende mitgearbeitet haben. Du liebe Ursula, könntest in bester Gesellschaft mit all den anderen Atom-Fans, vielleicht mit Macron und Söder in der Nachbarschaft und in Sichtweite eines süßen Reactors deinen Alterssitz finden, mit einer großen Pferdezucht. Bestimmt werden wir mit den Jahren ganz neue Mutationen erleben, fünf Beine statt vier, zwei Köpfe aber halb so klug. Eigentlich das perfekte Symboltier für deine neue europäische Energiepolitik.

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