Nachhaltigkeit auf zwei Rädern: Elektro-Kits für Vespa-Roller
Aus Leidenschaft für Vespas zur Innovation: Simon Hische elektrifiziert Klassiker
Schon als Kind schraubte Simon Hische an Vespas. Was im elterlichen Geschäft begann, hat er 2024 mit der Gründung der prosimo GmbH in Springe auf eine neue Stufe gehoben: Mit selbst entwickelten Elektro-Kits rüstet er klassische Vespa-Modelle auf Stromantrieb um. Damit bringt er die Zweirad-Ikonen ins Zeitalter der Nachhaltigkeit – und das inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Italien und den Niederlanden. „Das ist erst der Anfang“, sagt Hische selbstbewusst. Rund 100 Kits hat er bereits verkauft.
Der 36-Jährige vereint Handwerk und Hightech: Meisterbrief in Kfz-Technik, Studium der Elektrotechnik und Informatik, dazu eine Ausbildung als Mechatroniker. „Ich habe immer schon viel an Vespas repariert. 2016 fiel mir auf, dass Motoren zunehmend kaputtgingen. Das war frustrierend. Also habe ich nach einer besseren Lösung gesucht – und bin beim Elektroantrieb gelandet“, erzählt er. Weil es damals kein entsprechendes Produkt gab, entwickelte er kurzerhand einen eigenen Prototyp, der 2018 erstmals legal zugelassen wurde. Schritt für Schritt folgten TÜV-Zertifizierung, Patent und Markenschutz – und schließlich die Gründung der prosimo GmbH. „Alles, was ich einnehme, fließt zurück ins Unternehmen. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich bis heute hauptberuflich bei einem Automobilzulieferer in Wolfsburg.“
Die Idee dahinter: Vespa-Fahrer sollen ihre Klassiker nicht wegen drohender Fahrverbote für Zweitakter aufgeben müssen. „Natürlich gibt es viele Elektroroller auf dem Markt – aber keiner hat den Kultstatus einer Vespa. Gerade die alten Modelle will ich retten. Wir machen die Roller leise, sauber und zukunftsfähig – ohne Stil, Form oder Charakter zu zerstören.“ Die Vorteile beschreibt er anschaulich: „Das Schalten entfällt, das Anfahren ist kraftvoll und direkt, es riecht nichts mehr nach Abgas. Statt Minuten dauert es nur Sekunden von 0 auf 80 km/h.“
Hische setzt auf Qualität aus der Region. Produziert, assembliert, getestet und versendet wird in Eldagsen. Sein Baukastensystem bietet vier Leistungsstufen von 45 bis 100 km/h, mit Reichweiten zwischen 50 und 120 Kilometern. Die Akkus sind herausnehmbar, können an öffentlichen Ladesäulen oder der Steckdose geladen werden. Die Kits kosten zwischen 3.999 und 6.999 Euro. „Deutlich günstiger als viele neue Roller – und der Sammlerwert der Vespa bleibt erhalten.“
Doch der Gründer steht vor der nächsten Herausforderung: Wachstum. „Aktuell suche ich einen Investor, um größere Stückzahlen produzieren zu können. Derzeit bin ich regelmäßig ausverkauft, weil ich nur einkaufe, was ich einnehme – das hemmt das Wachstum.“ Parallel baut er ein Netzwerk von Partnerwerkstätten in ganz Europa auf. Sein nächstes Ziel: Elektro-Kits für große Vespas und klassische italienische Dreiräder. „Meine Vision ist ein modulares Baukastensystem, mit dem künftig eine Vielzahl von Zwei- und Dreirädern elektrifiziert werden kann – inklusive vereinfachter Wartung und Reparatur.“
Unterstützung findet er bei hannoverimpuls. „2023 habe ich nach Fördermöglichkeiten gesucht und hannoverimpuls kontaktiert. Kurz darauf meldete sich Olaf Daebler über LinkedIn und machte mich auf einen Pitch-Abend aufmerksam. Seitdem bin ich gut vernetzt, halte Vorträge und werde regelmäßig zu Veranstaltungen eingeladen.“ Besonders schätzt er die professionelle Beratung: „Es ist sehr wertvoll, wenn Profis von außen auf das Geschäftsmodell schauen – gerade bei den Finanzen. Für mich ist das eine große Hilfe.“
Auch von offizieller Seite kommt Rückenwind. „Ich sehe in der prosimo GmbH von Simon Hische enormes Potenzial“, sagt Daniel Bogaerts, Projektleiter Gründung und Entrepreneurship bei hannoverimpuls. „Er ist nicht nur ein ausgewiesener Fachmann, sondern treibt sein Unternehmen mit innovativen Ideen konsequent voran. Wir werden ihn bestmöglich dabei unterstützen, von Hannover aus in ganz Europa durchzustarten.“
Seinen Rat an andere Gründerinnen und Gründer gibt Hische offen weiter: „Kümmert euch frühzeitig um Förderungen und gute Beratung. Ich habe sicher viel Geld verschenkt, weil ich nicht wusste, was möglich ist. Jede Pitch-Präsentation hilft, das Geschäftsmodell zu schärfen. Und: Habt keine Angst, über eure Idee zu sprechen – jede Erfahrung bringt euch weiter.“
Mit gleich zwei neuen Werken meldet sich Liane Wagner in diesem Herbst zu Wort: dem Roman Bei Omika – Ein Kokon aus hellen Tagen und dem Gedichtband Im Zeitenwechsel – Lyrische Gedanken. Zwei Bücher, zwei Formen – und doch eine gemeinsame Quelle. Beide sind gespeist aus Erinnerungen, Beobachtungen, Sehnsüchten und den feinen Zwischentönen des Lebens. „Der Roman beschreibt vieles aus der Sicht des Kindes, der Heranwachsenden. Die Gedichte dagegen werfen einen Blick in die Seele einer Erwachsenen und setzen sich mit Liebe, Gesellschaft, Politik, Natur und Umwelt auseinander“, sagt die Autorin. Bei Omika führt die Leserinnen zurück ins Rumänien der 1960er- und 70er-Jahre. Es ist die Geschichte einer Kindheit voller Geborgenheit, getragen von der Großmutter – und zugleich von der Begegnung mit Murli, dem „fremden Bruder“. Emilie, die Erzählerin, wächst als Einzelkind auf, umgeben von Erwachsenen, aber ohne Geschwister. In Murli, einem Jungen aus schwierigen Verhältnissen, findet sie zum ersten Mal eine Vertrautheit, die dieser Leerstelle etwas entgegensetzt. Damit verwebt Wagner persönliche Erinnerungen mit einem größeren gesellschaftlichen Panorama: Bürokratie, Vorurteile, der Umgang mit sozial Schwachen, Verlust. „Ja, das Buch ist auch ein Zeitzeugnis. Es war meine Absicht, diese Aspekte des damaligen Lebens in Rumänien – nicht im Vordergrund, aber am Rande – festzuhalten.“ Besonders eindrücklich sind die sinnlichen Details: Gerüche, Farben, Geräusche, die Atmosphäre des Sommers. „Sprache ist für mich das Sine qua non, die unabdingbare Voraussetzung für mein Schreiben. Sie hält Gefühle, Erlebtes, Situationen fest. Ohne Sprache gäbe es für mich keine Geschichten, keine Gedichte.“ Während der Roman aus der Vergangenheit schöpft, richtet der Band Im Zeitenwechsel den Blick auf das Hier und Jetzt. In den Gedichten verbinden sich Naturbilder mit Reflexionen über Liebe, Vergänglichkeit, gesellschaftliche Fragen. „Wir leben nicht auf einer Insel. Alles ist miteinander verbunden. Wir sind nur ein Teil eines komplexen Lebensraums“, betont Wagner. Die Natur ist dabei immer wieder Motiv und Resonanzraum – Meer, Strand, Bäume, Himmel. „Sie ist für mich Inspirationsquelle, Projektionsfläche und Lebensgrundlage zugleich. Sie spendet mir Kraft, gibt Geborgenheit – und es macht mich traurig, wenn ich menschlichen Egoismus erlebe.“ Ob in Prosa oder Lyrik – immer wieder schwingt die Sehnsucht mit: nach Nähe, nach Freiheit, nach Geborgenheit. „Ich glaube schon, dass Sehnsucht ein Motor meines Schreibens ist. Aber ebenso wichtig ist der Wunsch, Geschichten und Gedanken mit anderen zu teilen – und Resonanz zu erhalten.“ Wagner unterscheidet klar zwischen den Ausdrucksformen: „Wenn das Schicksal eines Menschen mich bewegt, schreibe ich Prosa. Wenn starke Gefühle meine Seele bedrängen, dann kommt das lyrische Ich ins Spiel.“ Beides entsteht aus Emotionen, manchmal eruptiv, manchmal nach längerer Inkubation. Und was sollen die Leserinnen aus den Büchern mitnehmen? „Natürlich Trost, Inspiration und eigene Erinnerungen. Aber mein großer Wunsch ist, dass sie auch mehr Heiterkeit und Zuversicht in ihren Alltag tragen. Dass sie lächeln, sich an eigene Erlebnisse erinnern und bestärkt werden – in der Liebe zu Mitmenschen und zur Natur.“ So werden Roman und Gedichtband zu zwei Seiten derselben literarischen Handschrift: die eine erzählt von einer Kindheit zwischen Wärme und Härten, die andere reflektiert die Gegenwart im Spiegel der Natur. Gemeinsam ergeben sie ein Werk, das tief in die Vergangenheit greift und zugleich hochaktuell klingt – getragen von dem, was Liane Wagner antreibt: Sehnsucht, Erinnerung und der Wunsch, das Erlebte weiterzugeben. Shaker Media, 202 Seiten, 18,90 Euro (Roman) und Shaker Media, 136 Seiten, 19,90 Euro (Gedichtband)
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In dieser Ausgabe haben wir uns mit Norbert Schlote (Vorstand der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V.), Karsten Pilz (Vorstand der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V.) und Jürgen Maaß (Geschäftsführung, CheckPoint) getroffen. Mit ihnen haben wir über die Entwicklung der AIDS-Hilfe-Arbeit in Hannover gesprochen, über Aufklärung, Prävention, Testangebote und Antidiskriminierungsarbeit und darüber, dass Menschen mit HIV unter Therapie ein ganz normales Leben führen können.
Starten wir mit einer Vorstellungsrunde.
Norbert: Mein Name ist Norbert Schlote, ich bin seit 2019 im Vorstand der hannöverschen AIDS-Hilfe. Ich bin von Haus aus niedergelassener Urologe und betreue das Testprogramm von uns. Wir machen regelmäßige Tests auf sexuell übertragbare Infektionen.
Karsten: Ich bin Karsten Pilz. Ich bin seit vielen Jahren im Vorstand der hannöverschen AIDS-Hilfe. Ich bin der Nachfolger von Bernd Weste, unserem Ehrenvorsitzenden, der maßgeblich die hannöversche AIDS-Hilfe mit aufgebaut hat. Im Hauptberuf bin ich eigentlich Finanzbeamter.
Jürgen: Ich bin Jürgen Maas und arbeite seit 2006 für die hannöversche AIDS-Hilfe. Ich bin für das Projektmanagement zuständig und u. a. auch für die Testangebote, die sich unter dem Stichpunkt CheckPoint zusammenfügen – aber auch für die Organisation des CheckPoint untenrum, unser Gesundheitsbegegnungszentrum.
Unterscheiden sich die hannöversche AIDS-Hilfe und der CheckPoint Hannover?
Norbert: Also tendenziell firmieren wir jetzt nur noch unter dem Namen CheckPoint Hannover, beziehungsweise CheckPoint der hannöverschen AIDS-Hilfe. Wir haben den Namen hannöversche AIDS-Hilfe ein bisschen in den Hintergrund gerückt. Es ist immer noch der Name des Trägervereins, aber da klassische AIDS-Hilfe-Arbeit so – zum Glück – gar nicht mehr geleistet werden muss, ist es zum Teil auch ein bundesweiter Trend, dass sich die AIDS-Hilfen alle umbenennen.
Was ist eure Verbindung zum Freundeskreis Hannover?
Karsten: Ich bin begeistertes Mitglied im Freundeskreis und freue mich, dass es den gibt – und ich bin auch begeisterter Hannoveraner. Das ist die Verbindung.
Wie seid ihr zu euren Positionen, zu euren Tätigkeiten gekommen?
Karsten: Mein Vater war Anwalt und Bernd Weste – unser Ehrenvorsitzender – mehr oder weniger Teil unserer Familie. Ich kenne Bernd also beinahe von Kindesbeinen an. Als dann eine Stelle im Vorstand vakant wurde, hat mich Bernd gefragt, ob ich das machen möchte. Das war für mich eine willkommene Gelegenheit, mal etwas Gemeinnütziges zu machen. Ich hatte mich bisher nicht besonders sozial oder gemeinnützig engagiert und ich musste mich auch erst einmal reindenken, bin aber gerne hier.
Norbert: Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass ich von meiner ärztlichen Expertise irgendwie ein bisschen was in die Community geben kann. Dann habe ich hier als Testarzt angefangen und bin auch von Bernd Weste irgendwann mal angesprochen worden, ob ich mir nicht vorstellen kann, mehr zu machen. 2019 bin ich dann in den Vorstand gewählt worden.
Jürgen: Ich habe schon mein ganzes Leben lang Verbindungen zur AIDS-Hilfe-Szene gehabt. Ich hatte damals mein Coming-out als schwuler Mann in Oldenburg. Als ich irgendwann mit meinem Studium fertig war, war hier eine Stelle frei und die habe ich bekommen. Am Anfang war Präventionsarbeit meine Aufgabe; das habe ich zehn Jahre lang gemacht. Dann bin ich erst stellvertretender Geschäftsführer gewesen und irgendwann in die Geschäftsführung gewechselt. Jetzt bin ich für Teamleitung, Finanzaufsicht, das Beschaffen der Gelder und das Projektmanagement zuständig.
Wie sehr sind Infektionen wie AIDS noch ein Thema – auch in Hannover?
Norbert: Die Erkrankung AIDS ist in Hannover – und ich denke mal auch in Deutschland und Europa – zum Glück nicht mehr zwingend. Das mag in anderen Ländern ganz anders sein. Wir haben hier zum Glück Zugang zu einer sehr guten Therapie, sodass wir zwar Personen haben, die HIV-infiziert sind, aber im Prinzip mit ihrer Infektion ein unproblematisches Leben führen können und unter Therapie – das ist ganz wichtig – nicht mehr infektiös sind. Daher ist AIDS nicht mehr unbedingt ein Thema – aber sexuell übertragbare Infektionen natürlich schon. Überall da, wo Menschen Sex haben, gibt es sexuell übertragbare Infektionen, und unser Ansinnen mit dem CheckPoint ist, über solche sexuell übertragbaren Infektionen zu informieren und Personen zu testen und entsprechend in Therapie zu bringen.
Wie sieht die Arbeit des CheckPoint Hannover aus?
Jürgen: Unsere Arbeit hat verschiedene Ebenen: klassische Aufklärung, z. B. durch Ehrenamtliche in Schulen – aber ohne erhobenen Zeigefinger, eher locker und positiv. Dann die Fürsorge für Menschen mit HIV. Das war früher viel Sterbebegleitung, heute ist es mehr Antidiskriminierungsarbeit, etwa durch Schulungen in Pflegeberufen oder im Justizvollzug. Öffentlichkeitsarbeit gehört ebenso dazu wie Tests, die vor allem für vulnerable Gruppen wichtig sind, weil eine HIV-Infektion, früh erkannt, gut behandelbar ist. Vor zwei Jahren haben wir uns mit dem Gesundheits- und Begegnungszentrum CheckPoint untenrum einen Traum erfüllt. Dort gibt es Beratung, Tests, kulturelle und queere Angebote sowie Diskussionsreihen, etwa für queere Geflüchtete. Es ist ein offener Ort, an dem Menschen zusammenkommen – vom Info-Café bis hin zu Talkabenden. Dadurch erreichen wir die Zielgruppen viel besser: Tests sind inzwischen Wochen im Voraus ausgebucht, und auch die Workshops laufen gut.
Gibt es ähnliche Angebote?
Jürgen: Es gibt in Hannover die Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit der Region Hannover, die gute Arbeit leisten, da kann man nicht meckern. Aber es ist am Ende eine Behörde. Und dann gibt es noch Pro Familia, wobei die eher in Richtung Verhütung von ungewollten Schwangerschaften gehen. Prävention war von Anfang an vor allem eine Aufgabe der Zivilgesellschaft. Die AIDS-Hilfen entstanden ursprünglich als Selbsthilfe, weil irgendwie alle weggestorben sind wie die Fliegen, weil es keine Therapien gab. Unsere Stärke war der Zugang zur Szene, den Behörden nicht hatten. Deshalb bekamen wir auch Förderung und den Auftrag, zielgruppenspezifische Aufklärung zu leisten – also vor allem für Männer, die Sex mit Männern haben, aber auch für Drogengebraucher*innen, Migrant*innen und Frauen in der Sexarbeit.
Wie haben sich der Umgang mit HIV und die Behandlung in den vergangenen Jahren verändert – von den 80er-, 90er-Jahren bis heute?
Jürgen: Es gibt Medikamente, mit denen man heutzutage ganz normal mit HIV leben und alt werden kann. Norbert sagte es schon: Wenn man ein Leben lang ab Infektion oder Diagnosezeitpunkt diese Medikamente einnimmt, kann man niemanden mehr anstecken. Das heißt, das Ganze bleibt eine chronische Erkrankung. Die Medikamente sind durch mehrere Phasen gegangen. Es gab massive Nebenwirkungen: Übelkeit, Durchfall. Nächtelang. Das hörte gar nicht mehr auf. Es war wirklich massiv, lebenseinschränkend. Heute merkt man allenfalls in den ersten zwei Wochen ein Magengrummeln. Das, was bleibt, ist das Stigma. Die Leute haben immer noch panische Angst davor. Wir erleben, dass Menschen selbst in medizinischen Einrichtungen nicht oder nur unter völlig wilden Schutzmaßnahmen behandelt werden. Wir müssen das Gegenteil erzählen. Das ist schwierig.
Wie wichtig ist Aufklärungsarbeit dahingehend an Schulen?
Karsten: Über sexuell übertragbare Krankheiten kann und sollte man immer sprechen! AIDS ist, glaube ich, aber keine Gefahr für Schüler. Da kann mich Norbert sicher korrigieren. Trotzdem: Syphilis und andere sexuell übertragbare Krankheiten gibt es noch. Und dass junge Menschen damit von Anfang an verantwortlich umgehen, halte ich für eine wichtige Botschaft. Da zeigt sich auch die Veränderung unserer Tätigkeit. AIDS gibt es nicht mehr, dafür aber immer noch sexuell übertragbare Krankheiten – und dafür öffnen wir auch unser Testangebot.
Norbert: Man muss aber auch sehen, dass wir Schüler nicht als unsere primäre Ansprechgruppe sehen. Da gibt es andere Player wie Pro Familia, andere Einrichtungen oder Vereine, die eher Aufklärung für jüngere Altersklassen machen. Die ist extrem wichtig, das muss gemacht werden. In dieser Altersgruppe ist es auch extrem wichtig, Antistigmatisierungsarbeit zu leisten, auch gegen Homosexualität insgesamt.
Jürgen: Man muss halt einfach sehen, welcher Mensch welches Risiko hat. Für heterosexuelle Schüler ist das Risiko einer Geschlechtskrankheit minimal. Das steigt eben, sobald man mehr männliche Sexualkontakte hat. Und das ist auch in Migrationskreisen sehr stark. Wir haben z. B. eine hohe Prävalenz in afrikanischen Ländern, in Russland und der Ukraine – wo viele Flüchtlinge herkommen, die dann hier getestet werden.
Beobachtet ihr eine Leichtfertigkeit unter der jüngeren Generation, was Infektionen angeht?
Norbert: Würde ich nicht sagen.
Jürgen: Ich glaube, man muss auch gucken, dass man den Leuten ihre Sorglosigkeit ein bisschen lässt. In der Schule ist zunächst wichtig, dass man das Thema Schwangerschaftsvorsorge behandelt. Da kann man Geschlechtskrankheiten mal erwähnen, muss aber gucken, dass man keine Phobien setzt. Das ist ja immer so dieser Moralhammer: „Poppt nicht durch die Gegend, sonst kriegt ihr Geschlechtskrankheiten.“ Das funktioniert so nicht. Das ist auch nicht die Realität. Man muss immer schauen, dass man den Leuten irgendwo in den Kopf pflanzt: „Passt mal auf, aber lasst euch damit nicht die Sexualität vermiesen.”
Warum sind Menschen mit Migrationshintergrund besonders betroffen?
Jürgen: In vielen Herkunftsländern, etwa in Afrika oder Asien, ist die HIV-Prävalenz deutlich höher als hier. Oft fehlen dort gute – oder überhaupt – Test- und Versorgungsstrukturen, gerade außerhalb der Städte. Auch in Ländern wie Russland oder der Ukraine ist HIV weit verbreitet; oft durch Drogengebrauch. Viele bringen die Infektion also schon mit oder erfahren erst hier davon. Dazu kommen queere Geflüchtete oder junge schwule Männer aus sehr restriktiven, homophoben Gesellschaften, die sich endlich ausleben wollen, aber null aufgeklärt sind. Weil dort, wo solch eine Moral herrscht, keine Aufklärung stattfindet. Und dann ist natürlich auch der Schutz erst einmal sekundär und HIV oder andere Infektionen treten gehäuft auf.
Mit welchen Themen oder Problemen kommen die Menschen am häufigsten zu euch?
Jürgen: Mit ganz viel Angst. Wir haben ein Beratungstelefon, bei dem Menschen am Montag nach dem Wochenende im Steintor anrufen und sagen: „Das ist passiert, kann ich mich da mit HIV infiziert haben?“ Aber es kommen auch Menschen mit HIV, die mit sozialen Problemen hierherkommen. Wir haben eine Sozialberatung. Und auch eine Migrationsberatung. Im Moment beobachten wir, dass wieder massiv Leute in ihre Herkunftsländer zurückgewiesen werden, wo es eine sehr unsichere HIV-Versorgungslage gibt. Das ist auch ein wichtiges Thema.
Wie finanziert ihr eure Arbeit und Testangebote?
Karsten: Wir leben von öffentlichen Zuwendungen der Region und des Landes. Wir haben unsere Geschäftsstelle in der Langen Laube aufgegeben und damit natürlich Mieten eingespart, die wir hier wieder einsetzen können. Und wir gehen auch sorgsam mit diesem Geld um. Die Tests kosten zum Teil etwas, aber wir verdienen dadurch nichts. Auch öffentliche Finanzierung ist wichtig und das müssen wir auch immer im Bewusstsein der Politiker halten. Daher war es auch wichtig, dass wir uns von der AIDS-Hilfe weg zum CheckPoint verändert haben und auch andere Gruppen ansprechen.
Norbert: Und die Tests werden zum Teil aus Eigenmitteln finanziert. Es kommt ein bisschen darauf an: Wir bieten zwei unterschiedliche Tests an: zum einen einen Schnelltest, der im Prinzip auf HIV und Syphilis testet. Dabei wird aus der Fingerbeere eine kleine Blutprobe entnommen und man bekommt sofort ein Ergebnis. Dieser Test ist kostenfrei.
Jürgen: Die wurden bis zum 1. Januar vom Land finanziert. Jetzt kommt die Spende von der Pharmafirma Gilead.
Norbert: Genau. Und dann gibt es ein erweitertes Testprogramm, das sich überwiegend an Männer, die Sex mit Männern haben, wendet. Aber grundsätzlich allen mit entsprechendem Risikoprofil offensteht. Dabei wird nicht nur ein Schnelltest gemacht, sondern auch Blut abgenommen. Zusätzlich prüfen wir z. B. den Hepatitis-Impfschutz oder machen Abstriche, um Erreger direkt nachzuweisen. Die Kosten liegen aktuell bei 25 Euro. Ein Teil der Tests wird zudem vom Land finanziert, indem wir sie über das Niedersächsische Landesgesundheitsamt laufen lassen, das günstiger arbeitet als private Labore. So entsteht eine Mischfinanzierung.
Jürgen: Bedürftige kriegen diesen Test auch kostenlos.
Welche Botschaft oder welchen Wunsch möchtet ihr den Menschen in Hannover in Sachen sexuelle Gesundheit mitgeben?
Norbert: Habt Sex und habt keine Angst davor! (lacht)
Jürgen: Das ist gut! Also, wir haben für den CheckPoint dieses Logo: „Eure Experten für sorgenfreien Sex“. Dabei steckt natürlich auch ein bisschen Moral mit drin, aber genau darum geht es: Je mehr Sorgen man sich macht, desto riskanter wird es, weil alles tabuisiert wird und nicht offen über Schutz gesprochen wird – auch an der Bettkante nicht. Deshalb sind wir da die Schmuddelkinder, die sagen: „Kommt, Leute, habt Spaß, redet darüber, macht es vernünftig. Und meldet euch einfach, wenn ihr Fragen habt.“
Karsten: Mir ist es wichtig, dass man die Leute so leben lässt, wie sie sind, und tolerant ist; dass man immer versucht, eigene Vorurteile, von denen man ja nie frei ist, zu überwinden.
Norbert: Ich möchte auch noch ergänzen, dass es mir ein Herzenswunsch ist, mit dieser Stigmatisierung von HIV-infizierten Personen zu brechen. Unter Therapie sind nicht infektiös und können ein ganz normales Leben führen! Leider ranken immer noch völlige Mythen um diese Infektion.
Abgelegt unter Im Gespräch, MenschenKommentare deaktiviert für Der Freundeskreis im Gespräch mit Norbert Schlote, Karsten Pilz und Jürgen Maaß
Mitten in Hannover gibt es einen Ort, an dem Frauen* füreinander da sind, sich zuhören und durch verschiedene Lebensphasen begleiten: Das AMANDA e.V. Frauen*Therapie- und Beratungszentrum. Das engagierte Team begegnet seinen Klientinnen nicht nur stets mit Herz und fachlicher Kompetenz, sondern ergreift Partei und macht sich für feministische Interessen stark.
Gegründet 1991, ist AMANDA seit über 30 Jahren eine feste Anlaufstelle für Mädchen und Frauen*, die Unterstützung brauchen. Von einem Fachbereich für Traumata und Gewalterfahrungen, über Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung, reicht die Hilfe des Vereins bis hin zu psychosozialer Betreuung und Sprechstunden zum Thema Essstörungen. „Im alltäglichen Klinik- oder Beratungskontext werden viele weibliche Themen nicht ausreichend beleuchtet“, erklärt Mitarbeiterin Kaja Götze. „Weil wir eine feministische Haltung verfolgen, können wir viel besser auf die Lebensrealitäten von Frauen* eingehen.“
Und das funktioniert: Die Frauen*, die Beratung bei AMANDA in Anspruch nehmen, fühlen sich hier nicht nur gehört, sondern auch verstanden. Oftmals äußert sich das in sehr einfachem, aber dennoch tiefgreifendem Feedback. „Viele Frauen sind total überrascht, wenn wir tatsächlich zurückrufen, oder sie sagen, bei AMANDA sei ihnen das erste Mal Verständnis entgegengebracht worden“, erzählt Lena Rother, Leitung des Bereichs für Frauen* und Mädchen mit Essstörungen. Jene Sätze verdeutlichen, welch großen Unterschied schon bloßes Zuhören ausmachen kann.
Doch die Arbeit von AMANDA geht weit über das Zuhören hinaus. Es finden unter anderem Krisengespräche, längerfristige Beratungen und Online-Sprechstunden statt, aber auch gemeinsame Aktivitäten wie Waldspaziergänge in der Eilenriede oder Aktionen zum Weltfrauentag. In jedem Kontext können sich Frauen*, die zu AMANDA kommen auf eine Beratung auf Augenhöhe verlassen, ohne dass sie befürchten müssen, mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. „Bei uns zählt nicht die Diagnose, sondern der Mensch“, so Julia Faust, Fachbereichsleiterin für Trauma und Gewalt. „Genau! Uns ist es wichtig, dass die Betroffenen nicht nur auf ihre Symptome reduziert werden“, ergänzt Danielle Winterhalter, die Leitung der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung. Außerdem wird alles, was die Frauen* während ihrer Zeit bei AMANDA teilen, streng vertraulich behandelt und ihre Anonymität gewahrt.
Um traumatisierenden Erfahrungen vorzubeugen, spielt auch Prävention bei AMANDA eine große Rolle. Das Team des Frauen*Therapie- und Beratungszentrums geht in Schulen und möchte die Kinder und Jugendlichen dort für persönliche Grenzen und Grenzüberschreitung sensibilisieren. „Für viele Schüler*innen war es ein richtiger Aha-Moment, als sie verstanden haben, dass sie selbst bestimmen, wo ihre Grenzen liegen“, berichtet Faust. „Alle dürfen so sein, wie sie sind – ohne Druck von außen und ohne irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen. Es ist wichtig, dass sie das schon früh verinnerlichen.“
Trotz solch positiver Effekte, die die Arbeit der Frauen von AMANDA hat, müssen sie auch nach über 30 Jahren noch jedes Jahr aufs Neue dieselben Anträge schreiben, Gelder beantragen und Nachweise erbringen. „So langsam wird es doch mal Zeit, die Beratungsstellenlandschaft langfristig abzusichern“, fordert Rother. AMANDA ist eine der Einrichtungen in Hannover, die Frauen eine Lobby bietet, in einer Gesellschaft, in der sie an vielen Stellen noch immer eine Nebenrolle zu spielen scheinen. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit“, betont Winterhalter, denn bei AMANDA ist Solidarität nicht nur ein Wort, sondern wird tagtäglich gelebt – von Frauen für Frauen*.
Laura Druselmann
AMANDA e.V. Frauen*Therapie- und Beratungszentrum
Roscherstraße 12, 30161 Hannover
Tel.: 0511 885970
E-Mail: mail@amanda-ev.de
www.amanda-ev.de
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Man hat nichts Böses getan. Man wollte eigentlich nur auf einen Kaffee vorbeischauen, vielleicht ein bisschen über das Wetter oder die absurden Benzinpreise lästern – harmlos eben. Doch kaum hat man seinen ersten Schluck genommen, wird das Handy gezückt, und man steckt in der Falle des Fotoaufzwängers. Es gibt kein Entkommen. Die Tür ist zu, der Gastgeber hat geschickt den Fluchtweg mit dem eigenen Körper blockiert, und der Kaffee wirkt plötzlich wie ein narkotisierender Fesseltrank.
„Also, das hier ist der Sonnenuntergang am zweiten Abend auf Gran Canaria. Nicht zu verwechseln mit dem vom dritten Abend – da war die Wolkendecke anders.“ Ah. Faszinierend. Das linke Auge beginnt zu zucken, das innere Ich steht in Flammen und schreit: „Wo ist der Bus mit den Leuten drin, die das interessiert?“ Aber das äußere Ich nickt tapfer, sagt Sachen wie „Wow, tolle Farben!“ oder „Das sieht ja aus wie gemalt!“ und wartet verzweifelt auf eine Lücke, in der höflich auf die bereits fortgeschrittene Uhrzeit verwiesen werden kann. Aber es hört nicht auf, oh nein! Fotoaufzwänger scrollen sich durch Foto um Foto. Ein Kaktus. Noch ein Kaktus. Ein Kaktus mit Hut. Ein Kaktus mit Menschengruppe daneben. Sie zeigen und erklären sämtliche 117 Variationen des Frühstücksbuffets, von leicht angetrocknetem Rührei bis zur exotischen Marmelade, die angeblich „nach mehr schmeckt“. Und das Schlimmste: Sie kommentieren jedes einzelne Bild. Mit dramatischen Pausen. Wie ein Regisseur, der sein Opus Magnum vorführt.
„Hier, das war im botanischen Garten von Wanne-Eickel. Die Dahlien! Oh mein Gott, die Dahlien! Schau dir diese Dahlien an!“ Man schaut. Natürlich schaut man. Was bleibt einem denn auch anderes übrig? Es gibt schließlich keine Möglichkeit, diesem auditiv-visuellen Overkill zu entkommen, ohne erhebliche Unhöflichkeit an den Tag zu legen.
Irgendwann scheint der Fotoaufzwänger erschöpft. Und man wagt zu hoffen, dass es nun bald vorbei sein könnte. Man setzt hoffnungsvoll innerlich zum Dankgebet an. Und sagt etwas Nettes. „Wirklich alles sehr schön, ganz beeindruckende Aufnahmen.“ Doch leider, genau das wirkt wie Koks. Der Fotoaufzwänger ist zurück. „Oh! Dann musst du das hier noch sehen. Das glaubst du nicht, wie schön das war!“ Er kennt keine Gnade mehr.
Was bleibt ist Resignation. Gepaart mit der Überlegung, diesen Menschen nachhaltig zu ghosten. In Zukunft einfach so zu tun, als wäre man ausgewandert. Hätte das Land verlassen. Für immer. Vielleicht nach Grönland. Ohne Empfang. Ohne Freunde. Ohne Gefahr.
Dabei meinen Fotoaufzwänger es eigentlich überhaupt nicht böse. Wahrscheinlich wären sie völlig überrascht, fielen aus allen Wolken, würde man sie darüber informieren, dass ihre Urlaubsfotos niemanden interessieren. Noch viel weniger als damals Onkel Georgs Diavortrag mit Bildern von Tante Annelieses 60. Geburtstag. Ja, wirklich, noch weniger!
Fotoaufzwänger glauben wahrhaftig, dass wir ihre Erlebnisse nachempfinden wollen. Dass wir durch ihre Linse plötzlich den Zauber von „Landstraße B241 bei Nieselregen“ entdecken. Dass wir uns an ihrem Abenteuer im gleichen Maß berauschen können (und wollen) wie sie selbst. Was sie nicht verstehen: Urlaubsfotos sind wie Träume. Für den, der sie hat, sind sie faszinierend, bedeutungsvoll, oft sogar magisch. Für alle anderen? Ein bizarrer Bilderstrom, bei dem man höflich nickt, während man innerlich dissoziiert. Darum, liebe Fotoaufzwänger, hört bitte auf, die Welt mit euren 5.000 Bildern zu bombardieren. Nehmt zwei, maximal drei Highlights. Und dann lasst es gut sein. Wer mehr sehen will, wird fragen. Fest versprochen. Und wenn keiner fragt, nehmt es bitte nicht persönlich.
MB
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„Die perfekte Waffel ist für mich … a: saftig, b: fluffig oder c: knusprig“. Im Hintergrund läuft ein putziges Jingle, während Herr Jauch und Herr Pilawa selber noch mal überlegen müssen. Denn das ist die 100.000-Euro-Frage. Nicht mal die Belgier, obwohl nur vergleichsweise wenig Männeken, sind sich da einig: Die Brüsseler Waffeln bestehen aus Rührteig, die Lütticher aus Hefeteig und man kloppt sich darum, welche nun das eigentliche Nonplusultra sind. Knusprige Waffeln werden maximal zum Eis akzeptiert. Alles eine Geschmackssache! Aber wenn man schon mal das Waffeleisen rausgekramt hat, kann man auch gleich drei Sorten Waffeln backen, dann ist für jede*n was dabei. Und um weitergehende Diskussionen darüber, wie süß eine Waffel sein darf, gleich im Keim zu ersticken, wird einfach keins der Rezepte ein süßes sein.
Da sich die ganze Arbeit ja auch irgendwie lohnen muss, ergibt jedes Rezept acht eckige Waffeln.
Wir starten mal mit der knusprigen Variante, denn die hat die längste Vorbereitungszeit. Das liegt daran, dass wir rote Linsen für den Teig verwenden. Davon nehmen wir 100g und legen sie für anderthalb Stunden in kaltes Wasser. Nach der Einweichzeit gießen wir das Wasser ab und pürieren die Linsen mit 120ml Milch zu einem feinen Brei. Diesen vermischen wir dann mit 3 Eiern, 120g Mehl, je einem Teelöffel Salz, Kumin, Kurkuma, Backpulver und Zitronenschale sowie 2 Esslöffeln geschroteten Leinsamen. Den Teig lassen wir kurz ruhen, damit der Klebstoff im Mehl, das Gluten, seine Klebkraft entfalten kann, bevor er im Waffeleisen knusprig ausgebacken wird. Durch die eher feste Konsistenz lassen sich die Waffeln gut belegen und dekorieren, die leicht levantinische Würzung schreit nahezu nach Hummus oder Baba Ganoush.
Die zweite Variante ist eher Hauptmahlzeit als Snack. Die dominante Zutat ist hier nämlich Kartoffelbrei. Davon brauchen wir 600g. Dazu kommen noch eine geriebene Karotte, ein Ei, 150g Mehl, Salz, Pfeffer, etwas Muskat und ein halber Teelöffel Oregano. Dieser Teig braucht etwas länger im Waffeleisen, die Waffel selbst aber bleibt feucht und saftig, auch dann, wenn sie später noch einmal aufgewärmt wird. Das macht sie zu einer fancy Beilage, obwohl sie dafür eigentlich zu mächtig und eher Main-Character ist. Mit frischen Kräutern wie Petersilie, Kresse oder Thymian im Teig ergibt sie zusammen mit Quark oder Sour Cream ein schönes Mittagessen.
Der dritte Waffelkandidat ist von der fluffigen Fraktion. Das liegt an der Buttermilch, von der wir 500g benötigen, die wir mit zwei Eiern verquirlen. In eine zweite Schüssel bröseln wir 100g trocken getupften Feta sehr fein, mischen ihn mit einem Esslöffel Harissa (oder einer alternativen Würzpaste oder -Mischung), 250g Mehl, etwas Salz und 2 Teelöffeln Backpulver, ehe wir die Eier- Buttermilch-Mischung dazugeben und den fertigen Teig aus oben genannten Gründen für zehn Minuten ruhen lassen. Diese Waffeln sind schon nach kurzer Zeit im Waffeleisen fertig und gleichermaßen fluffig wie geschmacksintensiv, so dass sie kaum Topping, Sauce oder sonst irgendetwas brauchen. Wenn also überraschend mal Günter Jauch oder eine belgische Delegation vorbei kommen, ist man mit diesen drei Rezepten für alle Eventualitäten gewappnet.