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Ein letztes Wort im Januar

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Ein letztes Wort im Januar


Herr Weil, ich freue mich, dass Sie Lust haben, mir auch künftig Rede und Antwort zu stehen …  

Herzlich willkommen zu Interview Nummer 201.

Es ist vielleicht ganz passend, wenn wir zum Jahresstart über eine tatsächlich ganz neue Welt reden. Spätestens mit der aktuellen US-Sicherheitsstrategie ist klar, dass die Freundschaft vorbei ist, oder? Das Papier begräbt die transatlantische Partnerschaft.

Das scheint leider so zu sein. Und dass die amerikanische Regierung ankündigt, auf die innenpolitischen Verhältnisse in Partnerländern durch eine enge Zusammenarbeit mit rechtsextremen Parteien einwirken zu wollen, das ist qualitativ wirklich neu. Wir dürfen uns keine Illusionen mehr machen. Dieses Papier ist ganz offenbar nicht einer Laune des Augenblicks geschuldet, sondern handfeste Strategie. Trump bleibt sich treu – er macht aus seinen Plänen kein Geheimnis.

Die Sicherheitsstrategie ist ein Papier, an dem viele Köpfe mitarbeiten und das Gewicht hat. Aber dass sich etwas grundlegend ändert, war ja spätestens nach der Rede von JD Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz klar. Meinen Sie, dass nun alle verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat?

Ja, das ist nun wirklich nicht mehr zu übersehen und zu überhören. Wobei die Gefühle ja durchaus unterschiedlich sein dürften in Europa. Ich nehme zum Beispiel an, dass Herr Orbán diese Nachrichten mit Freude zur Kenntnis genommen hat. Bei Frau Meloni weiß ich es nicht. Bei anderen habe ich Zweifel. Aber die Mehrheit der Länder in Europa steht klar auf der richtigen Seite und will die Demokratie schützen. Diese Länder müssen alle die Hoffnung aufgeben, dass wir demnächst wieder zu alter Freundschaft und Partnerschaft zurückkehren könnten. Das wird in absehbarer Zeit nicht passieren. Wir sollten diese Illusion jetzt begraben. Deutschland hat ja bereits einmal den Fehler gemacht, im Verhältnis zu Russland deutliche Signale lieber zu ignorieren. Ich nehme mich da nicht aus. Diesen Fehler sollten wir nun aber auf keinen Fall wiederholen.

Das Prinzip ist radikal America First.

Es ist noch mehr als America first. Es wird ja offen angekündigt, die rechtspopulistische und reaktionäre Entwicklung in den Vereinigten Staaten internationalisieren zu wollen.

Und der Stärkere hat Recht. Im Grunde ist es das Ende einer auf gemeinsamen Regeln basierenden Weltordnung.

Das ist es. Donald Trump akzeptiert schlichtweg keine Regeln. Das gilt für das Völkerrecht genauso wie für das nationale Recht. Die innenpolitische Entwicklung in den Vereinigten Staaten ist ja ebenfalls dramatisch. Die Beziehung zwischen Europa und den USA kann sich wohl erst dann wieder verbessern, wenn die USA die Ära Trump überwinden und zu demokratischen Prozessen zurückkehren. 

Wenn ich mir ansehe, was Donald Trump momentan beispielsweise Richtung Venezuela verantwortet, dann wird mir wirklich Angst und Bange. Er lässt Fischerboote mit angeblichen Drogenschmugglern auf Verdacht in die Luft jagen. Aus meiner Sicht ist das Mord.

Das muss man wohl so nennen. Und man muss das alles vor allem Imperialismus nennen. Ein Imperialismus, der letztlich auch vor Europa nicht Halt macht. Die Ankündigung der massiven Einmischung ist ja nun in der Welt. Die Empörung hält sich jedoch bislang noch in Grenzen. Entsprechende Versuche aus Russland haben bei uns wesentlich höhere Wellen geschlagen. Wir müssen uns auf eine immer intensivere Einmischung aus den USA einstellen und darauf reagieren. Diese Einmischung ist auch deshalb so gefährlich, weil sie im Zweifel mit gewaltigen Geldbeträgen unterstützt werden kann. Und die AfD kündigt ja schon stolz einen Delegationsbesuch in den USA an. 

Was sagen sie zu den konkreten Vorwürfen aus den USA? Beschneiden wir die Meinungsfreiheit? Unterdrücken wir Andersdenkende? Grenzen wir rechte Parteien aus? Und was sagen Sie zu der Befürchtung, dass uns durch die Migration eine „zivilisatorische Auslöschung“ droht.

Das sind exakt die kruden und absurden Erzählungen, die auch die AfD verbreitet. Das ist eine vollständige Verzerrung der Realität, die auch in den Köpfen von amerikanischen Rechtsextremisten herumspukt. Man erkennt hier sehr deutlich die Verbindungen innerhalb des mittlerweile erschreckend großen globalen rechten Netzwerks. Es gibt bereits Länder in der Europäischen Union, die Teil dieses extrem rechten Lagers sind, und in der EU stehen in diesem Jahr noch ein paar schwierige Wahlen ins Haus.  Europa wäre um ein Vielfaches stärker, wenn es intern einig wäre. Was mich auch besorgt macht, das ist dieser neue Pakt zwischen politischer und wirtschaftlicher Macht. Die Tech-Konzerne spielen Trumps Spiel alle mit und wahrscheinlich beeinflussen sie im Hintergrund durchaus die Spielregeln. 

Werden wir schon im kommenden Jahr die Einmischung erleben, wenn in Deutschland in mehreren Bundesländern gewählt wird?

Genau das ist zu befürchten. Das, was wir in Deutschland erleben und noch weiter erleben werden, ist Teil einer internationalen Entwicklung. Die liberalen Demokratien stehen überall hart unter Druck. Bei uns wird in Westdeutschland noch anders gewählt als in Ostdeutschland, aber die Betonung liegt auf „noch“. Wir dürfen dieser Entwicklung auf keinen Fall einfach zusehen. Wenn ich mir ganz praktisch vorstelle, was rechte Netzwerke mit entsprechender Unterstützung der Tech-Konzerne anrichten können, dann sollten wir alle hochalarmiert sein. Wir werden erleben, dass alle möglichen Techniken der Manipulation auch bei uns eingesetzt werden. Wenn wir das zulassen. Noch können wir dagegen aufbegehren, eine große Mehrheit der Bevölkerung steht zur Demokratie. Diese Mehrheit muss bestärkt werden, auch durch eine ruhige, aber bestimmte und erfolgreiche Politik.

Bemerkenswert ist in dieser Sicherheitsstrategie auch, dass Russland nicht als Bedrohung oder Gefahr benannt wird, sondern dass die europäischen Staaten das Problem seien, weil sie Russland als existentielle Bedrohung betrachten.

Auch das sind alternative Fakten. Da wird ein ganzes Weltbild so aufgebaut, dass es zu den eigenen Vorstellungen passt. Das ist kein vorübergehendes Strohfeuer, dahinter steckt ein Plan für einen tatsächlich fundamentalen Umbau der Verhältnisse. Das ist die Lehre aus den Entwicklungen in den USA.

Wie ist denn angesichts dieser Entwicklungen ihre Prognose für die Ukraine?

Meine Prognose ist eher pessimistisch. Wenn ich mir etwa die Forderung nach einem Einfrieren des Krieges ansehe, dann wird das inzwischen in der europäischen Öffentlichkeit kaum noch in Frage gestellt. Vor gut einem Jahr ist man über Rolf Mützenich nach dieser Aussage geradezu hergefallen, heute ist das offenbar teilweise westliche Strategie – mit der Faust in der Tasche.  

Wenn man unter all das nun einen Strich macht, sehen wir mit Trump die Abkehr von jeglicher Moral, von vielen liberalen Werten. Empathie wird als Schwäche gesehen. Für mich ein Rückfall tief ins letzte Jahrhundert. Ist die USA auf dem Weg, ein Schurkenstaat zu werden?

Ich glaube, wir kommen nicht mehr darum herum, uns genau diese Frage zu stellen. Der eigene Vorteil einiger weniger steht über allem anderen. Das Wort wäre mir bei keinem anderen amerikanischen Präsidenten über die Lippen gekommen. Aber ich gebe zu, es gibt viele gute Gründe, warum man heute eine solche Gefahr aufzeigen muss. 

Und der Schwiegersohn sitzt mit am Tisch und verhandelt über die Beute …

Ich hoffe, dass die Amerikanerinnen und Amerikaner spätestens bei den Zwischenwahlen im Herbst klarmachen werden, dass sie das alles nicht wollen. Es gibt viele Millionen aufrechter Demokraten in diesem faszinierenden Land. Aber auch Deutschland und Europa müssen Trump und seinen Leuten zeigen, dass sie es mit wehrhaften Demokratien zu tun haben. Europa muss jetzt hart und intensiv an der Herstellung der eigenen Verteidigungsfähigkeit arbeiten. Und Europa muss bereit sein, künftig sehr viel stärker die eigene ökonomische Stärke ins Feld zu führen. Ja, die USA sind eine riesige Wirtschaftsmacht – Europa in Summe aber auch. Und schließlich müssen sich die einzelnen nationalen Demokratien in Europa sehr viel wetterfester aufstellen. Das gilt zuallererst für Deutschland.

Finden Sie, dass die aktuelle Bundesregierung Deutschlands Demokratie momentan wetterfest macht?

Da ist mit Sicherheit noch eine Menge Luft nach oben – vor allem in der Kommunikation. Viele Vorhaben sind sehr vernünftig, aber vor lauten Ärger wegen internem Streit bekommen die Bürgerinnen und Bürger davon kaum etwas mit. 

Damit haben wir dann ja leider schon ein Thema für die 202.

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Editorial 01-2026

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Editorial 01-2026


Liebe Leser*innen,

für diese Ausgabe erste Ausgabe im Jahr habe ich Maike Bielfeldt getroffen, die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Hannover. Und ich habe sie zum Einstieg gefragt, ob sie ihren ersten Arbeitstag in Hannover noch vor Augen hat. Sie hat nicht lange überlegen müssen. Sommer 2020, zwischen den Lockdowns, unfassbare Hitze, ein Start unter Bedingungen, die man heute schon fast wieder verdrängt hat: Hybrid-Veranstaltungen, Stühle mit einigen Metern Abstand und eine Welt im Ausnahmezustand. Kein leichter Start, eher mit angezogener Handbremse. Aber sie erzählt, dass es Hannover ihr trotzdem leicht gemacht hat. Offen, zugewandt. Eine Stadt, in der man sich immer wieder begegnet – Dezernentin neben Minister, Kommunalpolitik neben Landespolitik, kurze Wege. Für jemanden, der vermitteln, verhandeln, verbinden muss, ist das ein Pfund. Und es ist ein Standortfaktor.

Maike Bielfeldt hat früh gewusst, in welche Richtung es gehen sollte. Sie ist noch während der Schulzeit in einem Artikel zu Berufen über die „Wirtschaftsprüferin“ gestolpert und hat dann angefangen zu recherchieren, wie man das wird. Sie hat nach dem Abitur zunächst eine Banklehre gemacht, dann Volkswirtschaft studiert, sie ist nach Valencia gegangen und hat sich mit rudimentärem Spanisch durch BWL gekämpft. Und sie hat nebenbei gearbeitet. Beim NDR, im Hemdenladen, im Feinkostgeschäft, in Restaurants. Als Kind hat sie Kirschen im Alten Land gepflückt – und gelernt, wie lange es dauert, bis so ein Eimer endlich voll ist.

Das alles hat sie geprägt: Arbeit, Zahlen, Tempo, Pragmatismus – und ganz viel Lust auf Menschen und Gespräche. Sie ist zufrieden mit ihrer jetzigen Position, sie ist genau da angekommen, wo sie hinwollte. Sie vertritt die Interessen von rund 190.000 Unternehmen. Und ja, das ist natürlich herausfordernd. Aber sie achtet auf den Ausgleich. Keine Grübelschleifen, Sie nimmt nichts mit in die Nacht. Und falls es mal ein echtes Wochenende gibt, dann nimmt sie auch nichts mit ins Wochenende. Außer eine große Kanne Tee und ein gutes Buch. Dazu ist Sport ihre Geheimwaffe gegen Stress. Sie hat immer ihre Laufsachen dabei.

Natürlich haben wir auch über Gleichberechtigung gesprochen. Über Frauen in Führungspositionen. Maike Bielfeldt blickt momentan ziemlich besorgt auf einen Kipppunkt, sie sieht einen Trend zum Rückzug ins Häusliche. Es ist ein Rollback. Gleichzeitig erzählt sie, wie aus einem IHK-Frauennetzwerk mit 30 Teilnehmerinnen inzwischen über 600 geworden sind. Wie aus Sichtbarkeit Selbstbewusstsein entsteht – und aus Selbstbewusstsein Veränderung in den Gremien. „Ich werde Chefin“ heißt eine Kampagne, bei der Unternehmerinnen und auch Bielfeldt selbst Mädchen einen Tag lang mitnehmen. Es geht darum, Role Model zu sein.

Und dann kommt der harte Teil: Die Wirtschaft 2025 und die Aussichten auf 2026. „Schlecht“, sagt sie kurz und knapp. Und die Stimmung sei noch einmal deutlich nach unten gerutscht, nach dem ausgebliebenen Herbst der Reformen. So würde die Politik Investitionen ausbremsen. Dass viele Unternehmungen über Verlagerungen ins Ausland nachdenken, sei im Grunde logisch. Zentral ist für Maike Bielfeldt Verlässlichkeit. Keine Endlosdebatten, keine unstete Politik, keine Regeländerungen im Monatsrhythmus plus Bürokratie und Misstrauenskultur. Was sie neben schnellen Reformen einfordert, ist ein grundsätzlich anderer Blick auf die Unternehmer*innen im Land, weil die sich engagieren, sich einsetzen, etwas in Bewegung bringen und Arbeitsplätze schaffen. Maike Bielfeldt hat eine ziemlich klare Vorstellung davon, was passieren müsste: mehr Vertrauen, mehr Entschlossenheit, mehr Mut zum Pragmatismus. Und hin und wieder ein lohnender Blick über den Tellerrand, der uns in Deutschland oft fehlt. Dänemark sei zum Beispiel digital und effizient – und trotzdem erreiche man die europäischen Datenschutz-Standards. Mehr im Interview ab Seite xx.

Und ja, in dieser Ausgabe geht es weiter mit Stephan Weil auf der letzten Seite. Wir haben einfach festgestellt, dass uns das noch eine Weile Spaß machen könnte. Die 201 dreht sich um die neue Sicherheitsstrategie der USA. Dass es mit Stephan Weil weitergeht, heißt aber nicht, dass mir das Gespräch mit Olaf Lies keinen Spaß gemacht hat. Im Gegenteil. Das scheint mir ein ganz sympathischer Mensch zu sein. Und das macht mir tatsächlich ein bisschen Hoffnung. Ich treffe immer wieder Menschen mit politischen Ämtern, die tatsächlich eine Agenda und einen Kompass haben, die etwas besser machen wollen, und die mir darum sympathisch sind. Leider dünnt sich das Richtung Berlin dann sehr aus, aber daran könnte man ja mal arbeiten. Vielleicht schaffen es die Parteien künftig, nicht mehr die eitlen Selbstdarsteller und wandelnden Profilneurosen in die erste Reihe zu stellen. Das ist doch mal für CDU, SPD und Co. ein guter Vorsatz für 2026, oder?

2026 ist ganz bestimmt ein Jahr, auf das man eigentlich nur mit großer Sorge blicken kann, angesichts irrlichternder Staatenlenker und der vielen Krisen, die diese Herrschaften uns bescheren. Es ist wirklich seltsam, dass wir Menschen ganz offensichtlich die Tendenz haben, sich die schlechtesten, die empathielosesten, die skrupellosesten Exemplare als Führungspersonal auszusuchen. Ein Rätsel. Warum machen wir das? Wer mir das erklären kann, soll mich bitte mal anrufen.

Viel Spaß trotzdem mit dieser Ausgabe!

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Das Januar-Kind ist da!

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Das Januar-Kind ist da!


Neues Jahr, neues Glück oder auch: Der Wahnsinn geht in die nächste Runde. Für die Januar-Ausgabe hat Lars Kompa mit Maike Bielfeldt gesprochen. Sie ist die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Hannover. Zugezogen in einem heißen Lockdown-Sommer und dann gleich in die Vollen. Wie das so war und viele weitere Dinge erzählt sie im Titelinterview.

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Ein offener Brief an… Sahra Wagenknecht

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Ein offener Brief an… Sahra Wagenknecht


Liebe Sahra, warum? Das kannst du doch nicht machen! Du kannst dich doch jetzt nicht aus deiner eigenen Ich-AG zurückziehen. Du warst unser Trost, unser Fels in der Brandung. Mit dir konnten wir mutig gegen alles sein. Gegen Migration, gegen Waffenlieferungen, gegen Gendersternchen, gegen das Establishment, gegen das System, gegen die USA, gegen die EU, gegen die NATO, gegen westliche Doppelmoral. Du warst unser Rundum-sorglos-Paket. Mit dir konnten wir auf die Ukraine scheißen und uns dabei gut fühlen. Als echte Pazifisten. So konnten wir auch für etwas sein. Für Frieden. Egal, wie viele Menschenleben so ein Frieden auch kostet. Du hast für uns regelmäßig die Fakten so sortiert, dass es gepasst hat. Wir haben uns nur zu gerne hinter dir versammelt. Das BSW, endlich gab es eine Heimat für uns Empörungskonservative.

Es hat sich so gut angefühlt, zu jenen zu gehören, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Zu denen mit dem Durchblick. Zu denen, die die ganz großen Zusammenhänge durchschauen. Deutschland, regiert und inzwischen fast ruiniert von irrlichternden Eliten. Und du, die einsame Mahnerin, die Stimme der Vernunft. Du hast uns alle abgeholt, uns frustrierten Linke, uns desillusionierte Sozialdemokraten, uns enttäuschte Liberale, uns hadernde Konservative, uns Menschen, die sich darüber gefreut haben, dass es „endlich mal jemand sagt“. Wer ist denn schuld an den steigenden Mieten? Klar, „die da oben“. Und wer hat für die steigenden Energiepreise gesorgt? Der Westen, der schlicht versagt hat. Und natürlich die gefährlichen Grünen. Und wer hat die Gesellschaft verunsichert? Die Medien. Die dich jetzt ignorieren, seit der Bundestagswahl – was du regelmäßig in den Talk-Shows vehement kritisierst.

Nein, liebe Sahra, du darfst diesen Schritt nicht gehen. Das BSW wird ohne dich ganz schnell in die Bedeutungslosigkeit abrutschen und verschwinden. Und dann? Wie sollen wir künftig mit gutem Gewissen weiter ausländerfeindlich sein? Du weißt schon, keine Ressentiments, es geht nur ums Steuern und Begrenzen. Zwinkersmiley. Wie sollen wir uns künftig im Spiegel ansehen können, ohne dich als Lichtgestalt hinter uns, die für unseren Heiligenschein sorgt? Das kannst du echt nicht machen!

Wer soll denn jetzt all die Talkshow-Sendeplätze füllen? Wer soll Markus Lanz mit stoischer Ruhe erklären, warum Deutschland wirtschaftlich kaputtgespart wird und völlig überreguliert ist und wer das zu verantworten hat? Wer soll mit diesem ganz speziellen Blick alle strafen, die es einfach nicht kapieren wollen? Und was wir aus uns YouTube-Jüngern und unserem sonntäglichen, heiligen Wagenknecht-Orakel? Was machen mir, wenn wir nicht mehr anschließend stundenlang in den Kommentarspalten unsere persönliche Apokalypse zusammengoogeln? Soll all das alles jetzt einfach enden? Das kannst du uns nicht antun. Wenn du jetzt gehst, droht uns eine politische Hungersnot.

Wir bitten dich, liebe Sahra, geh nicht ganz, verabschiede dich nicht vollständig aus der Politik, wir brauchen weiter diese Mischung aus Wirtschaftspaternalismus, Nationalliebe und Anti-Globalisierungs-Rhetorik. Wo sollen wir denn hin, ohne dich? Gründe einfach eine neue Partei, das BSWONODQ – das Bündnis Sahra Wagenknecht ohne nervige Ossis die quertreiben. Bitte, bitte! Lass uns nicht allein!

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Weihnachtstonträger Dezember 2025

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Weihnachtstonträger Dezember 2025


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Musikerinnenporträt Dezember 2025: Nancy

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Musikerinnenporträt Dezember 2025: Nancy


Wenn Worte nicht mehr ausreichen, schreibt Nancy Stunz Songs, das sagt sie selbst über sich. „Ich kann meine Gefühle besser ausdrücken, wenn ich darüber singe.“ Die 24-jährige Singer-Songwriterin kommt ursprünglich aus Nordhessen und ist vor drei Jahren nach Hannover gezogen. Musik begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Angefangen hat alles mit Keyboard- und Klavierunterricht. „Vor etwa zehn Jahren war ich auf meinem ersten Konzert, bei Wincent Weiss, stand mitten in der Menge und dachte: Das möchte ich auch machen. Danach habe ich angefangen, Songs zu schreiben.“

Die Newcomerin hat ein duales Studium in allgemeiner Verwaltung beendet und arbeitet in Teilzeit. So soll genug Zeit bleiben, aus dem Hobby mehr als das zu machen. „Seit ungefähr anderthalb Jahren versuche ich, das professionell zu machen.“

Wird Nancy nach ihren musikalischen Vorbildern gefragt, kommt die Antwort fast wie aus der Pistole geschossen: Wincent Weiss! Der deutsche Popsänger, aber auch andere Künstler*innen, wie LEA und Kayef, prägen sie und ihre Musik, die sie als „ehrlich, direkt und verletzlich“ beschreibt.

In ihrer kürzlich erschienenen Single „Angst, mich zu verlieben“, beschäftigt sie sich mit emotionalen Themen. „Durch meine Musik fällt es mir leichter, mich verletzlich zu zeigen. Ich kann nicht so gut über meine Gefühle sprechen, aber ich kann darüber schreiben.“ Das fällt auch in ihrem neuen Song auf. Er handelt von Verlust- und Bindungsangst, vom inneren Konflikt zwischen Nähe und Rückzug: „Ich habe gemerkt, dass ich Menschen oft weggestoßen habe, wenn es ernst wurde“, erzählt Nancy. Auf Instagram ist sie auf das Thema Bindungsangst aufmerksam geworden und „dann habe ich mich mit dem Thema beschäftigt und gemerkt: Oh Gott, so bin ich ja auch.“

Am Anfang fiel es ihr nicht leicht, sich auch ihrem Publikum verletzlich zu zeigen. Aber so „entsteht Nähe“, die ihr sehr wichtig ist. „Ich bin nach Konzerten immer mit meinem Publikum im Gespräch. Es ist mir wichtig, Kontakt zu meinen Fans zu haben. Ich habe gemerkt, dass ich mit meinen Gefühlen nicht allein bin – und vielleicht hilft es anderen, wenn ich offen bin.“

Sie schreibt über Liebe, Herzschmerz und Freundschaften, über Momente, „die sich erst falsch und dann richtig anfühlen“. Ihre Songs entstehen meist am Klavier, oft aus spontanen Notizen, die sie in ihr Handy tippt. „Ich schreibe Dinge auf, wenn ich sie erlebe, und erst später, wenn ich sie verarbeitet habe, wird daraus ein Song.“

Ein besonderer Moment in ihrer noch jungen Karriere war ihr erstes Support-Konzert Anfang Oktober im Mephisto Hannover, als sie für K-Fly spielte. „Das war mein erstes richtiges Konzert überhaupt. Ich war total aufgeregt, aber danach war klar: Das ist genau das, was ich machen will.“

Langfristig will Nancy mit ihrer Musik ihren Lebensunterhalt verdienen – und auch für andere schreiben. „Ich wünsche mir, dass meine Reichweite wächst, ich neue Fans gewinne und 2026 mein erstes eigenes Konzert in Hannover spiele.“ Bis dahin arbeitet sie weiter an neuen Songs und Musikvideos.

Pia Frenk

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