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Literarisches: Mareike Deppe

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Literarisches: Mareike Deppe


„Ich habe zwei Mädels und mit denen hat eigentlich alles angefangen.“ Mareike Deppe ist 44
Jahre alt, kommt aus Hannover und ist studierte Bioverfahrenstechnikerin. Zum Schreiben
ist sie durch ihre Töchter gekommen, die zum Einschlafen immer selbstausgedachte
Gute-Nacht-Geschichten von ihr verlangt haben. „Und wie das dann bei Kindern so ist,
wollten sie am nächsten Tag nochmal die gleiche Geschichte hören. Dann habe ich
angefangen, sie aufzuschreiben, und gemerkt: Das macht mir total Spaß.“
Sie ist diejenige, die zu Hause den Haushalt schmeißt und sich um die Kinder kümmert.
„Mein Alltag war ohnehin sehr von Kinderdingen geprägt und Kindergeschichten gingen
schnell. Aber das hat mich intellektuell nicht so gefordert. Deswegen wollte ich gerne ein
Projekt haben, außerhalb von Geschirrspülmaschine ausräumen und Waschmaschine
anstellen.“
Mareike Deppe hat dann viele Schreibkurse der Volkshochschule besucht und in einem
dieser Kurse entstand schließlich die Idee für ihren aktuellen Roman „Die Schattenseiten
von Sansibar“. „Wir haben die Aufgabe bekommen, eine Kurzgeschichte zu schreiben.
Anhaltspunkt war eine Person, die in einem Laden arbeitet.“ So entstand Pauline – die
Hauptfigur in Deppes Roman –, die auf Sansibar das Gewürz- und Tee-Geschäft ihrer Eltern
führt. „In dem Kurs habe ich dann gedacht, dass ich gar keine Kurzgeschichte geschrieben
habe, sondern eher das erste Kapitel von meinem neuen Roman.“
Pauline ist die Tochter einer englischen Familie, die sich zu Kolonialzeiten auf Sansibar
ansiedelt. Paulines Familie möchte sie bald verheiraten, und als Nathan, ebenfalls
englischer Kolonist, auf die Insel kommt, sieht es zunächst so aus, als hätte sich ein
passender Mann gefunden. Im Laufe der Geschichte wird klar: Pauline möchte sich gar nicht
mit Nathan verloben. Sie liebt jemanden anderen: Samé. Der als Sklave in Mozambique
gefangen genommen und nach Sansibar an einen Plantagenbesitzer verkauft wird. Nathan
entwickelt währenddessen eine gefährliche Obsession mit Pauline und will sie nun um jeden
Preis besitzen.
Der Roman beinhaltet nicht nur eine verworrene Liebesgeschichte und krankhafte
Obsessionen, sondern behandelt auch die Kolonialgeschichte Sansibars und dabei auch
explizit Sklaverei und Gewalt. Mareike Deppe rät daher, ihr Buch erst ab 18 Jahren zu lesen.
Für ihre Recherche war die Autorin selbst auf der Insel vor Tansania. „Ich habe mich mit der
Historie auseinandergesetzt und versucht, das so getreu wie möglich wiederzugeben.“ Das
führt auch dazu, dass die Autorin in ihrem Buch das N-Wort benutzt. Weshalb sie auch von
einem Verlag abgelehnt wurde. Deppe sagt dazu: „Das Wort steht jedes Mal in wörtlicher
Rede. Und ich finde es schwierig, in der heutigen Zeit, das alles vergessen zu wollen und
immer nur zu sagen: ‚Das darf man nicht mehr sagen.‘ Natürlich darf man das nicht mehr
sagen. Aber früher haben die halt so gesprochen.“
Auf die Frage, warum sie sich dazu entschieden hat, zwei weiße, englische Personen aus
Kolonistenfamilien zu ihren Hauptfiguren zu machen, antwortet sie: „Diese Kultur war mir
einfach näher. Ich hätte schwer über eine islamische Kultur in der Zeit schreiben und
originalgetreu bleiben können. Außerdem hatte ich in dem VHS-Kurs mit Pauline schon
meinen Grundstein für die Geschichte gelegt und im Islam zu dieser Zeit, hätte niemals eine
Frau einen Laden geführt.“
Aktuell arbeitet Mareike Deppe schon am zweiten Teil des Romans. Dieser soll in Indien
spielen. „Es geht natürlich in erster Linie um die Personen aus dem ersten Teil. Aber ich
habe mich da an der Fernsehserie Bridgerton orientiert. Hier kommen zwar die gleichen
Personen vor, aber die Perspektive ändert sich.“
Zudem schreibt Deppe auch noch an weiteren Büchern. Ihr Kinderbuch „Leonie tanzt“ steht
schon in den Startlöchern. „Ich finde, es gibt wenig Bücher über behinderte Kinder – zum
Beispiel über Kinder mit Down-Syndrom. Deswegen ist es mir auch ein Anliegen, Bücher zu
veröffentlichen, die Anderssein zeigen.“ In „Leonie tanzt“ findet ein Mädchen mit
Down-Syndrom, das von Deppes jüngerer Tochter inspiriert ist, durchs Tanzen
Freund*innen.
Die Autorin möchte dazu auch die Rubrik Jugendbuch umkrempeln. „Wenn ich diese Bücher
lese, die für Zehnjährige geschrieben sind, könnte ich kotzen. Es geht entweder um Fußball
oder um Ponyhöfe.“ Dem will sie sich mit neuen Ideen widersetzen. „Ich will zum Beispiel
zeigen, dass auch Kinder schon in jungen Jahren Schicksalsschläge erleben und lernen,
damit umzugehen.“
Während diese noch unveröffentlichte Gedanken sind, hat Mareike Deppe mit „Die
Schattenseiten von Sansibar“ ihren ersten Roman veröffentlicht. Erschienen im Oktober
2025 bewegt er sich irgendwo zwischen „historischem Liebesroman und Dark-Romance“,
wie die Autorin selbst sagt. Am 6. Juni wird Deppe ihr Buch in der
Booksbaum-Buchhandlung in Isernhagen vorstellen.

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Der Freundeskreis im Gespräch mit Stefan und Markus Becker

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Der Freundeskreis im Gespräch mit Stefan und Markus Becker


Wir treffen uns heute mit zwei Brüdern, die unterschiedlicher kaum wirken könnten – und doch eine gemeinsame Leidenschaft teilen: die Kultur. Markus Becker ist Pianist und Professor für Klavier und Kammermusik an der HMTMH. Stefan Becker leitet den Bereich Kommunikation und Stiftungen der Sparkasse Hannover. Beide sind in Osnabrück geboren, in Hannover aufgewachsen und gerne geblieben.

Zum Einstieg haben wir immer unsere kleine Vorstellungsrunde …

Markus Becker: Ich werde so alt, wie mein Jahrgang heißt – 63. Und ich lebe seit Grundschulzeiten in Hannover. Es gab viele Zufälle und Fügungen, die dazu geführt haben, dass ich diese Stadt nie verlassen habe – obwohl ich als Musiker natürlich viel unterwegs bin. Ich habe hier Klavier studiert und im Anschluss eine Professur an derselben Hochschule bekommen. Meine Schwerpunkte sind klassische Musik, Neues und Experimentelles, Jazz und Improvisation – und in der Lehre vor allem Kammermusik. Ich habe eine wunderbare Frau, fünf tolle Kinder und einen sehr netten Hund. Wir wohnen mitten in der Stadt, was in Hannover trotzdem mit einem hohen Erholungswert verbunden sein kann.

Stefan Becker: Ich bin – wer hätte das gedacht – ebenfalls in Osnabrück geboren, vor annähernd 62 Jahren. Die gesamte Schulzeit habe ich in Hannover verbracht, dann bin ich zum Studium ein bisschen unterwegs gewesen. Philosophie und Kunstgeschichte in Trier, Berlin und Heidelberg. Nach einer Zeit in einer Berliner Kommunikationsagentur bin ich 1999 samt Frau und zwei Kindern nach Hannover zurückgekehrt und habe bei der damaligen Kreissparkasse die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Und seitdem bin ich im Sparkassenumfeld aktiv und leite heute den Bereich Kommunikation und Stiftungen. Das bringt neben der klassischen Kommunikationsarbeit viel Einblick in die Förderlandschaft mit sich – und ich kann sagen: Hannover hat eine sehr lebendige Vereinskultur und viele engagierte Initiatorinnen und Initiatoren. Ehrenamtlich bin ich seit 2010 Vorsitzender des Vereins der Freunde des Sprengel Museums.

Der eine Musiker, der andere bei der Sparkasse – das klingt auf den ersten Blick sehr unterschiedlich. Was verbindet Sie beide?

Stefan Becker: Die Kultur. Über meinen Bildungsweg bin ich eher auf der Seite der Bildenden Kunst gelandet, aber auch der Musik bin ich sehr zugewandt. Meine beklagenswerte Instrumentalkarriere lassen wir hier aber lieber beiseite. Aber auch ein guter Zuhörer ist viel wert. Das war mein Diktum in einer sehr musikalisch aktiven Familie. Unsere Eltern waren beide Musikpädagogen, unser Vater auch an der hiesigen Musikhochschule – und sie haben natürlich darauf geachtet, dass ihre Kinder eine vernünftige musikalische Ausbildung an Instrumenten und im Knabenchor Hannover bekommen. Das hat mich geprägt, keine Frage. Zwischen zwei musikalisch begabten Brüdern aufzuwachsen und selbst eher Mittelmaß zu sein – das hat mich irgendwann zur bildenden Kunst geführt.

Markus Becker: Ich erinnere mich noch, als Stefan anfing zu fotografieren. Das hat mich damals sehr beeindruckt – auch weil es so viel Aufwand bedeutete. Er hatte eine Dunkelkammer unterm Dach, wie im Film. Er hat das von Anfang an unheimlich professionell und phantasievoll gemacht.

Haben Sie sich gegenseitig beeinflusst?

Markus Becker: Mein Musikstudium war keine Entscheidung, die ich kurz vor dem Abitur getroffen habe – das war spätestens im Gymnasium klar. Und davon hat Stefan mich auch nicht abbringen können. Aber ja, Geschwister erziehen sich gegenseitig stärker als Eltern das je könnten.

Stefan Becker: Was ich immer bewundert habe, war die Struktur seines Studiums. Ein geisteswissenschaftliches Studium ist ja sehr offen – man könnte sagen, es steht einem alles offen, man kann aber auch sagen, es führt auf nur sehr wenige spezialisierte Aufgaben hin. Markus‘ Musikstudium hingegen hatte von Anfang an diese unglaubliche Disziplin: Praxis, Üben, Auftreten. Das ist bei einem Geisteswissenschaftler anders – da kommen irgendwann Prüfungen, aber man zieht sich vieles selbst aus Bücherwelten und Diskussionsrunden zusammen.

Diese Disziplin, dieses tägliche Üben – wie fühlt sich das an?

Markus Becker: Das Schöne daran ist, dass man mit allem, was man tut, auch an sich selbst arbeitet. Man verbessert das Stück und sich selbst gleichermaßen. Aber klar, das ist zeitintensiv. Und wenn ich mal pausiere, denke ich: Mein Gott, hat ein Tag viel Zeit ohne Klavierüben! Momentan sind es mindestens drei Stunden täglich, eher vier bis fünf. Man bekommt im Studium so einen Qualitätsanspruch mit und ist dann nicht mehr damit zufrieden, etwas auf der Bühne irgendwie hinzubiegen. Aber es ist eben nicht nur Arbeit, sondern auch Passion, in der man sich wunderbar verlieren kann. Beim Improvisieren, beim Jazz, spielt Zeit überhaupt keine Rolle – man wundert sich wirklich, dass vier Stunden vergangen sind. Aber es gibt auch die strukturierte Arbeit, bei der man sich sagen muss: Für diese Beethovensonate nimmst du dir jetzt zwei Stunden, nicht den ganzen Tag, sonst kommst du zu nichts. Musik ist immer Umgang mit Zeit. Aber auch ein Abtauchen in eine andere Welt. Und in dieser ganzen getriebenen Social-Media-Zeit ist es wunderbar, sich in dieser Welt zu verlieren.

Klingt fast wie ein Privileg. Kommen wir mal zum leidigen Thema Geld und Kultur. In Lessings Emilia Galotti fragt der Prinz: „Was macht die Kunst?“ Und der Hofmaler Conti sagt: „Prinz, die Kunst geht nach Brot.“ Wie abhängig ist Kultur vom Geld?

Stefan Becker: Sehr abhängig, weil die Menschen, die das professionell machen, von etwas leben müssen. Es gibt eine öffentliche Förderstruktur, die bestimmte Institutionen regelmäßig ausstattet – in Niedersachsen allerdings nicht ganz so großzügig wie in anderen Bundesländern. Doch selbst in den öffentlich geförderten Häusern herrscht kein Überfluss, das wissen wir. Und das Geld steht im Grunde nie an erster Stelle. Meistens ist eine künstlerische Idee der Ausgangspunkt, und dann wird versucht, dafür eine öffentliche Förderung zu gewinnen. Da sind manche geschickter im Antragstellen als andere. Und die Professionalität dabei nimmt zu – immer mehr Ensembles und Initiativen haben das gelernt. Was ich gut finde: Immer mehr Ensembles sagen, wir produzieren selbst, statt auf ein Engagement zu warten. Und sie entdecken dabei auch ganz neue Spielorte.

Markus Becker: Und der Wert origineller Programme ist heute viel höher als noch vor 20, 30 Jahren. Wenn ich als Kammermusikgemeinde zu potenziellen Förderern gehe, interessieren die sich immer für die nächste Generation, für junge Künstlerinnen und Künstler – und für Programme, die nicht einfach Mozart, Schubert, Beethoven aneinanderreihen. Dass Neue Musik, Brüche, Kontraste als positiv wahrgenommen werden – das finde ich schön, dass sich das durchgesetzt hat.

Wird das auch an der Hochschule gelehrt – Selbstmanagement, Förderanträge?

Markus Becker: Immer mehr. Förderanträge eher nicht, aber Selbstmanagement und Marketing sind inzwischen Themen, dafür gibt es Seminare. Und was vielleicht noch wichtiger ist: In meinem Kammermusik-Master üben die Studierenden Gesprächskonzerte – also das eigene Projekt so weit zu distanzieren, dass man es klar und knapp darstellen kann. Das schärft den Blick: Warum sollte dieses Projekt gefördert werden? Was sagt Mozart uns heute als Gesellschaft? Klassische Musik will ja mehr sein als klingende Fototapete. Sie hat einen Herausforderungscharakter – etwas Widerborstiges und gleichzeitig Einladendes. Diese Polarität finde ich großartig. Zu diesen Formaten werden auch Journalisten und Intendantinnen eingeladen, damit die Studierenden spüren, welche Luft da weht. Der Bruch zwischen Ausbildung und Realität wäre sonst einfach zu groß.

Wenn man die nicht öffentliche Förderung aus der Kulturlandschaft herausnehmen würde – was bliebe?

Stefan Becker: Ein Grundbestand bliebe – die großen Klangkörper werden ja im Wesentlichen aus öffentlichen Mitteln getragen, ebenso musikalische Bildungsprojekte, Musikschulen. Aber in der Aufführungs- und Ausstellungspraxis gäbe es einen riesigen Bereich, der ohne Wirtschaftsunternehmen schlicht nicht machbar wäre. Da muss man auch unsere föderale Struktur erwähnen: Sparkassen sind regional verwurzelt, flächendeckend präsent und sie tragen zusammen mit ihren Stiftungen große Projekte aber auch viel Kleinteiliges. Dietrich Hoppenstedt, früherer Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, hat mal gesagt, was früher die Fürsten in Deutschland waren, das seien jetzt die Sparkassen – sie kümmern sich auch darum, dass gute Projekte in ihren jeweiligen Geschäftsgebieten auf die Beine gestellt werden. Ob das im Bereich der Kultur die Ausrichtung des „Jugend musiziert“-Wettbewerbs in Neustadt am Rübenberge für 2.000 Euro ist oder ein großes Leuchtturmprojekt, dieses netzwerkartige Unterstützen ist unverzichtbar.

Ich finde diesen breiten Förderansatz sehr sinnvoll. Und habe immer ein bisschen Angst vor dem reinen Fokus auf Leuchttürme. Man investiert alles in den einen großen Leuchtturm, und unten gehen die kleinen Lampen aus – ohne dass man es bemerkt. Wenn der Leuchtturm dann irgendwann erlischt, liegt alles im Dunkeln.

Stefan Becker: Auf der anderen Seite braucht es aber auch diese Leuchttürme, weil sie eine Treiberfunktion haben können. Die Kunstfestspiele etwa ermöglichen Dinge, die man sonst hier gar nicht zu hören und zu sehen bekommen würde. Beides ist wichtig: die Lichterketten und die Leuchttürme. Und Stiftungen dürfen sich dabei nicht als Lückenbüßer für rückläufige öffentliche Mittel verstehen. Wenn die öffentliche Hand sich zurückzieht und darauf hofft, dass jemand einspringt – das wäre der falsche Weg.

Hannover ist als Kulturstandort bekannt – hat aber auch ein Selbstdarstellungsproblem. Ist Hannover ein gutes Pflaster für Pianisten?

Markus Becker: Hannover ist bekannt als Klavierstadt, die Hochschule hat eine ganz prominente Klavierabteilung – das geht zurück auf Walter Gieseking, einen der ganz großen Pianisten des 20. Jahrhunderts. Und dann gilt: Gut holt Gut. Diese Tradition setzt sich fort über Kämmerlings Generationen bis zu Igor Levit oder Lars Vogt. Als Pianist lebt man nicht in einer Stadt, weil man dort besonders viel spielt – ich spiele ab und zu in Hannover, aber natürlich viel mehr woanders. Geographisch liegt Hannover wunderbar zentral: Köln, Berlin, München – alles gut zu erreichen. Und durch den Ruf der Hochschule spaziert die Klavierwelt hier regelmäßig vorbei.

Wie steht es um den Nachwuchs – in den Hochschulen und beim Publikum?

Markus Becker: Beides ist ein Riesenthema. Wenn man schaut, wer heute an der Hochschule studiert, stellt man fest: Je weiter man an die Spitze der Ausbildung kommt, desto geringer ist der Anteil deutscher Studierender. Als ich in den 80er Jahren bei Kämmerling studierte, war die Klasse fast ausschließlich deutschsprachig besetzt. Heute ist es genau umgekehrt – vor allem Studierende aus Fernost, Russland und Amerika. Der Nachwuchs, der ganz selbstverständlich im Elternhaus mit Musik aufgewachsen ist, wird schmaler. Ich habe trotzdem Hoffnung: Die deutschen Studierenden, die kommen, sind oft wirklich außergewöhnlich gut und denken weit über die Musik hinaus. Beim Publikum machen wir uns ähnliche Sorgen. Wobei wir das seit 50 Jahren tun – und auch die Älteren wachsen ja nach. Aber neue Formate sind wichtig, die für junge Menschen wirklich attraktiv sind. Und gleichzeitig muss auch mal vermittelt werden, was es bedeutet, Musik zu hören, die einen Weg geht – die nicht nur einen Momentzustand beschreibt, sondern einen von hier nach dort bringt. Das ist anstrengend. Und das ist vielleicht gerade das Wertvolle.

Stefan Becker: Unser Bruder Michael hat als Intendant der Düsseldorfer Tonhalle einen interessanten Weg eingeschlagen: Er hat Menschen mit großer Reichweite in sozialen Netzwerken – Influencerinnen und Influencer, die aber auch einen echten Bezug zur klassischen Musik haben – als Moderatoren für Konzerte gewonnen. Die bringen ihre Community mit. Die Konzerte sind anders moderiert als klassische Konzerte, aber die musikalische Aufführung steht kompromisslos im Mittelpunkt. Ich glaube, das ist der richtige Weg: nicht die Performance antasten, aber das Setting und die Vermittlung so gestalten, dass die Hürde sinkt.

Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt – auch abseits von Konzerten. Spüren Sie das?

Markus Becker: Absolut. Musik hören ist ein aktiver Vorgang – man kann sich aussuchen, mit welcher Konzentration man zuhört. Aber die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, das länger dauert als dreieinhalb Minuten, wird immer geringer. Wir versuchen etwas am Leben zu erhalten, das fast nach 19. Jahrhundert klingt. Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist es so wichtig. In den sozialen Medien schaltet man nach sechs Sekunden ab, wenn nichts passiert. Im Konzert entwickelt sich alles, und das dauert oft ein bisschen. Das ist für manchen schlicht unerträglich. Aber genau diese Fähigkeit zur Konzentration, dieses langsame Sacken, das tiefe Anwachsen von Gedanken – das ist es, was verloren geht, wenn alles nur noch in Fünf-Minuten-Blöcken passiert.

Stefan Becker: Das gilt auch für die Bildende Kunst. Ein Bild, das sich sofort erschließt, ist ein anderes Erlebnis als eines, bei dem man seinen Horizont mitbringen muss, um überhaupt erst etwas daraus zu machen. Das ist eine Zumutung – im besten Sinne. Und genau das fehlt immer mehr.

Zum Schluss: Was bedeutet Kultur für Hannover als Stadt?

Markus Becker: Hannover hat ein bekanntes Problem mit der Selbstdarstellung – was inzwischen so ein Selbstläufer geworden ist, dass egal was die Stadt macht, es es zerredet wird und fast nach hinten losgeht. Dabei finde ich das irgendwie auch sympathisch. Lustig ist: Wenn ich gefragt werde, wo ich lebe, sage ich nicht einfach „Hannover“ – ich erkläre es sofort. „Hannover – übrigens eine tolle Stadt.“ Als müsste ich das rechtfertigen. Das müssen wir uns alle abgewöhnen.

Stefan Becker: Hannover ist letztlich die Summe eines wirklich guten Angebots auf hohem Niveau, das echte Lebensqualität schafft. Was Großstädte haben – aber ohne diesen stressigen Puls. Wenn man in Berlin ist, muss man den Berlin-Puls mitmachen. In Hannover kann man ungehetzt atmen. Ich finde übrigens, der Freundeskreis verkörpert genau das: entspannt, engagiert, verbindend. Eine gute Unterstützung für das, was diese Stadt ausmacht.

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Ehrenamtliches Engagement: Hannah Janßen, Zusammen für Ghana e.V.

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Ehrenamtliches Engagement: Hannah Janßen, Zusammen für Ghana e.V.


Von den Siedlungen südlich der ghanaischen Hauptstadt Accra ist der Weg zur nächsten Schule oft länger als die Kraft eines wissbegierigen Kindes reicht – und das Geld der Familien zu knapp für Schulgebühren, Bücher oder Uniformen. Die einzige Perspektive war lange Zeit: keine Perspektive. Bis Hannah Janßen darauf aufmerksam wurde und angepackt hat.

Die 24-jährige Studentin aus Hannover war 2019 für die Mitarbeit an einem gemeinnützigen Projekt in Accra und lernte dort den ghanaischen Lehrer Antonio Freeman kennen. „Er ist der selbstloseste Mensch, den ich kenne!“, sagt sie über ihn. Nach einigen Gesprächen und gemeinsamer Arbeit war beiden schnell klar, dass sie dieselbe Vision teilen: Kindern im ländlichen Ghana Zugang zu Bildung ermöglichen.

Aus ihrer Idee erwuchs 2020 schließlich der Verein Zusammen für Ghana e.V. „Anfangs hatten wir gar keinen richtigen Plan, wir hatten einfach diese Verbindung“, erzählt Hannah. Mit Spendenaktionen und der Unterstützung durch Familie und Freund*innen sammelte das junge Team zunächst Geld für erste Bauvorhaben wie Klassenzimmer, einen elektrisch betriebenen Brunnen und Sanitäranlagen. Schon im Gründungsjahr konnte dadurch der Bau der ersten drei Räume beginnen, in denen 2023 der Betrieb mit zwei Klassen gestartet ist.

Inzwischen gibt es sieben Klassenzimmer und über 150 Schüler*innen, die vom Kindergarten bis zur fünften Klasse unterrichtet werden. Auch warmes Mittagessen, Bücher und Schulmaterialien werden für jedes der Kinder erfolgreich durch Spenden- und Patenschaftsbeiträge ermöglicht. „Das ist ein wirklich guter Anfang!“ Langfristig haben Hannah und Antonio das Ziel, eine Junior High School mit insgesamt zwölf Klassen auf die Beine zu stellen.

In enger Zusammenarbeit mit dem ghanaischen NPO-Partner „Kinder Zentrum International“ schreiten der Bau und Betrieb der Schule dafür immer weiter voran. Hannah und ihr Team in Deutschland kümmern sich vor allem und die Finanzierung und Vernetzung, während Antonio vor Ort die Baumaßnahmen koordiniert und mittlerweile auch als Direktor der Schule tätig ist.

„Als ich dann das erste Mal den funktionierenden Schulalltag gesehen habe und die vielen glücklichen Kinder dort auf dem Schulhof, hat mich das so überwältigt, dass ich kaum Worte dafür finde“, berichtet Hannah strahlend.

Und doch bleibt sie bei all diesen Erfolgen und ihrem jüngst verliehenen Bundesverdienstkreuz demütig. „Es ist nicht so, dass mir von Anfang an klar war, dass das klappt. Ich habe es mir sehr gewünscht und in Antonio den perfekten Projektpartner gefunden, aber trotzdem habe ich gezweifelt und tue das auch heute manchmal noch.“ Sie erzählt von schlaflosen Nächten und dem unerwarteten Druck einer Rolle, die in vielen Aspekten fast dem einer Unternehmensführung gleicht. Doch gerade in solchen Momenten, sagt Hannah, wird ihr klar, wie stark Gemeinschaften auch über geografische und kulturelle Grenzen hinweg wirken können.

Für sie ist das Projekt nicht nur humanitäre Hilfe, sondern ein Brückenschlag zwischen zwei Welten. „Es soll nicht einfach nur Geld von hier nach da geschoben werden. Es geht mir um Austausch, Geschichten und Begegnungen.“

Gemeinsam mit Antonio möchte sie Kindern in Ghana Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen, aber vor allem möchte sie Perspektiven schenken. „Den Zugang zu Schulbildung zu öffnen, bedeutet auch, Selbstbestimmung zu ermöglichen und langfristig Strukturen zu schaffen, in denen Kinder nicht nur lernen, sondern selbst ihre Zukunft gestalten können.“

Laura Druselmann

Zusammen für Ghana e.V.

Schnabelstr. 51, 30459 Hannover

Tel.: 0151 70108528

E-Mail: schuleghana@gmail.com

www.zusammenfuerghana.de

Instagram: zusammenfuerghana

Spendenkonto

Zusammen für Ghana e.V.

Deutsche Skatbank.

IBAN: DE71 8306 5408 0004 2516 36

BIC: GENO DEF1 SLR

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Stadtkinder haben Töne: Was man so singt

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Stadtkinder haben Töne: Was man so singt


Vor ein paar Jahren war ich zu Gast in einem Podcast, bereitgestellt von einem privaten deutschlandweiten Radionetzwerk, wo ich meine Expertise zu einer gewissen Band zum Besten gab. Der Moderator dieses Podcasts ist ein feiner Kerl mit angenehmer Stimme und weil ich ausgesprochen loyal bin, habe ich mir auch noch einen anderen Podcast angehört, den er moderiert. Voll mein Ding! Es geht nämlich um Musik und Verbrechen in Kombination (Hörempfehlung an dieser Stelle: „True Crime Tracklist“ mit Nina Loges und André Dostal). Eine der letzten Folgen drehte sich um die Story hinter einem der größten Hits meiner Jugend, „Teenage Dirtbag“ von Wheatus. Wheatus’ Frontmann Brendan B. Brown ist eine ziemlich tragische Figur der Rockmusik – er hat’s großflächig verkackt. Das selbstbetitelte Album der Band, das im Jahr 2000 herauskam, ist wirklich gut und macht immer noch Spaß zu hören. Es ist ein Jammer, dass Tracks wie „Sunshine“ oder „Leroy“ nicht denselben Impact wie „Teenage Dirtbag“ hatten, denn das hätte die Band nicht als One Hit Wonder gebrandmarkt. Den Sophomore wollte Brown gerne selbst produzieren, Sony war dagegen und ließ Wheatus fallen. Brown stand dumm da, fluchte wild und verpasste seinem zweiten Album aus Rache den Untertitel „Suck Fony“, man kann sich ausrechnen, dass das der Karriere nicht förderlich war. Seither dümpeln Wheatus in wechselnder Besetzung im Hades der Bedeutungslosigkeit herum. Aber was eben kaum jemand weiß: Der fröhliche Song mit dem drolligen Video (und der wunderschönen Mena Suvari und Jason Biggs, dem zu groß geratenen 5-Jährigen aus „American Pie“), hat einen sinistren Hintergrund. Als Brendan B. Brown 10 war, passierte bei ihm um die Ecke ein ziemlich schockierender Mord. Ein 17jähriger, obdachloser und drogensüchtiger Metalfan wurde von einem Exemplar gleichem Kalibers um die Ecke gebracht. Die ersten Wochen interessierte sich buchstäblich niemand dafür, obwohl sich der Täter damit brüstete und Kumpels zu dem im Wald versteckten Leichnam führte, um ordentlich anzugeben. Aber das Opfer, Gary Lauwers, war nur ein „Dirtbag“ gewesen, am Rand, wenn denn überhaupt, der Gesellschaft lebend. Dieser Vorfall im Jahr 1984 raubte Brown nach eigener Aussage eine normale Pubertät, weshalb er sich einfach eine ausdachte und sie mit „Teenage Dirtbag“ vertonte. Tragisch – aber unsereins singt fröhlich mit.

Bei einem anderen Song singt man auch fröhlich mit – bis man dann merkt, was man da singt! Der „Independent Love Song“ aus 1994 von dem aus Hull stammenden Popduo „Scarlet“ ist eine wörtliche Aufforderung zu gut gemachtem Cunnilingus. Gar nicht groß verhohlen, und betrachtet man das Video, könnte man auf den Gedanken kommen, es ginge sogar um lesbische Liebe. Ist mir recht. Nur frag ich mich: Warum genau wurde das Mitte der 90er kein Skandal? Wieso sind da keine Muttchen schockstarr von den Kirchenbänken gekippt? Wieso hat keiner beim damaligen Tory-Premier John Major angeklopft und die unmittelbare Hinrichtung, zumindest aber ein Verbot der satanischen Lesbierinnen (Lesben = Satanismus. Immer.) gefordert? Wie viele Eltern haben ihre Kinder das Lied hören und mitträllern lassen, ohne was zu merken, oder, noch spannender: Wie viele haben in sich reingegrinst und gedacht „wenn du wüsstest!“? Aber es war ein Hit! Und nicht nur für Scarlet, sondern auch für eine deutsche Band. Die qualitativ eher unterdurchschnittliche Band „The Bates“ aus Nordhessen landete nur drei Jahre nach Originalrelease einen Hit damit. Deren Sänger Zimbl starb 2006 an Herz-Kreislauf-Versagen, das auf seinen Drogenkonsum zurückzuführen war und gewissermaßen war auch er eine Art Dirtbag. So schließt sich der Kreis dieser Kolumne. Also ehrlich. Man sollte sich viel öfter zuhören, was man so singt.

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Stadtkinder kochen einen Osterkranz

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Stadtkinder kochen einen Osterkranz


Es gibt österliche Gebäcktraditionen, die muss man schon gut finden wollen. Hot Cross Buns zum Beispiel. Die armen Engländer! Gewürzte Hefebrötchen – nicht schlecht eigentlich – süß verziert. „Süß“ in diesem Fall bedeutet, einfach etwas Mehl, Zucker und Wasser zusammen zu patschen und kreuzweise auf die Brötchen zu spritzen. Eingeführt Ende des 16. Jahrhunderts von Elizabeth I. – vermutlich als Zeichen ausgelassener Dekadenz. Abgelehnt! Auch die ukrainischen Lerchen überzeugen mich nicht. Süßer Hefeteig ohne Gewürze, der so geformt wird, dass er aussieht wie ein in der Mitte zerhackter Kraken mit Rosinenaugen? Nein, danke! Oder gar Jidáše, ein tschechisches Ostergebäck: Der selbe Hefeteig, nur anders geformt. Soll das ein Paragraphenzeichen sein? Nicht doch, es symbolisiert den Galgenstrick, an dem Judas sich erhängt hat. Kaum morbide oder so! Ab-ge-lehnt!

Wir machen das ganz anders und backen einen schönen Osterkranz mit Marzipan und Mohn.

Aus 500g Mehl, einem Viertelwürfel Hefe, 250ml warmer Milch, 50g Zucker, 80g geschmolzener Butter, einem großen Ei und einer Prise Salz kneten wir einen Hefeteig, der über Nacht im Kühlschrank wohnt. Aus vielerlei Hinsicht ist die Nacht- oder Kühlgare sinnvoll. Zum einen verfliegt der Hefegeschmack ein bisschen und die anderen Aromen kommen besser zur Geltung. Man braucht auch weniger Hefe als beim direkten Backen. Die Krume wird feinporiger. Die lange Gehzeit begünstigt den Abbau einiger Stoffe, was die Bekömmlichkeit erhöht. Und, hier fast am wichtigsten: Der Teig wird deutlich elastischer und lässt sich besser verarbeiten.

Den gegangen Teig holen wir aus der Kälte und teilen ihn in zwei gleich große Stücke, die wir dann jeweils auf etwa 40x25cm ausrollen und sich kurz entspannen lassen. In der Zwischenzeit halbieren wir 300g Marzipanrohmasse und 150g Mohnfüllung (ruhig die Fertige kaufen, macht nix). Die Marzipanhälften werden pi mal Auge zu je einem Streifen gerollt, der etwa 5x35cm misst. Dann kommt je eine Hälfte der Mohnmasse auf eine Teigplatte, mit einem kleinen Rand. Mittig auf die Platten platzieren wir die Marzipanstreifen und rollen nun von der breiten Seite gewissenhaft auf. So gleichmäßig, wie es möglich ist. Das letzte unbestrichene Stück „kämmen“ wir ein bisschen mit der Gabel und feuchten es an, damit der Teig besser schließt. Zusätzlich drücken wir vorsichtig sämtliche Nähte mit den Fingerspitzen zusammen und legen die so entstandenen Rollen mit dem Schluss nach unten zur Ruhe. Nach einer weiteren Stunde schneiden wir sie der Länge nach in Hälfte, aber nicht ganz durch, sondern lassen mittig ca. 3cm stehen. Jeden Teigstrang drehen wir nun um etwa 90 Grad nach außen, damit die gefüllte Seite nach oben zeigt. Beide Teiglinge legen wir dicht nebeneinander und flechten die jeweils vier Stränge zusammen (wer nicht flechten kann: Jeweils zwei Stränge helixmäßig verdrehen und die entstandenen zwei dann noch mal miteinander verschnurpseln geht auch). Den ganzen Zopf bugsieren wir irgendwie auf ein Blech und formen ihn zum Kranz. Jetzt wird erst der Backofen auf 180°C Ober-/ Unterhitze vorgeheizt. Unmittelbar vor dem Weg in den Ofen bepinseln wir den Kranz mit einem mit etwas Milch verquirltem Dotter und backen ihn für 30 Minuten. Dann nehmen wir ihn kurz heraus und tragen die Aprikotur auf: Eine helle Konfitüre (meist, wer hätte es gedacht, Aprikose) wird erwärmt, bis sie flüssig ist – 2 Esslöffel voll reichen – und auf den Kranz gepinselt. Darüber streuen wir eine Handvoll Mandelblättchen und backen noch mal zehn Minuten bei 150° Grad. Und das, verehrte Herrschaften, war schon alles. Anlassbedingte Standardphrase und viele bunte Eier!

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Stadtkinder essen: Cape Town

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Stadtkinder essen: Cape Town


Cape Town

Die Entfernung zwischen Hannover und Kapstadt beträgt 9632,78 Kilometer Luftlinie. Das sind ungefähr 11,5 Stunden mit dem Flugzeug, keine akzeptable Strecke also für Lieferando oder Uber eats. Darüber nachzudenken ist aber auch gar nicht nötig, gibt es doch seit ein paar Monaten die Möglichkeit, authentisches südafrikanisches Essen in Hannovers Altstadt zu genießen. Die Online-Bewertungen überschlagen sich, Südafrikaner finden, es schmecke „wie zuhause“. Aber wie schmeckt das denn wohl, da zuhause? Finden wir’s raus!

Da im selben Gebäude zuvor ebenfalls ein afrikanisches Restaurant untergebracht war, hat man, ganz pragmatisch, an der Deko nicht viel gemacht. Holzmasken glotzen von den Wänden, schweigen sich aber darüber aus, ob sie süd- oder zentralafrikanischer Herkunft sind. Soll uns egal sein, bedrohlich wirken sie nicht. Im Gegenteil, es ist recht gemütlich hier: Dekostoffe mit Giraffenprint als Tischdecken, das Personal ist aufmerksam und zugewandt. Als erstes werfen wir einen Blick auf die Weinkarte. Aus Südafrika kommt sehr guter Wein, das weiß man schließlich. Wir entscheiden uns für Sauvignon Blanc und Pinotage zu je 7 Euro pro Glas mit 0,2 Liter.

Boah. Gute Wahl. Eine sehr gute Wahl.

Als Vorspeise bestellen wir uns Samosas mit Lammfüllung (3 Stück 7,90 Euro). Richtig gut! Der Teig ist blättrig, sehr knusprig und die Füllung aus Lammhack und Erbsen ist toll gewürzt, das Aprikosenchutney passt sehr gut dazu. Daneben finden wir eine frische Salatbeilage mit Dressing – aber nicht zu viel – und Saatengarnitur. Alles in allem ein exzellentes Entrée. Beim Hauptgang sind wir unschlüssig. Ja, sicher, Zebrafleisch ist exotisch und alles, aber wir haben keine Vergleichsmöglichkeiten. Wir können sagen: schmeckt oder schmeckt nicht. Ganz subjektiv – wenig repräsentativ also. Nein, wir machen das anders. Bei Bobotie (14,50 Euro) handelt es sich um ein südafrikanisches Nationalgericht, das mit uns durchaus bekannten Zutaten hergestellt wird: Eine stark gewürzte, mit Aprikosen verfeinerte Masse aus Hackfleisch und eingeweichtem Weißbrot, die mit einer Haube aus Eiern und Sahne bedeckt und gegart wird. Im Grunde Hackbraten mit Mütze. Die starken Gewürze, besonders Zimt kommt hier deutlich zum Ausdruck, und die Süße der Aprikose harmonieren sehr gut miteinander. Ein richtiges Wohlfühlgericht, das man am liebsten mit einem großen Löffel einstrudeln möchte. Auch zum Bobotie wird eine Salatbeilage serviert, was Sinn ergibt, denn ohne wäre das Gericht vielleicht zu schwer und mächtig – Fresskomaalarm wegen lecker.

In Durban leben 25% Asiaten, die meisten davon haben, geografisch bedingt, indischen Hintergrund. Deshalb ist es auch kaum verwunderlich, dass uns ein Durban Curry angeboten wird. Erhältlich ist es mit Huhn (15,90 Euro) und ohne. Auch, wenn die Karte es als scharf ausweist, ist es das nicht, eher recht würzig. Zwiebeln, grüne Bohnen und Blumenkohl herrschen hier vor. Das Hühnerfleisch hingegen wirkt etwas fehl am Platz, als sei es separat gekocht und erst gegen Ende hinzugefügt worden. Nichts Falsches daran, aber nicht so richtig unser Geschmack, deshalb unser Tipp: Das Curry lieber vegetarisch bestellen. Auch hätte hier eine frische Note in Form von Salat nicht geschadet; bei Curry läuft man schnell mal Gefahr, dass der Geschmack leicht staubig gerät. Alles in allem sind wir aber sehr angetan von Essen, Getränken und Service und werden sicher noch einmal wieder kommen – vielleicht trauen wir uns dann ans Zebra.

Cape Town

Knochenhauerstraße 2

30159 Hannover

www.restaurant-capetown.de

Di-So 17.00-23.00 Uhr

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