Wenn Tore Padula über Veranstaltungen spricht, leuchten seine Augen fast so sehr wie die LED-Armbänder, die zum Markenzeichen seines Unternehmens geworden sind. Der 34-jährige Veranstaltungskaufmann organisiert, moderiert und konzipiert Events aller Art – von Hochzeiten über Workshops bis hin zu Kongressen und Festivals. Sein Anspruch: Veranstaltungen zu schaffen, die nicht nur funktionieren, sondern in Erinnerung bleiben.
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal dabei ist das von ihm entwickelte LIGHT-UP!-Konzept. „Mit den LED-Armbändern holen wir das Feeling von Großkonzerten auf kleinere Veranstaltungen“, erklärt Padula. Was bei Coldplay & Co. Zehntausende Menschen synchronisiert, nutzt er heute für Struktur, Orientierung und spielerisches Networking. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: „Bei Hochzeiten sorgen sie für besondere Lichteffekte, bei Workshops helfen sie, Gruppen zu steuern – oder sie regeln ganz pragmatisch, welcher Tisch wann zum Buffet geht. So verbindet man Spaß mit Struktur.“
Die Idee entstand aus einem Schlüsselmoment. „Ich habe bei einem Coldplay-Konzert gesehen, wie 70.000 Menschen über Armbänder synchronisiert wurden – da war mir klar: Das muss auch im kleineren Rahmen funktionieren.“ Inzwischen wächst die Nachfrage stetig. Aktuell prüft Padula sogar, wie sich das Konzept auf Veranstaltungen mit bis zu 10.000 Teilnehmenden übertragen lässt, um es auch regionalen Konzertveranstaltern anzubieten.
Der Weg in die Selbstständigkeit war dabei kein spontaner. Gelernt hat Padula an der Medizinischen Hochschule Hannover, wo er für Tagungen und Kongresse zuständig war. Stationen bei einer Bank und einem Home-Shopping-Sender folgten. „Der Wunsch, Veranstaltungen zu organisieren, war aber schon immer da“, sagt er. 2019 gründete er zunächst im Nebenerwerb. „Ich habe Urlaub genommen, um eigene Projekte umzusetzen. Der Schritt in die volle Selbstständigkeit fühlte sich wie ein Sprung ins kalte Wasser an.“
Dann kam Corona – und stellte vieles infrage. „Da war ich froh, noch angestellt zu sein.“ Heute steht das Unternehmen stabil da: Padula beschäftigt eine Mitarbeiterin, die ihn unter anderem im Social-Media-Bereich unterstützt, und arbeitet mit einem breiten Netzwerk an Freelancern. Sein Ziel ist weiteres Wachstum – auch personell.
Wichtige Impulse erhielt er dabei durch hannoverimpuls. Über eine Beratung zum Gründungszuschuss kam er mit der Wirtschaftsförderung in Kontakt und bewarb sich mit LIGHT UP! beim Startup-Impuls-Wettbewerb. „Auch wenn ich nicht ins Finale gekommen bin – allein die Vorbereitung hat mir enorm geholfen.“ Businessplan, Präsentationen, Schärfung der eigenen Idee: „Das hat meine Selbstständigkeit deutlich stabiler gemacht und mir geholfen, mein Geschäftsmodell klarer zu strukturieren.“
Besonders wertvoll war für ihn die Auseinandersetzung mit Zahlen. „Gerade beim Thema Finanzen hatte ich anfangs Respekt. Aber mit der Unterstützung habe ich gemerkt: Wenn man sich damit auseinandersetzt, ist es machbar.“
Seinen Rat an andere Gründerinnen und Gründer formuliert Padula klar: „Ich würde immer empfehlen, zunächst im Nebenerwerb zu starten. Das gibt Sicherheit und hilft herauszufinden, ob man wirklich der Typ für die Selbstständigkeit ist.“ Und noch wichtiger: Unterstützung annehmen. „Nehmt jedes Beratungsangebot wahr. Es kostet meist nichts außer Zeit – und die investiert man in sich selbst und die eigene Idee.“
Auch bei hannoverimpuls ist man vom Weg des Eventprofis überzeugt. Projektleiterin Anke Pawla sagt über ihn: „Tore bringt viel Erfahrung und große Leidenschaft für Events mit. Er schafft Erinnerungen und entwickelt immer wieder neue Ideen, die er konsequent umsetzt.“ Genau diese Mischung lässt Veranstaltungen mit Tore Padula Eventservices nicht nur gut organisiert, sondern buchstäblich leuchtend in Erinnerung bleiben.
Abgelegt unter Menschen, Stadtkinder sind mutigKommentare deaktiviert für Gründungsstory März 2026: Light up! – Wie Tore Padula Events zum Leuchten bringt
Matthias Brodowy, obwohl in Braunschweig geboren und bundesweit bekannt und geschätzt, ist ohne Zweifel ein echtes Stadtkind Hannovers! Richtig gut und trotzdem bescheiden! Egal wo er in Hannover auftritt, der große Saal oder die kleine Konzertstube sind immer voll. Bei seinem übervollen Terminkalender und seiner Familienverbundenheit hätte er es nicht nötig, auf den zahlreichen kleinen Bühnen der Region aufzutreten, aber da spielt sein menschenfreundliches und auch soziales Herz nicht mit. Er ist nun mal eben nicht nur der gefragte Kabarettist, Komiker, Conférencier, Sänger, Pianist, Komponist und Sozialaktivist, er will mit seinen feinsinnigen, nie unter der Gürtellinie angesiedelten Texten und seinen nie mit unmenschlichen persönlichen Herabwürdigungen verbundenen satirischen Auslassungen den Menschen (und auch den kleinen Spielstätten) einfach eine Freude machen. Keine Spur von Agitation wie bei Dietrich Kittner, dafür viel weiser, heiterer Humanismus à la Hanns-Dieter Hüsch. Jetzt wird er auch noch literarisch aktiv und man fragt sich automatisch: Wann und wie schafft dieses umtriebige Multitalent das alles.
„Der Leuchtturmhüter“, eine Co-Produktion mit dem Maler Ole West war 2017 der Anfang. Dann erschienen 2023 im zu Klampen Verlag die satirisch-phantastischen Miniaturen „Klappstuhl und ich!“ und jetzt ebenfalls bei zu Klampen „Erinnerungen, die noch nicht stattgefunden haben, sind umgehend nachzuholen“. Es ist kein Roman, keine Novelle, es ist – in aller brodowyschen Bescheidenheit – „nur“ eine ziemlich „verrückte“ satirische Erzählung. Dafür mit genial und ganz nebenbei verstecktem Tief- und Hintersinn und alles in allem ein ausgesprochener, in dem Fall aufgeschriebener Lesespaß.
Sorry, dieser letzte Satz müsste eigentlich am Ende dieser Buchvorstellung stehen, aber diese unübliche Vorgehensweise lässt mich hoffen, dass meine Rezension zu Ende gelesen wird: Das Buch beginnt und endet mit einem verflixten Zauberwürfel. Dazwischen liest man ebenso skurrile wie wortspielerische, ironische, satirische, echte und erfundene Begebenheiten, Beobachtungen, Reflexionen, Absurditäten, witzige Dialoge, nachdenkliche, beklemmende Erinnerungen, verblüffende Einsichten, aktuelle Zeiterscheinungen und Zufälle, die keine sind. Das hört sich alles wie ein wilder Mix an, ist es aber nicht, denn alles ist ganz logisch und lesefreundlich in den höchst originellen Frage-Rahmen „verpackt“, was in diesem Büchlein eigentlich alles stehen soll. Was das Lesevergnügen noch erhöht, ist ein nicht hochgestochener Schreibstil, sondern die Kunst, sich mit einer einfachen, jedoch feinen Sprache glasklar auszudrücken. Und was für mich dieses Büchlein geradezu wertvoll macht, sind zum einen die nachdenklichen „Sätze für die Ewigkeit“ sowie seine ganz altmodisch per Füllhalter notierten Einträge in sein „Sudelbuch“. Das sind ohne Frage originäre literarische Perlen! So ganz nebenbei wird darüber hinaus eine brandheiße, höchst aktuelle Frage mit all‘ ihren Sichtweisen ins Spiel gebracht. Ohne besserwisserischen Zeigefinger und ohne konkrete Antwort. Um welche Frage es sich dabei handelt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Schließlich sollen Sie das Büchlein ja lesen und die aufgeworfene Frage selbst beantworten. Aus meiner Sicht: Unbedingt!
Erwin Schütterle
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Bildung, Recht und politische Verantwortung – nicht nur im Freundeskreis engagieren sich Prof. Dr. Matthias Limbach (ML) und Felix Semper (FS) für eine lebendige Stadtgesellschaft. Wir sprechen über Motivation, Bildungsauftrag und die Frage, wie viel Regulierung junge Menschen im digitalen Raum brauchen.
Stellen Sie sich zum Einstieg bitte kurz selbst vor …
FS: Felix Semper, 38 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Geboren wurde ich in Hannover, studiert habe ich in Göttingen. Seit vielen Jahren engagiere ich mich politisch ehrenamtlich – zunächst im Bezirksrat, inzwischen seit 15 Jahren im Rat der Stadt Hannover, davon seit fünf Jahren als Fraktionsvorsitzender der CDU. Beruflich bin ich Rechtsanwalt und Notar sowie Gesellschafter einer mittelständischen Kanzlei.
ML: Ich freue mich, zusammen mit Felix hier das Interview machen zu können. Matthias Limbach, ich bin 50 Jahre alt, in Hannover geboren und bekennender Hannoveraner. Seit 35 Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich in verschiedenen Sportvereinen, in den letzten 14 Jahren beim TSV Havelse, dazu im Freundeskreis und vielen Netzwerken. Ich bin geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Buhmann Schule. Als Dozent bin ich dort seit 2005, seit 2007 fest in der Akademieleitung und 2012 wurde ich zum Geschäftsführer. Seit letztem Jahr bin ich zusammen mit der Dirk Rossmann GmbH auch Gesellschafter der Dr. Buhmann Schule.
Warum engagieren Sie sich im Freundeskreis?
ML: Ich finde, dass eine Stadt ein starkes bürgerliches Engagement braucht. Ich glaube, das ist das der Kitt der Gesellschaft. Ich liebe Hannover und mir liegt sehr am Herzen, dass die Gesellschaft funktioniert. Und die funktioniert deswegen, weil es Organisationen, Vereine und Gemeinschaften gibt, die Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen und Schichten zusammenbringen.
FS: Mich verbindet viel mit unserer Stadt – persönlich wie politisch. Bürgerliches Engagement halte ich für einen zentralen Pfeiler unserer Gesellschaft. Im Freundeskreis kann man Dinge bewegen, die aus echter Überzeugung entstehen.
Was bedeutet Ihnen dieses Netzwerk persönlich?
FS: Es ist ein tolles Projekt mit engagierten, verantwortungsbewussten Menschen. Der Austausch jenseits parteipolitischer Grenzen ist besonders wertvoll.
ML: Für mich bedeutet dieses Netzwerk langjährige Freundschaften, die man bei Veranstaltungen wieder trifft. Da freut man sich, dass man das als Ort der Begegnung hat. Aber es ist genauso ein Ort der Begegnung mit neuen Menschen.
Was kann ein Bürgerverein heute leisten, was Politik oder Institutionen allein nicht schaffen?
ML: Menschen mit einem gemeinsamen Interesse zusammenzubringen. Und wenn unser Interesse ist, ein lebenswerteres Hannover zu haben. Ein starker Freundeskreis kann Themen auf die Agenda bringen, die dann auch politisch oder in Institutionen diskutiert werden. Und der Austausch auf Augenhöhe zwischen verschiedenen Altersklassen und Gruppen der Gesellschaft wird gefördert. Es ist das, wo die Politik in der Regel daran scheitert.
FS: Ein Bürgerverein kann schnell, unbürokratisch und mit persönlichem Einsatz unterstützen. Außerdem schafft er Identifikation und Gemeinschaft – etwas, das staatliche Strukturen allein nicht leisten können.
Herr Semper, wie wichtig ist eine starke Bildungslandschaft aus kommunalpolitischer Sicht?
FS: Bildung ist eines der zentralen Zukunftsthemen für jede Kommune. Sie entscheidet über Chancengerechtigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Stabilität. Kommunalpolitik trägt hier eine enorme Verantwortung – von der Schulentwicklung bis zur Ausstattung.
ML: Die Bildungseinrichtung, die wir haben, ist eine Traditionsschule. Es geht um eine grundlegende Vorbereitung auf das Leben. Dazu gehört aus meiner Sicht eine sehr gute Allgemeinbildung. Wenn wir das große Schlagwort KI nehmen: Durch die Allgemeinbildung, die ich über die ganze Schulkarriere erworben habe, bin ich überhaupt erst in der Lage, Ergebnisse von künstlicher Intelligenz zu beurteilen. Daher wäre Kritikfähigkeit für mich ein ganz großes Thema, und Dialogfähigkeit. Das Bewusstsein, was wir schaffen müssen für gesellschaftliche Themen, insbesondere in der Demokratiebildung, aber eben auch um ein soziales und geschichtliches Verständnis zu schaffen.
Geht es bei Bildung in erster Linie um Qualifikation für den Arbeitsmarkt – oder um mehr?
FS: Es geht um weit mehr als nur berufliche Qualifikation. Bildung bedeutet Persönlichkeitsentwicklung, Wertevermittlung und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Sie ist Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben und für demokratische Teilhabe.
ML: Wir haben ja sich ständig wandelnde Anforderungen. Die Gesellschaft und die der Arbeitsmarkt wird immer dynamischer. Wir wissen heute noch gar nicht, für was wir ausbilden, wenn wir junge Leute in drei oder fünf Jahren in den Arbeitsmarkt entlassen. Es geht viel mehr um grundsätzliche Kompetenzen, Urteilsvermögen, persönliche Entwicklung, Haltung zu Themen zu schaffen, den eigenen Auftritt zu schaffen, und das fachgebunden für die Bereiche, für die ausgebildet wird.
Welchen Wert hat gute Bildung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt?
FS: Gute Bildung schafft gleiche Chancen und verhindert soziale Spaltung. Wer Perspektiven hat, fühlt sich zugehörig und gebraucht. Bildung ist deshalb auch ein Schlüssel für Integration und sozialen Frieden.
ML: Genau. Schule hat den großen Vorteil, dass Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten auf Augenhöhe zusammenkommen. Hier haben wir die Möglichkeit, Haltung, Verständnis, Dialogfähigkeit zu fördern. Die Demokratie ist ja im Moment in starker Bewegung. Demokratie hat damit zu tun, dass wir die Bereitschaft und Fähigkeit haben, einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen, die Argumente von jemand anders gelten zu lassen, in den Diskurs zu gehen. Das ist eine Kompetenz, die in Schule in guter Bildung fundiert liegt.
Wie schätzen Sie die Bildungslandschaft in Hannover aktuell ein?
ML: Der Markt hat sehr viele Anbieter, sowohl Allgemeinbildung als auch gerade berufsbildend. Und das heißt aber auch, dass sich Anbieter gegenseitig antreiben. Die Bildungsträger müssen sich alle anstrengen, ein gutes Angebot zu präsentieren.
FS: Hannover hat viele engagierte Lehrkräfte und gute Ansätze. Gleichzeitig stehen wir vor großen Herausforderungen – etwa bei der Infrastruktur, der Digitalisierung und der Integration. Unterm Strich gibt es Verbesserungsbedarf.
Was hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert – positiv wie negativ?
FS: Positiv ist, dass Bildung stärker als Zukunftsthema wahrgenommen wird und Investitionen zugenommen haben. Negativ sind jedoch wachsende Leistungsunterschiede, Personalmangel und eine zunehmende Belastung der Schulen. Die gesellschaftlichen Herausforderungen spiegeln sich direkt im Klassenzimmer wider.
ML: Der digitale Wandel uns natürlich viele Möglichkeiten geboten, Bildung zu verändern, wenn ich an Ansätze von Gamification denke. Das ist etwas, wo wir viel mit umgehen. Wenn ich sehe, dass wir Zukunftsthemen wie KI in unsere Bildung mit integrieren können, dann ist das positiv, aber auch herausfordernd. Wenn ich negativ etwas Herausstellen müsste, dann sehe ich doch eine Veränderung in der Sozialstruktur, im Umgang miteinander. Da ist ein sehr stark geprägter Ich-Bezug und nur eigentlich einen Fokus auf das eigene Kind gibt und weniger auf die Gemeinschaft.
Wo sehen Sie akuten Handlungsbedarf?
ML: Erstmal müssen wir grundsätzlich in der Bildung überlegen: Wie müssen wir da eigentlich herangehen? Wir haben zum Beispiel das Thema rund um digitalen Wandel in den Fokus genommen. Wir glauben, dass es nur dann gesund und gut funktioniert, wenn wir einen Blick darauf haben, wie wir junge Leute in diesen Feldern Schule und Kompetenz mitgeben. Das heißt, für uns ist das Thema „Grundlagen der KI“ ganz wichtig, um da zu schauen: Wie geht man eigentlich mit ethischen Themen um, mit Datenschutz und Persönlichkeitsrechten? Das sind für mich Dinge, die müssen noch besser geregelt werden und gut umgesetzt werden.
FS: Beim Ausbau und der Sanierung von Schulgebäuden, bei der digitalen Ausstattung und vor allem bei der Gewinnung von Fachkräften sehe ich auf jeden Fall Handlungsbedarf. Zudem müssen wir Integration und Sprachförderung konsequent stärken. Bildung darf kein Reparaturbetrieb sein, sondern muss vorausschauend gestaltet werden.
Derzeit wird ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige diskutiert. Wie stehen Sie zu dieser Debatte?
FS: Ich halte ein solches Verbot grundsätzlich für richtig. Soziale Medien bergen erhebliche Risiken für Kinder und Jugendliche – von Suchtverhalten bis hin zu psychischen Belastungen.
ML: Ich bin da ein bisschen gespalten. Ich glaube, dass es psychische Folgen von Social Media Konsum für junge Leute gibt. Ich habe nur die Sorge bei Verboten, dass sie das noch attraktiver machen. Auf der anderen Seite ist es ganz wichtig, Regeln einzusetzen, die wir auch einhalten können, um junge Menschen davor zu schützen, dass sie sich in diese Abhängigkeit von Social Media bringen.
Ist ein Verbot ein sinnvoller Schutz – oder eher Symbolpolitik?
ML: Wir müssen unbedingt Regeln schaffen. Ich finde zum Beispiel den Ansatz, Smartphones bis zu einem gewissen Zeitpunkt gar nicht an junge Leute zu geben, und auch bis zu einer gewissen Altersstufe Smartphones an Schulen zu verbieten, genau richtig. Es muss nur begonnen werden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
FS: Ich halte es auch für sinnvoll. Natürlich ersetzt ein Verbot keine Erziehung oder Aufklärung, aber es setzt einen wichtigen Schutzrahmen. Der Staat hat hier auch eine Verantwortung.
Welche Wirkung hat bei Kindern und Jugendlichen der Umgang mit sozialen Medien? Was beobachten Sie?
FS: Ich beobachte eine starke Ablenkung, verkürzte Aufmerksamkeitsspannen und zunehmenden sozialen Druck. Gleichzeitig entstehen Abhängigkeiten und unrealistische Vergleichsmaßstäbe. Das wirkt sich spürbar auf Konzentration, Selbstbild und Miteinander aus.
ML: Wir haben durchaus eine ganze Menge an psychischen Störungen, die man sicherlich auf das Thema Social Media Nutzung zurückführen kann. Wir merken, dass die Aufmerksamkeitsspanne durch Social Media deutlich zurückgegangen ist, dass es jungen Leuten schwerfällt, sich für längere Zeit auf Themen zu fokussieren. Auch diese Vergleichsmöglichkeit mit anderen Menschen und die Tatsache, dass das Leben plötzlich ganz realitätsfern dargestellt wird, führt zu psychischen Störungen und Problemen. Diese Thematiken müssten eigentlich viel früher, nämlich meistens an den allgemeinbildenden Schulen, aufgenommen werden.
Sind Schule und Elternhaus ausreichend vorbereitet, um junge Menschen im digitalen Raum zu begleiten?
FS: Nein, vielfach nicht. Die Dynamik der digitalen Welt ist enorm, und viele Erwachsene kommen kaum hinterher.
ML: Wir sind noch so stark in dem Diskurs, dass wir noch gar kein gutes Regelwerk und gute Rahmenbedingungen haben. Und dementsprechend würde ich sagen, können Schule und Eltern auch kaum darauf vorbereitet werden. Wir haben im eSport Innovation Hub das Thema Verantwortungsbewusstes Gaming. Dort bieten wir Eltern Informationsveranstaltungen an, um ihnen bei ihren Unsicherheiten zu helfen. Das ist zumindest ein Ansatz, wie man in diesem Bereich mit fehlenden Regeln umgehen kann.
Braucht es mehr Regulierung – oder mehr Medienkompetenz?
ML: Wir müssen uns auf ein Regelwerk für die schützenswerten Jugendlichen einigen. Das heißt eben aber auch, dass alle Lehrkräfte, die gerade im allgemeinbildenden Bereich mit jungen Leuten umgehen, selber erst auch diese Kompetenzen aufweisen müssen und dann in dem Rahmen, auf den wir uns einigen, als Zusammenspiel tatsächlich einwirken oder wirken können. Da fehlt im Moment noch die Grundlage.
FS: Es braucht beides. Klare Regeln schaffen Schutz und Orientierung, Medienkompetenz ermöglicht einen verantwortungsvollen Umgang. Das eine funktioniert ohne das andere nicht.
Wie viel Eigenverantwortung trauen wir Jugendlichen zu?
FS: Jugendliche können viel Verantwortung übernehmen – aber altersgerecht. Eigenverantwortung wächst mit Reife und Erfahrung. Deshalb brauchen sie klare Leitplanken und Begleitung, nicht völlige Freigabe.
ML: Wenn wir uns auf Regeln einigen, dann sollten wir auch den jungen Generationen zutrauen, dass sie bereit sind, im eigenen Sinne das Ganze auch vernünftig umzusetzen. Das gilt nicht für Kinder, die müssen wir bis zu einem gewissen Alter leiten. Danach müssen wir Jugendlichen ein Wertekorsett mitgeben, in dem sie sich bewegen können. Und dann müssen wir auch das Zutrauen haben, dass sie sich in diesem Korsett zu ihrem eigenen Wohl eigenverantwortlich verhalten. Und dann dürfen wir auch in unsere jungen Leute ein großes Vertrauen haben.
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Was als Spaziergang im Covid-Lockdown begann, ist heute eine feste Größe im hannoverschen Ehrenamt: CleanUp Hannover mobilisiert zahlreiche Menschen für saubere Stadtteile, mehr Umweltbewusstsein und das gute Gefühl, gemeinsam etwas zu bewegen.
„Ich hatte lange das Gefühl, es interessiert die Leute nicht. Aber es werden immer mehr auf uns und das, was wir tun, aufmerksam“, strahl Jacqueline Perrineau, Projektleiterin bei CleanUp Hannover. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Arbeit plötzlich wahrgenommen wird. Und zwar nicht nur als ewige Kleinarbeit, sondern als sichtbare Bewegung in der Stadt.“ Regelmäßig sind die acht Ehrenamtlichen von CleanUp Hannover gemeinsam mit einer Vielzahl von anderen Aktiven in der Stadt unterwegs, um Abfälle einzusammeln und Hannover ein Stück schöner zu machen.
„Man merkt erst, wie viel da liegt, wenn man wirklich hinschaut“, erklärt Leonie Müller, die seit 2023 dabei ist. Das stille Müllproblem, über das viele Hannoveraner*innen hinwegsehen, wird durch die CleanUps sichtbar. „Viele Leute nehmen den Müll gar nicht mehr wahr. Wenn wir aber mit unserem CleanUp fertig sind, fällt ihnen plötzlich auf, wie viel schöner es ist.“
Und der Bedarf ist riesig: Allein bei einem CleanUp-Event im letzten Jahr sind innerhalb kürzester Zeit rund 70 Müllsäcke voll geworden, dabei war die Gruppe nur auf einer kleinen Fläche unterwegs. Auch sperrige Gegenstände wie Autoreifen oder Kühlschränke finden sie immer wieder. „Müll zieht Müll an“, resigniert Jacqueline. „Es dauert keine zehn Minuten nach Beginn eines CleanUps und die ersten kommen schon mit vollen Säcken zurück zum Treffpunkt.“
Die Aktionen des Projektes sind so vielfältig wie die Orte, an denen sie stattfinden: klassische CleanUps mit Zeltstand, bei dem jede*r spontan vorbeikommen kann, Touren mit Bollerwagen durch Parks oder sogar ein „CleanUp Rave“ mit Musik. Bekannt macht Jacqueline die CleanUp-Termine via Instagram. Sie arbeitet oft schon Tage im Voraus an Ablaufplänen, Kooperationsgesprächen und Social-Media-Posts, weil sie will, „dass die Leute wissen, dass wir existieren müssen.“
Dass ihr Engagement Wirkung zeigt, bestätigt die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen und der Stadt: Bei Events wie dem „World Cleanup Day“ arbeiten sie mit lokalen Partnern zusammen und machen gemeinsam auf die Problematik aufmerksam – kostenfrei und offen für alle.
Der Kern des Engagements von CleanUp Hannover geht aber über das bloße Beseitigen von Abfall hinaus. Es geht auch um Sensibilisierung. „Es sollte nicht normal sein, dass überall Müll rumliegt“, betont Leonie. „Wenn ich zum Picknicken in den Park gehe und meine Sachen dafür mitbringe, kann ich den Müll danach doch auch wieder mitnehmen. Das würde schon einen großen Unterschied machen.“
Diese Haltung führt die Gruppe auch zu Gesprächen über Prävention. Jacqueline träumt davon, in Schulen zu gehen und junge Menschen schon früh auf das Thema aufmerksam zu machen, statt ihnen hinterherräumen zu müssen. Auch wenn CleanUp Hannover hauptsächlich bei der Organisation der Sammelaktionen mit Equipment wie Greifzangen, Handschuhen und Beuteln unterstützt, soll Aufklärung langfristig ein zentraler Punkt ihrer Arbeit sein.
Im Grunde hält CleanUp Hannover der Stadtgesellschaft einen Spiegel vor. Die Ehrenamtlichen machen auf das Müllproblem aufmerksam, indem sie anpacken. Sie sind nicht einfach eine Gruppe von Menschen, die Abfall sammelt. Sie sind eine Bewegung für mehr Achtsamkeit und Respekt im öffentlichen Raum und der Natur, mit der klaren Botschaft, dass jede*r das Stadtbild selbst in der Hand hat.
Es war einmal ein Truthahngeier namens Fred. Er lebte auf den Falklandinseln und das auch recht gerne. Seine Großeltern hatten ihm erzählt, dass einmal eine Frau, die seiner Gattung nicht unähnlich sah, angeblich aber eine englische Lady gewesen sei, einen Krieg um sein Zuhause angezettelt habe, aber das juckte ihn nicht weiter, denn das war lange her. Auch sollte nämliche Lady Miterfinderin des Softeises gewesen sein, das juckte Fred aber genau so wenig, denn er aß lieber Fleisch. Besonders gern Aas, denn wenn er es sich eingestand, war er im Jagen eine ziemliche Niete. Mal eine Maus, ja, das konnte er bewältigen, aber alles, was größer war? Puh, nee. Mit seinen Jagdskills nicht machbar. Da verließ er sich lieber darauf, dass irgend so ein dämlicher Pinguin vor ein Auto watschelte. Das passierte quasi ständig. Und weil er gut riechen konnte, fand Fred die armen Opfer immer als Erstes. Allerdings wurde er stets verfolgt: Eine Gruppe von Rabengeiern hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihm zu folgen. Deren Geruchssinn war weniger gut, aber dafür waren sie fies, richtige Mobster. Und wann immer Fred einen schönen frischen Kadaver fand, konnte er drei bis vier Bissen nehmen, ehe die Gang ihn verjagte. Elende Milchgeldräuber, dachte Fred jedes Mal, wollte aber keinen Stress und gab nach. Ein ums andere Mal überließ er seinen Fund den Rabengeiern und machte sich seufzend auf die Suche nach alternativen Futterquellen. Fred war einfach zu harmoniebedürftig und, wie gesagt, seine Kampfskills waren nicht der Rede wert. Bis zu einem gewissen Mittwoch im Mai. Mit seinem typisch schaukelnden Gang watschelte Fred am Strand entlang. Gerade hatte er sich zwei dicke, nicht mehr ganz frische aber dennoch schmackhafte Möwen schmecken lassen, die an der Küste verendet waren. Satt und vergnügt darüber, dieses Mal nicht von den Mobstern gestört worden zu sein, unternahm er einen Verdauungsspaziergang, als er etwas hörte. Sie kamen. Die Gang. Mann, waren die sauer. „He, Fred, du hast uns unser Frühstück weggefressen!“, riefen sie. „Ist ja gar nicht wahr, ich hab‘s gefunden!“. Aber sie näherten sich ihm bedrohlich, Fred musste ein bisschen an Anthony Burgess‘ „Uhrwerk Orange“ denken (Fred war sehr belesen), nur eben mit schwarz gekleideten Protagonisten. Plötzlich tauchte eine Gruppe Eselpinguine auf und ätzte: „Fred – gefräßig und hässlich! Ha, ha!“ Hässlich! Er! Die hatten wohl noch nie den Präsidenten der USA gesehen! Schon wälzten sich zwei Seelöwen zu ihm herum und dröhnten mit ihren tiefen Stimmen Schmähungen in seine Richtung. Drei hübsche Albatrosdamen kicherten albern über das Schauspiel, während ein Rudel Füchse ihn seltsam knatternd auslachte.
In Freds Kopf legte sich nun ein Schalter um. Es reichte! Der Punkt war erreicht, an dem er all das nicht mehr hinnehmen wollte. Er checkte seine Optionen. Na, allzu viele gab es nicht gerade. Er erinnerte sich, mal eine Novelle von Stephen King gelesen zu haben. Sie hieß „The Body“ und Fred hatte fälschlicherweise angenommen, es gehe um etwas zu essen. In dieser Geschichte gab es aber noch eine Mini-Geschichte, in der ein dicker Junge, der von allen nur „Schmalzarsch Hogan“ genannt wurde, Rache an seinen Peinigern nimmt, indem er sie alle mit Blaubeertörtchen vollkotzt. Mit Törtchen konnte er nicht dienen, wohl aber mit Möwen-Aas. Außerdem hatten ihm seine Eltern immer wieder gesagt, dass es alte Truthahngeier-Sitte sei, in Krisensituationen erst mal schön abzureihern, bzw., zu -geiern, denn wer weniger wiegt, kann schneller flüchten. So erhob sich Fred nun in die Lüfte, würgte und: Flatsch! – kotzte er der Rabengeiergang ordentlich das Gefieder voll. Die quiekten angeekelt und mussten direkt selbst speien. Von dem Geruch wurde den eitlen Albatrosdamen so übel, dass sie hinter vorgehaltenem Flügel in den Sand göbelten. Die Seelöwen sahen das und erbrachen einen Schwall Fischreste über die Eselspinguine, die nun ihrerseits einen Strahl aus Krill und Oktopus in Richtung der Füchse kotzten. Eine unverdaute Tentakel landete direkt über der Schnauze des Rudelführers, woraufhin der ebenfalls brechen musste und der Rest des Rudels kotzte aus Solidarität heraus mit. Fred war begeistert! Es war, wie Stephen King es beschrieben hatte: ein gigantisches Kotze-Rama! Glücklich, wenn auch mit leerem Bauch, flatterte er davon – und hatte fortan seine Ruhe.
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Oh là là, heute wird‘s französisch! Es ist nämlich so: In diesem Haushalt wird wahnsinnig gerne Bœuf Bourguignon gegessen. Aber! Das dauert furchtbar lange, ist viel Arbeit und man soll ja auch nicht so viel Fleisch essen, wozu so ein Bœuf aber nun mal von Haus aus gehört. Allerdings kann man Riesenbovisten als Schnitzel essen und Kräuterseitlinge als Jakobsmuscheln. Die logische Konsequenz ist demnach, man kann auch Austernpilze als Rinderschmorfleisch essen, glasklar! Und nach einem geglückten Truppenversuch postuliere ich hiermit: Man kann nicht nur, man sollte sogar! Zum einen, weil es wirklich richtig lecker ist (und im März geht‘s noch mal, im April könnte es schon zu warm dafür sein), zum anderen, weil es alle essen können (echt gut vegan machbar) und überhaupt dauert die Zubereitung nur eine Stunde (statt wie beim Original sechs). Also ran an‘ Sarg und mitgeweint, wie der Berliner sagt. Oder halt französisch: Allez!
Für vier Portionen brauchen wir je 400g Austernpilze und 400g Champignons. Ja, wirklich! Das sieht doch nur so viel aus und schrumpft im Topf zusammen. Dazu kommen 200g Schalotten (das sind, je nach Größe, so vier bis sechs Stück), 3 große Mohrrüben, zwei Zehen Knoblauch, 2EL Tomatenmark, 5 EL Olivenöl, 3TL Zucker, 1TL Thymian, 300ml Rotwein und 400ml Brühe. Zunächst putzen wir die Pilze. Die Champignons werden, abhängig von ihrer Größe, halbiert oder geviertelt und die Austernpilze irgendwie auseinandergepflückt – die Basis kann man aber schön in Stücke schneiden. Mit 2EL des Olivenöls braten wir die Pilze im heißen Bräter an bis sie nur noch halb so groß, dafür aber ein bisschen braun sind und nehmen sie dann wieder heraus. In den heißen und schon benutzten Bräter kommt jetzt das restliche Olivenöl zusammen mit den Schalotten (gewürfelt) und den Karotten (längs halbiert und dann in 1cm dicke Scheiben geschnitten). Das rösten wir kurz an und fügen dann den Knoblauch, das Tomatenmark und den Zucker hinzu. Nach etwa einer Minute ständigen Rührens löschen wir mit dem kompletten Rotwein ab. Diese Mischung kochen wir auf und sobald es schön blubbert, gießen wir die Brühe dazu und würzen mit dem Thymian sowie mit Salz und Pfeffer. Wir drehen die Hitze auf halbe Kraft, legen den Deckel drauf und stellen uns einen Timer für 20 Minuten. Sobald die abgelaufen sind und wir den Deckel wieder anheben, riecht es wahrscheinlich schon richtig, richtig gut. Aber es wird noch besser! Jetzt kommen nämlich die Pilze zurück in den Topf. Umrühren, Deckel wieder drauf und noch mal eine Viertelstunde bei weiterhin mittlerer Hitze vor sich hin kochen lassen. Ist das geschehen, verquirlen wir einen gestrichenen Teelöffel Speisestärke mit etwa 50ml Wasser und rühren das Gemisch zügig unter unseren Eintopf, wo es noch für weitere fünf Minuten seine Wirkung tun kann (nämlich binden. Pilze verlieren reichlich Wasser.). Jetzt wird noch final mit Salz, Pfeffer und etwas geriebener Zitronenschale abgeschmeckt und fertig. Nicht-Veganern sei empfohlen, kurz vor dem Servieren einen Esslöffel kalte Butter unter das Gericht zu ziehen. Butter ist nämlich das Allertollste auf der Welt, verstärkt den Geschmack und gibt einen schönen Glanz. Ein paar Scheiben Baguette dazu und schon kann das große Schlemmen beginnen. Bon Appétit!