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Ehrenamtliches Engagement: Naturfreundejugend Hannover (NFJ)

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Ehrenamtliches Engagement: Naturfreundejugend Hannover (NFJ)


„Unsere Aktionen sind unvergesslich. Man bekommt die Möglichkeit, persönlich zu wachsen, Verantwortung zu übernehmen und erlebt so viel Tolles“, strahlt Linda. Die 20-Jährige engagiert sich ehrenamtlich in der Naturfreundejugend Hannover. Gemeinsam mit anderen jungen Menschen geht’s raus in die Natur – und regelmäßig rein in kleine Abenteuer.

Manchmal beginnt ehrenamtliches Engagement ganz zufällig: Immer mal wieder paddelte Linda bei Aktionen der Naturfreundejugend im Kanu über die Gewässer Hannovers, als eine hauptamtliche Mitarbeiterin des Vereins auf sie aufmerksam wurde. „Sophie hat mich gefragt, ob ich bei einer Kanuaktion mal mithelfen möchte. Über ein Jahr lang hat sie immer wieder nachgehakt, ob ich Lust hätte, Aktionen der NFJ anzuleiten.“ Und das zahlte sich schließlich aus: Linda ließ sich überzeugen, absolvierte ihre Jugendleiter*innen-Card, kurz Juleica, und ist heute froh, dass Sophie damals so hartnäckig war.

Inzwischen ist Linda Vorstandsmitglied der Naturfreundejugend Hannover, organisiert und begleitet Freizeiten. „Im Mittelpunkt stehen Naturerlebnisse, Mitbestimmung und Nachhaltigkeit, aber vor allem unsere Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche ihre Freizeit aktiv mitgestalten können und sollten.“

All das währt inzwischen seit 100 Jahren. Noch in diesem Sommer wird ein großes Jubiläumsfest gefeiert. Für Kinder zwischen sechs und 16 Jahren gibt es an diesem Tag tolle Einblicke in die Arbeit des Vereins. Unabhängig davon gibt es aber auch das ganze Jahr über Möglichkeiten, den Verein kennenzulernen. Neben den Freizeiten gehören eine wöchentliche Kindergruppe, Angebote im Jugendtreff in der Nordstadt sowie Mitmachaktionen auf Straßenfesten zum Programm. Dort wird beispielsweise Linoldruck ausprobiert oder gemeinsam gebastelt.

Doch die Freizeiten sind für Linda definitiv das Herzstück der Vereinsarbeit. Damit seien besonders intensive Vorbereitung, lange Tage und viel Verantwortung verbunden, die letztlich aber in schöne gemeinsame Erlebnisse für alle Beteiligten münden. „Ein großes Highlight sind die Zeltlager. Die sind meistens extrem anstrengend, aber auch richtig, richtig schön.“ Die 20-jährige berichtet, dass es ihr jedes Mal wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn aus einer Gruppe fremder Kinder innerhalb weniger Tage ein super Team wird. „Es ist schön, zu merken, wenn sich die Kinder wohlfühlen, gut zusammenwachsen und gemeinsam Quatsch machen.“

Ein super Team sind aber nicht nur die teilnehmenden Kinder, sondern auch die Ehrenamtlichen selbst. „Inzwischen besteht mindestens die Hälfte meines Freundeskreises aus Menschen, die Teil der Naturfreundejugend sind oder einmal an einer Freizeit teilgenommen haben“, lächelt Linda. Und das ist kein Zufall: Die Naturfreundejugend setzt bewusst auf Mitbestimmung und darauf, jungen Menschen Verantwortung zu übertragen. Es geht nie nur um Freizeitgestaltung. Hinter jeder Aktion stecken Organisation, Absprachen, Finanzierung und viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit.

Genau dafür wünscht sich Linda künftig mehr gesellschaftliche Anerkennung. „Als außenstehende Person weiß man oft gar nicht, wie viel Arbeit hinter solchen Sachen steckt.“ Ihr Wunsch richtet sich deshalb auch an die Politik. Sie erhofft sich für die Zukunft mehr Unterstützung für die Jugendarbeit, bessere Rahmenbedingungen für hauptamtliche Mitarbeitende und stärkere Anreize für ehrenamtliches Engagement. Gleichzeitig appelliert sie an junge Menschen in Hannover, sich zu beteiligen und den Verein zu entdecken: „Kommt mit auf Freizeiten, werdet Mitglieder oder werdet Ehrenamtliche. Wir freuen uns über jede Person, die Bock hat.“

» Laura Druselmann

Naturfreundejugend Hannover
Maschstraße 24, 30169 Hannover
Tel. 0511 8094566
www.njf-hannover.de

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El Kurdis Kolumne im August: Mehr Licht!

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El Kurdis Kolumne im August: Mehr Licht!


Ich weiß nicht, wann zum ersten Mal fehlendes Licht mit dem Adjektiv „gemütlich“ assoziiert wurde. Aber diese gedankliche Verbindung hat sich offensichtlich flächendeckend durchgesetzt. Googelt man „Gemütlichkeit“ oder vergleichbare Wörter in anderen Sprachen – „cosiness“, „hygge“ – und lässt sich dazu Bilder anzeigen, sieht man neben fluffigen Kissen, Wolldecken, Strickstrümpfen und dampfenden Teetassen vor allem: Kerzen jeder Größe. Oder schummrige Zimmer, in denen mehrere Lampen mit Watt-Zahlen unter der Wahrnehmungsgrenze verteilt wurden. Oder einen Kamin, der nicht nur als Wärme-, sondern offensichtlich auch als einzige Lichtquelle dient. Kurzum: Man sieht saumäßig schlecht beleuchtete Räume!

Ich selbst empfinde allerdings helles Licht als angenehm und behaglich. So definiert übrigens der Duden das Wort „gemütlich“: „Eine angenehme, behagliche Atmosphäre schaffend“. Aber kaum genieße ich einen solchermaßen hell beleuchteten Raum, fühlt sich stets irgendjemand befleißigt, das zu ändern. Ich höre dann Sätze, die für mich wie Drohungen klingen. Zum Beispiel: „Das ist ja wie auf’m OP-Tisch. Ich mach’s uns mal ein bisschen netter“. Und schwupps wird die mein Gemüt auf- und den Raum erhellende Deckenlampe ausgeschaltet und vier bis fünf kleine, oft hinter Sofas versteckte oder gegen die Wand gerichtete Leuchten, sogenannte „indirekte Lichtquellen“, werden angeknipst. Und auch in meinem Herzen wird es dann augenblicklich stockdunkel.

Ich sehe mich diesbezüglich durchaus im Einklang mit der Biologie. Und der Evolution beziehungsweise der Menschheitsgeschichte. Früher, also ganz früher, vor der Erfindung des Feuers, als wir uns noch von Beeren, Knollen, Wurzeln und gelegentlichem rohem Fleisch ernährten, bedeutete Dunkelheit: Schlafen! Und bis heute will unsere Körper dementsprechend reagieren. Möchte man sich aber gegen diese Bevormundung durch die Natur wehren und im Winter nicht schon um 16:00 Uhr ins Bett gehen, muss man es eben hell machen. Richtig hell. Die technischen Möglichkeiten dazu wurden ja inzwischen erfunden. Dieses dustere und düstere „Ich zünde uns eine Kerze an und mach uns noch ’ne Flasche Rotwein auf“ ist so gesehen halbgarer Quatsch.

Die Biologie erklärt das übrigens so: Zufrieden, ausgeglichen und wach fühlen wir uns, wenn das Hormon Serotonin in unserem Körper ausreichend vorhanden ist. Und was regt die Serotoninproduktion an? Licht. Am besten helles Sonnenlicht. Zur Not tut es aber auch eine Tageslichtlampe. Solche oft 10.000 bis 20.000 Lux starke Leuchtkörper werden mittlerweile sogar in der Depressionsbehandlung eingesetzt und wirken – so verschiedenen Studien – bei leichten und mittelschweren Depressionen genau so gut wie moderne Psychopharmaka. Diese SSRI („Selective Serotonin Reuptake Inhibitors“ auf deutsch: „Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer“) arbeiten, wie der Name schon sagt, ebenfalls mit dem Gute-Laune-Hormon. Nur kurbeln sie nicht dessen Produktion an, sondern sorgen dafür, dass das vorhandene Serotonin länger im Körper verfügbar ist.

Der Titel dieser Kolumne bezieht sich übrigens auf die angeblich letzten Worte Goethes, der kurz vor seinem Tod nach „Mehr Licht!“ verlangt haben soll. Wobei die Nachwelt bis heute darüber diskutiert, ob er nur wollte, dass sein Diener den zweiten Fensterladen öffnet oder ob es sich dabei um einen metaphorischen Wunsch nach mehr geistiger Erhellung und Aufklärung handelte. Als Hesse komme ich selbstverständlich auch nicht umhin, die – sorry, aber es muss sein – kalauernde Dialekt-Erklärung zu diesen letzten Worten zu liefern: Der Frankfurter Goethe soll demnach nicht nach „Mehr Licht!“ verlangt, sondern auf Hessisch die Bequemlichkeit seines (Sterbe-)Bettes kommentiert haben: „Mä lischt hier so schlescht!“

Apropos Kultur: Auch im Theater hängen Regisseur*innen und das von ihnen gedungene Beleuchtungspersonal gerne dem Irrglauben an, fehlendes Licht auf der Bühne schaffe „Atmosphäre“ oder eine sogenannte „Stimmung“. Die spezifische Einstellung der Scheinwerfer in einer bestimmten Szene wird ja auch tatsächlich als „Lichtstimmung“ bezeichnet. Kann ich aber nicht richtig erkennen, was die Theatercharaktere machen, stellt sich bei mir nur eine Stimmung ein: Schlechte Laune. Ich habe schon Stücke gesehen, in denen ich größtenteils raten musste, wer grade redet. Dabei lautet die meiner Meinung nach wichtigste und deswegen auch gereimte Theaterregel: Wer spricht, kriegt Licht! Schöner, poetischer und apodiktischer kann man es nicht sagen …

» Hartmut El Kurdi

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Stadtkinder kochen Ravioli mit flüssigem Kern

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Stadtkinder kochen Ravioli mit flüssigem Kern


Mysteriöse Umstände haben dazu geführt, dass ich seit einigen Wochen vorübergehend bei meinem Bruder in dessen Haus auf dem Land wohne. Ja, ernsthaft, der ist drei Jahre jünger als ich und hat ein Haus auf dem Land. Demütigend für mich. Aber nun brauchte er meine Hilfe und hier bin ich. Der Umstand, dass ich mir nichts, dir nichts mein Leben in Hannover zurückgelassen habe, mag implizieren, ich hätte gar keins. Was natürlich Quatsch ist, und um das zu unterstreichen, kommt ein wenig Angeberei ganz gut. Denn ich kann nicht nur kochen und backen wie eine fröhliche Landfrau, nein, auch wie die knallharte Stadtpflanze, die aus mir geworden ist. Und als solche prahle ich mit handgemachten Ravioli mit flüssigem Eigelbkern.

Das ist zwar aufwändig und verursacht erstaunlich viel Dreck in der Küche, sieht dabei aber extrem nach haute cuisine aus und ist trotzdem recht einfach herzustellen. Perfekt also, wenn man ehemaligen Zeitgenossen subtil mitteilen möchte, dass man es in der großen Stadt gar nicht sooo übel getroffen hat. Insgesamt brauchen wir für vier Portionen 200 g Pastamehl (00er), 6 frische Eier, 150 g geräucherten Scamorza-Käse, 50 g Frischkäse, 50 g Butter und eine Prise Salz. Ja, weniger ist manchmal mehr.

Das Tolle am Dorfleben: Viele Menschen haben Hühner und bauen am Straßenrand Eierwagen auf. Darin steht eine kleine Kasse und, klar, ein Vorrat an Eiern zur aufrichtigen Selbstbedienung. Die sechs Stück, die ich kaufe, sind so groß, dass man einen Gynäkologen zum Bauernhof schicken möchte, er möge sich dort doch bitte um diverse Dammrisse kümmern. Dieser Rieseneier nehme ich zwei Stück. Das Mehl häufe ich auf der sauberen Arbeitsplatte zu einem Berg auf, den ich dann in einen Vulkan verwandle, indem ich in die Mitte eine tiefe Mulde drücke. Hier hinein schlage ich die beiden Eier und fange an zu kneten (per Hand! Landfrauenfeeling pur!), bis eine klumpige Masse entsteht. Nach und nach arbeite ich vom Rand immer mehr Mehl ein, bis ich nach etwa zehn Minuten Muskelarbeit einen glatten Teig habe. Der muss nun in Frischhaltefolie gewickelt bei Zimmertemperatur ruhen. Nach einer halben Stunde ist das erledigt und es kann weitergehen.

Während der Wartezeit habe ich den Scamorza sehr fein gerieben, mit Frischkäse vermischt, mit etwas Salz gewürzt und zu einer festen Paste verarbeitet. Da dieser Haushalt dilettantischerweise nicht über einen Dressiersack verfügt, habe ich einen Gefrierbeutel genommen und die Paste hineingefüllt.
Immerhin gibt es eine Nudelmaschine. Den Teig teile ich in zwei Hälften, die ich so lange durch die Maschine schicke, bis zwei lange Streifen daraus werden, durch die ich die Umrisse meiner Hand gerade so erkennen kann. Einen dieser Streifen breite ich nun auf der Arbeitsfläche aus. Ich nehme einen kreisrunden Keksausstecher (ein Trinkglas tut’s auch) als Konturgeber: Ganz leicht stupse ich die stumpfe, bzw. offene Seite auf den Teig, so dass ein Kreis leicht sichtbar ist – vier Mal das Ganze. Nun greife ich zum Gefrierbeutel, schneide eine Ecke ab und spritze innerhalb der Kreismarkierung einen weiteren Ring. Das ist der magische Eigelbschutz! In diesen Ring platziere ich jetzt jeweils einen Dotter aus Norddeutschlands größten Hühnerärschen. Nur den Dotter, nicht das Eiklar! Nun breite ich vorsichtig den zweiten Streifen Teig darüber, nehme wieder meinen Ausstecher, bzw. das Glas und drücke die zweite Teigschicht auf der ersten an. Nicht zu fest, damit ich den Teig nicht perforiere, aber auch nicht so lasch, dass sich die Bindung lösen könnte. Schließlich fahre ich mit einem Teigrädchen um die Form herum, unter Einhaltung einer gewissen „Nahtzugabe“. Ich bringe gesalzenes Wasser zum Kochen und stelle nebenbei eine Pfanne auf den Herd. Darin schmelze ich die Butter langsam. Die Ravioli gleiten nun ins Kochwasser und bleiben dort für exakt 90 Sekunden. Da muss man ein bisschen pedantisch sein. In der Zeit schäume ich die Butter auf, gebe Salbei hinein und schwenke die gekochten Ravioli für einen kleinen Moment darin, ehe ich sie mit etwas Friséesalat, angemacht mit Zitrone (die cremige Schwere schreit nach Frische und Bitternoten), serviere. Stadtpflanze, oder was?

» IH

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Stadtkinder essen: Bar Añejo

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Stadtkinder essen: Bar Añejo


Wir sitzen auf der Terrasse der Bar Añejo, einem venezolanischen Restaurant mitten in Hannover-Linden. Drinnen ist es zwar auch gemütlich, aber die Abendsonne strahlt mit ihrer letzten, prallen Kraft durch die Elisenstraße und das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Menschen radeln mit dem Fahrrad vorbei oder schlendern gemächlich in ihren Feierabend hinein, das geschäftige Treiben der Limmerstraße nur einen Katzensprung entfernt; doch hier ist es angenehm ruhig: weniger Hektik und kein Üstra-Trubel. Wir lehnen uns in den Stühlen zurück und sogleich werden uns von einer freundlichen Servicekraft die Karten gereicht. Eine Karte fürs Essen und eine weitere für die Getränke – schließlich versteht sich das Restaurant auch als Bar.

In der Menükarte findet man zum Start eine Erklärung der gängigsten Lebensmittel der venezolanischen Küche. So erfährt man, dass Yuca, Maniok und Casava nur verschiedene Namen für dieselbe Wurzel sind, die in Venezuela in vielen Gerichten Verwendung findet. Oder dass Tostones beziehungsweise Patacón Kochbanane bedeutet, allerdings nicht zu verwechseln mit der süßen Variante der Kochbanane, der Tajada. So können die Gerichte auf den Seiten dahinter in ihrer Originalsprache authentisch betitelt werden, ohne Menschen mit wenig oder gar keiner Kenntnis der spanischen Sprache zu verschrecken. Als Hilfestellung werden zudem unter den Gerichten nochmals die Hauptzutaten gelistet. Die Getränkeauswahl der anderen Karte ist für mich als Sonst-Nie-Alkohol-Trinkerin dagegen etwas überwältigend. Wir schicken die Servicekraft noch einmal weg – ich brauche weitere fünf Minuten.

Schließlich bestellen wir zuerst eine Cola Zero und eine Maracuja-Schorle gegen den einfachen Durst und im Anschluss zwei sommerliche Cocktails. Der Peach & Mango Flash (13,50 Euro) ist ein Schaumwein mit Pfirsichlikör. Geschmack: sommerlich-frisch, fruchtig-süß, und der Geruch von Basilikum steigt einem dezent in die Nase. Alkohol ist drin, das merkt man, aber er drängt sich nicht in den Vordergrund. Angenehm. Dazu probieren wir den Nikkey (16,50 Euro). Diese Cocktailvariante haben wir noch nie gesehen und sind gespannt. Der Nikkey ist ein Pisco mit Granatapfel, Zitronengras, Yuzu, Limette und Aquafaba (Abtropfwasser von Kichererbsen). Das Cocktailschalenglas lässt die sanfte Schaumkrone des Piscos in voller Pracht zur Geltung kommen, lässig lehnt ein Litschispieß am Rand. Wer es sauer-fruchtig mag, macht hier nichts falsch. Besonders die Granatapfelsäure ist angenehm prickelnd auf der Zunge, nicht ganz so scharf-säuerlich wie die klassische Zitronensäure. Der schaumige Pisco im Drink ist übrigens sehr beliebt in Südamerika und gilt gar als Nationalspirituose Chiles und Perus. So ganz einig ist man sich nicht – es gab bereits einige juristische Streitigkeiten zwischen den beiden Ländern.

Die Vorspeisen kommen fix. Es gibt Yucas con Guacamole (8,50 Euro) Maniokpommes mit Guacamole. In meiner Vorstellung das Pendant zu belgischen Fritten. So ganz unrecht habe ich auf den ersten Blick nicht, die gesalzenen und gebratenen Yucas kommen in dicken Scheiben daher. Die Guacamole ist frisch und ergänzt hervorragend den etwas erdigen Geschmack der Maniokpommes. Die Yucawurzel ist außen knusprig und innen ganz weich. Der Geschmack ist mild und nicht vergleichbar mit Kartoffeln. Als zweite Vorspeise kommen Tequeños (8,90 Euro), Teigstäbchen mit Käsefüllung und Rosada-Dip. Deftig im Geschmack, außen der krosse Teigmantel, innen zergeht die Käsefüllung perfekt auf der Zunge. Besonders lecker ist die leicht süßliche Soße dazu. Der Dip schmeckt ähnlich wie eine Cocktailsoße.

Kurz darauf kommen die Hauptspeisen. Beim Arepa Duo (18,50 Euro) bekommt man zwei traditionelle Maisteigfladen serviert, mit Pico de Gallo, Bananenchips und Guasa-Dip. Die Füllung der Teigtaschen kann man selbst wählen. Es gibt vier verschiedene Möglichkeiten, zwei Fleischvarianten, eine vegetarische und eine vegane Version. Wir haben die Pelua-Variante bestellt. In unseren zwei Maisteigtaschen steckt Pulled Beef mit geriebenem Gouda. Der erste Fladen ist perfekt kross, der andere weicht durch die Füllung ein wenig auf. Das ist nicht weiter schlimm, aber fällt auf, da der erste makellos zubereitet war. Der Salat schmeckt knackig und der Dip ist limettenlecker. Der ist allerdings bei dem Gericht für Viel-Soßen-Liebhaber*innen zu sparsam. Wer den Dip nur für die salzigen Bananenchips nutzt, dem reicht’s.

Als zweite Hauptspeise probieren wir das venezolanische Nationalgericht Pabellón Vegetariano (16,50 Euro) – allerdings in der veganen Variante, die in der Karte gleich mit aufgelistet ist. Man muss also nicht extra fragen und Sonderwünsche äußern. Das Pabellón Vegano ist nett angerichtet – eine riesige Portion mit schwarzen Bohnen, Reis, Guacamole, Avocadostücken, Kochbanane und Pico de Gallo. Letzteres ist eine klassische südamerikanische Tomaten-Salsa, ähnlich der italienischen Bruschetta. Die Kochbanane ist nicht einfach süß und matschig, sie ist lecker angebraten und dezenter im Geschmack als angenommen. Ähnlichkeit mit der Banane, die ich mir morgens in den Smoothie mixe, hat sie kaum. Sie schmeckt eher wie ein Gemüse. Der trotzdem leicht mehlig-erdige Geschmack korrespondiert dabei ausgezeichnet mit der fruchtig-sauren Tomatensalsa und der Guacamole. Auch die Bohnen überzeugen. Die Caraotas Negras sind in Venezuela eines der Grundnahrungsmittel und bestechen durch ihre sämige Konsistenz. Wer sich in Sachen Ernährung auskennt, weiß: Bohnen sind nicht nur lecker, sondern verdammt gesund und ein echtes Superfood. Das gesamte Gericht ist in seiner Kombination aus Gemüse, Frucht und Reis eher ein Plain-Food als ein fancy Food. Die Zutaten stechen durch ihren natürlichen Geschmack heraus, die Würzung ist dezent gehalten und nur durch die unterschiedlichen Komponenten entsteht der besondere Geschmack. Für manche mag das simpel sein, für andere unverfälscht lecker.

» AS

Bar Añejo
Elisenstraße 22
30451 Hannover-Linden
Di-Sa ab 18 Uhr
www.bar-anejo.com

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Neu in der Stadt: Ateliér Rumi und mood.

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Neu in der Stadt: Ateliér Rumi und mood.


Ateliér Rumi

Das Ateliér Rumi ist ein neuer, kreativer Begegnungsort in Linden – ein Ort für alle, die ihrer Kreativität freien Lauf lassen, neue Techniken entdecken und den Alltag für ein paar Stunden hinter sich lassen möchten. Hier stehen nicht Perfektion oder Vorkenntnisse im Mittelpunkt, sondern die Freude am Gestalten, das gemeinsame Erleben und das Entdecken der eigenen kreativen Fähigkeiten. In einer entspannten Atmosphäre bietet das Team vielfältige Workshops an. Zum aktuellen Angebot gehören unter anderem Mosaiklampen-Workshops, traditionelle Çini-Malerei, Nähkurse sowie kreative Bedazzling-Workshops. Dabei werden traditionelle Handwerkskunst und moderne Techniken und Materialien miteinander verbunden. In Zukunft werden weitere kreative Workshops für Erwachsene und Kinder hinzukommen. Neben den regelmäßigen Workshops organisiert das Ateliér Rumi auch individuelle Gruppenveranstaltungen. Ob Junggesellenabschiede, Kindergeburtstage, Geburtstagsfeiern, Team-Events oder andere private Anlässe – jede Veranstaltung wird zu einem besonderen Erlebnis. Am Ende jedes Workshops nehmen die Teilnehmenden nicht nur ein selbst gestaltetes Werk mit nach Hause, sondern auch neue Erfahrungen und das gute Gefühl, etwas Eigenes geschaffen zu haben.

Limmerstraße 23, 30451 Hannover. Mehr Infos und Anmeldung auf www.app.zenamu.com/atelier-rumi und auf Instagram @atelier.rumi.hannover.

mood.

Mit dem neuen Salon haben sich die Gründerinnen Bree Satinka Janßen und Senem Ararat Cin einen lang gehegten Traum erfüllt. Die beiden Friseurinnen eröffneten nun ihren eigenen Premium-Salon in Hannovers Altstadt. Kennengelernt haben sie sich bei ihrem früheren Arbeitgeber. Aus der erfolgreichen Zusammenarbeit entstand eine enge Freundschaft. Gemeinsam bringen sie mehr als 25 Jahre Berufserfahrung mit und stehen für höchste handwerkliche Qualität, kontinuierliche Weiterbildung und individuelle Beratung. Der Wunsch nach einem eigenen Salon begleitete sie bereits seit rund fünf Jahren. Mit mood. haben sie einen modernen Lifestyle-Salon geschaffen, der weit mehr sein möchte als ein klassischer Friseurbetrieb. Im Mittelpunkt stehen persönliche Betreuung, hochwertige Produkte, ein stilvolles Ambiente und vor allem ausreichend Zeit für jede Kundin und jeden Kunden. Das Angebot umfasst Damen- und Herrenservices auf höchstem Niveau. Senem Ararat Cin ist auf Blond- und Strähnentechniken, natürliche Farbverläufe und präzise Haarschnitte spezialisiert. Bree Satinka Janßen gilt als Expertin für Haarverlängerungen, Globalblondierungen, kreative Farbtechniken und Gender-Affirming-Haircuts. Ihre Vision ist klar: mood. soll sich als feste Adresse für exklusiven Styling-Service in Hannover etablieren – ein Ort, an dem Qualität, Persönlichkeit und Wohlbefinden gleichermaßen im Mittelpunkt stehen.

Schmiedestraße 7, 30159 Hannover. Mo-Fr 8.15-19.30 Uhr. Mehr Infos auf Instagram @mood_hair_hannover.

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Der besondere Laden: Bodenkleid – rug art

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Der besondere Laden: Bodenkleid – rug art


Beim Betreten dieser ehemaligen Druckerei in Linden liegt der warme, etwas erdige Geruch von Wolle in der Luft. „Herzlich Willkommen“, strahlt Julia Langstein, Gründerin von Bodenkleid. Mitten im Raum steht ihr riesiger Arbeitstisch, darauf Garnrollen, Scheren und Skizzen. An den Wänden drumherum stapeln sich Wollgarne in allen erdenkbaren Farbtönen. Ein Blick um die Ecke verrät schließlich, worum es bei Bodenkleid geht: um Teppiche, die mit viel Zeit und Liebe eigenhändig von Julia entworfen und gefertigt werden.

„Das macht mir einfach richtig Spaß“, sagt sie und lacht dabei herzlich. Seit 2004 führt die Diplom-Textildesignerin nun schon ihr Label. Damals, erzählt sie, habe sie an der Fachhochschule für Design und Medien in Hannover zum ersten Mal mit der Handtuft-Technik gearbeitet, einer Methode, bei der Garn mit einer speziellen Maschine in ein Trägergewebe geschossen wird. „Das hat mich irgendwie nicht mehr losgelassen.“ Während andere Studierende webten oder stickten, vertiefte sie sich in eine Technik, die damals kaum noch jemand nutzte. Heute entstehen daraus in ihrer Werkstatt Teppiche und Wandarbeiten, die sich irgendwo zwischen Kunst, Handwerk und Interior Design einordnen lassen.

Julia versteht ihre Arbeit aber nicht nur als Produktion. Es geht ihr um Materialität, um Qualität und um Herkunft. Schon während des Studiums sei Nachhaltigkeit ein zentrales Thema gewesen. Die Frage damals: Lässt sich ein Teppich herstellen, dessen Produktionswege fast vollständig in Deutschland liegen? Julia begann zu recherchieren, suchte Färbereien, Gewebehersteller und Zulieferer. Heute stammt fast alles, mit dem sie arbeitet, aus Deutschland oder gar direkt aus Niedersachsen. Nur die Schurwolle kommt aus Neuseeland. „Die Schafe dort entwickeln besonders langes und helles Haar“, erklärt die Gründerin. Das habe den entscheidenden Vorteil, dass die Fasern später nicht chemisch gebleicht werden müssen.
Über ihre Werkzeuge – Webstühle, eine Tuftingmaschine und ein Kompressor für dessen Antrieb – spricht Julia mit derselben Begeisterung wie etwa Künstler*innen über ihre Pinsel und Farben. Und über den kreativen Prozess hinter den Teppichen sagt sie: „Das ist wie Malen mit Wolle“. Weil jede Charge leicht anders aus der Färberei zurückkomme, entstünden ganz eigene Verläufe und Nuancen. Genau diese Unregelmäßigkeiten seien gewollt. „Man sieht: Das ist wirklich handmade.“

Julias Teppiche entstehen im ersten Schritt oft als kleine Skizze auf Papier. Diesen Entwurf überträgt sie im Anschluss spiegelverkehrt auf ein großes Grundgewebe, das wie eine Leinwand aufgespannt ist, und erst dann beginnt die eigentliche Arbeit: Mit Druckluft schießt sie die Wollfäden von der Rückseite in den Stoff. Manche Teppiche enthalten mehr als ein Dutzend Farben, andere leben von Reliefs, unterschiedlichen Florhöhen oder organischen Formen.

Besonders liebt Julia aber das Tuften von Mustern. „Das Flächefüllen ist eher Pflichtprogramm“, schmunzelt sie. Die Gestaltung dagegen habe wirklich etwas Künstlerisches. Tatsächlich erinnern viele ihrer Arbeiten eher an textile Gemälde als an klassische Teppiche. Julia gestaltet Korallenformen, freie Linien und asymmetrische Flächen, von denen manche verspielt wirken und andere schon fast architektonisch.

Mit ihren Teppichen möchte sie weg vom reinen Einrichtungsgegenstand, hin zum Wandobjekt. Vor allem die Idee des Wandteppichs interessiert sie besonders, auch wegen seiner Wirkung im Raum. „Wolle schluckt Schall, bringt Wärme in Beton- und Glasarchitekturen und verändert die Atmosphäre eines Ortes.“ Schließlich sollen Julias Arbeiten nicht nur Räume schmücken, sondern sie gezielt verändern und die Menschen, die die Teppiche kaufen, glücklich machen.

» Laura Druselmann

Bodenkleid – rug art
Davenstedter Straße 60, 30453 Hannover
Tel.: 0178 2381786
E-Mail: langstein@bodenkleid.de
www.bodenkleid.de

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