„Kinder für Kinder – das fanden wir sofort charmant“, sagt Michaela Necke und lächelt Stephanie Michel an, die sofort ergänzt: „Und dass Kinder wirklich selbst entscheiden dürfen, nicht wir Erwachsenen – das ist das Besondere.“ Sie sind die Initiatorinnen des Kinderbeirats Hannover, der seit 2019 zum bundesweiten Netzwerk von „Children for a better World“ gehört. Die Idee dahinter ist, früh für Kinder erlebbar zu machen, dass ihre Stimme zählt und ihr gesellschaftliches Engagement etwas verändern kann.
Die Kinder und Jugendlichen sind zwischen sieben und 18 Jahre alt und entscheiden gemeinsam über Fördergelder für soziale Projekte. Bis zu 1.500 Euro können pro Projekt vergeben werden. Ob ein Musical an einer Brennpunktschule, ein Schul-Avatar für ein krebskrankes Kind an der MHH oder ein Aufenthaltsraum im Jugendzentrum Roderbruch: Die Entscheidungen über die Vergabe der Fördergelder treffen die Kinder vollkommen eigenständig. Stephanie und Michaela organisieren nur den Rahmen, legen aber großen Wert drauf, dass die Hilfe möglichst direkt ankommt.
Wer den beiden zuhört, merkt schnell, sie reden nicht einfach über ein Ehrenamt, sondern über eine Herzensangelegenheit. Im Gespräch mit den beiden wird viel gelacht und geschwärmt, vor allem dann, wenn es um „ihre“ Kinder geht – die Mitglieder des Kinderbeirats. Auch, was bei den Beiratstreffen passiert, klingt sehr vertraut. Es hört sich weniger nach Vereinssitzung und vielmehr nach einem ziemlich lebendigen Nachmittag und Freund*innen an. Es gibt Pizza oder Hotdogs, die Hunde laufen zwischen den Kindern hindurch, es wird Tischtennis gespielt – und erst dann wird über Kosten, Gerechtigkeit und darüber, was wirklich sinnvoll ist, diskutiert.
„Die Kinder rechnen richtig mit“, berichten die zwei Frauen begeistert. Einmal habe ein Projekt den kompletten zur Verfügung stehenden Betrag von 1.500 Euro für einen Schwimmbadausflug beantragt – inklusive Busfahrt. „Dann haben die Kinder gesagt: Wieso braucht ihr einen Bus? Mit der Bahn kostet das doch viel weniger.“ Also rechneten sie Fahrkartenpreise aus, kalkulierten Freibadeintritte und kamen am Ende zu dem Schluss, dass das Projekt toll, aber günstiger machbar ist. Genau diese Mischung aus Mitgefühl und Pragmatismus beeindruckt die beiden Initiatorinnen immer wieder. „Gerade die kleinsten Mäuse überraschen einen manchmal am meisten.“
Der Kinderbeirat stellt einen Ort dar, an dem schon die Jüngsten schnell lernen, Verantwortung zu übernehmen. Manche entwickeln sich zu echten Finanzprofis, andere zu Vermittlerinnen oder Teamplayern. „Da sieht man schon richtige Persönlichkeiten“, erzählt Stephanie. „Der eine weiß immer ganz genau, wie viel Geld noch da ist. Und der nächste achtet darauf, dass jede Meinung gehört wird.“
Dass die jungen Mitglieder ihre Verantwortung ernst nehmen, zeigt sich längst auch außerhalb der Treffen. Eine Teilnehmerin schlug inzwischen zum Beispiel selbst ein Schulprojekt vor, ein anderes Mädchen entwickelte eine Idee für ein Projekt für hörgeschädigte Kinder. „Das ist eigentlich der größte Erfolg“, strahlen Stepahnie und Michaela. „Dass ,unsere‘ Kinder anfangen, selbst hinzuschauen.“
Obwohl der Kinderbeirat gut in der Stadt vernetzt ist und zahlreiche Unterstützer*innen hat, fehlt es oft an Anträgen. „Wir brauchen mehr Projekte“, betonen die beiden Frauen. „Wir sind da, wenn jemand Unterstützung braucht, und wir helfen gern! Die Antragstellung funktioniert ganz unkompliziert über unsere Webseite.“
Vielleicht liegt die größte Stärke des Vereins aber auch genau darin, dass sie nicht groß für sich werben und, dass nicht groß von gesellschaftlicher Verantwortung gesprochen, sondern sie einfach übernommen wird. „Es ist uns einfach eine Herzensangelegenheit. Und deshalb möchten wir gern noch mehr Kindern in Hannover helfen, die finanziell benachteiligt, körperlich oder geistig beeinträchtigt sind. Meldet euch bei uns!“
» Laura Druselmann
Kinderbeirat Hannover
www.kinderbeirathannover.de
info@kinderbeirathannover.de
Förderanträge lassen sich ganz einfach über die Webseite ausfüllen und einreichen.













