„Es gibt nichts Schöneres, als sich dafür einzusetzen, dass Menschen sehen: Ihr Ehrenamt wird wahr- und ernstgenommen“, sagt Monika Fricke strahlend. Seit Jahren setzt sie sich in ihrer Funktion als Leiterin der Stabsstelle Ehrenamt und Freiwilligenagentur des Landkreises Leer und im geschäftsführenden Vorstand der LAGFA Niedersachsen dafür ein, Strukturen zu schaffen, in denen das Ehrenamt wachsen kann.
Mit der LAGFA wurde vor rund 20 Jahren ein Netzwerk geschaffen, das Menschen zusammenbringt, die freiwilliges Engagement fördern möchten. Freiwilligenagenturen in ganz Niedersachsen sind über die LAGFA verbunden und stärken einander. Inzwischen gehören rund 115 Mitglieder dazu – von kommunalen Agenturen, über Wohlfahrtsverbände, bis hin zu kleinen Vereinen, die kommunale Ehrenamtsstrukturen aufbauen. „Man kann sagen, die LAGFA gibt es nicht nur einmal, sondern über hundert Mal in Niedersachsen“, so Fricke.
Zugunsten jener Mitglieder organisiert die LAGFA Fortbildungen, Netzwerktreffen, unterstützt bei Qualitätsmanagement und entwickelt gemeinsam mit Politik und Verwaltung Strategien für die Zukunft des Engagements.
„Die Agenturen profitieren aber vor allem vom Netzwerk“, sagt Fricke. „Sie lernen voneinander und miteinander.“ Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder zu einer großen Fachtagung, bei der aktuelle Themen diskutiert werden. Wie können ältere Menschen für ein Engagement gewonnen werden? Welche Konzepte sprechen junge Leute an? Welche Rolle spielt Inklusion? Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Onlineformate, sogenannte Spotlights, in denen Expert*innen aus der Praxis ihr Wissen teilen.
Fricke erklärt: „Unser Netzwerk kostet nichts, bringt aber unglaublich viel für die tägliche Arbeit“, denn viele der Freiwilligenagenturen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Sie beraten Menschen, vermitteln verschiedene Möglichkeiten des Engagements und müssen gleichzeitig Strukturen aufbauen, die langfristig funktionieren. Damit das funktioniert, „versuchen wir alles miteinander zu verknüpfen. Wissen, Netzwerk und Förderung sollen miteinander einhergehen“.
Dass die Arbeit der LAGFA Wirkung zeigt, lässt sich vielerorts beobachten. Ehrenamt findet sich in Niedersachsen in nahezu allen Lebensbereichen: im Sportverein, in der Feuerwehr, in der Hospizbegleitung, im Kulturverein oder im Umwelt- und Naturschutz. „Es gibt mindestens 15 große Engagementbereiche“, erklärt Fricke. „Und eigentlich stehen sie alle gleichberechtigt nebeneinander.“ Die LAGFA sorgt durch Qualitätsmanagementschulungen dafür, dass die ehrenamtliche Arbeit in all diesen Bereichen durch hauptamtliche Koordinator*innen durchgeführt werden kann.
Für die Zukunft hat die LAGFA klare Ziele. Unter anderem unterstützt sie die niedersächsische Landesregierung bei der Umsetzung einer langfristigen Ehrenamtsstrategie. Ein aktuelles Beispiel ist die sogenannte Mikroförderung. Dadurch werden kleine finanzielle Zuschüsse für Vereine und Initiativen zur Verfügung gestellt. Bis zu 2.500 Euro können Organisationen für konkrete Projekte beantragen – etwa für neue Instrumente im Musikverein, für eine Obstwiese im Kleingartenverein oder für notwendige Renovierungen im Vereinsheim. „Das sind keine riesigen Summen, aber genau diese kleinen Beträge machen oft den Unterschied“, merkt Fricke an.
Und der Bedarf ist riesig: „Innerhalb weniger Tage waren Förderanträge für die gesamte bereitgestellte Summe des Landes eingegangen“, berichtet Fricke. Sie ist begeistert, wie passioniert die vielen Ehrenamtlichen bei der Sache sind. „Wer sich engagiert, gibt das Wichtigste, was er hat: seine Lebenszeit. Und Menschen, die sich engagieren, strahlen. Das ist wunderbar!“
Laura Druselmann
Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen und Koordinierungsstellen für das Ehrenamt in Niedersachsen e.V. (LAGFA)
Werkhof Hannover Nordstadt
Schaufelder Str. 11, 30167 Hannover
Tel.: 0511 96922949
E-Mail: post@LAGFA-Niedersachsen.de
www.lagfa-niedersachsen.de
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Jetzt war ja wieder dieses Ostern. Immer wenn Ostern ist, krieg ich was auf den Deckel, weil ich gerne Jesus-Witze mache. Jesus-Witze sind eben ein saisonales Hobby von mir und ich werde mich dafür nicht entschuldigen, denn ich halte jede Art von Monotheismus für einen Scherz. Ich kann das nicht ernst nehmen, erst recht nicht, wenn darum so ein Riesenbohai gemacht wird.
„Hi, ich bin’s Gott. Ich hätte Lust, ein Kind zu zeugen. Das soll aber kein schönes Leben haben, sondern ein möglichst entbehrungsreiches. Vollkommen fein für mich, wenn es auf grausame Weise stirbt. Jung. Und damit sein Leben auch gleich richtig kacke anfängt, habe ich das perfekte Elternpaar ausgesucht: Zwei Obdachlose. Vertraut mir, das wird spitze!“ Als ob.
Wer glaubt denn an solch einen Kokolores? Und warum?
Und was daran ist es wert, nachgeeifert zu werden?
Kirche: „Sei wie Jesus!“
Mensch: „Wein trinken, Leute als Heuchler entblößen und mächtige Männer in Bedrängnis bringen?“
Kirche: „Nein, so nun auch wieder nicht. Mehr so anderen Leuten die Füße waschen – mit deinen Tränen! Wenn du nur ordentlich leidest, fließen die ganz von selbst.“
Ein Mensch kann sich gar nicht wie Jesus verhalten. Ich zum Beispiel weiß genau, wer meine Eltern sind. Das sieht man nämlich. Als ich meine Mutter fragte, wo die Babys herkommen, gefiel ihr das Thema nicht, aber sie konnte ohne zu stottern antworten. Jetzt stell ich mir vor, Jesus stellt seiner Mutter die gleiche Frage, Joseph kommt um die Ecke und sagt: „Ja, Maria, das würde mich in der Tat auch interessieren.“ Unwahrscheinlich.
Dann: Jesus und seine Kumpels. Insgesamt 13 Leute und nur ein Arschloch dabei? Ist doch schon stochastisch gar nicht möglich.
Und erst recht dieser Hokuspokus mit seiner Houdini-Show an Ostern. Na klar. Jesus ist für unsere Sünden gestorben, gleich vorsorglich für alle Sünden der nächsten paar tausende Jahre mit. Immer, wenn ich nachts ein Stückchen Schokolade esse, strecke ich es zuvor in die Luft und sage dankbar: „Damit’s nicht umsonst war, Brudi.“ Das Ding dabei ist aber, dass der ja nicht tot geblieben ist. Wir reden über lumpige drei Tage. „Danke, dass du dein Wochenende für unsere Sünden geopfert hast, Jesus, du alter Weltenretter! Dafür, dass ich nachts Schokolade essen kann, ohne vom Blitz erschlagen zu werden!“ Drei Tage, jetzt echt? Als sich meine beste Freundin von ihrem Ehemann getrennt hat, habe ich mehr Zeit geopfert, um ihre Welt zu retten.
A propos Welt retten: Wenn die Kirche behauptet, Jesus käme eines Tages zurück, dann wär der Moment doch so langsam mal erreicht, dass er sich die Sandalen schnürt und los latscht, oder nicht? Oder denkt Gott sich: „Lass die mal machen. Letztes Mal hat’s ne Woche gedauert, aber jetzt weiß ich ja wie’s geht, da schaffe ich das in 5 Tagen.“? Und wenn dem so ist: Sollte man einer solchen Person wirklich huldigen? In seinem Namen Kriege führen oder zumindest missionieren gehen? Wer an meine Tür klopft, um mit mir über sein Hobby zu reden, muss theoretisch damit rechnen, dass ich auch was über meins erzähle. Das bedeutet, dass bald ein paar Zeugen Jehovas mit Empfehlungen für oxidativ ausgebauten Weißwein und Bastelprojekten im Kopf herumlaufen könnten. Nur, dass ich das nicht tun werde. Das ist nämlich privat. Geht keinen was an. Genau wie Glaube. Man holt ja auch nicht ungebeten seine Geschlechtsteile raus, wedelt damit rum und präsentiert sie aller Welt. Wobei das vielleicht nützlich wäre, zu Aufklärungszwecken. Bevor wieder irgendjemand eine hanebüchene Geschichte erfindet, in der eine andere obdachlose Jungfrau schwanger wird.
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Die Sozialen Medien sind voll davon: Unzählige Asia-Online-Shops wollen uns animieren, unser Geld bei ihnen für Instant-Ramen oder Tiefkühlblätterteig auszugeben. Klar, es gibt Schlimmeres, in das man investieren könnte. Crack zum Beispiel. Den Wahlkampf von Ursula von der Leyen. Immobilien in Samoskworetschje. Da scheinen Ramen alles in allem die gesündere Option, selbst, wenn man die TikTok-Challenges bedenkt, bei denen sich Teenager mithilfe zu scharfer Tütennudeln regelmäßig ins Koma challengen. Keine Politik jetzt, lieber Essen.
Mit Blick auf koreanisches Fastfood, das man in Gläsern mit nicht lesbarem Aufdruck oder in bunter Plastikfolie, niedlich mit brennenden Pandabären bedruckt, kaufen kann, stellt sich die Frage, wie schwer das sein kann, es selbst herzustellen. Antwort: Einfach.
Wir haben uns an drei superduper Foodtrends versucht und finden: Leider geil! Los geht’s mit Mayak Gyeran. Angeblich heißt das in der Übersetzung so etwas wie „Drogeneier“, weil der Geschmack unwiderstehlich und süchtig machend sein soll. Wollen wir doch mal sehen. Für sechs Eier brauchen wir je 120 Milliliter Sojasauce und Wasser, eine Stange Lauchzwiebel, zwei Esslöffel Honig, zwei Teelöffel Zucker, eine milde Chilischote, eine Knoblauchzehe, Sesamsaat und einen Schuss Soju. Das ist ein traditioneller Reiswein aus Korea. Der ist optional und kann auch weggelassen werden, aber das Rezept sieht ihn nun mal vor und wir haben welchen, also werden wir ihn auch benutzen. Während wir die Eier kochen (eigentlich wachsweich, aber wer Bedenken wegen Salmonellen hat, kann sie natürlich auch hart kochen), hacken wir Lauchzwiebel, Knoblauch und Chili so klein wie es geht. Wasser, Sojasauce, Honig und Zucker verrühren wir, bis sich alles gut verbunden hat, fügen dann die restlichen Zutaten hinzu und baden die gekochten und gepellten Eier darin. Mindestens über Nacht.
Für unser zweites Rezept, Tteokbokki, brauchen wir koreanische Reiskuchen. Das sind zylindrische Teigstücke, die an Penne erinnern, nur, dass sie eben nicht hohl sind. Man bekommt sie im Asialaden getrocknet, so dass sie zuhause erst eingeweicht und dann gekocht werden müssen. Tteokbokki sind der heiße Scheiß und laufen Ramen momentan den Rang ab – gemischt mit Gochujang wird daraus eine scharfe Sache. Gochujang ist gewissermaßen der heilige Gral der koreanischen Küche. Die Antwort auf Maggi, Fondor und alles, was Essen sonst noch rund macht. Es ist eine fermentierte Chilipaste mit süß-scharfem Umami-Geschmack. Auf 200g (trockene) Tteok brauchen wir 2 EL Gochujang, 1 TL Gochugaru (oder anderes Chilipulver), 350ml Gemüsebrühe, 1EL Sojasauce, 2TL Zucker, 1TL Sesamöl, Sesamsaat und zwei Lauchzwiebeln. Die Tteok werden mit kochendem Wasser übergossen und für 20 Minuten eingeweicht. Wir verrühren Brühe, Sojasauce, Zucker, Chili und Gochujang miteinander, lassen es aufkochen und fügen die eingeweichten Reiskuchen hinzu. Durch die darin enthaltene Stärke beginnt die Sauce bald einzudicken. Jetzt fügen wir Zwiebel und Sesam hinzu und lassen das Gemisch gute 8 Minuten köcheln. Kurz vor dem Servieren mischen wir noch das Sesamöl unter.
Für unser letztes Gericht brauchen wir 400g Tofu (natur), abgetupft und gleichmäßig geschnitten, eine große Karotte (gerieben), 3EL Bulgogi-Marinade, 100ml Wasser sowie die unvermeidliche Sesamsaat und Frühlingszwiebel. Den Tofu braten wir mit etwas Öl in der Pfanne an, bis er ein bisschen braun und knusprig ist. Dafür lassen wir uns Zeit – die Regelmäßigkeit macht’s. Ist das geschehen, verrühren wir die Bulgogi-Marinade (im Grunde eine Art Barbecue-Sauce) mit Wasser und erhitzen sie, werfen den Tofu, die Karotte und die gehackte Zwiebel rein und lassen das Ganze bei mittlerer Hitze schmoren, bis die Flüssigkeit aufgesaugt ist. Vor dem Servieren kommt, na klar, Sesam drüber.
Alles kein Hexenwerk und alles schnell gemacht. Finden wir gut und kaufen keine Instant-Tütchen mehr.
Mitten in der List, gleich oben in der Jakobistraße am Lister Platz, gibt es seit kurzem ein neues Schmuckstück. Das muss man so sagen. Denn das Mosaik Café, Patisserie und Restaurant ist wirklich eines: Allein der Schriftzug erinnert, namensgebend, an Glasmosaik, was sich drinnen fortsetzt: Schwarz gestrichene Wände mit handwerklich herausragenden Wandmalereien, bunte Mosaiklampen (na, was sonst!), Sitznischen zum Hineinkrabbeln und eine enorme Menge an Zierkissen. Meisterwerke konditorischer Handwerkskunst stehen hinter Glas in Vitrinen, schwarz gekleidete Servicekräfte im Hijab wuseln busy umher und schenken uns ein strahlendes Lächeln, als wir zu unserem Tisch geführt werden. Das afghanische Mosaik Café bietet neben spannenden Tellerfrühstücken und sensationellen Gebäckkreationen auch afghanische Küche an, naturgemäß allerdings keine alkoholischen Getränke. Dafür gibt es eine enorme Tee-Auswahl. Aus Gründen der diesbezüglichen Überforderung entscheiden wir uns für Wasser (eine Karaffe mit Orange und Zitrone, die war kostenlos) und einen einfachen Schwarztee.
Und es ist kein Witz: Das ist so ungefähr der leckerste Schwarztee des Jahrhunderts! Gereicht wird er mit einem Kandisstab, in den ein Safranfaden eingegossen ist. Ob es nun am Safran liegt oder die Teemischung eine besondere ist – keine Ahnung, aber es schmeckt herrlich. Unsere Servicekraft rät uns von unserer Vorspeisenauswahl ab und erklärt, wer ein Hauptgericht bestellt, bekommt ohnehin einen Begrüßungsteller, auf dem sich das befindet, was wir auch bestellt hätten. Und schon wenig später bringt sie uns ein frisch gebackenes, noch ganz aufgeblähtes Fladenbrot und drei Schälchen mit Dips: Eine leckere Mayonnaise-Joghurtcreme mit Knoblauch, eine Art Salad-e Shirazi (sehr fein gewürfelte Gurken, Tomaten, rote Zwiebel, Minze) und einen scharfen Dip aus Paprika- und Tomatenmark, Chilipaste und Granatapfel. Alles ist super abgeschmeckt und macht direkt glücklich und Lust auf mehr. Es dauert gar nicht lange, schon werden unsere Hauptgerichte gebracht: Qaboli mit Mahiche (22,90 Euro) und Kose Kebab mit Hähnchen (15,90).
Beim Qaboli handelt es sich um ein afghanisches Festtagsgericht: Aromatischer Basmatireis und brauner Reis gemischt, mit süßen Karottenstreifen, Rosinen und Mandeln, gewürzt mit Kardamom und Garam Masala. Dazu gibt es eine langsam geschmorte Lammkeule, für die man weder ein Messer noch Zähne braucht: Äußerst zart fällt das Fleisch schon vom Knochen, wenn man es nur zu ruppig anschaut, orientalisch gewürzt mit Zimt, Nelke und gemahlenem Koriander. Ein Volltreffer! Allerdings eine gigantische Portion, die alleine schwer bezwingbar ist, selbst, wenn man sich nicht vorfreudig auf den Begrüßungsteller gestürzt hat. Das Kose Kebab steht dem in nichts nach, im Gegenteil, allein der Serviervorgang ist schon ein aufregendes Spektakel: Das Hähnchenfleisch ist in mundgerechte Stücke geschnitten, um Zwiebeln und Paprika ergänzt, mit Curry gewürzt und in einer Tonschale gegart worden. Oben über diese Schale hat man ein Hütchen aus Brotteig gestülpt und der ganze Wahnsinn wird brennend serviert. Die Servicekraft zerfetzt das Brothütchen, damit wir uns den Schnabel nicht verbrennen und bringt noch mehr Brot zum Auflöffeln des Kebabs. Das ist extrem lecker und wir ärgern uns über unsere stark eingeschränkte Magenkapazität.
Aufgrund des hohen Aufkommens an Laufkundschaft sei ausdrücklich zum Reservieren geraten, wir haben diverse Gäste enttäuscht abziehen sehen, weil das Café ausgebucht war.
Hier waren auch wir definitiv nicht zum letzten Mal!
Keine Rabattschlachten, kein Verkaufsdruck – dafür ein Produkt, das selbst nach Jahren garantiert noch überzeugt. Heiko Huegel bietet in seiner schlafzimmerei nicht nur bedürfnisorientierte und ehrliche Beratung, sondern auch eine Matratze, „die sich an den Menschen anpassen kann“.
Wer die schlafzimmerei in Hannover betritt, merkt schnell, dass hier vieles anders läuft als in klassischen Bettenhäusern. Man sucht vergeblich die endlosen Reihen an Betten und aggressiven Rabattaktionen. Stattdessen gibt es acht Liegeplätze, viel Ruhe und ein Team, das sich Zeit nimmt. „Ein Matratzenkauf ist kein Speeddating“, sagt Heiko und lacht.
Genau aus dieser Haltung heraus ist die everybody Matratze entstanden. An dem System hat der Inhaber jahrelang gearbeitet und unter anderem Daten einbezogen, die er als Schlafcoach beim VfL Wolfsburg über Jahre gesammelt hat. Seine Idee war eine Matratze, die sich an Körper und Schlafposition anpassen lässt und regelmäßig verändert werden kann, statt komplett ersetzt werden zu müssen. Damit wirkt Heiko einem Problem entgegen, das er aus eigener Erfahrung kennt: „Die Leute liegen Probe, alles fühlt sich super an und zu Hause nach einer Woche merken sie: Das geht gar nicht.“
Die Lösung ist ein modularer Aufbau. Die everybody Matratze besteht aus einem Stahlfederkern und einem Naturlatex-Topper, der in unterschiedlichen Härtegraden erhältlich ist. Alles ist austauschbar und nichts verklebt. „Wir haben kein Stück Schaumstoff und kein Stück Klebstoff in der Matratze“, erklärt Heiko – ungewöhnlich in einer Branche, in der viele Produkte ausschließlich aus verklebten Kunststoffschichten bestehen.
Die einzelnen Komponenten lassen sich anpassen, drehen und auswechseln. Ist die Oberfläche zu hart, kann der Topper verändert werden und ist der Kern zu weich, wird er getauscht. Dadurch bietet die everybody Matratze nicht nur Komfort, sondern auch Nachhaltigkeit. Laut Heiko landen jedes Jahr enorme Mengen Matratzen auf dem Müll. „Was hier in Hannover an Müllbergen entsteht, ist Wahnsinn“, findet er. Dem will er entgegenwirken. Naturlatex und Stahl lassen sich recyceln und Wegwerfen wird in der schlafzimmerei zur Ausnahme.
Dass die schlafzimmerei so konsequent auf Individualität setzt, hat auch mit Heikos beruflichem Hintergrund zu tun. Als gelernter Heilpraktiker und Schlafcoach „war ich bestimmt schon in 12.000 Schlafzimmern“, lacht er. „Irgendwann versteht man, warum Menschen schlecht schlafen und wie man das ändern kann.“
Heute fließt sein Wissen auch in die Beratung ein. Wer in der schlafzimmerei einen Termin vereinbart, bekommt keine schnelle Verkaufsshow, sondern eine einstündige Analyse. „Wir machen erst mal eine Anamnese“, erklärt Heiko. Es werden zum Beispiel Rückenprobleme, Schlafposition und das eigene Lattenrost besprochen, bevor jemand überhaupt auf einer Matratze liegt.
Und das kommt gut an. Obwohl der Laden von außen eher unscheinbar wirkt, kommen viele Kund*innen von weit her – aus ganz Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Ein Grund dafür ist auch der YouTube-Kanal der schlafzimmerei. Dort erklärt Heiko seit Jahren verständlich, wie Matratzen aufgebaut sind und worauf man achten sollte. „Das ist kein Verkaufskanal“, betont er. „Wir wollen einfach aufklären.“
Und auch an neuen Ideen mangelt es nicht. Aktuell arbeitet der Schlafcoach an einem weiteren Patent. Geplant ist ein spezielles Lattenrostsystem. „Du kannst kein Haus auf Sand bauen. Wenn der Untergrund nicht stimmt, bringt die beste Matratze nichts.“
Wer in die schlafzimmerei kommt, kann sich dank dieser jahrelangen Erfahrung und Expertise darauf verlassen, ernst genommen und ehrlich beraten zu werden. „Jeder hier tut so, als ginge es um sein eigenes Bett.“ Heiko und seinem Team liegt es am Herzen, dass jede*r Kund*in in den Genuss von erholsamem Schlaf kommt – körperlich und geistig.
Herr Weil, ich habe heute keine Lust, über die SPD zu sprechen. Und auch keine Lust, über die Koalition und die aktuelle Debatte um die Spritpreise zu sprechen. Und schon gar keine Lust, über Katharina Reiche zu sprechen. Können Sie das nachvollziehen?
Das geht mir irgendwie auch so. Bin gespannt, was jetzt kommt.
Ich dachte, wir widmen uns mal erfreulicheren Themen. Orbán ist abgewählt. Man konnte es nach den Umfragen erwarten, aber geglaubt habe ich es bis zum Schluss nicht. Sie?
Das ist ja ausnahmsweise wirklich mal ein schönes Thema. Ich habe es natürlich gehofft. Geglaubt habe ich es immer mehr, je dichter es an die eigentlichen Wahlen ging. Noch vor einem Monat hätte ich Zweifel gehabt, ob das faire Wahlen werden. Aber niemand bestreitet das Ergebnis. Auch alle Einflüsse von außen, sei es von den USA oder Russland, scheinen an den Menschen in Ungarn abgeperlt zu sein. Eine richtig, richtig schöne Wahl. Gerne mehr davon.
Mit einer Mehrheit, die Orbán selbst nie hatte …
Dazu muss man wissen, dass Orbán sich ein Wahlsystem geschnitzt hat nach dem Motto: The winner takes it all. Wer 40 Prozent hat, bekommt viele weitere Mandate dazu. Orbán hat damit jahrelang seine Macht gesichert. Jetzt hat Magyar eine Zweidrittelmehrheit. Insofern hat das Wahlsystem von Viktor Orbán einen ordentlichen Beitrag zu seinem Abgang geleistet.
Das ist ein bisschen Ironie des Schicksals.
Ja. Aber mein Mitleid hält sich in Grenzen.
Ich habe gedacht, da kommt noch was. Dass er so klaglos abtritt, hat mich überrascht.
Auch das hätte ich vor ein paar Wochen nicht für möglich gehalten. Aber bis jetzt hält sich Orbán an die Regeln. Viele Beobachter sagen allerdings, auf der Strecke wird es für Magyar noch richtig schwierig werden. Alle entscheidenden Stellen in Verwaltung und Politik sind von Vertrauensleuten der Fidesz besetzt. Das wird ein harter Anfang. Magyar scheint aber seine Lehren aus Polen zu ziehen, wo es die Regierung Tusk mit einem hart rechten Präsidenten zu tun hat. Magyar will offenbar nicht in dieselbe Situation geraten; er hat den Staatspräsidenten bereits zum Rücktritt aufgefordert.
Sind hybride Regime am Ende doch verletzlicher als wir dachten?
Verletzlicher sind sie, aber leicht ist ihre Ablösung nicht. Man braucht einen sehr starken Willen in der Bevölkerung, um unter diesen Bedingungen einen Richtungswechsel herbeizuführen. In Ungarn waren die Medien fast vollständig im Dienste Orbáns. Trotzdem kann es eine klare Mehrheit geben, die sagt: So soll es nicht mehr weitergehen. Allerdings lehrt uns Polen, achtsam zu bleiben. Die polnischen Präsidentschaftswahlen haben gezeigt, dass die Demokratie dort keineswegs schon sicher ist.
Haben Sie Orbán je persönlich erlebt – was ist das für ein Mensch?
Er gehört zu den europäischen Spitzenpolitikern, die ich nie kennengelernt habe. Ich war aber auch nie ernsthaft traurig darüber (lacht). Seine Haltung gegenüber der Ukraine war wirklich zynisch und bösartig. Die größten Freudensprünge am Wahlabend hat sicherlich Selensky in Kiew gemacht. Putin dürfte weniger erfreut gewesen sein. Putin und Trump sind beide unzufrieden mit dem Ergebnis – das spricht Bände.
Das ist jetzt ein Zeitfenster auch für die EU. Magyar hat angekündigt, Ungarns Westbindung wiederherzustellen. Werden wir die lähmende Einstimmigkeit endlich loswerden?
Ich habe den Eindruck, dass es dem ganzen Rest der EU wirklich auf den Geist gegangen ist, wie Orbán ein ums andere Mal gemeinsame Beschlüsse blockiert hat. Die Milliarden für die Ukraine einzufrieren, nachdem er zugesagt hatte – das ist schon eine Nummer. Insofern gibt es eine Chance, dass jetzt eine Zeit der Reformen beginnt.
Magyar gilt nicht als Progressiver. Manche sagen, man habe nur einen Rechtspopulisten gegen einen anderen ausgetauscht. Wie viel Euphorie ist wirklich angebracht?
Er ist ein erklärter Konservativer und hat seinen Wählerinnen und Wählern nichts vorgespiegelt. Andererseits ist er offenbar sehr authentisch – in seiner Haltung zur EU, im Kampf gegen Korruption, die in Ungarn ein riesiges Problem ist, und in seiner Haltung gegenüber Russland. Das sind qualitative Sprünge gegenüber Orbán.
Es ist ja quasi eine Kleptokratie, was Orbán hinterlässt.
Genau. Und das erklärt auch, warum die EU am Ende so ungewöhnlich konsequent gegenüber Ungarn war. Orbán ist über sämtliche roten Ampeln gefahren. Jetzt, nach 16 Jahren, einen Staat zu übernehmen, der durchsetzt ist von seinen Parteigängern – das ist eine echte Herausforderung.
In Deutschland hat sich die AfD bei den letzten Landtagswahlen jeweils mehr als verdoppelt. Was muss jetzt passieren, damit wir in fünf Jahren nicht auch so ein Orbán-Problem in Deutschland haben?
Zunächst: Auch bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz haben etwa 80 Prozent der Bevölkerung ganz bewusst eine andere Partei als die AfD gewählt. Man darf die Auseinandersetzung mit der AfD durchaus mit einem gewissen Selbstbewusstsein führen — wir sind mehr. Die Bedingungen in Ostdeutschland sind allerdings um einiges schwieriger – vor allem bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im September dürfte sie sehr stark abschneiden. Dabei ist das Wahlprogramm der AfD dort haarsträubend. Einige Forderungen darin, zum Beispiel die Schulpflicht abzuschaffen, sind sehr beunruhigend. Ich habe mich in der letzten Zeit öfter mit Ostdeutschen ausgetauscht. Als Wessi bin ich mir sehr bewusst, dass ich dabei eher zuhören als reden sollte. Hinter der großen Zustimmung zur AfD scheint vor allem der Eindruck zu stehen, man sei in Gesamtdeutschland ein ungesehener Teil der Bevölkerung. Manche fühlen sich als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse. Ich kann das nicht bestätigen, aber man muss dieses Gefühl ernst nehmen. Was mich zusätzlich sorgt: Die demokratischen Parteien finden vor Ort kaum noch statt. Ich habe im letzten Jahr in Sachsen und Thüringen bei den Landtagswahlen mitgeholfen. In Sachsen wurde ein SPD-Kandidat zusammengeschlagen. In Thüringen warteten Leute abends vor Wahlkampfbüros und riefen Mitarbeitern zu: „Du, sei vorsichtig. Wir wissen, wo du wohnst.“ Ich ziehe tief meinen Hut vor denjenigen, die dort trotzdem weiter Politik machen. Um das zu ändern, brauchen wir eine zuverlässige und auch erfolgreiche Politik auf der Bundesebene.
Womit wir dann doch bei Katharina Reiche wären.
Über die wir nicht sprechen wollten, wenn ich mich recht erinnere.
Das fällt mir aber schwer, wenn ich mir Reiches Pläne zur Energiepolitik ansehe – ich finde das irre.
Ich finde sie völlig falsch. Es kann sein, dass wir für eine Übergangszeit noch Gas brauchen. Aber vor allem brauchen wir einen schnellen Ausbau der Erneuerbaren und der Netze. Es gibt das bekannte Dreieck der Energiepolitik: bezahlbar, sicher, sauber. Sauber: Die einen mit CO2, die anderen ohne. Sicher: Wir sehen gerade am Beispiel des Irankrieges, dass bei Gas und Öl überhaupt nichts sicher ist. Der Gaspreis hängt am Ölpreis, das dicke Ende kommt für viele Bürger noch. Und zur Bezahlbarkeit: Erneuerbare sind schlicht die günstigsten Energieerzeugungsformen. Natürlich muss man eine Antwort haben auf mögliche Dunkelflauten bei den Erneuerbaren. Aber man muss auch mit sauberen Argumenten bei den fossilen Alternativen arbeiten. Wann steht uns ein Gaskraftwerk zur Verfügung? Und welche Speicherkapazitäten haben wir bis dahin? Die Batterietechnik entwickelt sich rasant – vielleicht sieht die Rechnung in zwei, drei Jahren ganz anders aus. Was meine Erwartung an die SPD wäre: klar machen, was die Pläne der Frau Reiche kosten und wie unsicher das alles ist. Wenn ich mich nicht sehr täusche, käme bei einer rationalen Betrachtung ein ganz anderes Ergebnis heraus als das, was Frau Reiche sich wünscht.
Aus meiner Sicht kann Lobby-Politik eigentlich nicht offensichtlicher sein.
Klar geht es auch um wirtschaftliche Interessen großer Konzerne und das ist kein Geheimnis. Das Problem ist nur: Die meisten Leute schalten bei Energiepolitik inzwischen ab. Wir haben seit 2009 ein permanentes Hin und Her – dagegen ist die Echternacher Springprozession eine geordnete Formation. Dabei verstehen viele sehr wohl: Es muss genau jetzt etwas passieren. Und es gibt eine klare Alternative zu Öl und Gas.
Abgelegt unter Ein letztes WortKommentare deaktiviert für Ein letztes Wort im Mai