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Gründungsstory Dezember 2025: HERZ-BLATT

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Gründungsstory Dezember 2025: HERZ-BLATT


Die farbstarken Statement-Ohrringe von HERZ-BLATT fallen auf – und zwar nicht nur durch ihre Farben. Sie waren bereits im Fernsehen zu sehen, schmücken die Museumsshops im Sprengel Museum Hannover und ziehen auf Designmärkten in ganz Norddeutschland die Blicke auf sich. Hinter dem Label steht Melina Leibelt, eine erfahrene Grafikdesignerin, die seit über 20 Jahren in der Kreativbranche tätig ist.

„Ich arbeite mit geometrischen Formen in Kombination mit extravaganten Acrylfarben“, sagt sie. „Die Formen erinnern an das elegante Art-Déco der 1920er-Jahre, während meine Farben eher an die 80er und 90er angelehnt sind. Retro trifft Eleganz und Glanz – zumal ich auch mit Spiegelmaterialien arbeite.“

Erste Erfahrungen mit professionellen Industrielasern sammelte Melina bereits 2016 – zunächst für Beschilderungen und grafische Projekte. Im Sommer 2023 gründete sie schließlich ihr HERZ-BLATT DESIGN Studio. Der Start verlief klassisch über einen Etsy-Shop für hochwertige Event-Ausstattung. In einem kleinen Studio in Langenhagen, das Werkstatt, Grafikbüro und Showroom zugleich war, entstanden die ersten Produkte.

Doch der Online-Markt wandelte sich rasant. Die Plattform wurde zunehmend von Billiganbietern dominiert – ein Problem, das viele Kreative kennen. „Billige Kopien aus China haben mein ursprüngliches Geschäftsmodell zerstört“, erinnert sich Melina. „Das war ein harter Schlag, der mir zunächst den Boden unter den Füßen weggezogen hat.“ Anstatt aufzugeben, entschied sie sich für einen Neustart. Sie gab die Räume auf, blieb aber selbstständig – und entdeckte das Material Acryl neu: diesmal nicht für Dekoartikel, sondern für Schmuck.

„Ich begann, erste Stücke für mich selbst zu entwerfen – und plötzlich fragten Freundinnen und Kolleginnen, woher ich die Ohrringe habe. So entstand meine erste kleine Kollektion“, erzählt sie.

Heute bietet HERZ-BLATT handgefertigten Statement-Schmuck aus Acryl – in kleinen Serien oder als Unikate. Produziert wird mit einem eigenen Industrielaser in Hannover: farbenfroh, präzise und mit klarer Formsprache.

Besonders beliebt ist die neue „Words“-Kollektion. „‚NÖ‘ kommt übrigens in Hamburg besonders gut an“, lacht Melina. „Aber man kann sich auch ‚LOVE‘, ‚KISS‘ oder ‚FUCK‘ ans Ohr hängen – der Neon-Schmuck leuchtet sogar unter Schwarzlicht.“ Ihre Materialien bezieht sie überwiegend von deutschen Lieferanten, vieles ist bereits recycelt. „Made in Hannover“ ist für sie kein Werbespruch, sondern Überzeugung.

„Ob Leo oder Neon, filigrane Herzen oder auffällige Ohrhänger – jedes Stück entsteht mit Liebe, egal ob in Serie oder als Unikat“, sagt sie. „Und 2026 biete ich wieder Workshops an, bei denen Teilnehmende ihren ganz persönlichen Schmuck selbst gestalten können.“

Ihre Kundschaft ist so bunt wie ihre Designs. „Überwiegend sind es Frauen ab 30, die mit meinem Schmuck eigene Statements setzen möchten“, erklärt sie. Auch Drag-Queens und Style-Coaches gehören zu ihrem Netzwerk.

Mittlerweile sind HERZ-BLATT-Kollektionen in ausgewählten Concept Stores vertreten – unter anderem in Hamburg, Hildesheim und im Sprengel Museum Hannover. Dort passen ihre „Gute-Laune-Farben“ perfekt zur aktuellen Ausstellung. Und selbst Stylist*innen großer Fernsehproduktionen haben ihre Entwürfe entdeckt: „Meine Ohrringe wurden bereits bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten getragen“, erzählt sie stolz.

Seit 2024 arbeitet Melina wieder 30 Stunden pro Woche als Grafikdesignerin – HERZ-BLATT ist ihr Herzensprojekt, das sie parallel mit neuer Energie weiterentwickelt. „Ich bin ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, dranzubleiben – auch wenn der Weg nicht immer gradlinig verläuft“, sagt sie. Ihr wichtigster Tipp für Gründer*innen: „Man sollte sich bewusst sein, was eine Gründung wirklich bedeutet. Es geht nicht nur um Raummiete und Personalkosten – auch Bürokratie spielt eine große Rolle. Und man braucht gute Dienstleister, die einem Aufgaben abnehmen, die man selbst nicht so gut kann oder mag.“

Auf ihrem Weg wurde Melina Leibelt von hannoverimpuls begleitet. Sie nutzte den Mikrostarter-Kredit, um ihre Werkstatt auszustatten. „Bei all dem Papierkram hat mir hannoverimpuls großartig geholfen – vor allem bei den Finanzthemen. Die Beraterinnen erklären alles so lange, bis man es wirklich verstanden hat.“ Auch bei der Erstellung des Businessplans erhielt sie Unterstützung: „Der muss schließlich wasserdicht sein – besonders, wenn man einen Kredit beantragt.“

Ute Rebel, Projektleiterin Gründerinnen-Consult bei hannoverimpuls, sagt über sie:

„Melina Leibelt hat sich nicht entmutigen lassen und an ihre Idee geglaubt. Ihre Produkte zeigen, dass es sich lohnt, weiterzumachen und neue Wege zu gehen. Wir werden sie dabei weiterhin bestmöglich unterstützen.“

HERZ-BLATT ist mehr als Schmuck – es ist ein Symbol für kreative Beharrlichkeit. Melina Leibelt hat bewiesen, dass Wandel auch im Kleinen funktionieren kann: mit Leidenschaft, klarem Design und einem guten Netzwerk. Oder, wie sie selbst sagt: „Glaubt an eure Idee – und überlegt, wie ihr euch noch besser vom internationalen Wettbewerb abheben könnt.“

Kontakt:

HERZ-BLATT DESIGN Studio

Melina Leibelt

0157 86851270
info@herz-blatt.com

herz-blatt.com

instagram.com/herz_blatt_studio/

facebook.com/HERZ.BLATT.STUDIO

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Literarisches: Tanja Tschöke

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Literarisches: Tanja Tschöke


„Der hannoversche Weg“

Ein Porträt über Tanja Tschöke und ihr Buch über Hausbesetzungen, Aktivismus und Stadtentwicklung

50 Jahre Hausbesetzungen, Aktivismus und soziale Wohnraumgestaltung. Durch Zufall ist die Autorin Tanja Tschöke im Stadtarchiv auf einen alten Aktenordner gestoßen. Darin waren Zeitungsartikel über Hausbesetzungen in Hannover gesammelt. „Ich interessiere mich schon lange für Stadtgeschichte und Beteiligungsstrukturen. Und fand die Geschichten in dem Ordner einfach spannend.“ So kam es, dass Tschöke acht Jahre lang recherchiert, Interviews geführt und geschrieben hat. In ihrem Buch „Das Haus gehört allen UNS ALLEN! Geschichte der Hausbesetzungen und selbstverwalteter Gemeinschaftsprojekte in Hannover“ dokumentiert sie 50 Hausbesetzungsaktionen, Beteiligungsverfahren und Umnutzungsinitiativen, die Hannover seit den 1970er-Jahren geprägt haben. Ihre Sammlung ist eine Mischung aus autobiografischen Erzählungen, Historie und Sachbuch: Erfahrungen werden mit Berichten und Interviews von Zeitzeug*innen verknüpft.

Das Buch zeigt, wie aus Besetzungen und Konflikten dauerhafte Strukturen entstanden: das Unabhängige Jugendzentrum (UJZ) Kornstraße, die Glocksee, das Sprengelgelände, selbstverwaltete Wohnprojekte in der Nordstadt. Viele dieser Orte gibt es seit mehr als 50 Jahren – ein ungewöhnliches Phänomen im Vergleich zu Städten wie Berlin oder Frankfurt, wo Gentrifizierung vieles verdrängt hat. Tschöke macht nachvollziehbar, warum es in Hannover anders lief. Einer der Gründe: Horst Leukefeld. Er ist in ihrem Buch beinahe der Hauptprotagonist. Leukefeld war im Stadtplanungsamt für Bürger*innenbeteiligung verantwortlich und „wurde immer dann eingesetzt, wenn Konflikte drohten zu eskalieren.“ Seine Entscheidungen, Umwege und Kompromisse zeigen exemplarisch, wie Verwaltung und Aktivismus in Hannover ineinandergriffen und weshalb viele (Frei-)Räume überhaupt entstanden – und erhalten werden konnten.

„Hier kamen politischer Wille und engagierte Verwaltungsleute zusammen“, sagt sie. Ein anderer Grund ist der sogenannte „hannoversche Weg“ zur Legalisierung von Bauwagenplätzen. „Er entstand etwa, weil Leukefeld ein Gesetz fand, welches es ermöglichte, eine Baugenehmigung zu erteilen, und die Stadt war bereit, das Gesetz umzusetzen.“

Aber auch Tanja Tschöke selbst taucht in ihrem Buch auf, denn sie ist nicht nur an Beteiligungsstrukturen interessiert, sondern hat auch selbst in einem Wohnprojekt gelebt. „Mit 19 bin ich in meinen eigenen Bauwagen gezogen und habe mit einer Gruppe und Herrn Leukefeld an dem Vertrag für den ersten legalisierten Bauwagenplatz Deutschlands gearbeitet – hier in Hannover. Ich hatte quasi mein eigenes Haus. Und wer hatte das mit 19 schon?“ Um ‚Luxus‘ ging es Tschöke dabei aber nicht. Sie ist Verfechterin der sozialen Stadtplanung und dankbar für die Strukturen, die seit den 1970er-Jahren erhalten werden konnten.

Neben bekannten Projekten, wie UJZ Kornstraße, Glocksee und Sprengelgelände, erzählt Tschöke auch weniger bekannte Geschichten: von jungen Frauen aus dem Birkenhof, einem ehemaligen Kinderheim, die dort sehr schlecht behandelt wurden und aus der Not heraus ein Haus besetzen; von Menschen ohne Obdach, die sich in der Elisenstraße aus dem gleichen Grund eigenen Wohnraum schufen; oder die beinahe vergessenen Bewohner*innen des Altwarmbüchener Moors.

Tanja Tschöke ist der Ansicht, dass „Hausbesetzungen heute eine politische Aktionsform sind, die selten ein Startpunkt neuer Projekte sind, aber nach wie vor ein wirksames Mittel, um auf Leerstand, Abrisse oder fehlende Projekt- und Freiräume hinzuweisen.“ Dass Hannover viele alternative Orte erhalten konnte, sieht sie als Gewinn für die Stadt: „Sie bieten bezahlbaren Wohnraum, Kultur, Gemeinschaft – und sie sind oft innovativer als städtische Einrichtungen.“

„Das Haus gehört UNS ALLEN!“ kann also auch als ein Plädoyer dafür verstanden werden, diese Strukturen nicht für selbstverständlich zu halten. Jüngste Finanzkürzungen und rechte Angriffe hätten gezeigt, wie fragil sie sind. „Ich wollte sichtbar machen, wie viel Arbeit dahintersteckt, wie viel entstehen kann, wenn sich Einwohner*innen engagieren, und wie wichtig diese Orte für Hannover sind.“

Pia Frenk

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Der Freundeskreis im Gespräch mit Nina Weger und Dirk von der Osten

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Der Freundeskreis im Gespräch mit Nina Weger und Dirk von der Osten


Für diese Ausgabe haben wir uns mit der Kinderbuchautorin und Zirkusleiterin Nina Weger und mit Dirk von der Osten, dem Vorstandsvorsitzenden der AWO Region Hannover, getroffen. Im gemeinsamen Gespräch geben sie Einblicke in ihre Arbeit mit Kindern und Familien, sprechen über gesellschaftliches Engagement, Chancengleichheit und die Bedeutung von Bildung. Beide eint die Überzeugung, dass eine starke, solidarische Stadtgesellschaft bei den Jüngsten beginnt – und dass es Mut, klare Haltung und verlässliche Strukturen braucht, um ihnen gute Zukunftschancen zu ermöglichen.

Wir starten immer mit einer kleinen Vorstellungsrunde.

Nina Weger (NW): Ich schreibe Kinderbücher und leite seit über 20 Jahren den Kinderzirkus Giovanni, der dieses Jahr sein 41. Jubiläum hat. Außerdem habe ich 2018 das Kinderliteraturfestival Salto Wortale gemeinsam mit Julia Kronberg ins Leben gerufen, wo wir uns für die Leseförderung in Hannover stark machen.

Dirk von der Osten (DO): Seit 2022 bin ich Vorstandsvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Region Hannover. Wir haben die unterschiedlichsten Dienstleistungen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich in der gesamten Region, aber mit deutlichem Schwerpunkt in der Landeshauptstadt Hannover.

Was hat Sie zum Freundeskreis gebracht?

NW: Die Mitgliedschaft habe ich sozusagen geerbt, da der Kinderzirkus schon vorher im Freundeskreis war. Ich bin überzeugte Hannoveranerin und lebe gerne hier. Ich finde, die Stadt ist sehr lebenswert, weil sie eine gut überschaubare Größe mit durchaus noch dörflichen Strukturen, aber zugleich allem, was eine Großstadt braucht, bietet. Vernetzung, zum Beispiel durch den Freundeskreis, funktioniert hier unkompliziert und schnell, was ich sehr schätze, wenn man Projekte ins Leben rufen möchte.

DO: Die AWO Hannover ist relativ neu im Freundeskreis, erst seit diesem Sommer. Als einer der größten Wohlfahrtsverbände, der für soziale Einrichtungen in der Stadtgesellschaft steht, passt er gut in die Förderung kultureller, sozialer und gesellschaftlicher Projekte, die der Freundeskreis unterstützt. Ich bin hier geboren und setze mich als ebenfalls überzeugter Hannoveraner gerne für die Entwicklung der Stadt ein.

NW: Wir haben übrigens noch eine Verbindung. ich habe im Kontext der Leseförderung in einigen Kindertagesstätten der AWO gelesen.

Frau Weger, was treibt Sie an, sich für Kinder stark zu machen?

NW: Kinder sind die Gestalter von morgen. Ich glaube, da kann man noch viele Weichen stellen. Es ist mir wichtig, dass sich Menschen aus ihrer Bubble heraus bewegen, denn nur durch eine wirkliche gute Mischung sind wir dazu in der Lage, über den Tellerrand hinausgucken und ein lebenswertes Miteinander zu gestalten. Im Kinderzirkus lautet die Idee: Jeder kann mitmachen, man muss nichts bezahlen, sondern sich mit seinem Engagement einbringen. Das schafft gerechte Startbedingungen für alle Kinder, was wir in unserer Gesellschaft nicht genügend haben. Auch beim Literaturfestival treibt mich die Sorge an: wir können beobachten, dass die Lesefähigkeit zurückgeht. Und ich glaube, Lesen ist die Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe und somit auch zum Erhalt der Demokratie.

Herr von der Osten, Was bedeutet für Sie gesellschaftliches Engagement?

DO: Wir sind als einer der größten KiTa-Träger in der Stadt und mit über vierzig, in der Region vierundfünfzig Einrichtungen mittlerweile sehr schwer engagiert. Diese Themen – Sprache, Sprachentwicklung, Sprachfähigkeit – sind von zentraler Bedeutung. Deswegen freut es mich zu hören, dass Frau Weger bei uns schon vorgelesen hat. Die AWO ist über 100 Jahre alt und aus der Arbeiterbewegung heraus entstanden. Es geht uns immer noch um die Frage, wo Umverteilungsdebatten entstehen – sei es Geld, aber auch Wissen und Möglichkeit zur Partizipation. Zu schauen, wie wir intern die gleichen Chancen hinbekommen und Ressourcen, Wissen und Möglichkeiten fair verteilt werden können. Dieses Verständnis von Solidarität treibt mich sowohl beruflich als auch privat an.

Frau Weger, Sie sagen, der Grund, warum Menschen ihren Platz nicht finden oder verzweifelt sind, liegt häufig an dem „Drumherum“. Was meinen Sie konkret?

NW: Das ist ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem, das wir haben. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Von Chancengleichheit haben wir uns immer weiter entfernt. Wir müssten gigantisch viel Geld in Kindergärten und Schulen pumpen, denn wir sind ein rohstoffarmes Land. Unser Rohstoff sind die Menschen. Dass viel Geld da ist, sehen wir dadurch, wie viel für Rüstung freigemacht werden kann. Das erschüttert mich. Wir müssten uns weniger mit Analysen, mehr mit Lösungen beschäftigen und lauter werden – da ist wahnsinnig viel zu tun.

DO: Ich betrachte Kindertagesstätten als Bildungs-, nicht nur Betreuungseinrichtungen. Aktuell sind die Räumlichkeiten oft noch so, wie vor 70 Jahren, ohne Rückzugs- oder Ruheräume. So wie alte Schulen konstruiert sind, wird heutzutage nicht mehr Pädagogik betrieben. Auch was das Thema Nachhaltigkeit angeht: die Klimaneutralität werden wir nicht erreichen, wenn kein Geld da ist, um zum Beispiel die Kindertagesstätten klimafreundlich auszustatten.

Was ist in Zeiten, in denen die Gesellschaft droht, auseinanderzudriften, der Kitt, der uns zusammenhält? Wo bröckelt es?

DO: Das Bröckeln ist der Versuch unterschiedlicher Interessen eine Spaltung oder eine Zuspitzung in der Gesellschaft zu schaffen. Ich hatte vorhin mal diese Umverteilungsdebatte kurz angesprochen. Ich frage mich, wo Prioritäten bei Investitionen gesetzt werden. Die skandinavischen Länder haben begriffen, dass ihr Rohstoff das Wissen, die Kinder und Jugendlichen sind. Der Kitt sind unseren sozialen Systeme, allerdings macht es der Fachkräftemangel unheimlich schwer, diese nachhaltig zu stärken.

NW: Die Wissenschaft zeigt, dass sich der Vokabelumfang, den man im ersten Lebensjahr erreicht hat, dann nur noch potenzieren kann. Wenn da nichts ist, kann sich nichts potenzieren. Es ist völlig absurd, in achten und neunten Klassen irgendwelche Projekte aufzuziehen, denn an diesem Punkt ist der Drops gelutscht. Wir müssen gut ausgebildete und qualifizierte Leute haben, die sich um die Kinder kümmern. Dann beobachte ich da noch eine Veränderung innerhalb der Gesellschaft hin zu mehr Ichzentrierung. Das merke ich zum Beispiel im Kinderzirkus: viele Eltern melden sich und wollen mitmachen, aber wenn es darum geht, sich verbindlich einzubringen, reduziert sich das Engagement drastisch.

DO: Die wollen nur die Kinder abgeben (lacht).

NW: Das fängt ja schon bei der bedürfnisorientierten Erziehung an. Unser Kitt ist die Gesellschaft, die nicht funktioniert, wenn jeder nur nach seinen eignen Bedürfnissen handelt. Die Kinder müssen doch auch lernen, mit Niederlagen und Dingen umzugehen, die ihnen vielleicht nicht gefallen. Wie sollen sie resilient werden, wenn wir sie das nicht im Kleinen üben lassen? Ich glaube, das alles hat mit der grundsätzlichen Erwartungshaltung an das Leben zu tun, einem Anspruch auf Glück – möglichst sofort.

Spielen die sozialen Medien hier eine Rolle?

NW: Wir sehen Influencer und KI-Models, die immer super aussehen. Diese Filter und der pure Perfektionismus gaukeln den Kindern etwas vor, dem kein normaler Mensch standhalten kann. Das führt zu Frustration. Es geht darum, unseren Kindern ein Verständnis dafür zu vermitteln, wie sie echte von künstlich erzeugten Inhalten unterscheiden können.

Paul, eine Figur in Ihren Büchern, erklärt die lange Existenz der Krokodile durch ihre Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen. Wie kann man die Resilienz von Kindern stärken?

DO: Wir haben vor fünfzehn Jahren mit dem Institut für Sozialwirtschaft und Sozialpädagogik eine Studie in Kindertagesstätten gemacht. Dabei kam heraus, dass die Kinder, die in der frühen Kindheit eine starke Bindung zu einer oder mehreren verlässlichen Personen hatten, später besser mit Krisen umgehen konnten. In unseren Einrichtungen versuchen wir Beziehung herzustellen und die Eltern zu empowern, beispielsweise in Fragen der Medienkompetenz. Kleinkinder merken, wenn wir mit unserer Aufmerksamkeit bei unseren Handys und nicht bei ihnen sind. In der Folge verlieren sie das Vertrauen in uns. Und das begleitet die Heranwachsenden auch später im Leben noch.

NW: Wenn ich an Schulen lese, erlebe ich es oft, dass die Lehrer hinten an ihrem Handy sitzen. Das Entscheidende, was Kinder brauchen, um sie stark zu machen, sind Klarheit und Verlässlichkeit. Meine Erfahrung zeigt mir, dass Kinder mit klaren Regeln super umgehen können. Ein großes Missverständnis ist häufig, dass alles Spaß machen muss und Erziehung Entertainment sein soll. Lesen lernen ist mühselig und hat was mit Üben und Anstrengung zu tun. Was ist also die Lösung? Geld in die Bildung aber auch in die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern, von Lehrerinnen und Lehrern.

Was sind Momente in Ihrem Alltag, die Ihnen Hoffnung geben?

NW: Von den gibt es natürlich auch viele, zum Beispiel wenn ich lese und ein Kind danach sagt „Mir hat noch nie jemand vorgelesen. Aber jetzt lese ich gerne.“ Oder als es ein kleiner Junge, den mir die Lehrer der Oberschule als Analphabeten vorstellten, schaffte, in einer Woche eine 3/4 Seite zu lesen. Das war wirklich harte Arbeit. In der anschließenden Feedbackrunde sagt dieser kleine Junge: „Ich weiß jetzt, warum ich lesen und schreiben lernen muss.“ Ich finde, es gibt ganz viele hoffnungsvolle Momente, in denen Menschen Engagement zeigen, wo wir wahnsinnig viel erreichen können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wenn ich nicht daran glauben würde, dass wir etwas ändern können, würde ich nicht seit zwanzig Jahren den Kinderzirkus oder das Literaturfest machen.

DO: Eigentlich bin ich ein optimistischer Mensch. Auf kommunaler Ebene bekommt man immer mal wieder ein schönes Projekt durch und das gibt mir Hoffnung. Pessimistisch bin ich auf Bundesebene, weil dort keine Schwerpunksetzung auf die Themen Kinder, Jugendliche und Bildung erkennbar ist. Man sollte nicht zuerst denken, wir müssen die Pflege einkürzen oder das Bürgergeld abschaffen.

NW: Ich könnte gar nicht in einer Institution arbeiten, ich würde verrückt werden. Dass ich für mich bin und meine Projekte mache, ist ein großer Luxus. Das heißt aber auch, dass sich der Kinderzirkus mit den Eintrittsgeldern selbst trägt. Dadurch haben wir natürlich enorme Freiheiten, schnell zu reagieren und Neues auszuprobieren. Es wäre schön, Möglichkeiten dieser Freiheit auch auf institutioneller Ebene zu haben, um mehr Mut gegenüber Neuem zu generieren.

DO: Und dazu gehört auch, dass man den Institutionen ein Vertrauen gibt. Wir sind in einer Misstrauensgesellschaft angekommen. Von Jahr zu Jahr werden die Anforderungen an Verwendungsnachweise aufwendiger und mühseliger.

NW: Das kann ich bestätigen. Salto Wortale wird mit Fördergeldern finanziert, die wir uns mühselig zusammensuchen müssen. Die Geldbeschaffung, die Anträge und die Abrechnung sind ein solcher Aufwand, der mehr Zeit in Anspruch nimmt als der kreative Moment, sodass das Festival nur noch alle zwei Jahre stattfindet. Schwund und Betrug wird es immer geben. Ich glaube, auch hier fokussieren wir uns zu sehr auf das Negative als auf das Positive und das, was wir verbessern können.

Was wünscht ihr euch für den Freundeskreis und Hannover?

DO: Ich wünsche mir, dass der kulturelle, soziale und gesellschaftliche Bereich deutlich nach vorne kommt und positive Beispiel in die Öffentlichkeit lanciert. Das wäre eine Aufgabe für den Freundeskreis, da wir in unserer Stadtgesellschaft gute Beispiele in all diesen Bereichen haben.

NW: Wir können auf die guten Beispiele stolz sein. Denn am Ende lebt unsere Gesellschaft von jedem und jeder Einzelnen. Und wenn alle irgendwas tun würden, dann wären wir schon ganz weit vorne.

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Ehrenamtliches Engagement: UNICEF Arbeitsgruppe Hannover

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Ehrenamtliches Engagement: UNICEF Arbeitsgruppe Hannover


Verborgen in einem kleinen Büro in der Brüderstraße nahe des Steintors findet sich eine Gruppe Ehrenamtlicher, die mit ihrem Engagement für die Kleinsten unter uns ganz Großes bewirkt: Die hannoversche Arbeitsgruppe von UNICEF Deutschland. Sie machen sich für Kinderrechte stark und zeigen, wie internationale Themen auch lokal wirksam angepackt werden können.

„Jedes Kind auf der Welt hat das Recht auf eine Kindheit – und wir helfen mit, dass aus diesem Recht Wirklichkeit wird“, heißt es auf der Webseite der Gruppe. In Hannover äußert sich ihre Arbeit unter anderem durch Schulbesuche, Initiativen in der Universität und Infostände, aber auch durch kreative Aktionen und den Verkauf von UNICEF-Grußkarten, deren Motive von Snoopy bis hin zu Likörellen von Udo Lindenberg reichen. Der Erlös aus dem Kartenverkauf wird für den guten Zweck genutzt. „Eine Packung mit zehn Karten, sichert zum Beispiel zehn Impfungen“, erklärt Yafang, die den Verkauf in diesem Jahr koordiniert.

„Das Schöne ist, dass wir total flexibel sind“, erzählt Josephine. Sie ist bereits seit mehreren Jahren dabei und leitet inzwischen die Hochschulgruppe. „Man kann sich je nach Zeit und Interesse ganz individuell einbringen“. Auf diese Weise ist ein Netzwerk von Menschen entstanden, die Kinderrechte nicht nur erklären, sondern auch für die Kleinen und ihre Familien erlebbar machen. Bei Workshops behandeln sie unter anderem Themen wie Meinungsfreiheit, Bildung oder Gleichberechtigung. „Ich erinnere mich gern an eine Aktion, bei der wir für die Kinder eine Bühne mit Mikro aufgebaut habe, auf der sie von sich erzählen und sich zu verschiedenen Themen äußern konnten. So lernen sie spielerisch, was es bedeutet, meinungsfrei zu sein“.

Aktuell zählt die Gruppe rund 80 aktive Ehrenamtliche. Sie organisieren Benefizaktionen, vertreten UNICEF auf Märkten und städtischen Events und informieren über weltweite Hilfsprogramme „Bei uns läuft so gut wie alles über Freiwillige“, erklärt Yafang. „Das ist natürlich toll, bedeutet aber auch, dass wir immer auf der Suche nach neuen Mitstreiterinnen und Mitstreitern sind“.

Wer sich engagieren möchte, findet leicht Anschluss. Eine kurze Mail oder Kontaktanfrage per Instagram reicht aus und schon steht die Einladung zum nächsten Treffen. „Wer interessiert ist, kann einfach zu einer unserer Sitzungen kommen und mal reinschnuppern“, sagt Josephine. So hat es auch ihre Kommilitonin Lena im vergangenen Jahr gemacht – und ist geblieben. „Nach den EU-Wahlen 2024 dachte ich, ich möchte mich einbringen, aber nicht in Form von Parteiarbeit“, erzählt sie. „Dann kam Josi mit UNICEF auf mich zu und ich dachte ‚Das ist genau das Richtige, Einfach was Gutes tun, ohne an parteipolitische Linien gebunden zu sein“.

Gemeinsam erinnern sich die drei Frauen an ihre jüngsten Projekte und Erfolge. „Beim CSD hatten wir eigentlich einen Stand geplant, den wir aber wegen des Sturms nicht aufbauen konnten. Dann haben wir spontan mit Kreide Kinderrechtsbotschaften auf den Boden geschrieben“, erzählt Lena. „Das war so ein Moment, in dem ich gemerkt habe, dass das richtige Engagement immer seinen Weg findet“, strahlt sie. Alle drei sind sich einig, dass sie durch ihr Engagement in der UNICEF Arbeitsgruppe gelernt haben, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. „Man lässt sich nicht mehr so leicht von etwas abbringen, denn man denkt in solchen Momenten nicht an sich selbst, sondern an die Kinder. Sie sind eine besonders verletzliche Gruppe in der Gesellschaft und Verantwortung für sie zu übernehmen, fühlt sich richtig an“, lächelt Josephine.

Für die Zukunft wünschen sich die Mitglieder von UNICEF Hannover vor allem eines: mehr Menschen, die mitmachen. „Jede Stunde zählt“, betont Yafang. „Ob jemand drei Stunden beim Kartenverkauf hilft oder regelmäßig Treffen organisiert – alles ist wertvoll“. Und Lena ergänzt: „Wir freuen uns über jede Unterstützung!“.

Laura Druselmann

UNICEF Arbeitsgruppe Hannover

Brüderstraße 2, 30159 Hannover

Tel.: 0511 131440

E-Mail: info@hannover.unicef.de

www.hannover.unicef.de

Spendenkonto:

SozialBank AG

IBAN: DE32 3702 0500 3030 2037 02

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Zur guten Nacht: Das interkontinentale Trinkgelage

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Zur guten Nacht: Das interkontinentale Trinkgelage


Eines schönen Tages im November 1863: Der dänische König Friedrich VII war gerade gestorben und sein Nachfolger, Christian IX, war frisch im Amt. Und wie das so ist mit neuen Besen – wir kennen das dieser Tage gut von unserem Kanzler – gehen da schon mal die Allmachtsphantasien mit einem durch und man redet eine Menge Quatsch. So auch König Christian. Der stellte nämlich beim Durchgehen seiner Papiere fest: „Ach Mensch! Ich bin ja gar nicht bloß König von Dänemark! Ich bin ja auch noch Herzog von Holstein, Schleswig und Sachsen-Lauenburg. Wo ist Letzteres noch mal genau? Ach, egal! Wo Schleswig ist, weiß ich. Das ist ein Lehen von mir? Kuck mal an. So, so, Holstein gehörte bis vor 50 Jahren noch zum heiligen Römischen Reich. Na, da hätte ich auch selber drauf kommen können.“ So faselte er vor sich hin, kritzelte wild auf der Karte herum und beschloss dann: „Klarer Fall! Schleswig und Holstein mit all seinen Inseln und Halligen soll fortan zu Dänemark gehören! Weg mit den Nationalliberalen, das gehört jetzt alles mir!“ Sprach‘s und machte sich daran, ein Pamphlet zu schreiben, das er, ganz wichtig, „Novemberverfassung“ nannte. Das schien ihm kreativ und passend. Nämliche Nationalliberalen, sowohl deutsche als auch dänische, hatten sich dort in den letzten 200 Jahren recht wohl gefühlt – nicht großartig von der dänischen Krone und den bekloppten Deutschen behelligt. Doch jetzt sah die Sache anders aus. König Christian also: „Meins! Meins! Meins!“ und die Preußen daraufhin so: „Äääähh, nein?!“. Danach ein Vierteljahr lang „nein, doch, oh!“ – man kennt das –, bis die Preußen schließlich zusammen mit ihren österreichischen Kumpels fanden, sie müssten da jetzt mal hin und die Sache klären. Hämisch setzten sie ihre preußischen Füße über Eider und Levensau. Diese Flüsse stellten die Grenze dar und die Dänen fanden das nicht lustig. „Haut ab, ihr ollen Speckdänen! Das Gebiet hängt an Deutschland dran, also gehört es uns!“. Die Dänen, in ihrem Nationalstolz gekränkt, antworteten vermutlich so was wie „Du må være skør!“, was man ungefähr mit „Das könnt ihr so was von knicken!“ übersetzen könnte. Handgemenge. Fast ein Dreivierteljahr lang, von Februar bis Oktober 1864, gab es Fratzengeballer am laufenden Band und die Preußen gewannen am Ende.

Plötzlich sahen sich Schleswig, Holstein, die Nordfriesischen Inseln und Halligen mit preußischem Kokolores konfrontiert. Wehrpflicht und solcher Quatsch. „Nein, danke schön, da verzichten wir!“ und ein hoher Prozentsatz der Friesen suchte das Weite. Das ganz Weite. Um präzise zu sein: Amerika. Bis dahin war es ein ziemliches Stück, weshalb die Meisten bereits in New York die Nase voll vom Reisen hatten und gleich da blieben. So bildete sich schnell eine große friesische Gemeinschaft, was sich einige Jahrzehnte später und noch mal später als nützlich erweisen sollte. Denn auch die beiden großen Kriege trieben weitere Auswanderer nach Ellis Island, so dass zeitweise mehr Friesen in New York lebten als auf den Inseln Amrum und Föhr. Aber sie vermissten ihr Zuhause! Und was machen viele Auswanderer, wenn sie Heimweh bekommen? Wir kennen das von RTL II: Sie fangen das Trinken an. Zum Glück hatte Präsident Roosevelt den Fusel schon 1933 wieder freigegeben und die Friesen konnten sich ganz legal einen hinter die Binde kippen. Half aber alles nichts, das Heimweh blieb. Deshalb nutzen Viele das wirtschaftlich starke Amerika, um noch ein paar Jahre lang ordentlich Geld zu verdienen, welches sie dann zurück nach Norddeutschland trugen. Allerdings hatten sie Gefallen an den amerikanischen Cocktails gefunden, solch tolles Zeug gab‘s nämlich Zuhause nicht. Also nahmen sie davon auch noch was mit, um daheim mit ihrer weltmännischen Lebensart prahlen zu können. Und so kam der Manhattan nach Norddeutschland, wenn auch in leicht abgewandelter Form. Dort erfreute er sich großer Beliebtheit und man stellte mit Genugtuung fest: Egal, ob man „Prost!“, „Skål!“, „Sündjhaid!“ oder sogar „Cheers!“ sagt, wenn man sein Glas hebt und dabei freundlich nickt, verstehen alle, was gemeint ist. Warum soll man sich da noch kloppen?

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Stadtkinder kochen Universal-Mürbeteigkekse

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Stadtkinder kochen Universal-Mürbeteigkekse


Kekse sind eine feine Angelegenheit, zumal in der Adventszeit. Je mehr Kekse, desto besser und am allerbesten ist es sogar, wenn man viele unterschiedliche Sorten hat. Bloß: Wer soll die alle backen? Und bei den aktuellen Schokoladenpreisen muss man ja fast schon sein Haus beleihen für ein bisschen Gebäck. Viel einfacher ist es da doch, wenn man ein Grundrezept hat, das man variiert, so kann man ziemlich viele Sorten Kekse mit nur einem Rezept backen. Sehr ökonomisch: wenig Aufwand, großer Ertrag.

Da wir heute im großen Stil arbeiten, nehmen wir 800g Mehl und 200g Speisestärke. Alternativ gehen natürlich auch 1000g Mehl, bei Keksen ist es aber keine schlechte Idee, ein Fünftel des Mehls durch Stärke zu ersetzen. Warum? Die ist feiner und seidiger als Mehl, das Gebäck wird dadurch noch zarter und mürber – das wollen wir. Dazu kommen jetzt 2 Päckchen Butter, also 500g, kalt und in kleine Würfel geschnitten, vier Eier, 2 EL Vanillezucker sowie brauner Zucker. Da wir später mit unterschiedlichen Zutaten experimentieren wollen, die auch alle süß sind, nehmen wir vom Zucker „nur“ 300g. Wer einfache Butterplätzchen ohne weiteres Gedöns wünscht, kann beruhigt 400g Zucker nehmen.

Aus diesem ganzen Kladderadatsch kneten wir nun einen Teig. Aber aufgepasst! Eier sind hinterhältige Biester, manche sind klein und haben nicht viel Flüssigkeit, so dass der Teig krümelig werden kann. Ist das der Fall, verhelfen ihm ein paar Tropfen eiskaltes Wasser zu absoluter Geschmeidigkeit und Flexibilität. Da braucht es nicht viel, maximal ein halbes Schnapsglas voll und schon kann der Teig im Zirkus anfangen, so elastisch ist der. Jetzt kommt der kreative Teil, das ist das Beste! Wir wollen vier Sorten machen, also teilen wir den Teig in 4 Portionen. Eine bleibt pur, eine wird mit 2EL Backkakao, etwas gemahlenem Kardamom und 2EL Schokotropfen vermischt. In die dritte kommt ein großzügiger Teelöffel Zimt und fürs Gewissen mischen wir die vierte Portion mit gehackten Cranberrys und Pekannüssen (für die Gesundheit und so). Die Teige kommen nun in Frischhaltefolie gewickelt in den Kühlschrank, wo sie anderthalb Stunden ruhen.

Aus der nicht kontaminierten Teigportion formen wir nun Kugeln mit dem Durchmesser einer Euromünze und bohren mit dem Stiel eines Kochlöffels Vertiefungen rein. Dann gehen die Werkstücke noch mal für zehn Minuten zurück in den Kühlschrank, da der Teig durch das Formen warm geworden ist. Je kälter er ist, wenn er in den Ofen kommt, desto formstabiler später der Keks.

Bei 180°C Ober-/Unterhitze backen wir jetzt erst mal die Schokoplätzchen und die mit Cranberrys und Nuss. Weil wir schlau sind, haben wir nämlich den Teig vor dem Kühlen in Rollen geformt – jetzt nur noch 1cm dicke Scheiben schneiden und ab in den Ofen. 12 Minuten reichen völlig.

Nun erhitzen wir ein Gelee unserer Wahl, bis es flüssig ist und gießen es dann in die Vertiefungen unserer inzwischen wieder gut gekühlten Teiglinge. Auch diese backen wir für 12 Minuten und heraus kommen die aller zauberhaftesten Engelsaugen.

Die vierte Teigportion (die mit dem Zimt) wird noch mal geteilt: Zwei Drittel rollen wir auf Backpapier zu einer Platte aus und bestreichen diese großzügig mit Pflaumenmus. Das letzte Teigdrittel zerpflücken wir zu zarten Streuseln und verteilen sie oben drauf. Nach einer Viertelstunde im Ofen haben wir den flachsten Streuselkuchen der Welt. Der wird noch warm in Rauten geschnitten und muss dann, wie auch die Engelsaugen, erst mal zwei, drei Stunden abkühlen, bis Gelee und Pflaumenmus wieder fest sind.

Abgekühlt kann man die Kekse natürlich noch schön verzieren (zum Beispiel mit einem Zuckerguss mit Cranberrysaft) oder Puderzucker drauf streuen, bevor sie in die Vorratsdosen und/oder Bäuche wandern.

Ein Teig und x Variablen, von Nutella bis zu Rosenkohl, erlaubt ist, was gefällt. Für unsere Kekse haben wir kein Backtriebmittel verwendet – war nicht nötig. Wer es luftiger und fluffiger mag (Achtung: verringerte Haltbarkeit!) oder schwere Zusätze wie größere Schokoladenstücke, saftiges Obst oder meinetwegen auch Kupfermünzen verarbeitet, sollte das aber unbedingt tun.

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