Wenn man durch Vinnhorst schlendert und Lust auf guten Kaffee hat, hat man jetzt eine neue Anlaufstelle. Mitten im Stadtteil hat das Kaffeeklein eröffnet – ein kleines Café, das auf das Wesentliche setzt – Qualität, Ruhe und echte Begegnungen. Die Betreiber*in Gabriella und Ioannis Sterkas möchten hier auch einen Ort der Verkostung schaffen. Bei ihnen dreht sich alles um hochwertigen Kaffee, der mit großer Sorgfalt ausgewählt und im Haus schonend geröstet wird. Die Bohnen stammen aus direkten Partnerschaften mit ausgewählten Kaffeebauern – transparent, nachhaltig und mit Respekt für das Produkt und die Menschen dahinter. Die kleine Rösterei im Café macht den Prozess sichtbar und erlebbar – vom Rohkaffee bis zur fertigen Bohne und schließlich zum beliebten Heißgetränk – so erleben Gäste ihren Kaffee nicht nur im Geschmack, sondern können auch das Handwerk entdecken, dass dahintersteckt. Die Innenausstattung des kleinen Cafés ist bewusst reduziert gehalten – es gibt nur ein paar Sitzplätze, doch wenn man einen ergattert hat, laden warme Materialien und sanftes Licht zum verweilen ein. Drinnen wie draußen möchten die Sterkas hier einen Ort der Entschleunigung etablieren, an dem Nachbarschaft gelebt wird, an dem Menschen zusammenkommen um einen Moment Ruhe im Alltag zu genießen.
KAFFEEklein
Friedenauer Str. 2
30419 Hannover
Mo und Mi-So 10-16 Uhr
Mehr Infos bei Instagram @kaffee.klein
Lista Concierge
In Hannover gibt es nun mit „Lista Concierge“ einen Service, der den Alltag vielbeschäftigter Menschen erleichtern soll. Hinter dem Konzept steht die 29-jährige Gründerin Dajana Xhemalaj, die sich mit ihrem Angebot an Menschen richtet, deren Zeit im Berufs- und Privatleben stark beansprucht ist. Ihr Ziel: mehr Freiraum schaffen, indem sie Aufgaben übernimmt, die sonst zusätzlich belasten. Die Idee entwickelte sich aus einer einfachen Beobachtung: Viele Verpflichtungen lassen sich im Alltag kaum unterbringen, obwohl sie notwendig sind. Genau hier setzt ihr Service an. Ob Terminabstimmungen, Einkäufe, die Koordination mit Handwerker*innen oder Unterstützung bei Reisen und Veranstaltungen – die Leistungen werden individuell abgestimmt und flexibel gestaltet. Das Angebot konzentriert sich auf die Stadtteile List, Zooviertel und Oststadt, wo besonders viele Berufstätige und Familien leben. Dort sieht Xhemalaj einen hohen Bedarf an verlässlicher Unterstützung im Alltag. Mit ihrer kaufmännischen Ausbildung und Erfahrung im Marketing bringt sie die nötigen Grundlagen mit, um ihr Konzept professionell umzusetzen. Wichtig sind ihr dabei vor allem Vertrauen, Diskretion und persönliche Betreuung.
Mehr Infos unter Tel. 0175 9659111, per E-Mail an lista.concierge@gmx.de oder bei Instagram @lista.concierge.
Wenn Katya und Varduhi über majolie sprechen, leuchten die Augen der zwei Gründerinnen. Mit einer Mischung aus Mut, Stolz und dem festen Glauben daran, dass Kreativität manchmal größere Wünsche erfüllen kann als jede noch so perfekte Karriereplanung, kreieren sie ihre eigenen Kerzen und verschenken persönliche Botschaften „durch die Blume“.
Die beiden Schwestern, ursprünglich aus Armenien, wirken schon auf den ersten Blick wie ein eingespieltes Duo, das längst weiß, wohin es will. Doch der Weg zu ihren botanischen Kerzen war weniger Businessplan als Bauchgefühl. Angefangen hat alles mit Stress, Sehnsucht nach Ruhe und dem Wunsch, am Ende eines langen Tages „einfach mal was Schönes zu machen.“ Das Kerzengießen war zunächst ein ganz privates Ritual gegen den Druck, der sich im Berufsalltag aufgebaut hatte – und wuchs schnell darüber hinaus.
„Als hätten wir die Gedanken der anderen gelesen, kam uns beiden gleichzeitig die Idee, mit den Kerzen ein Business aufzubauen“, so Katya. „Es hat uns so gut gefallen, dass wir immer mehr machen wollten“, lächeln die zwei. Aus ihren Hauptberufen bringen die beiden die idealen Voraussetzungen mit. Katya ist als Augenoptikerin tätig, kennt den persönlichen Kontakt zu Kund*innen und weiß, auf deren Wünsche einzugehen. Varduhi bringt ihre Erfahrung aus Management und Buchhaltung mit. Die zwei ergänzen sich perfekt und haben in sich eine Balance zwischen Gefühl und Ordnung, zwischen Herz und Kopf gefunden.
Mit majolie, was übersetzt aus dem Französischen „Meine Schöne“ bedeutet, erweitern sie den Kerzenmarkt um einzigartige Blütenvariationen. In ihren botanischen Kerzen wirken liebevoll zusammengestellte Blumenkombinationen, als wären sie gerade erst gepflückt worden. Damit das gelingt, braucht es viel Geduld. Eine botanische Zylinderkerze zu gießen, dauert zum Beispiel etwa drei Tage. Drei Tage Schichten, Aushärten und Glätten – als würden die Schwestern sorgfältig eine Frühlingsblume wässern, die schon bald darauf erblüht.
„Die Idee zu den Blumen kam uns, weil wir etwas machen wollten, was es noch nicht gab. Etwas, das Ausdruck hat, ein Gefühl vermittelt. Wir wollten nicht einfach Kerzen machen, sondern Emotionen gießen. Mit Blumen geht das sehr gut.“
Wenn die zwei mit ihren botanischen Kerzen auf Märkte gehen, ist die Reaktion der Kund*innen oft verblüfft. „Viele Fragen, ob das tatsächlich echte Blumen sind, und sind total begeistert.“ Noch begeisterter sind sie, wenn sie hören, dass die Schwestern auch ganz individuelle Kerzen nach Kund*innenwünschen gießen. „Unsere Kerzen sollen nicht in ein Raster passen, sondern zu den Menschen, zu ihren Persönlichkeiten und Lebensphasen“, erklärt Varduhi. Düfte, Blüten und Farben können beliebig variiert und zu echten Unikaten vereint werden.
Und die Vision dahinter, Persönlichkeiten zu stärken, reicht noch weit über das Kerzenglas hinaus. Katya und Varduhi möchten Räume schaffen „in denen Frauen kommunizieren können, sich wohlfühlen und einfach Frau sein dürfen.“ Ob mit Workshops, Community-Treffen oder Expertinnen-Talks, ob es um Selbstständigkeit, Sicherheit oder berufliche Fragen geht – „wir wollen einen Ort erschaffen, an dem Frauen Antworten auf all ihre Fragen finden, sich gegenseitig stärken und Mut machen.“
Die Schwestern folgen mit majolie nicht einfach einem weiteren Trend, sondern verbinden die Schönheit eines Deko-Elements mit einer wichtigen Botschaft: Du darfst wachsen wie eine Blume, du darfst leuchten wie das Licht einer Kerze, du darfst einfach du selbst sein.
Wir treffen uns jeden Monat, also in relativ kurzen Abständen, und es ist gar nicht so selten, dass die Welt von einem Gespräch zum anderen schon wieder eine ganz andere ist. Jetzt haben wir einen neuen Krieg. Haben Sie damit gerechnet, dass das passiert?
Ich habe das zumindest für möglich gehalten. Donald Trump spricht ja oft Drohungen aus und wir haben leider gelernt, dass er bei einigen ernst macht. Die Drohungen richten sich nicht nur gegen Iran, Venezuela, Kuba oder Grönland, sondern auch in den USA gegen diverse Gruppen. In seiner ersten Amtszeit hat man in solchen Fällen noch gesagt, dass er vielleicht einen schlechten Tag hat. Jetzt hat er nur noch schlechte Tage.
USA und Israel bombardieren den Iran, der schlägt in der gesamten Region zurück. Wie wird das enden?
Das weiß heute wohl niemand. Mir sind die Ziele der USA nicht klar. Ich verstehe wirklich nicht viel vom Militär, aber vor Beginn eines Krieges sollte man wissen, was man erreichen möchte. Mir bleibt schleierhaft, welche Ziele die USA verfolgen. Will man das Regime stürzen oder nur dessen militärischen Möglichkeiten ausschalten? Auf Dauer oder nur für eine gewisse Zeit? Oder ist ein grundlegender Wandel im Iran das Oberziel? Falls das so ist, wird man das allein mit Luftschlägen nicht erreichen. Mir erscheint es so, als ob die USA gar keine Strategie hatten, als sie den Krieg begonnen haben.
Ich denke, der Bevölkerung im Iran zu helfen, das ist weder für Israel noch für die USA ein Motiv …
Ja, ich glaube auch, das kann man ausschließen. Und auch der iranischen Führung ist die eigene Bevölkerung völlig egal. Das hat sich schon gezeigt, als die zivilen Proteste zusammengeschossen wurden und zehntausende Menschen ums Leben gekommen sind. Die Menschen im Iran sind zwischen die Mühlsteine geraten. Und jetzt werden sie von den USA bombardiert. Sie sind nicht das Ziel, aber sie werden getroffen. Das alles zu sehen, macht traurig und betroffen. Und die Iraner hierzulande können nur hilflos und verzweifelt zusehen.
Europa ist bei all dem nur Zuschauer, ohne großen Einfluss auf die Beteiligten. Was wäre ihre Agenda für Europa, um mittelfristig wieder mehr Gewicht zu bekommen?
Europa muss sicherlich zuallererst die eigenen Probleme in den Griff bekommen. Man sollte jetzt nicht versuchen, sich als Weltmacht zu inszenieren, das wäre schlicht unglaubwürdig. Aber Europa kann trotzdem eine Menge tun und sich beispielsweise neu vernetzen. Es gibt viele Länder, die nach verlässlichen Partnern suchen. Länder, die sich internationale Partner auf Augenhöhe wünschen, um auf der Basis von Regeln und mit Respekt zu kooperieren. In einer Gemeinschaft von Staaten, die auf Regeln und Verlässlichkeit setzen, müssen die europäischen Länder ganz vorne stehen und auf andere Länder zugehen. Ich denke da zum Beispiel an einige Länder der BRICS-Staaten, aber nicht alle, darunter sind ausgesprochen autoritäre Systeme. Europa sollte vernünftige Partnerschaften mit Hochdruck ausbauen. Das stärkt automatisch den eigenen Einfluss. Mangels eigener großer militärischer Macht ist der Einfluss in dieser Hinsicht derzeit begrenzt, aber in wirtschaftlicher Hinsicht sind solche Partnerschaften wichtig. Ich denke an das EU-Mercosur-Abkommen oder an eine Freihandelszone zwischen Europa und Indien. Und an den militärischen Fähigkeiten der EU angeht, wird intensiv gearbeitet, das ist auch dringende nötig. Allein das, was wir in Deutschland machen müssen, hat die finanzielle Dimension der Deutschen Einheit. Und Europa muss versuchen, eine starke eigene Verteidigungsindustrie aufzubauen, damit dieses Geld zumindest in Europa bleibt.
Der Einfluss Europas ist marginal, aber die Konsequenzen des Krieges sind für Europa sehr spürbar. Die Energiepreise explodieren. Wie sollte die Bundesregierung jetzt reagieren?
Wir sehen deutlich erhöhte Energiepreise, und das gilt nicht nur für Öl, sondern auch für Gas, weil der Preis ans Öl gekoppelt ist. Das heißt, mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung wird auch der Gaspreis unangenehm steigen. Und gleichzeitig haben wir eine Bundeswirtschaftsministerin, die offenbar ernsthaft meint, dass Gas die Zukunft unserer Energieversorgung sei. Da kann man nur sagen: das ist eine gefährliche Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher, die am Ende zahlen müssen. Die Bundesregierung sollte vernünftige, fundierte Entscheidungen treffen und da bleiben die Erneuerbaren die Energie der Zukunft. Und sie sollte Haltung zeigen. Sie sollte sich klar positionieren. Ich habe zu Beginn des Krieges gegen Iran ein deutliches Statement vermisst, dass es sich bei diesem Angriff natürlich um einen eklatanten Bruch des Völkerrechts handelt.
Haben Sie Verständnis für jene, die gegen Rüstung demonstrieren? Die fordern, dass die Bundeswehr sich von den Schulen fernhält? Oder für die Jugendlichen, die gegen eine Wehrpflicht demonstrieren?
Jein. Ich kann die jungen Leute verstehen, mich hat der Gedanke an einen Wehrdienst zu meiner Zeit auch nicht begeistert. Aber in einem entscheidenden Punkt hat sich mein Standpunkt seit Beginn des Ukraine-Krieges sehr gewandelt. Biografisch hat mich die Friedensbewegung in den 70-er und 80-er Jahren sehr geprägt und ich finde nach wie vor, dass Frieden und Abrüstung die entscheidenden Ziele bleiben müssen. Aber man kann sich die Welt, in der man lebt, nicht aussuchen. Wir sind im Moment eingeklemmt zwischen Putin und Trump. Wenn wir das tatenlos hinnehmen, machen wir uns noch schwächer und noch angreifbarer. Wir müssen in der Lage sein, unsere Freiheit und die Werte unserer liberalen Demokratie zu verteidigen.
Machen wir hier mal einen harten Schnitt. Es gibt ja noch ein Thema, die Wahlen in Baden-Württemberg. Und die SPD bei 5,5 Prozent. Ein Desaster …
Ja, das war gar kein schöner Tag. Erst verliert 96 zu Hause gegen den Tabellenletzten. Da war meine Laune schon ziemlich im Keller. Und den Rest haben dann die Wahlergebnisse in Baden-Württemberg geschafft. Ich war an dem Abend wirklich ziemlich bedient. Aber ich neige nicht zum Masochismus. Ich habe mir die Prognosen angesehen und später die Nachrichten, aber mehr nicht. Es gab einen netten Film auf arte.
Das schlechteste Ergebnis bei Landtagswahlen, das es jemals gab. Viele Leute wissen offenbar nicht mehr so genau, wofür die SPD steht. Sie wird momentan sogar eher als Partei gesehen, die Reformen verhindert.
Das ist aktuell vielleicht richtig, aber auf der anderen Seite gibt es Umfragen dazu, welche Partei man sich noch vorstellen könnte zu wählen, außer der, die man gewählt hat. Und da kommt die SPD noch immer auf Werte bis zu 50 Prozent. Wenn aktuell aber nur etwa 14 Prozent im Bund der SPD ihre Stimme geben würden, machen wir offensichtlich etwas falsch. Ich glaube, die Grundideen der Sozialdemokratie sind vielen Leuten nach wie vor sympathisch. Aber sie sind nicht überzeugt, dass die SPD sie durchsetzen kann. Das wird auch kein neues Grundsatzprogramm schaffen können, so notwendig es auch ist. Wir bewegen uns in großen Teilen in einer völlig neuen Welt. Wir haben eine technologische Revolution, die gleichzeitig eine Kulturrevolution ist. Wir haben den Klimawandel, der über Generationen hinweg die Lebensbedingungen unserer Gesellschaft prägen wird. Die Geopolitik strebt nicht nach Freundschaft und Partnerschaft, sondern ist hart konfrontativ. Die SPD muss es schaffen, ihre nach wie vor aktuellen Werte in diese neue Welt zu transferieren. Wir müssen überzeugende Antworten auf Fragen geben, die wir uns vor Jahren ein paar Jahren noch nicht gestellt haben. Und aktuell muss sich die SPD zuallererst für das Thema Wirtschaft zuständig fühlen. Daran hängen die Arbeitsplätze und die soziale Sicherheit. Leider sagen auf Bundesebene nur noch acht Prozent der Leute, dass sie die SPD in Wirtschaftsfragen für kompetent halten. Das muss sich dringend ändern.
Wir sprechen kurz vor der nächsten Wahl in Rheinland-Pfalz am 22. März. In den Umfragen liegt die SPD dort bei 27 oder 28 Prozent. Die CDU ungefähr gleichauf. Ich prophezeie das nächste Debakel. Sie geben die Hoffnung nicht auf, oder?
Nein, ich halte dagegen. Die Umfragen zeigen sehr deutlich, dass Alexander Schweitzer als Ministerpräsdent eine mit Abstand größere Unterstützung hat als sein Konkurrent. Und ganz am Ende wählen viele Leute eben auch und vor allem Menschen. Aber warten wir‘s getrost ab.
Abgelegt unter Ein letztes WortKommentare deaktiviert für Ein letztes Wort im April
es gibt Menschen, die brennen einfach lichterloh für das, was sie tun. Sie können gar nicht anders, sie müssen, egal wie schwer es ist oder wie schwer es ihnen gemacht wird. Detlef Simon, den die meisten als DESiMO kennen, ist so jemand. Zauberer, Moderator, Kabarettist, Veranstalter, und seit November auch künstlerischer Leiter des Kleinen Fests im Großen Garten. Er sorgt seit Jahrzehnten mit vielen anderen für dieses gewisse kulturelle Grundrauschen in Hannover, das ziemlich einmalig ist – ein Pfund, mit dem wir ruhig noch ein bisschen selbstbewusster wuchern sollten.
Im Interview ab Seite 56 hat mir Detlef Simon erzählt, wie das alles mal angefangen hat. Als Zauberer, als Entertainer. Fast wäre es Journalismus geworden. Aber die Bühne war immer sein Refugium und sie ist es noch. Nach Corona hat er eine Weile gebraucht, um das Feuer wiederzufinden – seine Regisseurin hat ihn damals gefragt, wo er eigentlich geblieben sei. Wo die Flamme sei. Er hat sie wiedergefunden. Besonders wichtig ist ihm Gemeinsamkeit. So ein Club wie im Apollo, jede einzelne Show funktioniert nur, wenn alle miteinander am Gelingen arbeiten und sich bei dieser Arbeit wohlfühlen. Das klingt simpel. Ist es aber nicht. Und schon gar nicht ist es eine Selbstverständlichkeit. Es ist eine bewusste Entscheidung. Darum darf im Apollo zum Beispiel die Käsestulle für die Künstler*innen niemals fehlen.
Menschen wie DESiMO sind das Rückgrat unserer lebendigen Kulturszene, sein Club im Apollo ist heute eine Institution in Hannover. Solche Menschen mit echter Leidenschaft und Haltung sorgen dafür, dass Kultur atmet. Sie scheuen nicht das Risiko, sondern setzen für Kunst und Kultur gerne alles auf eine Karte. Haltung ist hier ein schönes Stichwort. Auf der Homepage des Spezial Clubs steht ein klares und mutiges Statement: „Wer mit der AfD sympathisiert, ist herzlich eingeladen, wegzubleiben und mal nachzudenken.“ Das gefällt nicht jedem. Mir gefällt das. Kultur ist kein ideologiefreier Raum. Sie war es nie und wird es nie sein. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Kunst, die Haltung zeigt, und Politik, die Kunst als Werkzeug benutzen will. Dieser Unterschied scheint mir momentan sehr wichtig. Wir erleben ja gerade mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, was passiert, wenn jemand diesen Unterschied nicht versteht oder – schlimmer – bewusst verwischt. Drei linke Buchhandlungen hat er vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen und das mit angeblichen „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ begründet, die er bis heute nicht offenlegen will. Die Preisverleihung wurde dann kurzerhand abgesagt. Er lässt gerade die Mitglieder sämtlicher Kulturjurys systematisch erfassen. Man kann das kleingeistig nennen. Man kann es auch beängstigend nennen. Es ist beides. Und es ist kein Ausrutscher. Es ist Methode.
Kultur braucht keine Gönner, die gnädig entscheiden, welche Haltung förderungswürdig ist. Sie braucht Menschen, die ihr den Raum lassen, unbequem zu sein. Zu provozieren. Zu widersprechen. Das ist keine linke oder rechte Forderung, das ist eine zivilisatorische Grundvoraussetzung. Ein Kulturstaatsminister, der Verfassungsschutzdaten als Zensurwerkzeug einsetzt und Jurymitglieder in Listen erfassen lässt, hat das offenkundig nicht verstanden. Wolfram Weimer betreibt keine Kulturpolitik, sondern einen staatlich orchestrierten Kulturkampf. Er sollte damit aufhören oder seinen Platz räumen. Was die Kultur momentan überhaupt nicht gebrauchen kann, das ist ein Kulturstaatsminister mit Verfolgungswahn.
Was die Kultur unbedingt weiter braucht, das sind Menschen wie Detlef Simon. Ich drücke ihm für seine Aufgabe als künstlerischer Leiter des Kleinen Fests wirklich alle Daumen. Das Kleine Fest ist vom 2. bis 16. Juli in den Herrenhäuser Gärten – und wenn man Detlef Simons Erzählungen im Interview folgt, darf man sich auf etwas Besonderes freuen. Er hat am Ende unseres Interviews schon eine ganze Menge darüber verraten, was uns erwartet. Seine Entscheidung, in dieses wahrscheinlich sehr kalte Wasser zu springen, war eine Sache von Bauch und Herz. Die beiden haben den Kopf überstimmt. „Ich bin im Tiefsten meines Inneren zu demokratisch“, sagt er dazu im Interview. Was für ein Glück!
Abgelegt unter EditorialKommentare deaktiviert für Editorial 04-2026
Diesen Monat könnte man es „Kampf der lokalen Kulturtitanen“ nennen. Wenn sie denn kämpfen würden. Was sie nicht tun. Wie auch immer: Lars Kompa hat mit DESiMO gesprochen. Nur gesprochen, nicht gekämpft, wirklich. Jetzt im neuen Heft!
Abgelegt unter Aktuelles, TitelKommentare deaktiviert für Das April-Kind ist da!
Lieber Willy, entschuldige bitte, aber wir müssen dich einmal kurz stören. Wir wissen, du hast dir deinen Ruhestand redlich verdient, und vermutlich hast du im Jenseits Wichtigeres zu tun, als dich mit dem aktuellen Zustand der Sozialdemokratie herumzuschlagen. Aber wir kommen hier allein nicht mehr weiter. Die SPD steckt fest. Bei 15 Prozent. Tendenz fallend. Und sie wirkt dabei so, als hätte sie sich damit abgefunden. Das deprimiert uns. Nicht nur, weil 15 Prozent schon fast unter zehn Prozent sind, sondern weil man den Eindruck bekommt, dass dieser Zustand inzwischen als neue Normalität akzeptiert wird. Als wäre Schrumpfung ein Naturgesetz und keine Folge politischer Entscheidungen.
Darum unsere Bitte: Könntest du vielleicht kurz als Geist in die Hirne der führenden Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten fahren? Nur so ein kleiner Spuk, ein sanftes Poltern im Parteivorstand, ein kalter Luftzug durch die Fraktionssitzung. Nichts Dramatisches, einfach eine kleine Erinnerung, was diese Partei einmal ausgemacht hat. Offenbar hat man dort aus den Augen verloren, wofür Sozialdemokratie ursprünglich gedacht war. Für Aufstieg durch Bildung. Für Respekt vor Arbeit. Für echte Solidarität. Für Mut. Für Haltung. Für Politik, die nicht zuerst fragt, ob sie irgendwem wehtut, sondern ob sie notwendig ist. Für eine Partei, die sich nicht klein macht, um irgendwo noch mitspielen zu dürfen, sondern die groß denkt, weil sie etwas verändern will.
Stattdessen hören wir auf dem politischen Aschermittwoch den Parteivorsitzenden sagen, man brauche jetzt „mehr Stammtisch“. Mehr Stammtisch, Willy. Als wäre das Problem der SPD ein Mangel an Lautstärke und nicht ein Mangel an Richtung. Als hätten wir zu wenig Bauch und zu viel Kopf. Dabei wäre im Moment doch eher mehr Hirn ratsam. Mehr Analyse. Mehr Ehrlichkeit. Mehr Klarheit darüber, warum man eigentlich noch existiert.
Du hast einmal gesagt: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“ Heute wirkt es eher so, als wollten die Genossinnen und Genossen die Zukunft lieber abwarten. Oder sie kommunikativ begleiten. Oder sie moderieren. Oder sie in Arbeitsgruppen verschieben. Hauptsache, niemand ist beleidigt. Und am Ende nennt man diese Mutlosigkeit dann „strategische Neuaufstellung“.
Du, lieber Willy, hast nicht moderiert, du hast gestaltet. Du hast nicht gewartet, bis alle zustimmen, du hast einfach gegen Widerstände gearbeitet, gegen Häme, gegen Misstrauen, gegen die eigene Partei. Du bist in Warschau auf die Knie gegangen – nicht, weil es populär war, sondern weil es richtig war. „Mehr Demokratie wagen“, war kein Slogan, sondern ein bewusstes Risiko. Du hast Konflikte nicht gefürchtet, du hast sie in Kauf genommen. Heute wirkt es eher so, als würde man sich lieber vor Umfragekurven verbeugen als vor der eigenen Geschichte.
Die SPD war einmal eine Partei, die Konflikte ausgehalten hat. Die wusste, dass Fortschritt Reibung erzeugt. Heute wirkt sie ängstlich. Sie zittert sich von Wahldesaster zu Wahldesaster und wundert sich anschließend, warum niemand mehr Vertrauen in ihre Gestaltungskraft hat. Sie hat Angst, irgendjemanden zu verprellen – und verliert damit am Ende alle. Arbeiterinnen und Arbeiter, weil man nicht mehr für sie kämpft. Junge Menschen, weil man zentrale Realitäten ausblendet: dass die Rentenfrage ungelöst ist, dass der demografische Wandel längst Fakten geschaffen hat und dass es keine Zukunftspolitik ist, diese Themen aus Angst vor Unbeliebtheit zu umschiffen. Man verspricht Sicherheit, ohne zu sagen, wie sie finanziert werden soll. Man redet von Generationengerechtigkeit, ohne zu erklären, wer was tragen muss. Und man wundert sich, warum sich junge Menschen reihenweise abwenden.
Vielleicht könntest du Lars und den anderen mal kurz zuflüstern, dass die Sozialdemokratie ein Versprechen ist. Dass die Gesellschaft gerechter werden kann. Dass Macht kontrolliert werden muss. Dass Wirtschaft und Kapitalismus kluge Leitplanken brauchen. Dass Reichtum verpflichtet. Dass Demokratie durch Haltung lebt. Und dass Glaubwürdigkeit nicht entsteht, indem man Probleme kleiner redet, sondern indem man sie ernst nimmt – auch wenn sie unbequem sind.
15 Prozent, lieber Willy. Das ist kein Betriebsunfall. Das ist das Ergebnis jahrelanger Selbstverkleinerung. Ist es nicht höchste Zeit, wieder größer zu denken, statt immer nur Schadensbegrenzung zu betreiben. Also, falls du die Zeit findest: Die SPD würde sich freuen. Und wir uns auch.
Abgelegt unter offene BriefeKommentare deaktiviert für Ein offener Brief … an Willy Brandt