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Zur guten Nacht: Das Kotze-Rama auf den Falklandinseln

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Zur guten Nacht: Das Kotze-Rama auf den Falklandinseln


Es war einmal ein Truthahngeier namens Fred. Er lebte auf den Falklandinseln und das auch recht gerne. Seine Großeltern hatten ihm erzählt, dass einmal eine Frau, die seiner Gattung nicht unähnlich sah, angeblich aber eine englische Lady gewesen sei, einen Krieg um sein Zuhause angezettelt habe, aber das juckte ihn nicht weiter, denn das war lange her. Auch sollte nämliche Lady Miterfinderin des Softeises gewesen sein, das juckte Fred aber genau so wenig, denn er aß lieber Fleisch. Besonders gern Aas, denn wenn er es sich eingestand, war er im Jagen eine ziemliche Niete. Mal eine Maus, ja, das konnte er bewältigen, aber alles, was größer war? Puh, nee. Mit seinen Jagdskills nicht machbar. Da verließ er sich lieber darauf, dass irgend so ein dämlicher Pinguin vor ein Auto watschelte. Das passierte quasi ständig. Und weil er gut riechen konnte, fand Fred die armen Opfer immer als Erstes. Allerdings wurde er stets verfolgt: Eine Gruppe von Rabengeiern hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihm zu folgen. Deren Geruchssinn war weniger gut, aber dafür waren sie fies, richtige Mobster. Und wann immer Fred einen schönen frischen Kadaver fand, konnte er drei bis vier Bissen nehmen, ehe die Gang ihn verjagte. Elende Milchgeldräuber, dachte Fred jedes Mal, wollte aber keinen Stress und gab nach. Ein ums andere Mal überließ er seinen Fund den Rabengeiern und machte sich seufzend auf die Suche nach alternativen Futterquellen. Fred war einfach zu harmoniebedürftig und, wie gesagt, seine Kampfskills waren nicht der Rede wert. Bis zu einem gewissen Mittwoch im Mai. Mit seinem typisch schaukelnden Gang watschelte Fred am Strand entlang. Gerade hatte er sich zwei dicke, nicht mehr ganz frische aber dennoch schmackhafte Möwen schmecken lassen, die an der Küste verendet waren. Satt und vergnügt darüber, dieses Mal nicht von den Mobstern gestört worden zu sein, unternahm er einen Verdauungsspaziergang, als er etwas hörte. Sie kamen. Die Gang. Mann, waren die sauer. „He, Fred, du hast uns unser Frühstück weggefressen!“, riefen sie. „Ist ja gar nicht wahr, ich hab‘s gefunden!“. Aber sie näherten sich ihm bedrohlich, Fred musste ein bisschen an Anthony Burgess‘ „Uhrwerk Orange“ denken (Fred war sehr belesen), nur eben mit schwarz gekleideten Protagonisten. Plötzlich tauchte eine Gruppe Eselpinguine auf und ätzte: „Fred – gefräßig und hässlich! Ha, ha!“ Hässlich! Er! Die hatten wohl noch nie den Präsidenten der USA gesehen! Schon wälzten sich zwei Seelöwen zu ihm herum und dröhnten mit ihren tiefen Stimmen Schmähungen in seine Richtung. Drei hübsche Albatrosdamen kicherten albern über das Schauspiel, während ein Rudel Füchse ihn seltsam knatternd auslachte.

In Freds Kopf legte sich nun ein Schalter um. Es reichte! Der Punkt war erreicht, an dem er all das nicht mehr hinnehmen wollte. Er checkte seine Optionen. Na, allzu viele gab es nicht gerade. Er erinnerte sich, mal eine Novelle von Stephen King gelesen zu haben. Sie hieß „The Body“ und Fred hatte fälschlicherweise angenommen, es gehe um etwas zu essen. In dieser Geschichte gab es aber noch eine Mini-Geschichte, in der ein dicker Junge, der von allen nur „Schmalzarsch Hogan“ genannt wurde, Rache an seinen Peinigern nimmt, indem er sie alle mit Blaubeertörtchen vollkotzt. Mit Törtchen konnte er nicht dienen, wohl aber mit Möwen-Aas. Außerdem hatten ihm seine Eltern immer wieder gesagt, dass es alte Truthahngeier-Sitte sei, in Krisensituationen erst mal schön abzureihern, bzw., zu -geiern, denn wer weniger wiegt, kann schneller flüchten. So erhob sich Fred nun in die Lüfte, würgte und: Flatsch! – kotzte er der Rabengeiergang ordentlich das Gefieder voll. Die quiekten angeekelt und mussten direkt selbst speien. Von dem Geruch wurde den eitlen Albatrosdamen so übel, dass sie hinter vorgehaltenem Flügel in den Sand göbelten. Die Seelöwen sahen das und erbrachen einen Schwall Fischreste über die Eselspinguine, die nun ihrerseits einen Strahl aus Krill und Oktopus in Richtung der Füchse kotzten. Eine unverdaute Tentakel landete direkt über der Schnauze des Rudelführers, woraufhin der ebenfalls brechen musste und der Rest des Rudels kotzte aus Solidarität heraus mit. Fred war begeistert! Es war, wie Stephen King es beschrieben hatte: ein gigantisches Kotze-Rama! Glücklich, wenn auch mit leerem Bauch, flatterte er davon – und hatte fortan seine Ruhe.

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Stadtkinder kochen Pleurotes Bourguignon

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Stadtkinder kochen Pleurotes Bourguignon


Oh là là, heute wird‘s französisch! Es ist nämlich so: In diesem Haushalt wird wahnsinnig gerne Bœuf Bourguignon gegessen. Aber! Das dauert furchtbar lange, ist viel Arbeit und man soll ja auch nicht so viel Fleisch essen, wozu so ein Bœuf aber nun mal von Haus aus gehört. Allerdings kann man Riesenbovisten als Schnitzel essen und Kräuterseitlinge als Jakobsmuscheln. Die logische Konsequenz ist demnach, man kann auch Austernpilze als Rinderschmorfleisch essen, glasklar! Und nach einem geglückten Truppenversuch postuliere ich hiermit: Man kann nicht nur, man sollte sogar! Zum einen, weil es wirklich richtig lecker ist (und im März geht‘s noch mal, im April könnte es schon zu warm dafür sein), zum anderen, weil es alle essen können (echt gut vegan machbar) und überhaupt dauert die Zubereitung nur eine Stunde (statt wie beim Original sechs). Also ran an‘ Sarg und mitgeweint, wie der Berliner sagt. Oder halt französisch: Allez!

Für vier Portionen brauchen wir je 400g Austernpilze und 400g Champignons. Ja, wirklich! Das sieht doch nur so viel aus und schrumpft im Topf zusammen. Dazu kommen 200g Schalotten (das sind, je nach Größe, so vier bis sechs Stück), 3 große Mohrrüben, zwei Zehen Knoblauch, 2EL Tomatenmark, 5 EL Olivenöl, 3TL Zucker, 1TL Thymian, 300ml Rotwein und 400ml Brühe. Zunächst putzen wir die Pilze. Die Champignons werden, abhängig von ihrer Größe, halbiert oder geviertelt und die Austernpilze irgendwie auseinandergepflückt – die Basis kann man aber schön in Stücke schneiden. Mit 2EL des Olivenöls braten wir die Pilze im heißen Bräter an bis sie nur noch halb so groß, dafür aber ein bisschen braun sind und nehmen sie dann wieder heraus. In den heißen und schon benutzten Bräter kommt jetzt das restliche Olivenöl zusammen mit den Schalotten (gewürfelt) und den Karotten (längs halbiert und dann in 1cm dicke Scheiben geschnitten). Das rösten wir kurz an und fügen dann den Knoblauch, das Tomatenmark und den Zucker hinzu. Nach etwa einer Minute ständigen Rührens löschen wir mit dem kompletten Rotwein ab. Diese Mischung kochen wir auf und sobald es schön blubbert, gießen wir die Brühe dazu und würzen mit dem Thymian sowie mit Salz und Pfeffer. Wir drehen die Hitze auf halbe Kraft, legen den Deckel drauf und stellen uns einen Timer für 20 Minuten. Sobald die abgelaufen sind und wir den Deckel wieder anheben, riecht es wahrscheinlich schon richtig, richtig gut. Aber es wird noch besser! Jetzt kommen nämlich die Pilze zurück in den Topf. Umrühren, Deckel wieder drauf und noch mal eine Viertelstunde bei weiterhin mittlerer Hitze vor sich hin kochen lassen. Ist das geschehen, verquirlen wir einen gestrichenen Teelöffel Speisestärke mit etwa 50ml Wasser und rühren das Gemisch zügig unter unseren Eintopf, wo es noch für weitere fünf Minuten seine Wirkung tun kann (nämlich binden. Pilze verlieren reichlich Wasser.). Jetzt wird noch final mit Salz, Pfeffer und etwas geriebener Zitronenschale abgeschmeckt und fertig. Nicht-Veganern sei empfohlen, kurz vor dem Servieren einen Esslöffel kalte Butter unter das Gericht zu ziehen. Butter ist nämlich das Allertollste auf der Welt, verstärkt den Geschmack und gibt einen schönen Glanz. Ein paar Scheiben Baguette dazu und schon kann das große Schlemmen beginnen. Bon Appétit!

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Stadtkinder essen: Panu

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Stadtkinder essen: Panu


Im Südwesten Italiens liegt die Region Kampanien. Und was machen die Kampanier, wenn sie im Schatten des Vesuvs an der Küste des Golfs von Neapel entlang flanieren? Ein Sandwich essen! Genauer gesagt, ein Panuozzo. Optisch erinnert das Teil an den ungepflegten Bruder einer Calzone, ist aber im Gegensatz dazu meist mit Gemüse gefüllt und viel weniger mit lavaartigem Käse vollgestopft. Und Panuozze gibt es jetzt auch in Hannover. Zwar wirft nicht der Vesuv seinen Schatten auf das Lokal sondern irgendein Justizgebäude hinter dem Bahnhof und statt einer milden Golfstrom-Brise herrscht rauer Februarwind, aber wir sind da nicht kleinlich und testen heute das Panu in der Augustenstraße.

Ein kleiner Laden, gemütlich vollgestopft mit italienischer Deko, die sich die Aufmerksamkeit mit einem Wandgemälde teilt, das einen als Cowboy verkleideten und mit Bananen bewaffneten Affen zeigt. Dazu tönt 70erjahre Disco-Soul aus den Boxen. Nett! Bestellt wird über einen QR-Code, der den jeweiligen Tischen zugewiesen ist. Wir entscheiden uns für eine Flasche Grapefruitlimonade und ein Wasser (3,50 bzw. 2,50 Euro), für eine Pizza Bresaola mit zusätzlichen Artischocken (14,90 Euro plus 2 Euro) und ein Tacchino Panuozzo (11,90 Euro). Schon bald erhalten wir unsere Getränke sowie eine Schale, die uns als Salat präsentiert wird, als Gruß aus der Küche. Streng genommen ist dieser Salat roher Fenchel, der etwas angemacht wurde. Schmackhaft, aber zu dick geschnitten um sich gut verzehren zu lassen. Doch kurz danach kommen schon die Hauptgerichte, die, das lässt sich nicht leugnen, eindrucksvoll aussehen.

Die Pizza kommt nicht mit einer Tomatensauce, sondern mit einer weißen Basis aus Parmesan und ist großzügig beladen mit hausgemachtem Pesto, Fior die Latte, Bresaola, Kirschtomaten, Walnüssen, Rucola, Ricotta, den bestellten Artischocken und zusätzlichem Parmesan. Der Teig hat offenkundig lange geruht und wirft herrliche Blasen, er ist ganz leicht, fluffig und stopft nicht. Handwerklich eine Eins! Auch geschmacklich wirklich gut, es sind hochwertige Zutaten verwendet worden. Allerdings schmecken diese eher einzeln hervor, statt ein allumfassendes Umami-Gefühl zu erzeugen. Das ist der Job, den bei einer Pizza sonst die Tomatensauce übernimmt – oder zumindest der eine oder andere Champignon. Hier allerdings fehlt das Verbindende und der Geschmack bleibt eher heterogen. Nun aber zum Signature Dish, dem Panuozzo: Gefüllt mit grünem Pesto, Fior die Latte, Ricotta, Rucola, getrockneten Tomaten und Truthahnschinken – so haben wir das bestellt. Außerdem finden wir noch geriebene Möhren, einige Kartoffelscheiben und etwas blanchierte Zucchini unter dem zusammengeklappten Pizzateig. Serviert wird das Gericht mit einer kleinen Schale Kartoffelchips. Das ist ja spannend! Geschmacklich gibt es hier einiges zu entdecken – wer würde schon auf die Idee kommen, Möhrenrohkost in Pizzateig zu wickeln? Es ist ein bisschen schwierig zu essen und trotz der hier vorhandenen Tomate fehlt etwas Abrundendes, Gewürze als solche vermissen wir fast vollständig. Mit den Gerichten bekommen wir eine Menagerie mit Knoblauchöl und einer roten Paste, mutmaßlich Harissa, gereicht. Letztere schmeckt allerdings viel zu rauchig, fast staubig, um wirklich eingesetzt zu werden. Beide Essen lassen uns einigermaßen ratlos zurück: Es gibt absolut nichts auszusetzen, begeistert sind wir trotzdem nicht. Und doch war es ein Erlebnis, dieser kleine süße Laden mit dem freundlichen Personal und einem Gericht, das man sich selbst nie so ausgedacht hätte und das vermutlich im neapolitanischen Sommer ganz anders schmeckt als im hannoveraner Februar. Vielleicht kommen wir noch mal zurück, wenn es etwas wärmer ist!

Panu

Augustenstraße 2

30161 Hannover

Mo-Fr.: 11-21 Uhr

Sa-So.: 15-22 Uhr

www.panu-pizza.de

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Der besondere Laden: Liebe + Zeug

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Der besondere Laden: Liebe + Zeug


Klein, aber oho! In der Edenstraße in Hannover-List versteckt sich ein Ort zum Stöbern, Verweilen und Wohlfühlen. Mit Liebe + Zeug hat Inhaberin Julia Heuser einen Raum geschaffen, in dem nicht das Konsumieren im Fokus steht, sondern eine bewusste Auszeit vom Alltag, Ruhe und „Zeit für einen Schnack“.

Wer den Laden betritt, wird von leisem Vogelgezwitscher, dem Duft von Seife, Holz und frischem Kaffee begrüßt – und von Julias strahlendem Lächeln. „Eine schöne Atmosphäre ist mir super wichtig“, sagt sie. „Manchmal habe ich auch Kund*innen die nur deswegen herkommen. Die sagen ‚Ich will nichts kaufen, aber ich muss mal kurz irgendwo sein, wo es schön ist‘“.

Und schön ist es allemal: Julias Sortiment folgt keinen Trends, orientiert sich nicht an Saisonware oder verschiedenen Kollektionen, sondern einzig und allein an Julia. „Hier gibt es nur Dinge, die ich selbst auch gut finde.“ Daher ist die Auswahl sehr vielfältig. Neben Wohnaccessoires in den unterschiedlichsten Farben und Formen, ausgewählten Seifen und Pflegeprodukten finden sich auch Schmuck, Kleidung und Papeterie in Julias Geschäft.

Bevor es ein Produkt aber in ihre Regale schafft, wird es intensiv geprüft – natürlich von der Inhaberin höchstpersönlich. „Ich muss ein Produkt in der Hand haben, muss es testen, bevor ich es meinen Kund*innen anbiete“, erklärt sie. Sie schaut sich zum Beispiel an, wie die Kleidung, die sie anbieten möchte, nach dem Waschen aussieht, ob Schmuck wirklich langlebig ist und wie hautverträglich Pflege- und Seifenprodukte sind. Erst, wenn Julia zufrieden mit einer Marke ist, nimmt sie sie in ihr Sortiment auf. Und so steckt auch hinter nahezu jedem Produkt eine Geschichte. „Genauso wie die Hersteller*innen habe ich inzwischen zu fast jedem Teil eine gewisse Verbindung.“

Ein echter Pluspunkt, denn so kann die Inhaberin jede Menge zu den einzelnen Produkten erzählen. Neben der Qualität ist es ihr sehr wichtig, dass sie ihre Kund*innen kompetent beraten kann, dass sie ihnen nichts aufschwatzt, sondern auf individuelle Wünsche genau eingeht. „Ob Last-Minute-Geburtstagsgeschenk oder eine Kleinigkeit für sich selbst – ich nehme mir für jede*n Zeit, überlege aktiv mit und am Ende gibt’s noch eine schicke Verpackung obendrauf.“

Liebe + Zeug funktioniert nicht über Reichweite, sondern über Nähe. Es gibt keinen Onlineshop, keinen Instagram-Account, kein permanentes Marketing oder große Werbeanzeigen. Julia gewinnt ihre Kund*innen durch ihr Engagement, durch ihre ehrliche Beratung und dadurch, „dass alles ein bisschen oldschool ist und dadurch viel persönlicher“. Hin und wieder gibt es einen Newsletter zum neusten Stand – mal per Mail, mal per Postkarte. Und die Kundenkartei wird analog auf kleinen Kärtchen geführt. „Anstelle anonymer Apps, die ich mit Content füttern muss und auch nicht ganz kontrollieren kann, arbeite ich lieber direkt für meine Kund*innen. Das ist mir wichtiger.“

Letztlich ist Liebe + Zeug mehr als ein Laden. Es ist ein sozialer Raum. Mit vielen ihrer Kund*innen ist Julia per Du. „Hier in der Nachbarschaft, aber mittlerweile auch über die List hinaus, kennt man sich einfach. Man schnackt, trinkt einen Kaffee zusammen und freut sich über schöne Dinge.“ Hunde bekommen Leckerlis, Kinder bekommen Luftballons und dürfen sogar auch mal „Laden spielen“ und Julia beim Etikettieren oder Einrichten helfen. „Mir ist es ganz wichtig, dass alle glücklich sind, wenn sie den Laden wieder verlassen“, betont sie.

Liebe + Zeug ist kein schnelllebiger Ort, kein Ort für To-do-Listen und Hektik. Es ist ein Ort für Umwege, für Gespräche, für kleine Entdeckungen. Der Laden muss nicht laut sein, um gesehen zu werden. Und vielleicht ist genau das sein größter Luxus: Dass man hier einfach sein darf und sich ein kleines bisschen glücklicher fühlt, wenn man wieder auf die Straße tritt.

Laura Druselmann

Julia Heuser – Liebe + Zeug

Edenstraße 48, 30161 Hannover

Tel.: 0511 72719321

E-Mail: julia@liebeundzeug.de

www.liebeundzeug.de

Öffnungszeiten

Di bis Fr: 11 bis 18 Uhr

Sa: 11 bis 15 Uhr

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Ein letztes Wort im März

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Ein letztes Wort im März


Stephan Weil März 2026

Und ewig grüßt das Murmeltier … Wir haben in der letzten Ausgabe über die Kommunikation der Koalition gesprochen. Und Sie haben am Ende gehofft, dass man vielleicht über sich hinauswächst. Über sich hinausgewachsen ist aber leider niemand. Eher im Gegenteil, es geht mal wieder hoch her. Ist das jetzt schon Landtagswahlkampf?

Das finde ich jetzt übertrieben. Zum Beispiel in der Auseinandersetzung mit Donald Trump tritt die Bundesregierung klar, deutlich und auch geschlossen auf. Das hat mit gut gefallen. Wenn ich mir natürlich die sozialpolitischen Forderungen aus Teilen der Union ansehe, dann weiß ich nicht, für wen genau die momentan Wahlkampf machen. 

Die Kommunikation der Regierungskoalition bleibt eine Katastrophe … 

Na ja, man kann nicht jeden Geisterfahrer gleich der ganzen Koalition anlasten. Ich kann aber auch wirklich nicht nachvollziehen, was seitens der CDU so alles gefordert wird. Man überbietet sich dort fast täglich mit neuen sozialpolitischen Härten. Manche wollen sogar die Finanzierung von Zahnbehandlungen durch die Krankenkassen streichen. Davor waren viele Menschen erschreckt, weil allen Ernstes vorgeschlagen wurde, die Möglichkeit zu Teilzeitarbeit stark einzuschränken. Die Unterstellung ist klar: Die Leute seien zu faul, sie arbeiteten nicht genug. Und das ist in vielen Fällen schlicht eine Frechheit. Das Thema Teilzeit betrifft überwiegend Frauen, die daneben häufig noch die Carearbeit leisten – und die ist oft schon ein Vollzeitjob für sich. Insofern ist der Faulheitsvorwurf absoluter Blödsinn. Zumal viele dieser Frauen gerne mehr arbeiten würden, wenn die Rahmenbedingungen anders wären. Ich gehöre ja nicht zum Beraterkreis der Union, aber dieses Thema sollte man schleunigst begraben. Wir haben auch echte Probleme. 

Ich finde diese gesamte Erzählung ziemlich platt und ärgerlich. Die Menschen sind zu faul und zu oft krank, eine Stunde länger arbeiten wäre darum eine gute Idee für alle und dann bezahlen wir noch den Zahnarzt selbst, schon klappt es wieder mit der Wirtschaft. Klingt nach einem total durchdachten Konzept der Wirtschaftsunion …

Ich denke, dass sich über diese Diskussionen mal wieder nur die Falschen freuen. Weil es natürlich fast zwangsläufig zu Streit führt. 

Die SPD kann aber auch „durchdachte“ Konzepte. Warum diese 5 Millionen bei der Erbschaftssteuer? Warum nicht 25 Millionen? Dann wären die meisten Familienunternehmen raus.

Die großen Familienunternehmen wären damit noch nicht raus. 

Trotzdem überzeugt mich die Idee nicht, vor allem angesichts der momentanen Herausforderungen für viele Unternehmen.

Ich bin ebenfalls noch nicht ganz überzeugt. Aber es ist natürlich wahr, dass die Masse der Unternehmen in Deutschland klein ist und dass für diese Unternehmen eine solche Freigrenze ausreicht. Wenn wir jedoch größere Familienunternehmen mit einer besonders hohen Erbschaftssteuer belasten, dann tun wir uns damit auf Dauer keinen Gefallen. Ich finde es richtig, die Erbschaftssteuer zu erhöhen. Aber ich finde es auch richtig, dass man auf die volkswirtschaftlichen Folgen achtet. Darum überzeugt mich der aktuelle Vorschlag noch nicht. 

Das berührt ja vor allem eine Gerechtigkeitsfrage. Wäre es nicht klug, sich in einem ersten Schritt auf die wirklich ganz großen Vermögen zu konzentrieren?

Viele ganz große Vermögen sind in Unternehmen gebunden. Auf dem Papier stehen dann tatsächlich riesige Summen, aber diese Vermögen sind die Grundlage dafür, dass die Unternehmen erfolgreich arbeiten können. Es ist leider schwierig, die Richtigen angemessen zu besteuern, und nicht die Falschen. In Sachen Erbschaftssteuer erwarten wir nun wieder ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Aus meiner Sicht müssen Vermögen danach bewertet werden, welchen Nutzen sie für die gesamte Gesellschaft haben. Bei den meisten Familienunternehmen mit den gebundenen Vermögen ist das ganz offensichtlich. Während ich zum Beispiel bei riesigen Wertpapier-Paketen skeptisch bin. Bei Wertpapieren hätte ich überhaupt kein Problem, sie mit einzubeziehen. Ich hoffe nicht, dass das Bundesverfassungsgericht feststellt, dass Vermögen einfach Vermögen ist. Das wäre aus meiner Sicht zu kurz gesprungen. Vermögen können sehr unterschiedlich sein, auch in ihrer Wirkung für die Gesellschaft. 

Was machen wir denn neben Arbeitszeit und Erbschaftssteuer mit den richtig großen Themen? Wo bleibt zum Beispiel der große Wurf in Sachen Bildung?

Wenn es mal so einfach wäre … Natürlich kann man mit guten Gründen fordern, dass da viel mehr passieren muss. Es ist auch bereits sehr viel passiert. Es gab immense Anstrengungen in den letzten Jahren die Qualität von Schule und Unterricht zu verbessern. Wir müssen allerdings einfach konstatieren, dass die Probleme in Teilen schneller wachsen als unsere Möglichkeiten. Wir haben Schulen, in denen viele Kinder einen großen Förderbedarf haben. Zahlreiche Kinder wachsen zum Beispiel in Familien auf, in denen nicht primär Deutsch geredet wird. Der Schulaufenthalt ist dann so etwas wie ein Ausflug in eine fremde Sprache. Diese Kinder haben es definitiv schwerer in unserem Schulsystem. Da wären eine intensivere Betreuung und Förderung absolut sinnvoll. Das ist aber inzwischen gar nicht einmal in erster Linie eine Frage des Geldes, sondern vor allem auch der Köpfe. Zunehmender Personalmangel ist generell im öffentlichen Dienst ein Problem, auch und gerade im Bildungssektor. In den Ganztagsgrundschule wird jetzt verstärkt auf eine ergänzende Förderung gesetzt, die viele Schülerinnen und Schüler unbedingt brauchen. Und das gilt übrigens nicht nur für Kinder mit migrantischem Hintergrund. Viel zu viele Kinder werden vor der Glotze oder anderen Bildschirmen geparkt. Wie gesagt, die Probleme wachsen teilweise schneller als die Möglichkeiten. 

Braucht es vielleicht einfach Verbote? Australien hat ein striktes Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. Dänemark plant momentan ein strenges Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. In Deutschland diskutieren wir lieber darüber, die Zahnmedizin aus der gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen …

Ich finde, wir müssen generell die Handynutzung an den Schulen wesentlich einschränken. Alle Versuche in der Richtung haben sehr positive Effekte gehabt, das steigert zum Beispiel spürbar die Konzentrationsfähigkeit. Auch eine Altersgrenze für Social Media leuchtet mir ein, sie müsste dann aber auch gegenüber den Plattformen durchgesetzt werden. Und jedes Verbot bis zu einem gewissen Alter würde voraussetzen, dass die Eltern mitmachen. Leider ist vielen Eltern der Medienkonsum ihrer Kinder aber entweder egal oder sie kommen dagegen nicht an. Und viele geben auch schlechte Vorbilder ab. Man wird also sicher nicht alle erreichen, aber ein gesetzliches Verbot ist für viele andere sicher ein Grund zum Nachdenken. 

Ein Verbot wäre zumindest ein Signal. Und die Erfahrung bei solchen Gesetzen ist, dass manche sich nicht daran halten, aber viele eben doch. Ich denke da zum Beispiel an das Verbot jeder Form von Gewalt gegen Kinder. Seit 2000 haben Kinder ein explizites Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Und das hat tatsächlich einen nachweisbaren Effekt gehabt. 

Ja, das ist ein Argument. Bei dem Social Media Verbot in Australien wird aktuell noch primär darüber diskutiert welche Möglichkeiten es gibt, das Gesetz zu umgehen. Aber wir werden sehen, wie es dort in einigen Monaten aussieht. Und ich habe die Vermutung, dass die Bilanz nicht so schlecht ausfallen könnte. Insofern halte ich das absolut für diskussionswürdig.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir demnächst in Australien sehr viel gesündere und zufriedenere Kinder sehen werden.

Jedenfalls spricht viel dafür. Ich habe während der Hausaufgabenhilfe zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass Viertklässler sich häufig schlechter konzentrieren können als Zweitklässler. Eigentlich sollte man ja vermuten, dass es genau umgekehrt sein müsste. Aber die Viertklässler haben eben schon zwei Jahre mehr Handynutzung im Gepäck. Also, wir können und müssen über Einschränkungen diskutieren. Aber wahr bleibt auch, dass ganz am Ende entscheidend ist, was in den Familien passiert. Und wir dürfen bei der Verbotsdebatte nicht vergessen, dass der Bereich digitale Bildung wichtig bleibt. Wir müssen die Kinder schützen, aber wir müssen sie auch fit machen für die digitale Welt, es braucht wirkliche Medienkompetenz. Das ist viel wichtiger, als die Daumen maximal schnell zu bewegen. 

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Editorial 03-2026

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Editorial 03-2026


Editorial

Liebe Leser*innen,

Für diese Ausgabe habe ich mit Ulli Lust gesprochen. Sie ist Comiczeichnerin, Illustratorin, Online-Verlegerin – und so ein Mensch, mit dem man redet, um danach festzustellen, dass einem bestimmte Sätze oder Gedanken immer wieder in den Kopf kommen. Im Interview erzählt sie zum Beispiel davon, dass man ihr zu ihrem ersten Buch „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“ immer wieder eine „zudringliche“ Frage gestellt habe. Nämlich, warum sie nicht einfach nach Hause gefahren sei. Sie ist damals mit 17 Jahren in Italien unterwegs und zwischendurch wird es sehr gefährlich. Und klar, ein männlicher Held zieht los und besteht dieses Abenteuer. Eine Frau sollte dagegen besser „vernünftig“ sein und in den nächsten Bus nach Hause steigen. Die Drachentöter sind immer männlich besetzt. „Das empört mich immer noch“, sagt Ulli Lust. „Der Heldenmythos ist auf Männer gestrickt. Ich wünsche mir Märchen, in denen Frauen losziehen. Es war einmal eine Familie mit drei Töchtern und die Jüngste ist eines Tages losgezogen, um den Drachen zu erschlagen …“

Das bringt es für mich ziemlich gut auf den Punkt. Wir (Männer) sprechen insbesondere zum 8. März gerne über Gleichberechtigung, und wir progressiven Männer klopfen uns zu diesem Anlass dann meistens selbst lobend auf die Schulter und behaupten, dass wir längst alles verstanden haben. Haben wir das? Oder tun wir nur so? Nehmen wir vielleicht hin und wieder doch nur so eine gönnerhafte Position ein und gestehen den Frauen zu, dass sie jetzt ein bisschen mitspielen dürfen? Klar, bei mir ist das natürlich nicht so, ich habe mich längst von oben bis unten durchreflektiert und alles durchdrungen und verstanden, was da an Mustern und Rollen bei mir angelegt war. Ich habe mich von all diesen Zuschreibungen, was männlich ist, längst befreit. Nicht.

Ich arbeite noch dran. Und wir arbeiten als Gesellschaft auch noch dran. Wenn ich mit Leuten über Gleichberechtigung, über Emanzipation, über Feminismus spreche, dann fällt sehr oft das Wort „eigentlich“. Eigentlich müsste Gleichberechtigung doch schon längst eine Selbstverständlichkeit sein. Vor einer Selbstverständlichkeit sind wir aber noch immer weit entfernt. Wir hören die Sonntagsreden und auf der anderen Seite sehen wir den Alltag und stellen fest, dass Frauen weniger verdienen, mehr Care-Arbeit leisten, sich häufiger rechtfertigen müssen, öfter unterbrochen werden, bedroht werden, geschlagen werden, umgebracht werden – weil sie Frauen sind.

Und nun erleben wir sogar noch diesen seltsamen Backlash. Die Tradwives sind unterwegs und sehnen sich nach Verhältnissen wie in den 1950er-Jahren. Sie sind gerne Hausfrau und Mutter, der Mann verdient das Geld und sagt, wo es lang geht. Die Frauen kochen, putzen und kümmern sich um die lieben Kleinen und sehen das als höchste Stufe der weiblichen Selbstverwirklichung. Die Antifeministen jubeln. Und okay, ich habe nichts gegen diese Tradwives. Menschen haben ein Recht darauf, in bestimmten Grenzen irre zu sein. Wenn diese Frauen damit glücklich sind, kann ich das gut akzeptieren. Was mich allerdings ziemlich besorgt, ist die Tatsache, dass es ganz offensichtlich reichlich Männer gibt, die sich genau das von Frauen wünschen. Was ist da bloß schiefgelaufen? Ich finde das ziemlich armselig.

Ulli Lust sagt im Interview ab Seite 54, Feminismus sei letztlich nur die Feststellung, dass es keinen Grund gibt, Frauen zu benachteiligen – und dass es schlicht dumm sei, Ressourcen zu verschwenden. Sie sagt das sehr nüchtern und unaufgeregt und „eigentlich“ ist dem gar nicht viel hinzuzufügen. Wenn es nicht noch so viel zu besprechen gäbe. Wir behandeln Gleichberechtigung stellenweise leider wie ein erledigtes Kapitel. Als wäre das Thema irgendwann in den 90er-Jahren abgehakt worden, sauber erledigt zwischen „Quote eingeführt“ und „Gendersternchen-Debatte geführt“. Aber gesellschaftliche Entwicklungen verlaufen nicht linear. Rechte können auch wieder verschwinden, wenn man sie nicht verteidigt. Respekt kann erodieren, wenn man ihn nur behauptet, aber nicht lebt. Der 8. März ist deshalb kein Feiertag für wohlmeinende Statements, sondern ein Tag, an dem man (Mann) sich fragen kann: Wo profitiere ich noch von Strukturen, die andere kleinhalten? Wo schweige ich, obwohl ich widersprechen müsste? Wo lache ich mit, obwohl es nicht lustig ist? Und wo rede ich mir ein, dass „das doch alles nicht mehr so schlimm“ ist? Ich wünsche mir auch Märchen, in denen die Frauen losziehen, um den Drachen zu erschlagen. Aber noch mehr wünsche ich mir eine Gegenwart, in der sie das tun können, ohne dass irgendjemand fragt, warum sie nicht einfach zu Hause geblieben sind.

Viel Spaß mit dieser Ausgabe!

Lars Kompa

Herausgeber Stadtkind

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