Für den Mai gab es ein Gespräch zwischen Lars Kompa und Nico Roeger, dem geschäftsführenden Gesellschafter bei Hannover Concerts. Der kommt eigentlich aus der Nähe von Heidelberg. Wie er hier gelandet ist, was das mit PUR zu tun hat, warum Konzerttickets so teuer sind und wie es um (Konzert-)Kultur in Hannover bestellt ist, ist ab Seite 58 im Heft zu lesen.
Abgelegt unter Aktuelles, TitelKommentare deaktiviert für Das Mai-Kind ist da!
Liebe Ursula, Respekt! Wirklich. In einer Zeit, in der sich die mächtigen Männer dieser Welt mal wieder gegenseitig mit diversen irren Ungeheuerlichkeiten überbieten, hast du bewiesen, dass Wahnsinn kein biologisches Geschlecht hat. Das darf man getrost historisch nennen. Wenn alle Herren permanent die Zone mit Scheiße fluten – wie es neuerdings so schön heißt –, dann sollten die Frauen jetzt einfach mal mitmischen. Ein genialer Plan mit geopolitischem Kalkül. Die Logik ist brillant. Wenn Autokraten und Narzissten die Vernunft begraben, sollte Europa sich nicht isolieren, sondern ebenfalls zur Schaufel greifen. Wer am bescheuertsten agiert, gewinnt. Der mit der schönsten Rolle rückwärts wird am Ende die Nase vorn haben. Los geht’s: Atomkraft!
Der ganz neue, heiße Shit. Da sind wir gerne maximal technologieoffen und freuen uns, weil nun vielleicht doch noch auf uns alle eine strahlende Zukunft wartet. Natürlich alles ganz anders, viel smarter, ganz niedlich und klein. Small Modular Reactors. Klingt großartig. Bitte mehr von diesen englischen Akronymen. Das hat diesen Sound von Startup und Innovation, das brauchen wir in Europa und insbesondere in Deutschland. Dafür müssen wir unbedingt Geld locker machen. Das sind lohnende Investitionen in Visionen. Wer weiß denn schon, was die Wissenschaft in Zukunft noch ausbaldowern wird. Vielleicht werden wir uns eines Tages in den Urlaub beamen können. Oder sie erfinden ein Faxgerät mit Bluetooth. Oder Small Modular Reactors, die restlos den eigenen Atommüll verbrauchen. Okay, das ist alles noch ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Diese kleinen Dinger rechnen sich noch nicht, ohne riesige Subventionen wird es wohl nie gehen, die Bauzeiten sind noch zu lang, die Technologie ist noch nicht wirklich serienreif und am Ende bleibt wohl doch immer ein kleines bisschen Müll übrig, den man über zehntausende Jahre irgendwo sicher aufbewahren muss. Davon abgesehen, dass die Brennstäbe auch nicht auf den Bäumen wachsen. Aber das sind ja alles nur Details. Unkenrufe aus der Wissenschaft. Man kennt sie ja, diese grünen Bedenkenträger, die alles kaputtreden, nur weil sie vielleicht das eine oder andere Buch mehr gelesen haben. Es ist gut, dass wir mit der CDU/CSU hier bei uns und der EVP in Europa Menschen haben, die auch mal die Wissenschaft beiseitelassen und schlicht an etwas glauben. Was ist klüger als die Fähigkeit, aus Fehlern der Vergangenheit neue, teurere Fehler zu entwickeln, und das dann Fortschritt zu nennen? Wo kommen wir denn hin, wenn wir den Glauben an solche Ideen verlieren?
Darum sind nicht nur wir dankbar für dein Plädoyer für die Atomkraft, für deinen klaren Kurs. Klein denken ist angesagt. Kein Geld mehr für erneuerbare Energien, Speichertechnologien und kluge Netze, solche Ideen sind nur was für Technokraten, die noch an Evidenz glauben. Wir sind alle zusammen dankbar. Deine große, kleine Atom-Idee, das ist Balsam für die von grünem Schmalz verklebten Ohren der Menschen hierzulande. Findet ja auch der Markus Söder. Was dir, liebe Ursula, den Rücken stärken wird. Denn wenn die Richtigen jubeln, weiß man, dass man einen klugen Kurs eingeschlagen hat. Markus Söder hat das schöne Bayern bereits als Testlabor für die Small Modular Reactors vorgeschlagen. Und für den Atommüll wird er bestimmt demnächst noch ein Endlager (in einem anderen Bundesland) aus dem Ärmel schütteln. Oder wie wäre es tatsächlich mit Bayern. Die Infrastruktur ist gut und eine gewisse Bereitschaft, Dinge unter den Teppich zu kehren, ist politisch ja durchaus vorhanden. Vielleicht wäre Bayern sogar eine gute Endlagerlösung für ganz Europa. Der Müll ist ja der Rohstoff der Zukunft.
Und ein schönes Endlager wäre Bayern auch für alle, die an der großen Energiewende mitgearbeitet haben. Du liebe Ursula, könntest in bester Gesellschaft mit all den anderen Atom-Fans, vielleicht mit Macron und Söder in der Nachbarschaft und in Sichtweite eines süßen Reactors deinen Alterssitz finden, mit einer großen Pferdezucht. Bestimmt werden wir mit den Jahren ganz neue Mutationen erleben, fünf Beine statt vier, zwei Köpfe aber halb so klug. Eigentlich das perfekte Symboltier für deine neue europäische Energiepolitik.
Abgelegt unter offene BriefeKommentare deaktiviert für Ein offener Brief… an Ursula von der Leyen
Wer irgendwann in der 90ern auch nur einen kleinen Zeh in Richtung Crossover gestreckt hat, kam an den H-Blockx nicht vorbei und kann jetzt nicht umhin, eine kleine Reise in die eigene Vergangenheit zu machen. Wem damals „Time to Move“ gefallen hat, der ist vielleicht versucht, der Verheißung zu verfallen, dass „Fillin‘_The_Blank“ an selbiges anknüpfen soll. Und in der Tat, das tut es, auf eine Art. Nach wie vor wissen die Münsteraner um Henning Wehland, wie man dicke Hooks schreibt, „Last Summer“, ganz bestimmt der beste Track des Albums, beweist das. Und ja, es ist toll, seinem eigenen Sound treu zu bleiben. Nur nimmt man die herrliche Unbekümmertheit, mit der vorgetragen wird, einem Twen eher ab als einem Mittfünfziger. Und ob diese Unbekümmertheit für einen selbst noch stimmt und die Platte somit verfängt, muss dann letztlich jeder selbst entscheiden.
The toten Crackhuren im Kofferraum – „Love, Hate & Engelenergie“
Seit fast zwei Jahrzehnten gibt es das Berliner Kollektiv jetzt schon. Und schon immer waren sie bissig, punkig, klug und schwarzhumorig. Vom ersten Attribut mal abgesehen, unterscheidet sie das von vielen feministischen Musiker*innen, die meinen, es reicht, lediglich mit platten und misandrischen Parolen zu werfen und selbstbestimmt ihre Möpse zu zeigen. Hier ist das ganz anders: Alt-Pop, Indie-Rock, Rap und Schlager stapeln sich auf, überlagern einander, sich im besten Sinne überfrachtend. Auch die Texte handeln nicht ausschließlich vom Kampf gegen das Patriarchat, sondern davon, womit sich Menschen befassen, die nicht permanent in Kampfstellung sind: Datingdynamiken, Freundschaft, Selbstzweifel. Feministisch? Ganz klar. Aber eben auch ein tolles Beispiel dafür, das feministische Musik nicht automatisch ein um-sich-Schlagen bedeutet.
The Fray – „A Light That Waits“
Tauscht man bei einer Band den Sänger, lädt man zum Vergleich ein. Ist so. Wo Isaac Slade also mit soviel Pathos und Substanz litt, dass man selbst beim Zuhören einen Swimmingpool vollheulte, weint Joe King eher subtil auf Zimmerlautstärke. Leider exemplarisch fürs ganze Album, Ausnahme: „My Heart‘s Crowded Room“. Schade.
Harry Styles – „Kiss All The Time. Disco, Occasionally.“
Von einem, der so singen kann, erwartet man gefälligst ein Vocal-Pop-Album. Oder zumindest Hitnummern wie „As it was“ der „Sign of the times“. Nichts dergleichen! Der Vocoder erledigt das Meiste und das Songwriting wurde derart vernachlässigt, dass von einer Nummer abgesehen nichts hängen bleibt. Erträglich die ganze Zeit. Gut manchmal.
The Notwist – „News from Planet Zombie“
Sie haben mittlerweile vielleicht jede Stilart durchgespielt – und das auf hohem Niveau. Es macht enormen Spaß, da zuzuhören. Auch das aktuelle Album, das insbesondere durch ein Cover von Neil Young (!!! „Red Sun“) glänzt, reich und satt instrumentiert ist, bildet da keine Ausnahme. Wie ein Baum, der durch ein verlassenes Auto wächst: Das muss so.
Clueso – „Déja Vu 1 / 2“
Bei Clueso hat die Stanze für glatte Pop-Sänger etwas geklemmt. Aber diese kleinen Grate und Unregelmäßigkeiten, die auch dem seichtesten Song einen kleinen schrägen Twist verleihen, machen das Ganze besonders, auch, wenn es dann im Grunde doch eher Midtempo-Wellness-Pop ist. Für Zwei von Zwei vielleicht ein paar bpm drauf?
Gorillaz – „The Mountain“
„Britpop-Hegemonie am Arsch, ich mach jetzt Weltmusik.“ Und das hat Damon Albarn getan, unter Zurhilfenahme von Bollywoodgrößen, Tony Allen-Samples, Johnny Marr und, man halte sich fest, The Sparks. Dabei ist das alles aber weder Ethnokitsch noch kulturelle Aneignung oder sonst was: Es ist komplett artsy und bekloppt. Es ist grandios!
Unheilig – „Glaube, Liebe, Monster“
Man nehme einen Würfel und beschrifte ihn mit Phrasen wie: Nach den Sternen greifen, Ketten sprengen, jeder Atemzug, (neues) Leben, et cetera und würfele sich einen Popsong – oder 16. Dazu einen getragenen Bass-Bariton und eine Prise Beerdigungsstimmung, zack, fertig ist die neue Unheilig-Platte. Das ist ganz, ganz schlimm.
Abgelegt unter Musik, TonträgerKommentare deaktiviert für Tonträger April 2024
TECH – das sind Frontman Carsten Tech (Gesang und Gitarre), Hendrik Vogts am Klavier, Jan Geldmacher (Gitarre und Gesang), Arne Decker am Bass und Clemens Fleischer am Schlagzeug. Seit 2024 spielen die fünf Musiker aus Hannover in dieser Bandbesetzung. Aus vorherigen Zusammenarbeiten in ehemaligen Bands und vor allem durch ihre lange Freundschaft haben sie so zu einer festen 5er-Konstellation zusammengefunden. Am 06.03. haben sie ihre erste gemeinsame EP „Grün & Blau“ herausgebracht.
Carsten, Hendrik, Arne, Jan und Clemens kennen sich schon aus früheren musikalischen Zusammenarbeiten in ehemaligen Rockbands, allen voran quarter to eleven, und teils auch aus der Schulzeit. Sie alle wohnen in Hannover und spielen seit 2024 als feste Band unter dem Namen TECH. Musik ist ihre große Leidenschaft, hauptberuflich sind sie in anderen Gewerken tätig. Alle zwei Wochen trifft sich die Band in ihrem Probenraum, um gemeinsam Musik zu machen, Spaß zu haben und Songs zu produzieren. So ist im März dieses Jahres ihre erste EP in der jetzigen Besetzung erschienen: „Grün & Blau“ behandelt gesellschaftliche Themen wie Gemeinschaft, Zusammenhalt und Solidarität, lädt die Menschen zum Nach- und Mitdenken ein und ist von einem rockig, rauen Pop Sound geprägt. Das Album ist in seinen Songs so vielfältig, dass man sich gar nicht auf einen Favoriten festlegen kann. Am 18.04. spielt die Band um 20 Uhr ein Release-Konzert im Lux. Der Abend wird eine ganz bunte Mischung, selbstverständlich mit den Songs von der neuen EP, aber auch mit Songs vergangener EPs („Von Wegen“ und „In guter Gesellschaft“). Neu, alt, besinnlich, energisch, emotional, laut und rockig: TECH bringen ein vielfältiges Repertoire und jede Menge Energie mit. Carsten und Hendrik berichten, dass sie schon vor der festen Bandbesetzung gemeinsam an Songs gearbeitet haben und dass durch die neuen Mitglieder wieder frische Energie in die Band gekehrt sei. „Mit dieser Fünferkonstellation ist seit zwei Jahren wieder richtig Drive zu spüren“, berichtet Carsten. Da sich die Gruppe schon lange kennt und über ihre musikalische Zusammenarbeit hinaus eng befreundet ist, ist die Stimmung innerhalb der Band sowohl musikalisch als auch menschlich sehr harmonisch. Auf die Frage, wie so ein kreativer Prozess von der Idee bis zum fertigen Song aussehen kann, antwortet Carsten: „Primär entwickeln sich die Ideen bei Hendrik und mir, aber zunehmend auch bei Jan, der lange selbst Frontman einer Band war. Meistens bringt einer von uns ein paar Skizzen, Akkordfolgen oder Schemata zur Probe mit und wir spielen erstmal so ins Blaue hinein, wiederholen Abfolgen und überlegen, was stilistisch dazu passen könnte.“ Die Texte schreibe Carsten gerne selbst, da er als Sänger durch die Sprache sehr präsent ist. „In dieser Sache habe ich einen total hohen Anspruch an mich selbst, gerade auch, da wir Songs in unserer Muttersprache schreiben und die Texte für fast alle zu hundert Prozent verständlich sind. Für mich ist das etwas anderes als auf Englisch zu schreiben und ich fühle mich ein Stück weit wohler, wenn ich das zu verantworten habe, was ich da von mir gebe. Und tatsächlich habe ich dadurch auch entdeckt, dass das Schreiben mir richtig Spaß macht.“ Erst durch die gemeinsamen Proben zu fünft erlangen die Songs die richtige Prise TECH. Dadurch, dass jeder sich einbringe, Energie und Rock auf seinem Instrument hinzufüge, bekomme der Song einen ganz eigenen Charakter. „So geht dieser dann seinen Weg, findet seine Färbung, seine Zeit und seinen Raum“, ergänzt Hendrik. „Da wir auch ziemlich gute Zuhörer sind, uns gerne abstimmen, einbringen und auch kritisieren und weiterentwickeln, kommt oft ein sehr vielfältiger Output zustande. Da sind wir alle ganz froh drum, dass es ein sehr buntes Spektrum ist, was hoffentlich durch die neue EP und die Konzerte transportiert wird.“ „Immer für die gute Sache in Bewegung bleiben und dabei nicht leiser werden“ – ist ein Leitspruch der Band. TECH bleibt momentan dafür in Bewegung, jedem Menschen eine Stimme zu geben. Vor allem aber den leiseren, denen, die nicht in privilegierten Machtpositionen stecken und laut entscheiden können. Außerdem wollen sie den Menschen Lust machen, wieder aus ihren Wohlfühlecken und Komfortzonen zu kommen, sich auf das Unbekannte einzulassen. Abschließend möchten sie Offenheit und Bedeutungsspielräume schaffen und erweitern, um auf das Schwarz-Weiß-Denken in dieser Welt aufmerksam zu machen. Lilly Struckmeyer
Abgelegt unter Musik, MusikerporträtKommentare deaktiviert für Bandporträt April 2026: TECH
Kinder wachsen schnell – doch viele Eltern kennen das Problem: Hosen rutschen, Ärmel sind zu kurz oder die nächste Größe ist plötzlich viel zu weit. Für Daniela Schulz aus Hannover wurde diese Erfahrung zum Ausgangspunkt für eine Unternehmensgründung. Mit ihrem Label Himmelsfaden entwickelt die diplomierte Textil-, Mode- und Kostümdesignerin Kindermode, die sich an echten Kinderkörpern orientiert – und nicht an standardisierten Durchschnittsmaßen.
Die Idee entstand aus persönlicher Erfahrung. Schulz ist Mutter eines großen, schlanken neunjährigen Kindes und kennt die Schwierigkeiten schlecht sitzender Kleidung aus dem Alltag. „Ich habe unzählige Hosen gekauft und fast jede geändert: zu kurz, zu weit, falsche Proportionen“, erzählt sie. „Der Markt arbeitet mit Standardmaßen, die kaum einem Kind wirklich gerecht werden.“
Mit Himmelsfaden will sie dieses Problem systematisch lösen. Seit 2025 entwickelt und vertreibt sie Kindermode aus zertifizierten Materialien, deren Kern ein eigenes Maßkonzept für die Größen 104 bis 134 bildet. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – also brauchen sie eigene, durchdachte Proportionen“, sagt Schulz. Ihre Schnitte sollen deshalb nicht nur besser passen, sondern auch mitwachsen.
Die Entwicklung der Modelle erfolgt vollständig in Hannover: Von der ersten Idee bis zum Prototyp entsteht jedes Kleidungsstück in Handarbeit. Produziert wird anschließend in enger Zusammenarbeit mit einem langjährigen Partner aus der Textilbranche. „Wir kennen uns seit 17 Jahren. Diese gewachsene Vertrauensbasis macht es möglich, hohe Ansprüche an Qualität, Passform und Nachhaltigkeit konsequent umzusetzen“, so Schulz.
Auch die Materialien spielen eine zentrale Rolle im Konzept des Labels. Stoffe, Nähgarn, Knöpfe und Labels sind nach OEKO-TEX® Standard 100 zertifiziert, teilweise werden recycelte Materialien verwendet. Verpackt wird plastikfrei. Gleichzeitig setzt Himmelsfaden bewusst auf langlebige Basics statt auf schnell wechselnde Saisonware. „Wer ein Lieblingsteil findet, kann es dauerhaft nachbestellen – das vermeidet Frust und unnötige Retouren“, erklärt Schulz.
Besonderes Augenmerk legt die Designerin auf die Praxis. Ihre Schnitte entstehen klassisch von Hand und werden im Kita-Alltag getestet. „Und dort wird keine Rücksicht genommen – genau so soll es sein“, sagt sie.
Die Zielgruppe sind Familien mit Kindern im Kindergarten- und frühen Schulalter. Gerade in dieser Phase gehen Körperproportionen stark auseinander, während robuste und bequeme Kleidung besonders gefragt ist. Verkauft wird die Mode über einen eigenen Onlineshop, auf Designmärkten, über erste Boutique-Kooperationen und bei privaten Verkaufspartys. „Das persönliche Erleben der Stoffe und Schnitte ist vielen Kundinnen und Kunden wichtig“, berichtet Schulz.
Bei der Gründung erhielt sie Unterstützung von der Wirtschaftsförderung hannoverimpuls. „Von der ersten Beratung bis zu Workshops, Coachings und konkreter Hilfe bei Businessplan oder Bankgesprächen war der Austausch persönlich, praxisnah und sehr bestärkend“, sagt Schulz. „Ich habe mich nie als Nummer gefühlt, sondern als Teil eines Netzwerks.“
Auch dort sieht man großes Potenzial in der Idee. „Kinderkleidung, die mitwächst, fair produziert wird und gut aussieht – mit Himmelsfaden trifft Daniela den Nerv der Zeit“, sagt Ute Rebel, Projektleiterin Gründerinnen-Consult bei hannoverimpuls. „Qualität wird sich durchsetzen. Dabei unterstützen wir gerne.“
Abgelegt unter Menschen, Stadtkinder sind mutigKommentare deaktiviert für Gründungsstory April 2026: HIMMELSFADEN – Wenn Kinderkleidung endlich richtig passt
„Ich habe zwei Mädels und mit denen hat eigentlich alles angefangen.“ Mareike Deppe ist 44 Jahre alt, kommt aus Hannover und ist studierte Bioverfahrenstechnikerin. Zum Schreiben ist sie durch ihre Töchter gekommen, die zum Einschlafen immer selbstausgedachte Gute-Nacht-Geschichten von ihr verlangt haben. „Und wie das dann bei Kindern so ist, wollten sie am nächsten Tag nochmal die gleiche Geschichte hören. Dann habe ich angefangen, sie aufzuschreiben, und gemerkt: Das macht mir total Spaß.“ Sie ist diejenige, die zu Hause den Haushalt schmeißt und sich um die Kinder kümmert. „Mein Alltag war ohnehin sehr von Kinderdingen geprägt und Kindergeschichten gingen schnell. Aber das hat mich intellektuell nicht so gefordert. Deswegen wollte ich gerne ein Projekt haben, außerhalb von Geschirrspülmaschine ausräumen und Waschmaschine anstellen.“ Mareike Deppe hat dann viele Schreibkurse der Volkshochschule besucht und in einem dieser Kurse entstand schließlich die Idee für ihren aktuellen Roman „Die Schattenseiten von Sansibar“. „Wir haben die Aufgabe bekommen, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Anhaltspunkt war eine Person, die in einem Laden arbeitet.“ So entstand Pauline – die Hauptfigur in Deppes Roman –, die auf Sansibar das Gewürz- und Tee-Geschäft ihrer Eltern führt. „In dem Kurs habe ich dann gedacht, dass ich gar keine Kurzgeschichte geschrieben habe, sondern eher das erste Kapitel von meinem neuen Roman.“ Pauline ist die Tochter einer englischen Familie, die sich zu Kolonialzeiten auf Sansibar ansiedelt. Paulines Familie möchte sie bald verheiraten, und als Nathan, ebenfalls englischer Kolonist, auf die Insel kommt, sieht es zunächst so aus, als hätte sich ein passender Mann gefunden. Im Laufe der Geschichte wird klar: Pauline möchte sich gar nicht mit Nathan verloben. Sie liebt jemanden anderen: Samé. Der als Sklave in Mozambique gefangen genommen und nach Sansibar an einen Plantagenbesitzer verkauft wird. Nathan entwickelt währenddessen eine gefährliche Obsession mit Pauline und will sie nun um jeden Preis besitzen. Der Roman beinhaltet nicht nur eine verworrene Liebesgeschichte und krankhafte Obsessionen, sondern behandelt auch die Kolonialgeschichte Sansibars und dabei auch explizit Sklaverei und Gewalt. Mareike Deppe rät daher, ihr Buch erst ab 18 Jahren zu lesen. Für ihre Recherche war die Autorin selbst auf der Insel vor Tansania. „Ich habe mich mit der Historie auseinandergesetzt und versucht, das so getreu wie möglich wiederzugeben.“ Das führt auch dazu, dass die Autorin in ihrem Buch das N-Wort benutzt. Weshalb sie auch von einem Verlag abgelehnt wurde. Deppe sagt dazu: „Das Wort steht jedes Mal in wörtlicher Rede. Und ich finde es schwierig, in der heutigen Zeit, das alles vergessen zu wollen und immer nur zu sagen: ‚Das darf man nicht mehr sagen.‘ Natürlich darf man das nicht mehr sagen. Aber früher haben die halt so gesprochen.“ Auf die Frage, warum sie sich dazu entschieden hat, zwei weiße, englische Personen aus Kolonistenfamilien zu ihren Hauptfiguren zu machen, antwortet sie: „Diese Kultur war mir einfach näher. Ich hätte schwer über eine islamische Kultur in der Zeit schreiben und originalgetreu bleiben können. Außerdem hatte ich in dem VHS-Kurs mit Pauline schon meinen Grundstein für die Geschichte gelegt und im Islam zu dieser Zeit, hätte niemals eine Frau einen Laden geführt.“ Aktuell arbeitet Mareike Deppe schon am zweiten Teil des Romans. Dieser soll in Indien spielen. „Es geht natürlich in erster Linie um die Personen aus dem ersten Teil. Aber ich habe mich da an der Fernsehserie Bridgerton orientiert. Hier kommen zwar die gleichen Personen vor, aber die Perspektive ändert sich.“ Zudem schreibt Deppe auch noch an weiteren Büchern. Ihr Kinderbuch „Leonie tanzt“ steht schon in den Startlöchern. „Ich finde, es gibt wenig Bücher über behinderte Kinder – zum Beispiel über Kinder mit Down-Syndrom. Deswegen ist es mir auch ein Anliegen, Bücher zu veröffentlichen, die Anderssein zeigen.“ In „Leonie tanzt“ findet ein Mädchen mit Down-Syndrom, das von Deppes jüngerer Tochter inspiriert ist, durchs Tanzen Freund*innen. Die Autorin möchte dazu auch die Rubrik Jugendbuch umkrempeln. „Wenn ich diese Bücher lese, die für Zehnjährige geschrieben sind, könnte ich kotzen. Es geht entweder um Fußball oder um Ponyhöfe.“ Dem will sie sich mit neuen Ideen widersetzen. „Ich will zum Beispiel zeigen, dass auch Kinder schon in jungen Jahren Schicksalsschläge erleben und lernen, damit umzugehen.“ Während diese noch unveröffentlichte Gedanken sind, hat Mareike Deppe mit „Die Schattenseiten von Sansibar“ ihren ersten Roman veröffentlicht. Erschienen im Oktober 2025 bewegt er sich irgendwo zwischen „historischem Liebesroman und Dark-Romance“, wie die Autorin selbst sagt. Am 6. Juni wird Deppe ihr Buch in der Booksbaum-Buchhandlung in Isernhagen vorstellen.
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