Kann mal jemand zuhören, bitte?! Béi Chéz Heinz braucht dringend eine Lobby

Das Béi Chéz Heinz (BCH) säuft so langsam aber sicher ab. Und keine der führenden Parteien im Rat Hannover ist bereit, den Rettungsring zu werfen. Doch so sang- und klanglos kann man den beliebten Musik-Club nicht untergehen lassen. Das BCH braucht eine Lobby. Dringend. Vor allem sollte das BCH-Team um Geschäftsführer Jürgen Grambeck endlich mit an den Planungstisch gebeten werden, denn das Konzept, das der Club bereits im Juni dieses Jahres der Öffentlichkeit und den Parteien vorstellte, hält jede Menge plausibler Ideen bereit.

Es ist doch sehr verwunderlich, dass Bürgerbeteiligung, bürgerschaftliches Engagement und die ehrenamtliche Arbeit für das Gemeinwohl ganz groß geschrieben wird – lobenswerterweise auch in Hannover, doch wenn dann tatsächlich einmal mitgedacht und  mitkonzipiert wird, verstummt das Interesse an den guten Einfällen der Mitbürger.

Zu beobachten ist dieses Phänomen gerade bei den nicht enden wollenden Planungen rund um den Neubau des Fössebades. Auf der Kippe stehen, wie sicherlich den allermeisten Hannoveranern inzwischen bekannt sein dürfte, der Erhalt eines familienfreundlichen Freibades und des Musik-Clubs Béi Chéz Heinz. Nach hitzigen Diskussionen im Lindener Bezirksrat und  in den unterschiedlichsten Gremien und Ausschüssen der Stadt stand die Entscheidung über die Zukunft des Bades und des Clubs kurz bevor. Zwei Lindener Grüne hatten sich – wie auch die Oppositionsparteien Die Partei, Die Linke und die Piraten – noch einmal für den Erhalt des Freibads und des Clubs stark gemacht. Sie wollten sich im Stadtrat der Stimme enthalten und hätten so die Pläne zum millionenschweren Fössebad-Neubau zum Kippen gebracht. Inzwischen haben sich die beiden Grünen-Politiker etwas anderes ausgedacht. Sie stimmen dem Antrag doch zu, sofern die Baukosten für das Freibad in den Haushalt 2019 aufgenommen werden. Ein feiner Schachzug für den Erhalt des Freibades. Doch… kein Wort mehr zum BCH!

Dabei war sogar in der Presseerklärung des Stadtverbandes der Grünen vom 18. August 2017 zu lesen: „2. Das Chez Heinz soll erhalten bleiben. Sein Standort im Altbau des Fössebades inkl. des vom Chez Heinz vorgelegten Nutzungskonzeptes wird vorrangig geprüft. 3. Durch die Nutzung der freiwerdenden Geländeteile des Freibades dürfen keine Fakten geschaffen werden, die die Erweiterung um ein Freibad und den Verbleib des Chez Heinz gefährden.“ Und: „Wir werden uns für den zukünftigen Bau eines Außenbeckens und den Erhalt des Chez Heinz einsetzen“, verkündeten Gisela Witte und Richard Heise, Sprecher/in des Grünen Stadtverbandes. So wie sich übrigens auch ein Großteil der führenden Parteien noch im Wahlkampf 2013 für den Erhalt des BCH aussprach.

Nun ja, was ist denn nun mit dem Engagement für das BCH? Wer brennt denn noch für den Erhalt des Clubs – abgesehen von den Oppositionsparteien, die sich offenbar heiser brüllen können, nur zugehört wird nicht. Vom BCH ist keine Rede mehr – stattdessen bleibt nur die  müde Feststellung, das BCH müsse sich wohl leider neue Räume suchen, die Stadt wäre dabei behilflich. Was für eine bittere Entwicklung.

Fragt man BCH-Geschäftsführer Jürgen Grambeck, hat der noch immer ein plausibles Konzept parat. Man müsste ihm nur einmal zuhören und ihn in die Planungen mit einbeziehen. Warum passiert das nicht? Stichwort Bürgerbeteiligung, bürgerschaftliches Engagement – und natürlich geht es auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen und einer wichtigen Kulturinstitution, die Hannover alle Ehre macht. Unesco City of Music, hör mal zu, was der renommierte Club zu sagen hat, der bereits zahlreiche internationale Musikgrößen in deine Stadt holte, der dir nie finanziell auf der Tasche lag und – Obacht! – vieles durch ehrenamtliches Engagement auf die Beine gestellt hat.

Seit kurzem ist die geplante Wohnbebauung des Fössebad-Geländes aus rechtlichen Gründen vom Tisch. Durch den Wegfall des Grundstücksverkaufs entsteht eine Lücke in der Finanzierung des Bad-Neubaus, heißt es. Grambeck hat auch dazu einen Vorschlag: „Warum nicht das alte Hallenbad komplett stehen lassen und die von städtischer Seite auf 600.000 Euro geschätzten Abbruchkosten sparen? Dann wäre die Finanzierungslücke fast gestopft und aus dem alten Hallenbad könnte man ein Haus der Musik machen. Wie wäre es denn, wenn die Unesco-City-(Hannover)-of-Music ein Haus der Musik als Projekt im Rahmen der Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt Hannover 2025 präsentiert?“

Ein Projekt, mit dem man sich wirklich rühmen könnte, denn nicht nur das BCH wäre gerettet, Grambeck hätte da noch viele weitere Ideen, was in diesem Haus der Musik passieren könnte: Räume für eine Musikschule bereit stellen, das Foyer zu einem Café oder einer Kneipe umgestalten, Musikübungsräume schaffen, das Emil Berliner Museum „Von der Schallplattenproduktion bis zur CD-Serienfertigung“ integrieren, die Schwimmhalle auf drei Ebenen in 30 Ateliers oder Musik-Räume umwandeln, den Gymnastikraum erhalten, das Nichtschwimmerbecken zur einem Livemusiksaal umbauen, einen Vinyl Shop, eine Musikbibliothek oder Annahmestelle für defekte Plattenspieler schaffen …

Bitte zuhören, hier hat jemand Ideen! Und vor allem in die Planungen einbeziehen – bevor sich der städtische Finanzausschuss zur Sondersitzung zum Fössebad trifft und bevor im Rat endgültig entschieden wird.

Katja Merx

4 Kommentare für “Kann mal jemand zuhören, bitte?! Béi Chéz Heinz braucht dringend eine Lobby”

  1. Guten Tag,

    riesen Kompliment für den großartigen Beitrag! Ich kann ansonsten gar nicht viel hinzufügen, denn ich finde die Ideen einfach super!!!

    Meine Großeltern, meine Eltern und ich haben unsere Kindheit (Jungend) im Freibad des Fössebads verbracht. Genau so kann ich sagen wie traumhaft der Generationswechsel im Bei Chez Heinz ist. Ich habe den Club von meiner Tante kennengelernt die vor 25 Jahren dort schon die Nächte durchgemacht hat …. nun (ich 29 Jahre- Sie 46 Jahre jung) tun wir das seit vielen Jahren zusammen ;). Mam kann sagen, es ist schon manchmal wie ein zweites Wohnzimmer…Ich meine, wo gibt’s das Sonst?!

    Die Stadt Hannover soll verdammt noch mal stolz auf so eine Institution sein und lieber damit werben statt es zu vernichten!!!

    Gruß
    Melanie Engel

  2. Ano sagt:

    Eine Bürgerinitiative gründen! Unterschriften sammeln, Sympathisanten aus der Stadtgesellschaft suchen

  3. Wolke sagt:

    Danke!

    Ja, eine Unterschriftenliste gibt es längst, die ihre 100% bereits erreicht hat: https://www.openpetition.de/petition/online/bei-chez-heinz-und-freibad-muessen-bleiben.

    Dennoch scheint das BCH immer mehr aus dem Fokus der Politik zu verschwinden. Höchste Zeit, ein deutliches Zeichen zu setzen. Vielleicht ein großes Solidaritätsfestival, veranstaltet von sämtlichen Clubs und Veranstaltungszentren der Stadt?

    Und ja, es gibt auch Menschen aus der Stadtgesellschaft, die sich einsetzen… Christof Stein-Schneider von Fury in the Slaughterhouse schlägt Alarm, Julian Klippert von der Partei… um nur ein paar Beispiele zu nennen. Nur… hören die Entscheidungsträger zu? Offenbar nicht, sonst würde das BCH in die Planung einbezogen.

  4. roseblood11 sagt:

    Schöne Ideen, aber sehr teuer. Einmal der nötige Umbau, vor allem aber der Unterhalt. Und ganz ehrlich, ist der Standort für das Heinz langfristig wirklich optimal? Wäre da nicht eine Chance, einen Ort zu finden, der zentraler liegt, und den Laden so zu gestalten, dass eine vielseitigere Nutzung möglich wäre?

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