Torsten Fischer von der Sportgemeinschaft Linden e.V.

Foto: Annika BachemOhne den Beitrag von ehrenamtlich Engagierten wäre unsere Gesellschaft um einiges ärmer. Zu ihnen gehört Torsten Fischer, der Mitbegründer und ehrenamtliche Trainer der Sportgemeinschaft Linden e.V. Leider zeigt seine Geschichte auch, wie stark so mancher kämpfen muss für sein Projekt, und welche Steine ihm (auch von öffentlicher Seite) in den Weg gelegt werden.

Torsten Fischer, der aussieht wie ein Gewichtheber, ist ehemaliger Zehnkämpfer. Mitte der 90er-Jahre, er hatte schon als Geschäftsführer in verschiedenen Clubs wie dem Sub oder dem Gig gearbeitet, beginnt er mit seiner Arbeit, die er als „Problemlösen“ beschreibt. Studiert hat er Soziologie und Politikwissenschaft, jetzt bietet er Konzepte für Konfliktlagen an. Er ist eine Art Streetworker und deeskaliert brenzlige Situationen in mehreren Jugendzentren.
Im Jugendzentrum Sahlkamp entdeckt er einen ehemaligen Kraftraum. Als früherer Hochleistungssportler kennt er sich mit den verschiedensten Trainingsmethoden aus und hat die Idee, für die Jugendlichen Kraftsport-Kurse anzubieten, die begeistert angenommen werden. Er trennt Jungen und Mädchen, denn, während des Trainings entsteht eine vertrauliche Atmosphäre, man redet über andere Dinge als anderswo, und das nutzt er auch pädagogisch. Schnell melden andere hannoversche Jugendzentren Bedarf an. „Im Grunde war das auch ehrenamtlich“, lacht Fischer und sagt, er habe 15 DM pro Stunde verdient.
Durch einen persönlichen Kontakt darf er bald einen Kellerraum der Drogenberatungsstelle „Step“ in der Odeonstraße nutzen, den er selbst für seine Zwecke herrichten kann. Dort bringt er ehemalige Drogenabhängige mit anderen zu einer Sportgemeinschaft zusammen. 15 Jahre funktioniert das gut, bis eine neue Leitung im Haus beschließt, alles umzubauen – und Fischer ist raus.
„Gründe endlich mal einen Verein“, raten seine Freunde. Er tut sich mit ein paar Leuten zusammen, entdeckt 2015 die Halle in der Fössestraße und gründet die Sportgemeinschaft Linden e.V. Die neue Heimat des jungen Vereins ist eine ehemalige Lagerhalle, überhaupt nicht ausgebaut und unbeheizt. Sie wird dem Verein von der städtischen Baugesellschaft Hanova für einen geringen Betrag zur Nutzung überlassen. Es gibt eine mündliche Vereinbarung, den Nutzungsvertrag langfristig in einen Mietvertrag zu überführen, der Verein würde dafür auf eigene Kosten größere Sanitäranlagen einbauen lassen.
Die SG Linden wächst nun rasant, sie bietet mit 5 Trainern Krafttraining, Bewegungstraining für Kinder und verschiedene Kampfsportarten an. Von 140 Mitgliedern sind 30 Prozent Kinder und Jugendliche. Torsten Fischer vermittelt ihnen Akzeptanz und Fairness, ein pädagogischer Ansatz ist immer dabei. Besonders gern trainiert er Menschen mit körperlichen Einschränkungen, „das ist eine Herausforderung, und toll zu sehen, wie die dann in der Gemeinschaft aufgehen.“
Fischer hat anhand seiner fundierten Kenntnisse verschiedenster Trainingsmethoden ein System entwickelt, nach dem zentrale Muskelgruppen trainiert werden, ohne dass es zu Überlastungen kommt. Auf alle Muskelgruppen angewendet, kann wie beim Zirkeltraining trainiert werden, was es möglich macht, dass ganze Gruppen gemeinsam dabei sind. Die Leute kennen sich, treffen sich und reden ganz viel miteinander. Ein echtes Gemeinschaftserlebnis.
Oft müssen die Frauen ihre Kinder mitbringen, die dann eine eigene Ecke zum Spielen bekommen. Damit ist die Halle belegt, die Frauen bleiben unter sich und genießen das. Wer kein Geld hat, kann hier für ganz wenig Geld trainieren. Klar, dass damit keine riesigen Umsätze erzielt werden, aber der Verein ist ja auch gemeinnützig.
Für den mündlich vereinbarten Mietvertrag war stets ein Quadratmeterpreis von etwa 3,50 Euro in Aussicht gestellt worden. Als die Sportgemeinschaft den Einbau ihrer Sanitäranlagen plant und auf einen Mietvertrag drängt, bekommt sie einen Preis von 10 Euro vorgelegt, ein Schock und unbezahlbar für den Verein! Nach Interventionen auch seitens der Presse wird diese Zahl zwar gesenkt, bevor es aber überhaupt zu Verhandlungen mit der Hanova kommt, wird die SG Linden mit der Ankündigung schwer nachvollziehbarer Baumaßnahmen drangsaliert: Ein Teil der Halle soll zugunsten der Nachbarhalle abgetrennt werden, dafür sollen Staubschutzwände eingezogen werden, auf einmal ist auch Brandschutz total wichtig. Die Toilette der Sportgemeinschaft wäre so nicht mehr nutzbar, die Hanova schlägt vor, dass der Verein auf eigene Kosten ein Dixieklo aufstellen soll. Fischer sieht sein Projekt in Gefahr, sucht das Gespräch und möchte Klarheit, was überhaupt mit der Halle passieren soll, bevor irgendwelche Bauarbeiten losgehen. „Vielleicht können wir ja mehr bezahlen, wenn die jetzt so viel Geld von dir wollen …“, hat neulich eins der Kinder zu ihm gesagt, und Torsten Fischer – ein Bär von einem Mann – ringt sichtbar um Fassung, während er das berichtet. Er und seine Mitstreiter der SG Linden hoffen, dass es für sie in der Fössestraße in Zukunft weitergehen kann. Foto und Text: Annika Bachem

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