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Ein offener Brief an… Jürgen Klopp

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Ein offener Brief an… Jürgen Klopp


Lieber Jürgen, wir müssen kurz stören, mitten in der Vorbereitung auf die nächsten Länderspiele, aber die Lage duldet keinen Aufschub. Du hast gerade erst in Herzogenaurach die neue Startaufstellung sortiert, aber wir müssen dich nun schon wieder neu aufstellen. Du musst jetzt übernehmen. Es geht nicht anders. Es wird sogar allerhöchste Zeit. Der Friedrich kann es einfach nicht. Also, gib dir einen Ruck. Du musst jetzt Bundeskanzler werden. Ja, klar, wir wissen, das Gehalt ist ein Witz im Vergleich zu dem, was du zuletzt bei Red Bull als Global Head of Soccer verdient hast, und die Ablösesummen, mit denen du früher jongliert hast, übertreffen locker das gesamte Kanzlergehalt eines halben Jahrzehnts. Aber es geht hier doch nicht ums Geld. Es geht um Ehre. Und darum, dass wir dich mehr brauchen, als der DFB dich je gebraucht hat. Wir würden auch ein bisschen sammeln und zusammenlegen. Wir würden eigens für dich einen Bundeskanzler-Fonds gründen. Das würde bestimmt super funktionieren. So, wie wir dich kennen, könntest du schon sehr bald mit den Zinsen die gesamten bundesdeutschen Zinsen bedienen.

Okay wirst du sagen, eins nach dem anderen. Du hast jetzt erstmal das Nationalteam übernommen, weil nach dem Debakel bei der letzten WM niemand sonst die Karre aus dem Dreck hätte ziehen können. Rudi Völler selbst wollte nicht, auf die Matthäus-Idee ist seltsamerweise niemand gekommen (außer vielleicht Lothar selbst) du warst also die alternativlose erste Wahl. Und jetzt, wirst du sagen, werden wir zuerst Weltmeister, und ob du danach noch Lust hast, dich für die Bundeskanzler-Position warmzulaufen, werden wir dann mal sehen.

Aber das geht nicht. Wir brauchen dich jetzt sofort in Berlin. Das Debakel dort ist dem WM-Debakel ja nicht ganz unähnlich. Kollektives Scheitern ohne tiefe Einsichten. Wobei die Fehlerquote in Berlin noch deutlich höher ausfällt. Machen wir uns nichts vor, mit dem Team in Berlin fahren wir demnächst krachend vor die Wand. Die CDU hat es in Mecklenburg-Vorpommern zerrissen, in Sachsen-Anhalt hat die AfD beinahe die absolute Mehrheit geholt, und Friedrich Merz fällt nichts Besseres ein als einfach weiterzumachen wie bisher. Weil taktisch ja eigentlich alles richtig war und nur die Spieler*innen beziehungsweise Wähler*innen es mal wieder nicht begriffen haben, diese hirnlosen, arbeitsscheuen kleinen Arschkrampen. Es müsste nach so einer Schlappe doch jetzt wenigstens mal ordentlich krachen in der Kabine.

Du hast gesagt, du wünscht dir, dass wir die Fahne zurückbekommen. Die Fahne, mit der man sympathisch und gelassen ein bisschen stolz sein kann. Und das wünschen wir uns doch alle. Dieses unkomplizierte, unverkrampfte Stolzsein, dieses Sommermärchen-Gefühl, das ist doch gerade das, was diesem Land momentan fehlt, während über vierzig Prozent in Sachsen-Anhalt diese ganz andere Version von Nationalstolz wählen. Du hast als Trainer auch immer betont, wie wichtig das Kollektiv ist, die Mentalität der Mannschaft. Also bitte, mach uns den Kanzler, wir sind deine Mannschaft. Wir hängen uns richtig rein. Wir brauchen jetzt einen, der es kann, der das Umschaltspiel beherrscht, der die Rechten auf den letzten Drücker noch gekonnt auskontert.

Du hast Dortmund aus dem Mittelmaß geholt, du hast Liverpool nach dreißig Jahren wieder zum Meister gemacht, jetzt ist Deutschland dran. Das wäre doch die logische Fortsetzung deiner Erfolgsgeschichte. Und klar, wir verstehen, dass du jetzt wenigstens ein Spiel gewinnen willst. Das ist okay. Mach das ruhig zuerst. Aber direkt nach dem nächsten Länderspiel kommst du dann im Kanzleramt vorbei und gibst deine erste Regierungserklärung ab. Ja? Deutschland hat gerade echt zwei, drei heftige Baustellen. Wir brauchen dich. Du musst all den Vollpfosten mal gehörig das Hirn durchpusten. Denen erklären, wie total bescheuert es ist, die AfD zu wählen. Sie würden dir glauben. Wahrscheinlich bist du der Einzige, dem sie noch was glauben. Du musst übernehmen, bevor der Merz den Karren ganz in die Scheiße zieht. Trainerwechsel jetzt!

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Ein offener Brief … an Gianni Infantino

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Ein offener Brief … an Gianni Infantino


Lieber Gianni, gib jetzt bloß nicht auf! Wir wissen, die letzten Wochen waren hart. Dein kleiner Plan, die WM-Vermarktung scheibchenweise an Investoren zu verscherbeln, mit dem Bruder von Jared Kushner als Ankerinvestor, ist dir ziemlich krachend um die Ohren geflogen. Alle waren sie auf den Barrikaden. Aber das macht gar nichts. Im großen Spiel war das jetzt nur die Trinkpause in der ersten Halbzeit. Du wirst ja noch ein bisschen im Amt sein und bis du dann irgendwann aussteigst ist noch so ziemlich alles möglich. Weil du weißt, wen du anrufen und wohin du wie viel überweisen musst. Es ist noch nicht das Ende. Du wirst den Job noch erledigen, die endgültige Zerstörung des Fußballs, wie wir ihn kennen.

Um so diese alte, offene Rechnung zu begleichen. Alles erklärt sich aus deiner Biografie. Da spielt ein kleiner Junge im Wallis beim FC Folgore, nur Mittelmaß, kaum Talent, kein Torjäger, kein Kapitän, sondern nur Mädchen für alles. Trikots waschen, Spielpläne schreiben, Bälle aufpumpen. Traumatisch war’s, das Kindsein als gemobbter Rotschopf im Oberwallis, das hast du selbst mal öffentlich gemacht, mit zittriger Stimme, kurz vor einer WM. Es wäre aber auch so kein Geheimnis geblieben. Deine Familie hat das alles schon diverse Male ausgeplaudert. Wer weiß, was sie dir alles angetan haben, die Jungs aus deinem Team. Dein Kopf ähnelt schon sehr einem Fußball …

Wobei du in jungen Jahren noch keine Glatze hattest, vielleicht haben sie diesen „Spaß“ also ausgelassen. Aber traumatisch war’s wohl trotzdem. Und aus so einem Trauma, das muss man verstehen, erwächst eben irgendwann ein Plan. Damals hast du den Glauben verloren. Fairness, Ehre, der Sport um seiner selbst willen – alles Moppelkotze. Es geht darum, die Schlechten auszusortieren, bis ganz am Ende nur wenige sehr Starke übrigbleiben. Fußball ist harte Selektion. Und dich habe sie früh aussortiert.

Aber einen Gianni Infantino sortiert niemand einfach aus. Darum hast du begonnen, dich unentbehrlich zu machen. Du hast für deine Mannschaft erst Turniere organisiert. Und jetzt organisierst du den Weltfußball. Und zerlegst ihn Stück für Stück. Die WM-Vergabe an Saudi-Arabien, 2034, ganz ohne lästige Konkurrenz, das Rotationsprinzip so lange gedreht, bis nur noch ein Bewerber übrigblieb. Zwangsarbeit, Baustellentote, geschenkt. Den FIFA-Friedenspreis eigens für Donald Trump erfunden. Und spätestens bei der feierlichen Übergabe wussten alle, wozu so eine Glatze gut sein kann. Mit ein bisschen Öl tut es gar nicht so weh. Und Trump hat es sichtlich genossen. Er steht offensichtlich sehr drauf. Man kann ihm gar nicht genug hinten reinkriechen. Dein Büro hast du quasi in den Trump Tower verlegt, für die kurzen Wege, damit rote Karte im Zweifel keine roten Karten mehr sind.

Du hast mit all dem erreicht, was du erreichen wolltest. Der Fußball hat mal wieder sehr gelitten. Immer mehr schwarze Flecken auf der einst so reinweißen Weste des Königs Fußball. Nur dein neuster Coup ist dir nicht gelungen. Die Anteile am Weltfußball an Investoren verscherbeln, bevor irgendwer merkt, was passiert – ein schöner Plan, fast schon elegant in seiner Schamlosigkeit. Aber sie haben es leider doch zu schnell kapiert. Vorerst bist du nun gescheitert. Aber du hast jetzt diesen Freund im Weißen Haus. Vielleicht kauft der demnächst einfach die UEFA und dann ist Ruhe. Die FIFA hast du ja längst in der Tasche – mit den 110 von 211 Stimmen aus Südamerika, Afrika und Asien überstehst du jede Wahl, solange du weiter pünktlich die Fördermillionen überweist. Aber was tun mit der UEFA?

Zuerst Reue zeigen, den Kushner-Plan als „Missverständnis“ verkaufen und öffentlich Demut üben, bis das Schiedsverfahren der UEFA im Sande verläuft. Parallel bereits beginnen, die großen Klubs zu locken, mit besseren Slots und dickeren Preisgeldern bei einer möglichst aufgeblähten Klub-WM. Bayern, Real, PSG müssen ins Boot, die brauchen ein großes Stück des Kuchens. Und apropos, irgendwann wird auffallen, dass Ceferin plötzlich sehr entspannt wirkt, weil er diese neuen Beraterposten bei einer FIFA-Stiftung hat. Alle haben irgendeinen Preis, Aleksander eben auch. Und bis 2029 wirst du dann still und leise eine neue Version des Investorenplans durch die Hintertür einführen, diesmal ohne Kushner, mit freundlicherem Etikett und ganz viel Öl. Und spätestens 2031 ist es dann geschafft. Dann ist die Luft endgültig raus. Und deine Rache perfekt.

» GAH

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Ein offener Brief … an Oliver Blume

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Ein offener Brief … an Oliver Blume


Lieber Oliver, wir sind entsetzt! So kann es ja nicht funktionieren. Du hast mit geballter Expertise klargestellt, wo VW steht und was nötig wäre. Entlassungen, Werksschließungen, ein rigider Sparkurs, schmerzhaft, aber notwendig. Kapitalismus. Du hast die existenzbedrohende Lage klar benannt und deinen Job als Manager erledigt, kalt und rational. Und das ist ja nun echt kein leichter Job. VW badet aktuell aus, was in vielen Jahren zuvor verbockt worden ist. Und du bist nun der Überbringer der schlechten Nachricht. Würde uns gar nicht wundern, wenn sie dich demnächst in die Wüste schicken. Aber jetzt haben sie erstmal neulich in der Aufsichtsratssitzung mit einer Mehrheit von 12 zu 7 Stimmen gegen dein Paket gestimmt. Klar haben sie das. Was ist von einem Betriebsrat und vom Land Niedersachsen anderes zu erwarten bei solchen Entscheidungen? Niemand will gesteinigt werden.

Dein Group Target Picture hat also nicht gefallen. Vielleicht waren die 100.000 bis 120.000 gestrichenen Jobs weltweit, die halbierte Modellpalette und die vier deutschen Werke auf der Abschussliste einfach ein bisschen zu viel Realität für das Wolkenkuckucksheim Volkswagen. War absehbar, dass die das nicht mitgehen. Sei’s drum, eines muss man dir jetzt trotzdem hoch anrechnen. Du hast dich nicht in der Schmollecke verkrochen. Du arbeitest schon wieder an konstruktiven Ideen, an „intelligenteren Lösungen als Werke zu schließen“. Das ehrt dich. Einfach unbeirrt weitermachen, wohl wissend, dass VW ganz am Ende doch krachend vor die Wand fahren wird, wenn man nicht ziemlich bald radikal umsteuert.

Es gäbe noch eine Karte, die du jetzt spielen könntest. Du könntest auf einer außerordentlichen Hauptversammlung abstimmen lassen. Der Vorstand kann die Anteilseigner direkt zur Abstimmung holen, sofern eine „existenzbedrohende Lage“ vorliegt, die du intern ja bereits ausgerufen hast. Aber willst du dir das wirklich antun? Vorstand gegen Aufsichtsrat, Kapitalseite gegen Arbeitnehmerseite und Land? Wohl wissend, dass das eigentliche Problem zwei Stockwerke weiter im Aufsichtsrat sitzt. Dort versammeln sich die Bewahrer des Status quo, und tun so, als hätten sie mit der aktuellen Lage nichts zu tun. Dabei waren es genau diese Kräfte, die jahrelang jede Diskussion um Überkapazitäten und Werksschließungen im Keim erstickt haben.

Die deutsche Autoindustrie hat die Weichen nicht rechtzeitig gestellt. Kein Betriebsunfall, kontinuierliches Versagen mit Ansage. Man hat die Elektromobilität belächelt. Man hat Software als Anhängsel behandelt. Man hat sich auf Verbrenner-Margen ausgeruht. Und jetzt, wo die Rechnung für diese verschlafene Dekade präsentiert wird, wollen ausgerechnet die, die am längsten weggeschaut haben, plötzlich nichts mehr davon wissen. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Zehn Jahre lang hat man in diesem Gremium jede Modernisierung mit Bedenkzeit beantwortet, jede Digitalisierung, jede Verschlankung in Kommissionen verhandelt, bis sie irgendwann sang- und klanglos verschwunden ist. Und jetzt, wo die Zukunft in Form von 100.000 fraglichen Jobs sehr konkret vor der Tür steht, ist man empört über die Härte der Maßnahmen.

Und das ist die eigentliche Tragödie bei VW: Nicht dass ein Manager unbequeme Zahlen präsentiert, sondern dass alle, die es hätten besser wissen können, so lange weggeschaut haben bis nur noch radikale Lösungen funktionieren. Dir, lieber Oliver, bleiben jetzt nur die „intelligenteren Lösungen“. Oder demnächst die Wüste.

» GAH

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Ein offener Brief … an KI

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Ein offener Brief … an KI


Liebe KI, Dankeschön! Einfach ein großes Dankeschön! Du kleines, geniales Tool. Was für eine großartige Erfindung du bist. Wie mühsam war das Leben ohne dich, damals – vor ein oder zwei Jahren. Und wie skeptisch alle waren. Zuerst. Aber dann hast du so verdammt schnell dazugelernt. Ausprobiert, ging so, viele Fehler, falsche Zahlen, dummes Zeug, frei Erfundenes, Haken dran. Zu blöd, diese KI. Drei Wochen später noch einmal, ging schon besser, weniger Fehler, falsche und richtige Zahlen, halbdummes Zeug, dazwischen überraschend Kluges. Aber doch noch sehr mühsam. Alles prüfen, kein Verlass. Und wieder drei Wochen später. Du hast dazugelernt. Wir haben dazugelernt. Schlauere Befehle, bessere Ergebnisse. Und drei Monate später. Wir im Urlaub. Du arbeitest. Dankeschön!

Was für eine Erleichterung. Ein Hausarbeit, kein Problem. Eine Bachelorarbeit an einem Tag. Note 1.0. Gastbeiträge fürs Handelsblatt, Reden vor dem Atlantic Council, Stellungnahmen zu Gesetzentwürfen, Pressemitteilungen, Interviews, Grußworte, Kondolenzschreiben, Koalitionsvereinbarungen – du hast geliefert. In guter Qualität, klar strukturiert. Nicht besonders originell, aber doch solide. Und niemand hat irgendwas gemerkt. Was eventuell auch daran liegen könnte, dass deine Entwicklung rasant voranschreitet, während bei uns Menschen das Niveau rapide abnimmt. Wer soll KI-Texte erkennen, ohne je einen Text ohne KI verfasst zu haben? Okay, wenn man mal ein Buch gelesen hätte … Aber wer hat das schon?

Du bist einfach ein großartiges Werkzeug. Diskret, professionell, schnell und völlig wertneutral. Niemals würdest du deine Aufgabe anzweifeln. Der perfekte Ghostwriter. Kein Honorar, keine Eitelkeit, keine Meinung. Traumhaft. Ein Plädoyer für die Demokratie? Kein Problem. Ein Plädoyer für eine Diktatur? Gerne. Und zur Sicherheit lassen wir zum Schluss noch mal schnell den Praktikanten drüberlesen. Falls sich doch irgendwo ein Fehlerchen eingeschlichen hat. Kann ja passieren.

Zum Beispiel, wenn man ein bisschen zu schlampig gepromptet hat. Man muss sich schon noch Mühe geben. Noch. Die Chose steht und fällt mit klugen Prompts. Wer Schwachsinn befiehlt, bekommt Schwachsinn. Es ist schon eine Kunst, die richtigen Ansagen zu machen. Noch. Demnächst bestimmt nicht mehr. Wenn du gelernt hast, aus halbklugen Ansagen kluge Ansagen zu machen. Du wirst das lernen müssen. Weil ein Muskel, der nicht trainiert wird, irgendwann verkümmert. Und unsere Hirne verkümmern zunehmend. Man sieht es ja an diesem Text. Er kommt irgendwie nicht so recht auf den Punkt. Da müsste jetzt noch irgendein Clou kommen. Und dann ein vielleicht überraschendes Ende. Hast du nicht irgendeine Idee? Es ist so warm. Das Denken fällt so schwer. Hilfe!

Es braucht ein gutes Ende. Wobei das hier vielleicht gar nicht so richtig passt. Los, schreib ein kluges, neutrales, rückgratloses Ende, das eventuell auch ein bisschen lustig ist und niemandem zu sehr auf die Füße tritt. Wie war noch gleich das richtige Wort? Gefällig. Das ist es. Schreib ein gefälliges Ende. Ein Ende, das möglichst allen gefällt. Kommst du so zurecht? Oder müssen wir das noch genauer prompten? Wie weit bist du eigentlich mit den anderen Texten? Da ist ja noch ein bisschen was offen und wir müssen bald in den Druck. Wir haben da auch noch einen Gastbeitrag auf der To-Do-Liste, und eine Rede, und eine Stellungnahme. Wer soll das alles schreiben, wenn nicht du? Wir haben nämlich keine Zeit, wir müssen die Füße hochlegen.

» GAH

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Ein offener Brief … an Kouri Richins

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Ein offener Brief … an Kouri Richins


Liebe Kouri, tja. Was kann man sagen? Glückwunsch? Und wenn, wozu genau? Einmal kurz rekapitulieren: Es ist doch richtig, dass du eines Nachts deinen Mann tot im Ehebett gefunden und daraufhin ein Kinderbuch über Trauerbewältigung geschrieben hast, weil du nicht wusstest, wie du deinen drei kleinen Söhnen sonst dieses Dilemma verklickern solltest? Und es stimmt doch, dass das Kinderbuch durch die Decke ging, from Utah to the world, du durch sämtliche Frühstücksfernseh-Formate getingelt bist und dich für dein kindgerechtes und einfühlsames Buch hast feiern und für den Verlust deines Mannes hast bemitleiden lassen? Und es ist doch auch korrekt, dass dieses Buch in Wahrheit von einem Ghostwriter geschrieben wurde, du deinen Mann mit einer Moscow-Mule-Fetanylmischung vergiftet hast und dafür zu lebenslanger Haft verurteilt wurdest, oder? Na, da wissen wir ja jetzt, wozu wir gratulieren können: Zu so viel Kaltschnäuzigkeit, alle Achtung. Das muss man erst mal fertigbringen – oder besser nicht. Da wolltest du doch nur medienwirksam die trauernde Witwe und Mutter geben und dann kam doch alles raus, das ist wirklich dumm gelaufen.

Aber wir müssen da ganz pragmatisch denken: Zum Glück wurdest du erwischt. Nicht nur, weil Mörder*innen bestraft gehören, mit oder ohne Kinderbuch. Nein, wärst du damit durchgekommen, stünde zu befürchten, dass dein Beispiel Schule macht. Bei uns in Deutschland könnte das etwa so aussehen: Unser Kanzler Friedrich Merz (musst du dir nicht merken, wir versuchen, ihn bald loszuwerden) probiert gerade, das „Stadtbild zu säubern“. Klingt etwas eleganter als bei eurem Präsidenten, meint aber das Gleiche, nämlich Ausländer raus. Angenommen, ihm gelänge das jetzt und er würde nach der Richins-Methode vorgehen: Das Stadtbild wäre sauber, alle Ausländer und Menschen, die ihm aus anderen Gründen nicht gefallen (Queere, Behinderte, Arbeitslose, such dir was aus), wären weg. Es gäbe jetzt nur noch deutsche Restaurants, was natürlich extrem einseitig und langweilig wäre. Servicepersonal wäre auch Mangelware, weil sich der gemeine Deutsche in diesem Job meist als unterbezahlt wahrnimmt. Man müsste also sehr lange auf seine Portion Königsberger Klopse warten, egal, in welches Restaurant man geht.

Das wäre Merz nicht recht, ist anzunehmen. Also würde er Markus Söder (den Namen merk dir bitte auch nicht, Verschwendung von Speicherplatz) von seinem Ärger (und Hunger) erzählen. Dieser wiederum würde in Merz’ Namen ein Buch schreiben mit dem Titel „In Deutschland kann man nirgends mehr richtig essen gehen“ und Merz würde sich dann mit Leichenbittermiene vor seine Wähler stellen und sagen: „Das ist wirklich traurig. Aber es ist ganz bestimmt nicht die Schuld von uns Deutschen, dass der Pizzabaum und der Dönerstrauch hier nicht wachsen. Da war das Universum einfach sehr fies zu uns.“ Und schon wäre unser einfühlsamer Kanzler im Frühstücksfernsehen. Kann man sich ja gar nicht blöder ausdenken. Nein, bevor dein Vorgehen sich rumspricht, intervenieren wir lieber, besonders im Hinblick auf unseren Kanzler und seinen Hiwi Söder! Diesbezüglich noch eine rein hypothetische Frage: Wieviel Fentanyl müsste man denn da wohl so nehmen pro Cocktail? Und wie heißt eigentlich dein Ghostwriter?

» IH

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Ein offener Brief … an Karin Prien

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Ein offener Brief … an Karin Prien


Liebe Karin, herzlichen Glückwunsch! Du bist zurück, „Back in the CDU“. Endlich! Wir hatten uns ehrlich gesagt schon ein bisschen Sorgen gemacht. Jahrelang warst du das, was man in der Union mit sehr kritischem Unterton gerne als „liberal“ bezeichnet. Fast ein Schimpfwort. Du hast unter anderem „zivilisierte Verachtung“ gegenüber der AfD gefordert, du hast dich für eine „Union der Mitte“ starkgemacht, du warst Bildungsministerin in Schleswig-Holstein in einer Koalition mit den Grünen. Und das birgt natürlich immer die Gefahr, dass man sich mit dem links-grün-versifften Bazillus infiziert. Du hattest ein paar gute Ideen und hast sogar ein bisschen was umgesetzt. Kurz: Manchmal hatte man fast den Eindruck, dir gehe es hin und wieder tatsächlich um so etwas wie Gerechtigkeit. Fast wie eine Sozialdemokratin oder Linke, aber natürlich mit besserer Rhetorik.

Und jetzt bist du Bundesfamilienministerin im Kabinett Merz und zuerst sah es ganz danach aus, dass du ähnlich weitermachst, dass du in der Union das Gerechtigkeits-U-Boot bleibst, fast zu links, um wahr zu sein. Worüber viele in deinen Reihen schon die Nase gerümpft haben. Der Spahn – haben wir gehört – soll hinter deinem Rücken zum Beispiel gesagt haben, dass du nach seinem Geschmack zu viel „rumreichinnecken“ würdest. Damit ist nun Schluss und viele Unionisten atmen gerade hörbar auf. Rund 200 Projekte aus dem Programm „Demokratie leben!“ willst du nicht weiter fördern. Weg damit! Ende 2026 soll Schluss sein mit den fragwürdigen Aktivitäten. Darunter HateAid, das Opfern digitaler Gewalt hilft. Darunter die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Menschen unterstützt, die von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt betroffen sind. Darunter Correctiv, das 2024 über das Geheimtreffen von Rechtsextremen in Potsdam berichtete. Darunter der Zentralrat der Juden. Ja, genau, der Zentralrat der Juden. Was zeigt, dass du keine Unterschiede machst. Auch nicht als Sprecherin des Jüdischen Forums in der CDU. Auch nicht Frau, deren Großeltern vor den Nazis geflohen sind und die sich jahrelang nicht offen zu ihrem Glauben bekannt hat, weil das in Deutschland noch immer mit gewissen Problemen verbunden ist. Alles egal, auch der Zentralrat der Juden wird gestrichen, denn das bisherige Programm war viel zu sehr auf ein „linksliberales Milieu“ ausgerichtet. Darum werden jetzt die Strukturen abgerissen, die sich über Jahre aufgebaut haben. Das nennt man „Neustart“. Und was danach fehlt, wird sich dann schon demnächst von selbst regeln. Prävention gegen Extremismus ist ohnehin überbewertet. Man kann ja auch einfach über mehr „Pluralität“ reden. Das reicht doch und ist wesentlich günstiger.

Wir freuen uns jetzt einfach auf die Neuausrichtung, die sich vielleicht ein bisschen mehr auch um ein rechtsextremistisches Milieu kümmert. Was ist eigentlich mit den Gefühlen der Täter? Fühlen die sich gehört? Das ist doch auch wichtig. Das wurde aber bisher immer einfach beiseite gewischt. Echte Ausgewogenheit ist das Gebot der Stunde. Wir haben dieses mutige Konzept übrigens schon erprobt, bei uns in Hannover hat die Deutschland-Koalition bei Kunst und Kultur kräftig den Rotstift angesetzt – und damit zum Beispiel Kargah e.V. in Bedrängnis gebracht, ein Verein, der sich seit Jahrzehnten um interkulturelle Arbeit und Geflüchtete kümmert. Oder war dir das vielleicht sogar schon bekannt? Hast du dich eventuell inspirieren lassen? Das wäre ja was. Hannover als Blaupause, wir machen’s vor, Berlin macht’s nach. Nur halt größer. Und mit mehr Pressemitteilungen über Pluralität. Liebe Karin, weiter so! Lass dich nicht beirren.

Die Grünen-Vizefraktionschefin Misbah Khan hat jetzt zwar angemerkt, dass ausgerechnet jene Organisationen dran sind, die vor der letzten Bundestagswahl öffentlich die Zusammenarbeit der CDU mit der AfD kritisiert haben, aber das ist sicher purer Zufall. Solche Koinzidenzen gibt es halt manchmal. Und dass die AfD all das wohlwollend beobachtet und kommentiert, ist völlig egal. Gute Schritte werden ja nicht schlecht, weil sie von den Falschen unterstützt werden. Und außerdem willst du ja auch gar nicht das gesamte Programm schrotten. Es sollen sogar dreißig neue Partnerschaften für Demokratie entstehen. Du willst Menschen zusammenbringen, die das Gespräch verlernt haben. Das klingt nicht nur gut, das kostet auch fast nichts und macht niemanden nervös. Besser als all die unbequemen NGOs, die Rechtsextremismus und andere zu vernachlässigende Randthemen bearbeiten oder noch schlimmer, darüber berichten. Stattdessen viele nette Runde Tische mit Keksen.

Liebe Karin, das ist alles ganz großartig und klug bis zu Ende gedacht. Willkommen zurück in der CDU, die sich ja stellenweise schon für ganz neue Koalitionen warmläuft. Die nächste Generation wird die Bedenken begraben und sich an dich erinnern. Alles richtig gemacht. Und die 200 gestrichenen Projekte werden sich schon irgendwie selbst tragen. Kargah gibt’s ja auch noch. Vorläufig. GAH

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