Henning Taube – Leben mit Schizophrenie

Bereits seit 26 Jahren lebt Henning Taube mit der Diagnose „schizoaffektive Psychose“, durchlebte zwischen 1989 und 2011 mehrere Psychosen und verbrachte zwei Jahre in psychiatrischen Einrichtungen. Mit einer bemerkenswerten Offenheit beschreibt der 46-jährige Autor seine persönlichen Erfahrungen und lässt seine Leser an jenen geheimnisvollen Welten teilhaben, die gesunden Menschen verschlossen bleiben. Seit 1990 schreibt er Gedichte, Kurzgeschichten und Romane. In seinem knapp 400 Seiten starken Buch „Im Wahn der Zeichen – Leben mit Schizophrenie“, das 2014 in zweiter Auflage erschien, beschreibt er die Lebensphase, die durch Drogen und Schizophrenie geprägt ist. Sein selbst eingelesenes Hörbuch „Psychotische Attacken“, produziert im Dezember 2013 bei CREATE.FM in Hannover-Linden, umfasst „psychotische“ Kurzstories – eine Mischung aus zynischen, aber amüsanten Texten, allesamt aus dem Leben gegriffen, kombiniert mit einer gesunden Portion Fiktion. Das STADTKIND sprach mit Henning Taube, der mit seiner Familie in der Region Hannover lebt, über das Schreiben und die Wirren der menschlichen Psyche.

Leben mit Schizophrenie. Sowohl dein Buch „Im Wahn der Zeichen“ als auch dein Hörbuch „Psychotische Attacken“ beschäftigen sich mit einem Thema, das sehr spannend klingt, gleichzeitig aber auch für viele, die sich mit diesen psychischen Beeinträchtigungen nicht auskennen, befremdlich, vielleicht sogar beängstigend wirkt. Was hat dich dazu bewogen, deine sehr persönlichen Erfahrungen auf Papier zu bringen?
In meinen sieben Psychosen habe ich unglaublich viele Dinge erlebt, geglaubt und gedacht. Zum Beispiel glaubte ich, ich müsse die Menschheit vor der Hölle bewahren, glaubte zeitweise, Jesus oder Gott zu sein, schrieb 2003 in fünf Wochen über 600 Seiten Gedichte, weil ich dachte, meine Mission sei es, den Irak-Krieg verhindern zu müssen. Ich habe das Glück, mich im Detail an das Erlebte erinnern und es aufschreiben zu können. Psychotische Attacken sind sich oft ähnlich, vor allem, wenn sie religiös sind, und doch ist natürlich jede ganz einzigartig. Über jede Psychose würde es sich lohnen zu schreiben.

Inwiefern hat dich das Schreiben in Bezug auf deine Erkrankung weitergebracht?
Das Schreiben kam zu mir, ohne dass ich mich dagegen wehren konnte und wollte. Die Gedanken mussten aus meinem Kopf und landeten auf Papier. Jede Zeile schenkt mir ein Stück Freiheit.

Wie kann man sich das Erleben einer psychotischen Attacke vorstellen? Was passiert da mit einem?
Eine Psychose ist ein seelischer Ausnahmezustand voller Wunder und Explosionen im Kopf. Eine chemische Reaktion im Gehirn. Zu viel Dopamin, ein Glückshormon, wie es Verliebte oder Drogenkonsumenten erleben, wird ausgeschüttet und kann nicht mehr natürlich reguliert werden. Auch Adrenalin, Serotonin und andere Botenstoffe sind aus dem Gleichgewicht geraten. Meiner Meinung nach kann eine akute Psychose nur durch Medikamente aufgelöst werden.

Wer einen psychotischen Menschen mit all seinen heftigen Emotionen live erlebt, reagiert eventuell erschrocken und verunsichert. Welche Reaktion von Außenstehenden würdest du dir wünschen?
Das Wichtigste ist Vertrauen. Der Psychose-Erkrankte muss seinen Mitmenschen, seinen Angehörigen, den Ärzten etc. vertrauen können. Glaubt jemand, er sei Gott, ist er Gott in dem Moment, glaubt er, Stimmen zu hören, hört er Stimmen. Da bringt es nichts, gegen an zu reden. Das kann Aggressionen auslösen, z.B. durch Angst. Paranoia ist in fast allen Psychosen ein großes Thema. Entweder man schenkt dem Betroffenen ein kurzes Lächeln, gibt ihm das Gefühl, ihm zu glauben, oder geht ihm besser aus dem Weg.

Mit deinem Erfahrungsbericht möchtest du Menschen, die ebenfalls von psychischen Krankheiten betroffen sind, aufzeigen, dass das Leben trotz wahnhafter Vorstellungen oder Depressionen lebenswert ist. Was würdest du jemandem sagen, der sehr unter seiner Erkrankung leidet?
Ich sage den Menschen, die an Depressionen leiden, das geht vorbei. Eine Depression wird nur in den allerseltesten Fällen chronisch. Bei der Schizophrenie sieht es anders aus. Da gibt es die Psychosen, die nur einmal auftreten. Dann die Psychosen, die in Schüben kommen, die jederzeit, aber immer mit Frühwarnsymptomen auftreten können. Diese Frühwarnsymptome kann man zu erkennen lernen. Und dann gibt es noch die chronische Psychose, Leute, die z.B. jeden Tag Stimmen hören und so beeinträchtigt sind, dass sie ein Leben lang betreut werden müssen. Wichtig ist es, die Krankheit versuchen zu begreifen, sie zu akzeptieren, sie als Krankheit zu sehen. Nur so kann das Leben lebenswert werden und nur so schafft man es, sich nicht für einen schlechteren Menschen zu halten.

Dein Motto lautet: „Nur ein Verrückter kann die Welt verrücken – also fangen wir doch mal damit an.“ Das klingt nach einer ausgesprochen positiven Sichtweise. Was genau kann das Positive einer solchen Erkrankung sein?
Das Positive an der schizoaffektiven Psychose ist, dass man das volle Programm abbekommt und in eine absolut mystische Welt eintauchen darf. Schizophrenie, also Halluzinationen, manische, größenwahnsinnige Höhenflüge, die alles an emotionalen „normalen“ Gefühlen übertreffen. Da kommt keine Droge, kein Sex, gar nichts mit. Ich sehe die Krankheit als riesengroßes Geschenk. Aber auch nur, weil ich von Anfang an wusste, dass ich mit dem Erlebten arbeiten kann. Hätte ich die Psychosen nicht gehabt, hätten meine Geschichten nicht entstehen können. Leider kommt nach einem manischen Hoch ein Tief, das viele Monate andauern kann und immer wieder Menschen in den Suizid treibt. Vom Himmel in die Hölle.

Würdest du auch anderen Betroffenen, die beispielsweise unter manisch-depressiven Phasen, Schizophrenie oder bipolaren Störungen leiden, raten, offen mit ihren psychischen Problemen umzugehen? Wie kann Offenheit helfen?
Ich gehe offen mit der Krankheit um, weil ich in Sachen Psychose Profi bin. Wenn man allerdings eine Wohnung sucht oder einen Job, sollte man überdenken, was man den Leuten erzählt. Wohnung kriegste nicht, Job auch nicht. Sucht man einen Partner, sollte man von Anfang an ehrlich sein. Entweder dein Gegenüber liebt dich und nimmt dich mit deinen Schwächen oder die Beziehung hat keinen Wert.

Im Januar hattest du gerade eine Lesung in der Lindener Weinbar Ihmerauschen und konntest Kurzstories aus deinem Hörbuch „Psychotische Attacken“ zum Besten geben. Wann sind deine nächsten Auftritte geplant?
Ich kümmere mich ja um Lesungen und das ganze Drumherum selbst, daher sind sie etwas rar. Über Anfragen von Schulen, Psychiatrien, Kneipen oder Cafés würde ich mich allerdings sehr freuen. Ich hoffe, dass sich im Frühjahr noch einiges tut. (Anm. d. Red: Anfragen und weitere Infos unter: henningtaube@gmx.de)

Interview: Katja Merx

„Im Wahn der Zeichen – Leben mit Schizophrenie“ (Buch), erhältlich bei DECIUS, Marktstr. 52

Nächste Lesung zusammen mit Jean Coppong: 6. Februar, Projektor, Hamburg


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Ein Kommentar für “Henning Taube – Leben mit Schizophrenie”

  1. demedbook sagt:

    Schrauben Sie die Schutzkappe wieder auf den Turbohaler. Achten Sie darauf, jeden Hub einzeln zu inhalieren. Zwischen den Hüben ein paar Minuten Abstand halten. 6. Spülen Sie nach jeder Anwendung den Mund mit Wasser aus. Reinigen Sie das Mundstück des Inhalators nur mit einem trockenen Tuch, niemals mit Wasser. 7. Achten Sie auf die Füllstandsanzeige des Turbohalers. Steht sie auf „0“ ist der Behälter leer, auch wenn Sie beim Schütteln noch Geräusche hören. Diese gehen nur auf das Trockenmittel zurück und nicht auf den Wirkstoff. Asthma-Therapie beim Anfall. Bei einem akuten Asthmaanfall können Sie zunächst auf die gleichen Medikamente zurückgreifen wie bei der Basistherapie. Bei schweren Asthmaanfällen müssen Sie den Notarzt rufen. Er kann Glukokortikoide intravenös anstatt in Tablettenform verabreichen. https://demedbook.com/alkohol-schaedlicher-fuer-die-gesundheit-des-gehirns-als-marihuana Bei höhergradigen Weitsichtigkeiten (Hyperopien) etwa ab drei Dioptrien wird die Weitsichtigkeit zuweilen dadurch früh entdeckt, dass ein Kind nach innen schielt. Das Kind sieht dann meist dem Entwicklungsstand entsprechend scharf. Die Korrektur der Hyperopie ist aber wichtig, denn ein durch eine unkorrigierte Hyperopie bedingtes Innenschielen kann zu einer Schwachsichtigkeit des schielenden Auges führen. Bei Erwachsenen zeigen sich bei höhergradigen Hyperopien früh Beschwerden beim Nahsehen.

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