Ein offener Brief an Markus Söder

Lieber Markus Thomas Theodor, jetzt lass dich bloß nicht aus der Ruhe bringen, nur wegen dieser nichtigen Test-Panne. Das kann doch mal passieren. Und ist jetzt ja auch schon wieder fast ausgebügelt. Alles richtig gemacht, wie immer. Und der Kopf deiner Gesundheitsministerin ist auch drangeblieben, das zeugt von menschlicher Größe. Du kannst es einfach. Also bleib dabei, werde Kanzler, mach jetzt bloß keinen Rückzieher. Den Segen von Angela hast du schon. Es läuft perfekt, kommt jetzt bitte nicht ins Grübeln. Wir verlassen uns nämlich auf dich. Wir haben die Koffer schon gepackt. Wir ziehen demnächst nach Bayern. Klar, erst wenn du Kanzler bist, aber direkt im Anschluss steigen wir hier in den BMW.
Weil wir den alten, großen Plan durchschaut haben. Es gab ja bereits zwei Versuche, den Thron des Bundeskanzlers zu erobern, zuerst mit Franz Josef Strauß und dann mit Äh-Äh-Edmund Stoiber. Hat aber beide Male nicht so ganz sein sollen. Stattdessen gab es im Bund immer nur den Verkehrsministerposten. Wobei „nur“ hier so ein Wort ist. Denn dieser Posten ist ja bereits Teil des Plans. Seit vielen Jahren schon sorgen die CSU-Bundesverkehrsminister für wunderschöne Straßen bei euch da unten. Während hier in Niedersachsen allmählich die Brücken einstürzen und die Autobahnen lediglich noch ein Flickenteppich sind, gleitet man bei euch fast schwerelos dahin. 300 PS unterm Arsch und dann freie Fahrt für freie Bürger. Das ist Bayern! Herrlich! Die Zuschusterei im Bund hat sich gelohnt. Wir alle haben in den vergangenen Jahren viel investiert – in die bayrische Infrastruktur. Und passt es mit der Infrastruktur, dann passt es auch mit der Wirtschaft, dann geht es rund, dann rollt der Rubel. Es läuft schon jetzt in Bayern, Spitzenklasse ist noch untertrieben.
Tja, und wie wird es erst laufen, wenn du, lieber Markus Thomas Theodor Kanzler bist? Genau! Dann wird die Schatulle aber so richtig aufgemacht, oder? Tja, durchschaut. Aber ist ja auch nichts dabei. Denn gegen so ein bisschen Lokalpatriotismus ist doch wohl nichts einzuwenden. Dann fließt das Geld in Strömen nach Bayern. Und das lockt noch mehr Unternehmen. Und noch mehr kluge Köpfe. Und dann wird der Freistaat noch schneller und besser und höher und weiter und überhaupt. Geil! Da wollen wir gerne dabei sein.
Und darum haben wir jetzt dieses etwas abgewirtschaftete Bauernhaus gekauft, so etwa 120 Kilometer von München entfernt. Ein Katzensprung mit dem BMW. Und wir sind schon dabei, hier so ganz allmählich die Verbindungen zu kappen. Der Chef knüpft bereits erste Kontakte zur Presse vor Ort. Und du bist natürlich herzlich eingeladen, im Stadtkind auf der letzten Seite monatlich im Interview zu erscheinen. Ob der Chef dem Weil schon gesagt hat, dass er demnächst Schluss macht, wissen wir gar nicht. Naja, jetzt weißt du es. Behalt es noch für dich, ein paar Ausgaben bis zur nächsten Bundestagswahl stehen ja noch aus.
Aber dann ist es uns egal, dann geht es ab ins gelobte Land. Und wenn Bayern dann irgendwann so fett gemästet ist, dass mehr schon fast nicht mehr geht, dann kommt noch das Referendum zur Abspaltung. Und dann ist Bayern endlich die 15 Pleitegeier und Jammerlappen los. Diese B-Länder, die gar nichts hinkriegen. Ach, das wird wunderbar. Unsere Stimme ist dir gewiss!   VA


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