Tonträger im Oktober

The Sonic Weeth Experience :
The Second World Or Love Beats Addiction
Aus Sonic Youth und Das Weeth Experience, den Bands, die den hannoverschen Musiker Matthias Stöckel am stärksten beeinflusst haben, ist der Titel seines Soloprojekts zusammengesetzt. Stöckel, der ansonsten als Bassist mit dem Rudi B. Szymanek Quintett unterwegs ist, versteht seine Musik als „Independent Gitarren Krautrock“.

 

 

 

 

Björn Hahne: Schatten
Der hannoversche Singer-Songwriter singt über Liebe, zerbrochen oder erfüllt, Trauer und Hoffnung – worüber man eben so singt in diesem Genre, das gerade deutschsprachig eine Gratwanderung sein kann zwischen herrlich und grausam. Er wandelt absolut trittsicher auf der richtigen Seite und das unangestrengt und leidenschaftlich, und er spielt dabei auch noch so gut Gitarre, dass es eine Freude ist!

 

 

 

 

The String Theory:
The Los Angeles Suite
Eher internationales Ensemble-Kolletiv als Orchester, liefert das in Berlin und Göteborg angesiedelte Ensemble mit seinem vierten Album eine Mischung aus Elektronik, Pop mit Musical-Einflüssen und moderner Klassik mit leichten Radiohead-Anklängen. Ein rätselhaft überflüssiger Spoken-Words-Track zwischen echten Hits stört ein bisschen den Gesamteindruck.

 

 

 

Everything Everything :
Re-Animator
Stürmisch, hymnisch-jubelnd erobern uns die überwiegend im Falsett vorgetragenen Indie-Synthpop-Knaller der vierköpfigen Band aus Manchester, Newcastle und Kent. „Meine einzige Regel beim Musikmachen war immer, nicht wie irgendjemand sonst zu klingen“, so Sänger Jonathan Higgs unbescheiden, und das gelingt ihm, besonders in der ersten Hälfte des Albums sogar ganz gut.

 

 

 

Susanna: Baudelaire & Piano
Die norwegische, klassisch ausgebildete Pianistin, Sängerin und Komponistin Susanna Wallumrød hat auf der Grundlage von Versen aus „Les Fleurs Du Mal“ des französischen Dichters Charles Baudelaire ein sehr reduziertes, klares Album kreiert: Lediglich Klavier und ihre ätherisch anmutende Stimme schaffen eine fesselnde Grundstimmung, die den einzigartigen Versen ihren Raum lässt.

 

 

 

 

Krief: Chemical Trance
Ein rauschhaftes Album des kanadischen Singer-Songwriters und Multiinstrumentalisten zwischen psychedelischem Stoner Rock und den Flaming Lips: Wer hier nur mal kurz reinhören möchte, tut sich schwer, wieder herauszukommen. Genauso war das geplant von Krief: „Schließe die Augen, und wenn die letzte Note erklingt, musst du neu starten, weil dein Geist in eine andere Ebene abgedriftet ist.“

 

 

 

 

Fantastic Negrito: Have You Lost Your Mind Yet?
Eigentlich möchte man erst mal ein Buch lesen über Xavier Amin Dphrepaulezz, geboren 1968 im Nordwesten der USA. Vom Drogendealer, der irgendwann etwas Legales tun möchte, seinem Vorbild Prince nacheifert und sich mehr oder weniger autodidaktisch eine musikalische Ausbildung zulegte, indem er sich in die Räume der University of California Berkeley schleicht und einfach mitmacht, zum begnadeten Blues-Musiker und Grammy-Preisträger. „Have You Lost Your Mind Yet?“ ist inspiriert von Black Music der späten 1960er bis 70er-Jahre und beschäftigt sich mit der mehr und mehr gebrochenen sozialen und politischen Lage Amerikas mit einem Fokus auf der Komplexität psychischer Erkrankungen. Aber vor allem ist es ein wunderbares Blues-Album mit Elementen von Rock, Funk, Soul, R&B und Hip-Hop. Als Gäste sind der Rapper E-40 und Tarriona „Tank“ Ball von Tank and the Bangas zu hören.

 

Sebastian Maschat & Erlend Øye: Quarantine At El Ganzo
Eigentlich wollten The Whitest Boy Alive einen ihrer seltenen Gigs spielen, auf einem Festival in Mexiko. Es war Mitte März, als die Bandmitglieder dort einzutrudeln versuchten und als das große Corona-Biest ihnen einen fetten Strich durch die Rechnung machte. Denn nur zwei kamen im Hotel El Ganzo an, in dessen Studio die Band ein paar Stunden für Aufnahmen gebucht hatte. Die übrigen blieben aufgrund von plötzlichen Reiseverboten buchstäblich auf der Strecke. Das Festival wurde dann auch noch gecancelt. Was machen nun zwei gestrandete Musiker in einem Hotel mit Studio? Sie ziehen unveröffentlichte Songs aus der Schublade, rekrutieren einen der Hotelbesitzer, der Gitarre spielt, sowie weitere gestrandete Session-Musiker, „erben“ die Studiotage sämtlicher Musiker, die Corona-bedingt ihre Aufnahmen absagen mussten und machen ein wunderbar leichtes, sommerliches Pop-Album.

    ● Annika Bachem


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