Tag Archive | "2016-06"

Remain in Silence

Tags:

Remain in Silence


Gothic-Klassiker

Dunkel, melancholisch, majestätisch wie die Nebelbank in der Abenddämmerung: Fast 33 Jahre schon sind Andreas Buchwald und Andreas Gimpel die Seele von Remain in Silence. Jeder Szenenbildung oder Schublade voraus betrat die Formation aus Hannover mit ihrer düsteren Musik und Bühnenpräsenz seinerzeit absolutes Neuland und wird deshalb retrospektiv gerne als eine der ersten Gothic-Bands Deutschlands betitelt. Nach einer langen Zeit abseits der großen Öffentlichkeit kehrt das Duo nun mit neuer Mannschaft und frischem Album zurück. Im März erschienen feiert „And The Soul Goes On“ am 25. Juni sein Release im LUX.

Remain in Silence – ein Name, der im ersten Moment eher ein Bild von feierlicher Stille statt dichtgestrickter Musik heraufbeschwört. „Der mysteriöse Name ist für uns ein Verweis auf die ebenso mysteriöse Stimmung unserer Musik: ein Changieren zwischen Düsternis und Hoffnungsschimmern“, erklärt Andreas Buchwald. „Andererseits gaben wir uns früher auf der Bühne gerne eine Aura der Unnahbarkeit. Der Name entsprach einfach unserem Wunsch, eine übergeordnete Verbindung zur Musik herzustellen.“

Gegründet im Herbst 1983 standen Andreas Buchwald (Gitarre) und Andreas Gimpel (Gesang) anfangs noch stark in der Tradition von Post-Punk-Bands wie Joy Division oder The Cure, entwickelten aber rasch einen eigenen Sound, der in Deutschland damals einzigartig war. Aber nicht nur musikalisch, auch auf der Bühne bewegten sich die beiden abseits ausgetretener Pfade. „Die visuelle Komponente gehörte für uns von Anfang an dazu. Zum Beispiel gaben wir eines unserer ersten Konzerte in der Eisfabrik, einer eher ungewöhnlichen Location. Allerdings war sie perfekt dafür geeignet, um uns effektvoll zu inszenieren. Dunkle Kleidung, Nebel auf der Bühne, Diaprojektionen auf dem Hintergrund oder Licht von Hinten, das uns als bloße Silhouetten erscheinen ließ – ein solcher Showcharakter von Konzerten war damals noch nicht sehr verbreitet, vor allem nicht auf lokaler Ebene.“

Durch den Erfolg ihrer ersten Alben „Seven Rooms“, „Monument“ und „This Is The Place Where Resistance Got Lost“ erfuhr die Band dann auch schon bald überregionale Resonanz und der Durchbruch schien greifbar. Aber es kam anders: Ihr Plattenlabel hatte sich verausgabt und wurde aufgelöst, die Tour platzte und es wurde ruhiger um sie. Trotzdem machten Buchwald und Gimpel weiter, gaben sporadisch Konzerte mit Gastmusikern oder spielten unplugged und erhielten sich dabei eine treue, internationale Fangemeinde. Ihr ist es auch zu verdanken, dass 2013 das spanische Label Dead Wax Records auf sie aufmerksam wurde und die ersten beiden Alben neuauflegte. Kurz darauf folgte auf MiG-Music die Wiederveröffentlichung des längst vergriffenen dritten Albums, eine anschließende Spanien-Tournee – und im März dieses Jahres das neue Album. „Für uns bildet ‚And The Soul Goes On‘ eine Mischung aus Vergangenheitsaufarbeitung und aktuellen Ideen. Durch die plötzliche Aufmerksamkeit für unsere alten Songs haben wir entdeckt, wie viel Intensität in den alten Stücken steckt und wir wurden hungrig, wieder etwas Neues zu machen. Alles fühlte sich frisch an, es war, als hätte man sich noch mal neu gegründet. Danach hat sich das Album praktisch selbst geschrieben.“

Auch die neuen Songs werden unverkennbar von der dunklen Grundstimmung getragen, die man von ihren früheren Stücken kennt. Thematisch zeugen sie von jenem Reifeprozess, den man unweigerlich mit der Zeit durchmacht, von Erlebnissen, die uns zu den existenziellen Fragen des Lebens führen. „Sie handeln von Gefühlen der Verlorenheit, der Vergänglichkeit, des Verlusts – gleichzeitig enthalten sie aber auch einen Funken Hoffnung. Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie beim Hören des Albums den Gedanken hatte, wie in einem Roadmovie über die Straße zu brettern, so antreibend fand sie die Energie der Musik. Doch beim Blick in den Rückspiegel entdeckte sie eine Nebelwand… Genauso gut könnte man aber auch aus dem Licht bewusst in den Nebel steigen. Dann wird die Musik zum verständigen Begleiter für eine melancholische Stimmung.“

Welche Wirkung „And The Soul Goes On“ auf einen selbst hat, kann man am besten auf dem Release-Konzert im LUX herausfinden.

Anja Dolatta

And The Soul Goes On
Release-Konzert am 25. Juni ab 21 Uhr im LUX

Weitere Infos unter facebook.com/remaininsilence und remaininsilence.de.

Abgelegt unter MusikerporträtEinen Kommentar verfassen...

Riva – Wohnaccessoires & Schmuck

Tags:

Riva – Wohnaccessoires & Schmuck


Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Ein hübscher Teller zum Drauflegen darf auch nicht fehlen. Dazu vielleicht noch die geblümte Porzellantasse, aus der man den Schluck Frühstückskaffe gleich doppelt so gern einnimmt, bevor man sich die Lieblingstasche mit dem Punktemuster umhängt und gutgelaunt in den Tag startet… Auch wer sich im Alltag mit schnöden Pappbechern und Plastiktüten ganz gut bedient fühlt, spürt bisweilen das Bedürfnis nach ein bisschen Buntheit für die Wohnung oder sucht für einen besonderen Menschen ein besonderes Geschenk. In solchen Fällen kann er bei Riva Wohnaccessoires & Schmuck stets mit einer großen Vielfalt rechnen. Im Juni feiert der schmucke Laden in der Limmerstraße nun schon sein 20-jähriges Bestehen.

„Bunt macht glücklich“ lautet der Untertitel des hübschen kleinen Ladens auf Lindens Einkaufsmeile. Für die Inhaberin Steffi Spitzl bringt er eine simple Wahrheit auf den Punkt. „Ab und zu braucht es einfach etwas Buntes fürs Auge, um sich den Alltag zu verschönern und das Besondere zwischen dem Trott wiederzufinden.“ Punkte, Streifen, Blümchen oder lässig Ton in Ton – unübersehbares Merkmal in dem großen Angebot ist das geschmackvolle Design der Produkte. Während ihres Studiums des Produktdesigns mit Schwerpunkt Textilien unternahm Steffi einige Reisen nach Indonesien und Bali und war fasziniert von dem Farben- und Ideenreichtum asiatischer Märkte. Von ihnen ließ sie sich bei der Auswahl der Marken und Produkte inspirieren.

Hübsch und nützlich lautet die Devise. Mit „Wohnaccessoires & Schmuck“ ist die Vielfalt des Sortiments aber noch lange nicht erschöpfend genannt. Von der Thermoskanne über das Spielzeughaus bis hin zum kuschligen Eulenkissen ist alles dabei: Da gibt es die Melaminbecher und Löffel mit außergewöhnlichen Prints von Rice, Lederbörsen, Handyhüllen und bestickte Lampenschirme von Taj, Pip Studio ist mit Bademänteln und Bettwäsche vertreten und das gesamte Angebot des Greengate-Sortiments ist anzutreffen. Umweltbewusste Schreibtischtäter können sich hier mit recycleten Heften und Notizbüchern eindecken, Schmuckliebhaber werden bei Firmen wie Huiltquist, Pilgrim oder Noosa Amsterdam fündig und mit den bunten Sattelüberzügen und gemusterten Klingeln von BikeCap lassen sich selbst die rostigsten Drahtesel wieder aufpeppen. Viele dieser Marken sind schon von Anfang an dabei und mit der Riva-Philosophie fest verwachsen.

Für Steffi sind die 20 Jahre wie im Fluge vergangen. „Es ist einfach großartig, dass der Laden selbst nach so langer Zeit immer wieder lebendig ist für die Kunden und sie bei jedem Besuch wieder etwas Neues für sich entdecken können. Natürlich ist so ein Jubiläum aber auch von Dankbarkeit für mein tolles Team geprägt, dass den Laden und meine Ideen über all die Jahre unterstützt hat.“ Als Antwort auf den großen Erfolg kam 2011 mit Riva Maison auf dem Lindener Marktplatz ein zweiter Laden dazu. Ursprünglich bloß als Lagerraum für den Internetshop gedacht, hat sich dieser mittlerweile mit seinem eigenen Thema etabliert: In ruhigeren Farben erweitert er das Sortiment um aktuelle Mode.

Zur Feier des Jubiläums findet am 11. Juni ein Fest in der Limmerstraße statt. Für Kunden wird ein Glücksrad vor dem Laden aufgebaut, bei dem sie von Riva gestiftete Preise gewinnen können. Die Einnahmen aus dem Spiel und Spenden werden einem nepalesischen Mädchenheim gestiftet. Außerdem wird es eine Überraschungsaktion mit der Firma Rice, Erfrischungen und einen Jubiläumsrabatt geben.

Anja Dolatta

Foto: Annie Carparelli

Riva – Wohnaccessoires & Schmuck
Limmerstraße 23, 30451 Hannover,
www.rivashop.de
Öffnungszeiten: Mo–Fr 11 – 18 Uhr, Sa 11–13 Uhr

Riva Maison
Lindener Marktplatz 9, 30449 Hannover,
Öffnungszeiten: Mo–Fr 11–18.30 Uhr, Sa 10–15 Uhr

Abgelegt unter Der besondere LadenEinen Kommentar verfassen...

Face

Tags:

Face


Sowohl Sushi-Liebhaber als auch Sushi-Verweigerer kommen beim gemeinsamen Essen im Face kulinarisch auf ihre Kosten: Das Res­taurant – zugleich Club und Bar – hat am 15. April in den Räumen des ehemaligen Phoenix eröffnet und seine Speisekarte ist ein Segen für Paare und Cliquen, die sich in Sachen Sushi uneinig sind. Neben den japanischen Happen werden hier nämlich auch italienische Gerichte serviert.

Vorbei an einer gut bestückten Bar durchschreiten wir den vorderen Restaurantbereich des Face, werfen einen Blick die Treppe hinunter, wo am Wochenende gefeiert wird, und gelangen dann durch eine automatisierte Schiebetür in einen großen Loungebereich mit Loft-Charakter: Rote Backsteinwände, an der Decke verlaufende, kupferfarbene Lüftungsrohre und robuste Industrie-Pendelleuchten verleihen dem Raum einen Fabrik-Charme. Es duftet nach dem neuen Leder der schwarzen Sessel und Sofas.

Wir lassen uns in die Polster sinken und stöbern in der Speisekarte. Eine Auflistung der Getränke fehlt (noch), doch der Kellner gibt gern Auskunft. Die Apfelschorle sei an diesem Abend leider „aus“, entschuldigt er sich. So kurz nach der Eröffnung verzeihen wir das gern und sind mehr als zufrieden mit der Maracujaschorle und dem empfohlenen Rotwein, einem würzigen Montepulciano. Passend zu dem italienischen Wein verzichten wir erst einmal auf Sushi und wählen aus den italienischen Speisen aus. Zur Auswahl stehen Antipasti sowie gehobene Fleisch-, Fisch- und Pastagerichte. Unser Start mit frischen Bruschettas steigert die Vorfreude, denn schon diesem Vorspeisenklassiker hat die Küche eine eigene Note verliehen, indem die mit Tomatenwürfeln bestückten Brote auf Feldsalat und Rucola gebettet und um Olivenstücke ergänzt wurden. Unser Appetit muss danach bis zu den Hauptspeisen jedoch eine Weile Geduld haben. Das Face-Team scheint noch nicht perfekt eingespielt. Noch ist Geschäftsführer Taleh Gasimov übrigens auch auf der Suche nach weiterem Barpersonal.

Das Warten fällt uns an diesem Abend nicht schwer, denn die Ledersessel sind so gemütlich, dass wir glatt die ganze Nacht hier verbringen könnten. Und schließlich stehen die dampfenden Teller vor uns: Die Tagliatelle mit Spargelköpfen, Kirschtomaten und Basilikum (14,50 Euro) sind ein zur Saison passender Genuss. Das Rinderfilet mit Steinpilzen (22 Euro) ist innen zartrosa und damit – obwohl man uns nicht nach der gewünschten Garstufe gefragt hat – genau nach unserem Geschmack. Auch wenn nach diesem Gaumenschmaus vielleicht ein süßes Tiramisu das Richtige wäre, blättern wir zurück zur ersten Seite der Speisekarte: Sushi. An einem Tresen, den wir von unserem Platz aus sehen können, bereitet der Sushi-Koch Nyima Lama konzentriert die japanischen Leckereien vor – und wir wollen zumindest einmal kosten. Unser ungewöhnlicher, aber leckerer Nachtisch besteht also aus einem vegetarischen Sushi-Menü (8,90 Euro) mit je vier Avocado- und Gurken-Röllchen sowie sechs Futo-Maki mit Frischkäse. Wir schaffen nur die Hälfte der feinen Happen, doch den Rest packt man uns gerne zum Mitnehmen ein. So können wir zu Hause noch ein Stück „Face“ genießen – leider ohne die gemütlichen Ledersessel. Das Wiederkommen lohnt sich definitiv für einen Drink in diesen Polstern – und um die vielversprechende Entwicklung des Face weiterzuverfolgen.

Janina Martens

Goseriede 4, 30159 Hannover
Tel: (0511) 70812956, Facebook: “Face ClubRestaurant”
Mittagstisch ab 12 Uhr, ansonsten tägl. ab 18 Uhr geöffnet,  Fr / Sa ab 22 Uhr Party

Abgelegt unter Stadtkinder essenEinen Kommentar verfassen...

Klopp ist Kaffee glitzischwamm

Tags:

Klopp ist Kaffee glitzischwamm


Aus der Rubrik „Stadtkinder bewältigen den Alltag“:

Gibt es eigentlich statistische Erhebungen darüber, ob die Autokorrektur mehr Fehler verhindert als sie erzeugt? Praktisch war die Sache ja am Anfang, vor etwa 20 Jahren, als Rechtschreibhilfen in Textverarbeitungsprogrammen noch so dezent waren, Fehler anzukringeln und Korrekturen vorzuschlagen, anstatt sie gleich einzuarbeiten. So blieb meiner Professorin in einer kunstgeschichtlichen Hausarbeit die Kathedrale Saint Penis erspart, die damals anstatt der doch eigentlich sehr berühmten Pariser Kirche mit ähnlichem Namen vorgeschlagen wurde. Heute ist das anders, vor allem, wenn man mit dem Smartphone unterwegs ist. Die Korrektur ist bereits eingearbeitet, bevor man den Satz zu Ende gedacht hat.

So konnte es dazu kommen, dass ich einer Freundin per SMS vorgeschlagen habe, ihre Tochter mit zum Faschismusumzug zu nehmen. Himmel! Natürlich wollte ich Faschingsumzug schreiben. In dem Fall habe ich, zumal das Kind afrikanische Wurzeln hat, schnell angerufen, um Missverständnissen vorzubeugen. Und kam mir dabei vor, wie mein von technischen Neuerungen nach 1980 etwas überforderter Nachbar, der gerne mal anruft, um zu fragen, ob seine SMS angekommen sei. Öfter schon habe ich Nachrichten mit einem fröhlichen „KFZ!“ beendet, was die Korrektur rätselhafterweise aus „LG“ für „liebe Grüße“ macht. Neulich bekam ich eine Nachricht mit dem Inhalt „Klopp ist Kaffee glitzi­schwamm“. Hä? Gut, dass ich am „Glitzi­schwamm“ meine eigene Einkaufsliste erkannt habe. Aus „Klopapier“, das so dringend fehlte, hatte das Programm „Klopp“ gemacht.

Mal ganz ehrlich, was fällt diesem Ding eigentlich ein? Ich weiß natürlich, dass das alles Algorithmen sind, aber bloß weil scheinbar Leute 1000x häufiger „Klopp“ schreiben als „Klopapier“, muss ich mir den Kopf zerbrechen, was mein Smartphone meint? Und am geilsten finde ich, dass dieses Teil anscheinend denkt, ich sei zu blöd, „Klopp“ zu schreiben. Ich kann sogar Algorithmus schreiben!

Und überhaupt möchte ich nicht von Geräten bevormundet werden. Also, von keinem, aber schon gar nicht von meinem Telefon. Ich mag es auch nicht, wenn das Auto piept, weil man nicht angeschnallt ist. Oder wenn es gar nicht erst losfährt, weil es den Schlüssel nicht erkennt (nur weil er ein kleines bisschen nass geworden ist beim Baden).

Möglicherweise wollen all diese Geräte auch die Herrschaft übernehmen und wir müssen uns wehren! Sehr charmant und einfach auch goldrichtig fand ich daher das Vorgehen einer Freundin, die das brandneue, mit so einem Rückfahr-Piepswarnsystem ausgerüstete Familienauto, rückwärts gegen einen Pfeiler gesetzt hat. Auf die entsetzte Frage ihres Mannes, ob sie denn den Piepton nicht gehört hätte, sagte sie: „Doch, aber da war nichts!“ Soviel ziviler Ungehorsam wird vielleicht bald nicht mehr möglich sein, wenn alle Autos mit bevormundenden Einparkhilfen ausgestattet sind, und das alleine machen.

Wollen wir das? Nein! Sonst setzen uns unsere selbstfahrenden Autos demnächst am Fitness-Studio ab, wenn wir ins Kino wollten, weil sie festgestellt haben, dass unser BMI über 25 ist. Oder parken ein paar Blocks von zu Hause weg ein und sagen: „Geh zu Fuß, du Pfeife!“

Also, Schluss mit der Schlaumeierei, ihr Geräte! Wir füttern euch mit Toner und entkalken euch, wann WIR wollen! Und wenn ihr bockig seid, dann geht halt kaputt. Nur mein Smartphone besser nicht, denn das brauche ich ganz dringend, um grinsende Kackhaufen in alle Welt zu verschicken.

Annika Bachem

Abgelegt unter Kolumne des MonatsEinen Kommentar verfassen...

Liebe + Zeug

Tags:

Liebe + Zeug


Julia Heuser ist studierte Kulturwissenschaft­lerin, 30 Jahre alt und hat im Jahr 2015 Liebe + Zeug gegründet, einen Laden mit explizit liebevollen Geschenk- und Einrichtungsideen und -gegenständen sowie allem, was das Zuhause liebenswert macht. Vor Liebe + Zeug hat sie Erfahrungen mit diversen Pop-up-Stores gesammelt – und die Idee des kurzfristigen Einzelhandelsgeschäfts, das „plötzlich auftaucht“, kurzerhand mit in ihr Ladenkonzept integriert. So gibt sie anderen Start-ups und Gründungsinteressierten die Möglichkeit, eigene Pop-up-Konzepte oder Produkte in ihrem Laden vorzustellen.  

Ihr erklärtes Motto „Ausprobieren ist besser als Nichtstun“ passt bestens zu der Pop-up-Store-Idee, die die experimentierfreudige 30-Jährige wie folgt beschreibt: „Pop-up-Konzepte stammen ursprünglich aus der Modewelt. Um herauszufinden, wie neue Kollektionen ankommen, mieteten Designer mit kleinem Budget leerstehende Flächen wie Fabrikhallen. Ähnliches biete ich auch an: Leute mit einer Geschäftsidee können sich in meinem Laden auf einen begrenzten Zeitraum ausprobieren und schauen, wie sich ihre Konzepte umsetzen lassen.“ Weil das in der Form neu ist und Hannovers Start-up-Szene insgesamt stärkt, hat Julia den Gründerpreis des StartUp-Impuls Wettbewerbs 2015 gewonnen. Sie sagt über die Betreuung von hannoverimpuls: „Bereits das Ini­tialgespräch mit der Kernfrage, ob meine Geschäftsidee Sinn macht, war sehr konstruktiv und hilfreich. Auch wenn es um mögliche Förder- und Preisgelder ging, war hannoverimpuls ein hervorragender Ansprechpartner. Nicht zuletzt profitiere ich natürlich von den guten Kontakten: Mit  einigen Ausstellern in meinem Pop-up-Konzept bin ich über das Netzwerk von hannoverimpuls in Kontakt gekommen.“ Aber auch das Sortiment von Liebe + Zeug unterscheidet sich von anderen, denn so gut wie jeder Artikel im Laden hat eine Geschichte. „Ich erkundige mich, wie und wo etwas produziert wird. Beispielsweise habe ich Wohnaccessoires wie Kerzenständer von der holländischen Fairtrade-Firma Kinta im Programm, die Holz weiterverarbeitet, das auf den Philippinen von Taifunen geschlagen wurde – solche Hintergründe verleihen dem Ganzen dann mehr Charme. Insgesamt hat mein Angebot einen skandinavischen Touch, vieles ist handgemacht und nachhaltig hergestellt. Außerdem schaue ich, dass es die Artikel möglichst in keinem anderen Laden in Hannover zu kaufen gibt.“ Als nächste Schritte sind einige Pop-up-Konzepte in Vorbereitung, u. a. stellt Blumixx, ein Online-Shop, bei Liebe + Zeug seine fertig bepflanzten Blumenkästen aus und eine Food-Bloggerin aus Hannover wird sich hier mit einem Café versuchen. Julias Tipp für Gründungsinteressierte: „Sich nichts von anderen Leuten mies reden lassen. Immer ausprobieren – das ist besser als gar nichts zu tun. Meist stellt sich raus, dass die Ängste unbegründet waren. Und: Niemals Mund-zu-Mund-Propaganda unterschätzen.“ Sie selbst hat mit diesen Devisen in Hannover gute Erfahrungen gemacht – und hält Hannover für durchaus attraktiv für Start-ups: „Es ist entspannt und übersichtlich, Berlin etwa ist im Vergleich zu schnell getaktet, und Hannover bietet eine gute Infrastruktur. Außerdem freuen sich hier die Leute mehr über einen schönen, neuen Laden.“

Liebe + Zeug
Julia Heuser
Edenstr. 48, 30163 Hannover
www.liebeundzeug.de

Abgelegt unter Stadtkinder sind mutigEinen Kommentar verfassen...

Ina Lüdecke …

Tags:

Ina Lüdecke …


Allerweltsladen

… seit 34 Jahren im Team vom AllerWeltsLaden

In den aktuellen Verhandlungen um TTIP zittert Europa um seine Standards in Sachen Verbraucherschutz. Gleichzeitig zwingt die EU ostafrikanischen Staaten mit erpresserischen Mitteln das Wirtschaftsabkommen EPA auf, welches durch Billigimporte die Existenz von Kleinbauern und Familienbetrieben bedroht. Vor dem Hintergrund solch skandalöser Praktiken auf der globalen Wirtschaftsbühne machen es sich Weltläden zur Aufgabe, die moralische Verantwortung des Kunden aufzuzeigen und den Fairen Handel zu unterstützen. Der AllerWeltsLaden in der Limmerstraße tut dies bereits seit 35 Jahren und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Das Gespräch geführt habe ich mit Ina Lüdecke, die im Oktober 34 Jahre dabei ist.

Die Idee für einen Verein AllerWeltsLaden e.V. entstand ursprünglich im Rahmen einer Projektwoche an der IGS Linden. „Danach wollten einige SchülerInnen und LehrerInnen ihr erwachtes Interesse an den Problemen in den sogenannten Entwicklungsländern auch außerhalb des Lehrplans weiterverfolgen und aktive Hilfe für gemeinnützige Projekte leisten“, erzählt Ina. „Es sind zwar nur noch wenige Mitglieder aus der Gründungszeit dabei, doch diese sind sozusagen mit dem Laden zusammen älter geworden und mit der Philosophie verwachsen.“ Durch den Verkauf fair gehandelter Waren aus verschiedenen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas engagiert sich der AllerWeltsLaden dafür, die ProduzentInnen – Kooperativen, Genossenschaften und Zusammenschlüsse von KleinproduzentInnen – bei ihren eigenen Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Lebenssituation zu unterstützen. Nach mittlerweile vier Umzügen hat der größtenteils ehrenamtlich betriebene Laden seit 2003 in der Limmerstraße 44 einen festen Platz gefunden.

Das Sortiment umfasst alle möglichen Produkte von Lebensmitteln über Haushaltsartikel bis hin zu Kunstgegenständen – garantiert aus fairem Handel: „Wir beziehen unsere Produkte von Importfirmen, die sich auf fairen Handel spezialisieren und mit den Nicht-Regierungs-Organisationen vor Ort in Verbindung stehen. Die Auswahl der Projekte, die durch unseren Verkauf unterstützt werden sollen, erfolgt dann nach bestimmten Kriterien. In diesem Projektpartnerausschuss sitzen auch Vertreter der Weltläden, die über die Kooperationen mitentscheiden.“ Auch der Faire Handel unterliegt gewissen Moden und Trends. „Im Moment wird das Thema Recycling bzw. Upcycling verstärkt von unseren Kunden nachgefragt und von uns entsprechend angeboten. Ansonsten haben wir eine ausgewogene Mischung aus kontinuierlich angebotenen Produktreihen und innovativen Neuheiten.“

Neben dem Verkauf der Produkte hat das Team des AllerWeltsLadens aber auch Informationen zu Herkunft, Inhaltsstoffen und Produktionsbedingungen immer parat, z.B. in Form von aufgedruckten Info-Zetteln direkt auf den Verpackungen, als Flyer oder auch mündlich beim Nachfragen am Verkaufstresen. Ein besonderes Informationsangebot bildet zusätzlich die im Laden integrierte Leihbücherei, die während der Ladenöffnungszeiten jedem zugänglich ist. „Wir halten Bücher zu Themengebieten wie Entwicklungspolitik, Welthandel, Weltwirtschaft, aber auch Flucht, Asyl und Migration bereit. Außerdem haben wir Romane, die von Autoren aus Afrika, Asien und Lateinamerika geschrieben wurden und über die dortigen Lebensbedingungen, Kultur und auch Probleme berichten.“ Der Bestand kann neuerdings auch in einem Onlinekatalog eingesehen werden, der mit der Website des AllerWeltsLadens verlinkt ist.

Das Informationsangebot geht aber auch über den Verkauf hinaus, z.B. finden Lesungen statt oder es werden im Rahmen der Fairen Woche ProduzentInnen-Besuche organisiert, bei denen Interessierte aus erster Hand mehr über die Betriebe und Produkte erfahren können. Im Jubiläumsjahr sind einige besondere Veranstaltungen geplant. „Am 18. Juni wird es vor dem Laden ab 12 Uhr ein kleines Fest mit Cocktails, einem Quiz und einer Geo-Caching-Tour zum Fairen Handel geben. Außerdem erwarten wir dazu die chilenische Musikerin Veronica Gonzales. Im Herbst organisieren wir eine Lesung der ruandischen Autorin Ether Mujawayo, die mittlerweile in Deutschland als Psychotherapeutin tätig ist und mit traumatisierten Flüchtlingen arbeitet. Und zur Fairen Woche haben wir am 17. September die Produzentenvertreterin Mona Bouazza von ‚Fair Trade Libanon‘ zu Gast. Es wird eine kleine Präsentation und Diskussionsrunde mit Probierhäppchen geben.“

Kurz nachgefragt …

Absolute Verkaufslieblinge?
Bei den Lebensmitteln Schokolade und Kaffee, ansonsten Tücher, Musikinstrumente und bunte Schalen aus Recyclingpapier.

Was macht am meisten Spaß?
Die Abwechslung bei den Aufgaben im Laden, die Vielfalt der Produkte. Auch die Kundschaft ist im Vergleich zu „normalen“ Läden viel freundlicher, interessierter und entspannter.

Die bisher tollste Aktion?
Im letzten Jahr haben wir die Preda-Akbay Theatergruppe von den Philippinen in den Ballhof einladen können. Preda verkauft Mangoprodukte, arbeitet aber auch an Alternativen zur philippinischen Sexindustrie und betreibt ein Trauma-Zentrum. Die Theatergruppe hat diese für uns so fern gelegenen Probleme auf eine authentische und berührende Weise auf die Bühne gebracht.

Wünsche für die Zukunft?
Dass der Faire Handel noch mehr ins Bewusstsein der Leute kommt und auch der Fair-Handels-Anteil am Konsum immer weiter steigt.

Limmerstraße 44, Tel. (0511) 210 88 87
30451 Hannover, www.allerweltsladen.de
Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–14 Uhr und
14.30–18.30 Uhr, Sa 10–16 Uhr

Interview und Foto: Anja Dolatta

Abgelegt unter Im GesprächEinen Kommentar verfassen...

Stadtkind twittert