Herbstbirken

Herbstbirken. Die Melancholie schwingt bereits im Namen ihres literarisch-musikalischen Projektes mit, wobei dieser eigentlich nur eine Kombination aus den Nachnamen der beiden Künstler ist. Maya Birken und Wolfgang Herbst beschreiben ihre poetischen Stücke selbst als „dunkelbunte Poetry-Sound-Synthese aus schrulliger Elektronik, hellwacher Poesie, lyrischem Klavier, heißem Indie-Scheiß und Gesang“. Ihre authentische Art, Text und Musik miteinander zu verbinden, ist einzigartig und berührt sofort.

Kennengelernt haben sich Maya Birken und Wolfgang Herbst 2009, als die Verlegerin und Grafik-Designerin Herbsts Band emmapeel für ihre damalige Leseerlebnisreihe „Zetern statt Zaudern“ buchte. Birken, die bereits seit einigen Jahren als Autorin, Gründungsmitglied der Lesebühne Zuckerwort und Peitsche und mit ihrem Verlag zeter & mordio in der Literaturszene Hannovers bekannt war, spielte schon länger mit dem Gedanken, ihre Texte mit Musik zu kombinieren. Mit Herbst, der an der Berliner Hochschule für Musik Popularmusik studierte und als Musikproduzent, Songschreiber und Mitbegründer zahlreicher Bands – darunter emmapeel, vilter, nightcreatures und aktuell Das maskierte Wunder – unterwegs ist, fand sie nun das passende Pendant, um ihre textlichen Ideen musikalisch zu ergänzen. „2010 haben wir das erste Stück zusammen gemacht“, erzählt Birken. „Ich wurde gefragt, ob ich bei der Verleihung des Hölty-Preises für Lyrik das Rahmenprogramm mitgestalten könne. Dort haben wir dann unsere ersten zwei Stücke vorgestellt.“

Herbstbirken lassen sich in keine Schublade stecken. Sie bezeichnen sich weder als Band, noch als reines Literatur-Projekt. „Wir nennen das, was wir machen, nicht Songs, sondern einfach Stücke. Die Texte, die ich schreibe, gehen eher in eine lyrische Richtung. Bei vielen anderen, die Text mit Musik vertonen, ist es oft so, dass die Musik den Text stützt, aber nicht unbedingt eine Eigenständigkeit hat. Während bei uns Musik und Text zwar miteinander verschmelzen, aber beides gleichwertig bleibt“, so Birken. Und Herbst ergänzt: „Die Stücke haben schon eine Songstruktur, es wird meistens sogar neben dem gesprochenen Wort gesungen. Wenn man den Entstehungsprozess betrachtet, dann ist erst der Text da, den Maya geschrieben hat, und ich versuche, mich in die Stimmung hineinfallen zu lassen und die passende Musik dazu zu komponieren.“ Was dabei herauskommt, geht ohne Zweifel ans Herz. Nicht ohne Grund wurden Birkens Texte als „brutalzarter Emotional-Realismus“ beschrieben. Sie sind mal leise und zerbrechlich, mal wütend und eindringlich, oft mit einem ernsten Hintergrund. Die Musik, eine Mischung aus Klavier- und Gitarrenmusik, aber auch elektronischen Sounds oder Melodica-, Kalimba- und Glockenspiel, verstärkt die melancholische, berührende Stimmung. Doch woher kommt dieser Hang zum Ernsten, Melancholischen? Birken lacht: „Das ist wahrscheinlich angeboren.“ „Naja, für ’ne gute Zote sind wir auch zu haben“, sagt Herbst. „Aber das ist nicht unbedingt das, was wir nach außen tragen wollen. Es ist auch schön, melancholisch zu sein, das ist für mich nicht nur negativ besetzt. Ich kann dem Zustand der Melancholie sehr wohl etwas abgewinnen.“ Und auch Birken sieht das Positive im Schweren. „Im stressigen Alltag zur Besinnung zu kommen, dafür hat man ja oft zu wenig Zeit. Sich ruhig einmal auf ein paar melancholische Töne einzulassen, kann sehr wohltuend sein. Außerdem gibt es bei meinen zwar ernsten Texten am Ende immer so etwas wie eine Lösung, so etwas wie Dankbarkeit, Demut oder die Erkenntnis, etwas einfach anzunehmen.“

Gewinner des Weltschmerz-Awards steht auf ihrer Facebook-Seite – was natürlich nur ein Scherz ist. Dass Herbstbirken ihr Publikum mit emotionaler Tiefe zu begeistern wissen, hat das Duo schon mehrfach bei ihren Auftritten bewiesen. Höchste Zeit, ihre Stücke auf CD zu verewigen. Am 13. November ist aber erst einmal Wolfgang Herbst live im Kulturpalast zu erleben, wo er mit seiner Band Das maskierte Wunder auftreten wird. Mit von der Partie ist Sonja die Band – ein Doppelkonzert, das sich ganz der neuen deutschen Popmusik widmet.

Katja Merx

Mehr Infos unter: facebook.com/herbstbirken
oder soundcloud.com/herbstbirken.

Das maskierte Wunder & Sonja die Band,
13. November, 20 Uhr, Kulturpalast, Deisterstr. 24


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