Radkontakt Mobil

Fahrradreparaturen vor Ort, und das klimaneutral und fachmännisch: Ralph Bastian hat einen mobilen Reparaturservice ins Leben gerufen und macht liegengebliebene Drahtesel schnell wieder flott. Mit seinem Lastenrad kommt der „Fahrrad-Doktor“ zum fahruntüchtigen „Patienten“, sei es auf den heimischen Hinterhof, zur Arbeitsstelle oder zum Abstellort. Wechsel von Schlauch, Reifen und Bremsbelägen, Einstellen von Schaltungen, Brems- und Schaltzügen sowie Inspektionen werden direkt erledigt – ohne dass man das lädierte Bike erst irgendwie zur Werkstatt (und dort einen Termin!) bekommen muss.  

Fahrradfahren ist für ihn Lebensqualität, bemerkt Ralph gleich zu Beginn unseres Gesprächs, das sich auf einem Lindener Hinterhof beim Einsatz am „offenen Schlauch“ entwickelt. Nach meinem Anruf hat er mir umgehend einen Terminvorschlag für den nächsten Tag per WhatsApp geschickt, nun verbinden wir den Reparaturvorgang mit einem netten Kaffeeplausch zu seiner Serviceidee. Falls der erfahrene Fahrradmechaniker einmal nicht „übersetzen“ kann, was der telefonischen Beschreibung nach das Problem ist, oder der Kunde etwa nicht weiß, welches Schaltsystem oder welche Reifengröße sein Radmodell hat, kann man über diverse Messenger ein Foto an ihn schicken und die Diagnose erleichtern. Schläuche hat die „Lastenrad-Ambulanz“ immer geladen, auch Reifen und ein Stativ, an der der lahmende Drahtesel aufgehängt und „operiert“ werden kann. Kompliziertere Eingriffe und Ersatzteile wie Schaltwerke oder ähnliches kann man mit Ralph absprechen, der das Benötigte dann besorgt.
Während er den Reifen des Klapprades richtet, kommen wir auf die Motivation für Ralphs Selbstständigkeit zu sprechen. „Bis 2018 habe ich einen Fahrradladen in Linden gehabt, da kam die Situation, dass ich wieder von vorne hätte anfangen müssen, Leute auszubilden, und oft alleine im Laden stand. Wenn man aber Fragen beantwortet, Fahrräder annimmt, Zubehör und Räder verkauft, kommt man nicht mehr dazu, wirklich Fahrräder zu reparieren, so dass am Ende alle unzufrieden waren. Es stellte sich die Frage – so weitermachen oder was ändern im Leben?“ Nach einer Phase der Besinnung kehrte er zu einer Idee zurück, die ihm schon länger im Hinterkopf herumschwirrte: Warum gibt es eigentlich keine motorenfreie Pannenhilfe für Fahrradfahrer? „In Hamburg und Berlin fahren dafür Menschen den ganzen Tag mit dem Auto herum, das kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Auch wenn die Entfernungen in Hannover natürlich geringer sind, liegt doch der Sinn gerade darin, den Zweiradservice klimaneutral zu halten. Seit 23 Jahren habe ich kein Auto mehr, und das aus Überzeugung, da wäre es doch geradezu schwachsinnig, jetzt mit dem Wagen zu einem Fahrrad zu fahren, um es mobil zu halten. Gerade in der heutigen Zeit mit dem Klimawandel und der entsprechend nötigen Verkehrswende.“
Zum Umsetzen der Idee musste Ralph noch bei der Handwerkskammer eine Fertigkeitsprüfung ablegen und sich selbstständig machen. Auch wenn ihm alle Welt verklickern wollte, das ginge doch gar nicht, legte er mit dem Lastenfahrrad als Fahrradambulanz los – und: „Es geht seit einem Jahr sehr wohl und sehr gut! Im Laden kannst du dein Rad oft nicht einmal abgeben, weil es zu voll ist, und das Team hat dann erstens das ,Problem der 30 Räder‘, die man morgens rausschieben muss, und zweitens den Stress, nicht zeitnah hinterherzukommen. Die Leute auf der anderen Seite wollen ihr Fahrrad ja nicht aus Prinzip schnell wieder einsatzbereit haben, sondern weil sie darauf angewiesen sind. Und wenn sie denn schon lieber Fahrrad fahren als Auto, finde ich das ja gut und will das gerne unterstützen“, macht der Schrauber die Grundidee noch deutlicher.
Das überaus Praktische an seinem Service ist, dass man selbst weder Umwege noch Zeitverluste hat: Steht das fahruntüchtige Rad auf dem heimischen Hof, kann man selbst im Home Office weitermachen, während Ralph zur Tat schreitet; macht das Radel auf dem Weg zur Arbeit oder unterwegs schlapp, braucht er nur die Koordinaten und den Schlüssel. Beim Gangschaltungs-Check am zweiten „drahtigen Pflegefall“ betont er auch die zwischenmenschlichen Vorteile des Ganzen: „So hat man jetzt eine 1-zu-1-Begegnung, die Kunden können dabei sein, wenn sie wollen, man kann mehr erklären. Das macht Laune und außerdem fühlen sich die Kunden besser aufgehoben und lernen noch was über ihr Fahrrad.“ Wenn er mehrere Termine in der List oder in der Südstadt hat, wo die Ladenbesitzer unbeschwert weiterarbeiten oder die Mütter mit ihren Kindern auf dem Spielplatz herumtollen können, während er ihre Fahrräder wieder fit macht, sparen sich alle Beteiligten den Termindruck.
Natürlich lohnt es sich für Ralph nicht, von dort aus für einen Schlauchwechsel noch nach Garbsen zu fahren – in dem Fall könnte die Kundin aber gut die Nachbarinnen fragen und einen Sammeltermin für mehrere „Fahrradpatienten“ in den nächsten Tagen ausmachen. Auch die Komplett-Inspektion (für 60 Euro plus Ersatzteile) führt Ralph ganzjährig durch, wenn es einen (im Winter warmen und trockenen) Ort zum Arbeiten gibt. Klassiker wie die abgesprungene Kette oder der Platten auf dem Weg zur Arbeit kann er meist noch am selben Tag beheben (der Schlauchwechsel am Hinterrad inklusive Schwalbe-Schlauch kostet 24,90 Euro), die Bremse stellt er für 9,50 Euro und die Kettenschaltung für 18 Euro ein. Fachfragen hört sich der Radkontakt-Mobil-Mann gerne an und beantwortet sie so freundlich wie geduldig – ein netter Kaffeeschnack mit dem entspannten Fahrrad-Doc als informative Pause für beide Seiten sei hiermit wärmstens empfohlen.        ● Anke Wittkopp

Ralph Bastian, Tel. 01788223553
– whats app, telegram, signal – www.radkontaktmobile.de
Einsatzzeiten: Mo – Sa von 9 – 19 Uhr


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