Tag Archive | "2020-09"

Ein offener Brief an Markus Söder

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Ein offener Brief an Markus Söder


Lieber Markus Thomas Theodor, jetzt lass dich bloß nicht aus der Ruhe bringen, nur wegen dieser nichtigen Test-Panne. Das kann doch mal passieren. Und ist jetzt ja auch schon wieder fast ausgebügelt. Alles richtig gemacht, wie immer. Und der Kopf deiner Gesundheitsministerin ist auch drangeblieben, das zeugt von menschlicher Größe. Du kannst es einfach. Also bleib dabei, werde Kanzler, mach jetzt bloß keinen Rückzieher. Den Segen von Angela hast du schon. Es läuft perfekt, kommt jetzt bitte nicht ins Grübeln. Wir verlassen uns nämlich auf dich. Wir haben die Koffer schon gepackt. Wir ziehen demnächst nach Bayern. Klar, erst wenn du Kanzler bist, aber direkt im Anschluss steigen wir hier in den BMW.
Weil wir den alten, großen Plan durchschaut haben. Es gab ja bereits zwei Versuche, den Thron des Bundeskanzlers zu erobern, zuerst mit Franz Josef Strauß und dann mit Äh-Äh-Edmund Stoiber. Hat aber beide Male nicht so ganz sein sollen. Stattdessen gab es im Bund immer nur den Verkehrsministerposten. Wobei „nur“ hier so ein Wort ist. Denn dieser Posten ist ja bereits Teil des Plans. Seit vielen Jahren schon sorgen die CSU-Bundesverkehrsminister für wunderschöne Straßen bei euch da unten. Während hier in Niedersachsen allmählich die Brücken einstürzen und die Autobahnen lediglich noch ein Flickenteppich sind, gleitet man bei euch fast schwerelos dahin. 300 PS unterm Arsch und dann freie Fahrt für freie Bürger. Das ist Bayern! Herrlich! Die Zuschusterei im Bund hat sich gelohnt. Wir alle haben in den vergangenen Jahren viel investiert – in die bayrische Infrastruktur. Und passt es mit der Infrastruktur, dann passt es auch mit der Wirtschaft, dann geht es rund, dann rollt der Rubel. Es läuft schon jetzt in Bayern, Spitzenklasse ist noch untertrieben.
Tja, und wie wird es erst laufen, wenn du, lieber Markus Thomas Theodor Kanzler bist? Genau! Dann wird die Schatulle aber so richtig aufgemacht, oder? Tja, durchschaut. Aber ist ja auch nichts dabei. Denn gegen so ein bisschen Lokalpatriotismus ist doch wohl nichts einzuwenden. Dann fließt das Geld in Strömen nach Bayern. Und das lockt noch mehr Unternehmen. Und noch mehr kluge Köpfe. Und dann wird der Freistaat noch schneller und besser und höher und weiter und überhaupt. Geil! Da wollen wir gerne dabei sein.
Und darum haben wir jetzt dieses etwas abgewirtschaftete Bauernhaus gekauft, so etwa 120 Kilometer von München entfernt. Ein Katzensprung mit dem BMW. Und wir sind schon dabei, hier so ganz allmählich die Verbindungen zu kappen. Der Chef knüpft bereits erste Kontakte zur Presse vor Ort. Und du bist natürlich herzlich eingeladen, im Stadtkind auf der letzten Seite monatlich im Interview zu erscheinen. Ob der Chef dem Weil schon gesagt hat, dass er demnächst Schluss macht, wissen wir gar nicht. Naja, jetzt weißt du es. Behalt es noch für dich, ein paar Ausgaben bis zur nächsten Bundestagswahl stehen ja noch aus.
Aber dann ist es uns egal, dann geht es ab ins gelobte Land. Und wenn Bayern dann irgendwann so fett gemästet ist, dass mehr schon fast nicht mehr geht, dann kommt noch das Referendum zur Abspaltung. Und dann ist Bayern endlich die 15 Pleitegeier und Jammerlappen los. Diese B-Länder, die gar nichts hinkriegen. Ach, das wird wunderbar. Unsere Stimme ist dir gewiss!   VA

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Macht bitte nichts kaputt!

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Macht bitte nichts kaputt!


Wir kommen gar nicht drumherum, wir müssen uns in dieser Ausgabe nochmal der Hauptsache widmen. Nein, nicht Corona, ich meine die Kultur. Das mit der Hauptsache ist ein bisschen hoch gegriffen, angesichts einer weltweiten Krise und einer globalen Wirtschaft im Sinkflug? Ja, vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ist es gerade die Kultur, die genau jetzt sehr gut helfen kann. Mehr dazu in dieser Ausgabe ab Seite 32.

Aber zugegeben, wir sind in unserer „Stadtkind-Blase“ natürlich auf diesen Bereich besonders fokussiert bzw. für diesen Bereich sensibilisiert. Wir sind ein Veranstaltungsmagazin, manche behaupten sogar, wir wären ein Kulturmagazin. Das heißt, dass wir sehr viele Kontakte haben, dass wir uns tagtäglich mit den Kulturschaffenden der Stadt austauschen, dass wir telefonieren, mailen, dass wir gerade in diesen für viele in der Kulturbranche unfassbar heftigen Zeiten ein offenes Ohr haben für die Belange der Szene.

Wir haben für unsere September-Ausgabe beschlossen, die Kultur in Hannover im Bereich Kunst und Theater noch einmal besonders zu präsentieren, mit zwei 32-seitigen Beilagen in dieser Ausgabe. Und wir verbinden damit eine Hoffnung. Nämlich jene, dass genau die Leute, die den Kulturschaffenden eher skeptisch gegenüberstehen, sich mal auf den Weg machen, um die Szene kennenzulernen. Vielleicht trägt ein Besuch im Theater zum Verständnis bei. Vielleicht ist ein ausgedehnter Zinnober-Spaziergang am 5. oder 6. September eine gute Idee. Was man nicht kennt, darf man eigentlich nicht „einfach so“ ablehnen und für nichtig erklären. Das tun aber momentan schon recht viele. Kultur? Systemrelevant? Es gibt ja wohl Wichtigeres! Wir sind da wie gesagt ganz anderer Meinung – und das nicht nur, weil wir in und mit dieser Branche arbeiten. Wir haben auch ein paar wirklich gute Argumente. Unsere September-Ausgabe versteht sich als Appell. Die verschiedenen Szenen versuchen, ganz allmählich die Kultur wieder ein bisschen hochzufahren. Es wäre schade, wenn bei den vielen kleinen Veranstaltungen auch nur ein Sitzplatz leer bleibt!

Viel Spaß mit dieser Ausgabe!

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Ein letztes Wort im September

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Ein letztes Wort im September


Herr Weil, die SPD hat einen Kanzlerkandidaten. Und es ist, große Überraschung, Olaf Scholz. Ich bin natürlich ein bisschen enttäuscht, dass Sie es nicht sind – und nun erstmal biertrinkender Landespolitiker bleiben.
(Lacht) Genau. Große Überraschung – und ich bleibe biertrinkender Landespolitiker. Mit dieser Enttäuschung müssen Sie jetzt leider leben.

Der Zeitpunkt hat mich ein bisschen überrascht. War das nicht zu früh?
Es war gar nicht früh. In ungefähr 13 Monaten sind Bundestagswahlen, und das ist keine lange Zeit für eine Wahlkampagne. Ich kann das ganz gut beurteilen, ich habe 2012 genau 12 Monate vorher angefangen, und da musste ich wirklich kräftig arbeiten. Ich bin im Gegenteil eher überrascht, dass die CDU, die ja eigentlich auch weiß, wie es geht, sich so viel Zeit nimmt mit der Benennung des neuen Vorsitzenden und danach nochmal des Kanzlerkandidaten. Wenn die dann tatsächlich erst, wie Markus Söder angedeutet hat, im März startklar sind, bliebe arg wenig Zeit bis zur Wahl. Aber zurück zu Olaf Scholz. Ich habe mich sehr über diese Entscheidung gefreut, in mehrfacher Hinsicht. Erstens war der Zeitpunkt genau richtig. Zweitens ist die Entscheidung, eigentlich etwas untypisch für die SPD, diskret und effektiv vorbereitet worden.

Ja, was war denn da eigentlich los? Das war ja schon fast professionell.
(Lacht) Und drittens halte ich Olaf Scholz für eine sehr gute Wahl. Natürlich war das keine große Überraschung, er war als Vizekanzler und Finanzminister gerade auch in der Corona-Krise in einer sehr zentralen Rolle, in der er sich sehr empfohlen hat. Es war klug und folgerichtig, Olaf Scholz jetzt ins Rennen zu schicken.

Mal kurz und ernsthaft zur Vorbereitung dieser Entscheidung: Hat die SPD jetzt tatsächlich aus der jüngeren Vergangenheit gelernt?
Ja, davon kann man ausgehen und meinetwegen darf das ruhig so bleiben. Das wäre ein sehr guter Schritt in die richtige Richtung. Die SPD hat in den vergangenen Jahren aus so manch einer Personalentscheidung ein kleines Drama gemacht. Dass in diesem Fall alles ausgesprochen professionell ablief, das habe ich als höchst wohltuend empfunden – auch für mich und mein Nervenkostüm.

Und es scheinen tatsächlich alle an einem Strang zu ziehen. Auch Kevin Kühnert hat sich hinter Scholz gestellt.
Die SPD tut gut daran, sich sehr geschlossen hinter Olaf Scholz zu versammeln. Die Leute finden eine Partei, die immer nur mit sich selbst streitet, höchst uninteressant. Politikerinnen und Politiker sollen sich mit den Problemen der Gesellschaft befassen und nicht mit sich selbst. Und wenn die SPD sich jetzt bis zur Bundestagswahl auf die echten Themen konzentriert, dann sehe ich gute Chancen, dass Olaf Scholz Kanzler wird. Es darf keinen Rückfall geben in die Zeiten der eigenen Nabelschau. Ich hoffe auf das Durchhaltevermögen aller Beteiligten.

Nun hat die SPD diesmal Rot-Rot-Grün nicht ausgeschlossen, begleitet von einem entsprechenden Rote-Socken-Aufschrei in der Union. Ist das die neue Marschrichtung? Probieren die eher linken Parteien in Deutschland jetzt mal den Schulterschluss? Dass die SPD mit den Grünen kann, ist ja kein Geheimnis. Sie selbst haben neulich gesagt, dass Sie sich für Niedersachsen wieder Rot-Grün wünschen. Aber dass die Linken jetzt nicht kategorisch ausgeschlossen werden, das ist neu.
Ich wünsche mir für Niedersachsen Rot-Grün, das stimmt. Daraus muss ich auch gar kein Geheimnis machen: Wenn es einen über Jahrzehnte hinweg nachweislich Rot-Grünen gibt, dann bin ich das. Ich habe damit angefangen, dafür zu werben, da war ich noch Juso-Vorsitzender. Als SPD-Vorsitzender in Hannover haben wir das auch in den rot-grünen Jahren gut hinbekommen. In meiner ganzen kommunalen Zeit habe ich mit den Grünen gearbeitet und auch auf der Landesebene zunächst eine rot-grüne Regierung geführt. Dass das 2017 nicht weitergehen konnte, lag mit Verlaub nicht an mir. Bei mir gibt es da durchaus einen roten Faden.

Aber keinen rot-rot-grünen Faden.
Den brauchte ich bisher nicht. Aber die Aufregung darum ist auch nur so ein Schauspiel, fast ein eingespieltes Ritual. Ich bin 2012 inquisitorisch nach Rot-Rot-Grün gefragt worden. Und ich habe stets gesagt, dass ich keinen Grund sehe, das für Niedersachsen auszuschließen. Aber ich habe auch immer betont, dass ich intensiv daran arbeite, dass die Linken nicht in den Landtag kommen. Wer in Niedersachsen links wählen möchte, der soll doch bitte die SPD wählen. 2017 hat sich das Ritual dann wiederholt. Die gleichen Fragen – eigentlich sehr banal. Als wäre Rot-Rot-Grün der Weltuntergang. Was wir sehen, ist etwas anderes. Wir haben derzeit drei Landesregierungen, in denen SPD und Linke gut zusammenarbeiten. Aber von alledem ganz abgesehen, muss es der SPD zuallererst darum gehen, selbst wieder stärker zu werden. Eine sozialdemokratisch geführte Regierungskonstellation wird es nur mit einer wesentlich besser aufgestellten SPD geben. Das streben wir an!

Mitte 20 Prozent würde ja vielleicht schon reichen.
So viel, wie überhaupt geht.

Bei der üblichen Rote-Socken-Folklore gehört ja unter anderem der Hinweis zur NATO immer dazu. Man darf nicht mit einer Partei koalieren, die die NATO abschaffen möchte. Nun hat man aber in den Zeiten der Großen Koalition gelernt, dass Politik auch projektorientiert funktionieren kann. Man setzt sich zusammen und bringt Projekte auf den Weg. Und strittige Fragen klammert man einfach aus. Kann man das in diesem Fall nicht auch?
Naja, die Bürgerinnen und Bürger haben schon ein Recht darauf, von einer Partei zu erfahren, wie sie zur NATO steht. Die NATO ist für die Sicherheit Europas nach wie vor von besonderer Bedeutung. Bekanntlich hat aber selbst der amerikanische Präsident seine Schwierigkeiten mit der NATO und stellt sie zur Disposition – manchmal versteht man die Welt nicht mehr! Aber ihre Frage führt natürlich zu einem wirklich wichtigen Punkt. Wer ist eigentlich die Linke? Die Linke ist intern höchst ungeordnet und hat in den letzten Jahren ebenfalls einen Großteil ihrer Energien auf innerparteiliche Streitigkeiten verwandt.

So wie die SPD …
Mit dem Unterschied, dass in der SPD niemand ernsthaft infrage stellt, dass man – wenn möglich – in Regierungsbeteiligungen Verantwortung übernehmen muss. In der Linken gibt es nicht wenige, die sich in der Rolle der Opposition offensichtlich ganz wohl fühlen. Das muss die Linke auf Bundesebene für sich klären. Aber zurück zu SPD: Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren und einfach gute Politik machen. Wir müssen auch im Bund stärker werden und noch überzeugender.

Ich bin ja ein großer Freund von Diskussionen zum Thema Gerechtigkeit und erinnere mich gut an die Bekenntnisse, etwas für die sogenannten systemrelevanten Berufe zu tun. Das ist etwas, dass man mit den Grünen und den Linken sicher besser hinbekommen würde als mit der Union.
Die Themen Gesundheit und Pflege sind Kernthemen der SPD. Aus meiner Sicht haben wir in diesen Bereichen eine enorme Überökonomisierung, der wir entgegenwirken müssen. Man kann Zuwendung für ältere und kranke Menschen nicht zeitlich takten und mit einem Preisschild versehen.

Das klingt jetzt aber ganz schön links.
Für mich klingt das erstmal vernünftig.

Interview: Lars Kompa

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LUDWIG –  draußen & drinnen wohnen

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LUDWIG – draußen & drinnen wohnen


In Hemmingen bei Hannover finden Garten- und Terrassenfreunde weit über 5.000 Artikel aus der Welt der Gartenmöbel, Sonnenschirme und Grills sowie ein Team, das qualifiziertes Fachwissen in kundenorientierte Beratung umzusetzen weiß. LUDWIG – draußen & drinnen wohnen gehört mit rund 4.000 m² Ausstellungsfläche zu den größten und anspruchsvollsten Gartenmöbelausstellungen Deutschlands.

Ob das wohnliche Umfeld modern oder klassisch, funktional oder verspielt, elegant oder rustikal sein darf und ob die sich daran anschließenden „grünen vier Wände“ einen einzelnen Stil aufgreifen oder von allem etwas: LUDWIG – draußen und drinnen wohnen hat Erlesenes für Haus und Garten von besonderer Qualität zusammengestellt. Für drinnen und draußen. Für Sommer und Winter. Für Trendsetter und Individualisten. Immer mit einem besonderen Anspruch an Design und Ästhetik. Im Außenbereich der Filiale werden attraktive und zugleich praktische Lösungen rund um die Garten- und Terrassengestaltung präsentiert. Beim Bummel durch die Ausstellung trifft man auf neue Ideen, kreative Gestaltungsoptionen und praktische Anwendungsbeispiele.
Großformatiges Gartenzubehör wie Gerätehäuser oder Minigaragen für Fahrräder warten ebenso auf ihren Einsatz wie unzählige Gartenstühle. Die Sitzgelegenheit im Freien bietet viele unterschiedliche Facetten; bei LUDWIG – draußen und drinnen wohnen kann man etwa zwischen Sitzsäcken, -bällen und Poufs aus wetterfesten Materialien wählen, aber auch Stühle und Sessel, Hocker und Bänke sowie Gartenliegen stehen zur Wahl bereit, weiterentwickelte Deckchairs aus Edelstahl, Aluminium, Teakholz oder Polyrattan sind ganz nach Belieben einsetzbar als Lounge Chair oder Liegemöbel. Dining-Möbel wie Stapelsessel mit Bespannung und Ausziehtische mit Glas-, Keramik oder HPL-Platte, Lounge-Serien von Marken wie Dedon, Solpuri oder Jati & Kebon, Lounge-Inseln und Daybeds runden die Außenmöbellandschaft ab. Im Gartenmöbel-Outlet warten echte Schnäppchen: Vorjahresmodelle, Ausstellungsstücke, Messerückläufer – immer im Wechsel, in Top-Qualität, zu supergünstigen Preisen.
Vor der Mittagshitze schützen edle Schattenspender wie Mittelstockschirme, Ampelschirme oder Freiarmschirme und Sonnensegel. Für Pavillons und Markisen ist ein weiterer Partner mit im Boot, der Fachbetrieb Klawiter. Um die passende Chillout-Musik zur Entspannung einspielen zu können, gibt es beleuchtete Sektkühler mit Bluetooth-Lautsprecher, für das abendliche Ambiente Feuerschalen und -körbe, Solarlampen, Laternen oder Windlichter, und wer möchte, erwirbt gleich Outdoor-Blumentöpfe, deren romantische Beleuchtung sich über die Handy-App einschalten lässt. Welch stylische Bequemlichkeit!
Zum Outdoor Living gehört auch das Grillen im Freien. Das Angebot an Grillmarken und Grillmodellen bei LUDWIG – draußen und drinnen wohnen ist groß und reicht von Gas- bis zu Holzkohlegrills von Napoleon, Everdure und Big Green Egg samt allem, was das Grillerherz begehrt. Eine ganz neue Dimension eröffnen luxuriöse Outdoorküchen, die sich bei bestechendem Design durch ein hohes Maß an Funktionalität, Variabilität und Wettertoleranz auszeichnen. Einfach mal draußen & drinnen vorbeischauen und die Innen- und Außeneinrichtung von Heim und Garten verschönern!
Anke Wittkopp

Leibniz lustwandelt bei Ludwig
von Kabarett bis Konzert

von der DESiMO-Zaubershow am 04.09.
über „Männer im Baumarkt“ mit Joachim Hieke & das Leibniz Ensemble am 13.09.
und Oliver Fischers Musical Box am 18.09.
bis zu „Ein Abend mit einem Beatle“ namens Johnny Silver am 30.09.

Im Innenhof, bei Regen im Ausstellungsraum.
Infos und Tickets unter
www.leibniz-theater.reservix.de!
Max-von-Laue-Str. 21
30966 Hemmingen
Tel. (0511) 9426560
www.wohnen-ludwig.de

Öffnungszeiten bis Ende September:
    Mo – Fr     10–19 Uhr
    Sa     10–16 Uhr
Oktober bis Januar verkürzte Öffnungszeiten!

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Arthur Koestler: Mit den Rücken zur Wand.  Israel im Sommer 1948

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Arthur Koestler: Mit den Rücken zur Wand. Israel im Sommer 1948


Am 14. Mai 1948 endete das Britische Mandat über Palästina. Noch am selben Tag unterzeichnete David Ben Gurion, Vorsitzender der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei, die israelische Unabhängigkeitserklärung – was unmittelbar darauf die Armeen der mit Palästina verbündeten Nachbarländer Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und Irak auf den Plan rief; und die Zukunft des soeben erst gegründeten Staates Israel schien mehr als ungewiss. Keine drei Wochen später reiste der ungarisch-britische Journalist Arthur Koestler ins Land ein. Akkreditiert u.a. für den Manchester Guardian, den Figaro und die New York Herald Tribune würde er in den nächsten drei Monaten in zahlreichen Artikeln über die militärischen Auseinandersetzungen und gesellschaftlichen Umbrüche berichten. Die Texte sowie seine Tagebucheinträge aus der Zeit bildeten die Grundlage für seine spätere Chronik „Promise and Fulfilment: Palestine 1917 – 1949“, die nun auszugsweise erstmals auf Deutsch erschienen ist.

„Während der ersten vierzehn Tage im Leben des neugeborenen Staates sah es so aus, als müsste er das Schicksal der kleinen Kinder unter Herodes teilen, deren zarte Körper dem Schwert zum Opfer fielen.“ Mühelos verankert Koestler seinen Augenzeugenbericht in dem biblischen Narrativ des Heiligen Landes. Auch an anderen Stellen nutzt er solche anschaulichen Sprachbilder, um auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu kommunizieren – etwa, wenn er das Flugzeug eines UN-Sondergesandten, das Tel Aviv überfliegt, als eine „motorisierte Friedenstaube“ beschreibt, „nur ohne Ölzweig“. Der Gebrauch solcher Stilmittel macht deutlich, dass der Autor nicht als neutraler Berichterstatter nach Israel reiste. Denn der 1905 in Budapest geborene Koestler wuchs als bewusster Jude auf, wurde im Laufe seines Lebens überzeugter Zionist und brannte für die Idee der Wiederauferstehung des jüdischen Volkes. Dennoch bemüht er sich um einen unparteiischen Blick, indem er beide Interessenseiten gleichermaßen kritisch betrachtet. Der israelische Arzt und Journalist Dr. Gil Yaron, der das Vorwort für die deutsche Übersetzung verfasst hat, schreibt über Koestlers Perspektive: „Das Leid der Palästinenser begriff er über seinen Intellekt, mit dem Schicksal der Juden verband ihn sein Herz.“
In den kurzen, episodenhaften Kapiteln verbinden sich weitsichtige Analysen und detaillierte Betrachtungen mit persönlichen Begegnungen. Denn im Laufe seines etwa dreimonatigen Aufenthalts ließ Koestler sich von den verschiedensten Menschen erzählen, wie sie die instabile Situation, mit der sie sich konfrontiert sahen, empfanden – darunter hoffnungsvollen Holocaust-Überlebenden, idealistischen Intellektuellen, aber auch einfachen Menschen, die niemals zuvor in Kriegsgeschehen verwickelt waren. In solchen Momenten, in denen banaler Alltag und geschichtsträchtige Ereignisse nahtlos ineinander übergehen, wird Koestlers Bericht besonders eindrücklich.
Obwohl der Text mehr als 60 Jahre alt ist, lohnt sich auch heute noch die Lektüre, und das nicht nur aus Geschichtsinteresse. Zum einen sieht Koestler bereits zu seiner Zeit viele der innenpolitischen Probleme voraus, die Israel bis in die Gegenwart erschüttern –
etwa das rasante Wachstum der ultraorthodoxen und nur schwer integrierbaren Bevölkerung – und formuliert Ansätze, diesen Herausforderungen zu begegnen. Andererseits abstrahiert der Autor aus seinen Analysen immer wieder allgemeinere Grundstrukturen und wiederkehrende Motive, die sich auch bei heutigen Konflikten weltweit wiederfinden. Dass das kein Zufall ist, sieht Koestler in der Beispielhaftigkeit der Situation von Israel begründet. So nehme dieses „auf jedem mittelgroßen Schulglobus zwar nicht viel mehr Platz als ein Staubkorn ein, und doch gibt es kaum ein politisches, soziales oder kulturelles Problem, dessen Prototyp man hier nicht vorfinden kann, und das in seltener Konzentration und Intensität.“

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… mit dem Schauspieler und Regisseur Lukas Holzhausen

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… mit dem Schauspieler und Regisseur Lukas Holzhausen


Foto: Katrin RibbeLukas Holzhausen wird im September als Philipp II. in Schillers „Don Karlos“ auf der Bühne stehen. Ein Gespräch über ein bemerkenswert aktuelles Stück, über Macht und Machtlosigkeit gegenüber den Mächtigen.

Sie sind Schauspieler, der auch Regie führt, wie ist es denn dazu gekommen?
Ich bin in der Schweiz, in Zürich geboren und aufgewachsen. Ursprünglich wollte ich Regisseur werden, aber Ende der achtziger Jahre gab es nur sehr wenige ernstzunehmende Studiengänge für Regie, also habe ich in Zürich Schauspiel studiert, da ich das Spielen für den eigentlichen Kern der ganzen Unternehmung hielt, aber immer mit der Idee, später auch als Regisseur zu arbeiten. Während des Studiums habe ich eine eigene freie Theatergruppe geleitet, in der ich vorwiegend inszeniert habe. Ich bin dann bei der Schauspielerei hängen geblieben, weil mich das Spielen einfach zu sehr fasziniert hat, habe mich aber immer bemüht, an den Theatern, an denen ich engagiert war, auch Regie zu führen. IntendantInnen handhaben das sehr unterschiedlich, nicht alle sehen es gerne, wenn Schauspieler beides tun. Ich bin froh, dass ich hier in Hannover jetzt wieder beides tun darf.

Vor Hannover gab es einige Stationen …
Meine Anfängerzeit habe ich in Graz, in Österreich verbracht, dann war ich in Bremen, in Frankfurt am Schauspielhaus, in Köln, am Schauspielhaus Hamburg, dann in Zürich und anschließend in Wien am Volkstheater – frei habe ich nie gearbeitet, ich war immer in festen Engagements. Anja Herden, meine Frau ist ebenfalls Schauspielerin, und da es in unserem Beruf keineswegs üblich oder einfach ist, an einem guten Theater gemeinsam ein Engagement zu bekommen, sind wir nun bei Sonja Anders in Hannover – in dieser merkwürdigen Zeit.

Wird die Doppelfunktion als Schauspieler und Regisseur mancherorts nur bei ein und demselben Stück nicht gern gesehen oder besteht da grundsätzlich eine Ablehnung?
Das ist schon eher grundsätzlich. Im selben Stück zu spielen und es auch noch zu inszenieren, ist ohnehin selten. Ich habe das nur einmal gemacht, in Wien: „Hangmen“, das neuste Stück von Martin McDonagh. 12 Personen, vorwiegend Männer ab vierzig aufwärts. Da habe ich neben der Inszenierung auch noch eine der beiden Hauptrollen gespielt. Einfach, weil wir es sonst nicht hätten machen können, da sich kein Theater so viele alte Schauspieler leisten kann.

Aber eigentlich sind solche Rollenwechsel nicht gewünscht.
Im deutschen Sprachraum nicht. In Frankreich, in England und Amerika ist das üblicher. Die Rolle des Regisseurs ist bei uns doch unglaublich hoch bewertet, die theatralen Sprachen äußerst verschieden und sehr vielfältig. Die Deutungshoheit liegt fast ausschließlich bei der Regie, was eventuell zu bedauern ist. Wenn man dann vom Schauspieler in die Rolle des Regisseurs schlüpft, macht einen das in den Augen der anderen RegisseurInnen verdächtig, als Schauspieler potenziell schwierig. Aber auch die SchauspielkollegInnen müssen solch einen Wechsel akzeptieren. Das muss für alle in Ordnung sein und man muss seriös damit umgehen, auch und gerade was Besetzungsfragen betrifft. Die Befürchtung ist wohl, dass das nicht funktioniert, dass die Dinge sich zu sehr vermischen, dass es kompliziert wird – und es geht bei uns ja nach wie vor viel um Macht und Ordnung im Theater.

Themenwechsel. In Ihrer Vita tummeln sich recht viele Film-basierte Stücke – und auch eine Zusammenarbeit mit dem Filmregisseur Peter Greenaway. Hat diese Häufung einen Grund oder ist das nur Zufall?
Eher Zufall, man wird als Schauspieler ja einfach besetzt. Was Greenaway betrifft, der hat mich sehr beeindruckt. Unglaublich höflich, unglaublich klar, eine wahnsinnig angenehme Kombination, sehr umsichtig, fair. Ein distinguierter Herr mit einer sehr zurückhaltenden Form von Autorität – aber die war immens. Wenn er erklärt hat, dass er es gerne so oder so hätte, dann war klar: Das ist die Verabredung, und dabei bleiben wir auch. „Gold – 92 bars in a crashed car“, war damals, im Jahr 2001, die Eröffnung am Schauspiel Frankfurt – war aber kein Erfolg, das muss man dazu sagen. Die deutschen Zuschauer und besonders die Frankfurter Presse schätzten nicht sonderlich, was ihnen ein Engländer da zur Judenverfolgung zu sagen hatte.

Kommen wir mal zu „Don Karlos“: Welchen Mehrwert bringt denn ein Theaterstück mit sich, das einerseits einen historischen Stoff bemüht, gleichzeitig aber fiktionalisiert und letztlich gar nicht adäquat ist?
Da sind wir genau beim Problem. Die deutsche Klassik wäre ja nicht die deutsche Klassik geworden – also insbesondere Schiller und Goethe –, wenn sie jemals wirklich radikale Veränderungen befürwortet hätten. „Don Karlos“ ist ein halbes Jahr vor der französischen Revolution geschrieben worden – und Marquis von Posa fordert Gedankenfreiheit. Gedankenfreiheit! Nicht Gleichheit vor dem Gesetz, oder gar politische Rechte und Gewaltenteilung! Da wird in Schulbüchern und im Unterricht immer so getan, als würde Schiller schon irgendwie Demokratie fordern. Aber es ist nur die Forderung nach Gedankenfreiheit. Polemisch könnte man sagen, was Posa dem Philipp da anbietet, das ist im Grunde ein „Managerkurs für Diktatoren“. Seien sie weicher, netter, menschlicher, dann werden ihnen die Leute freiwillig folgen. Die Zerschlagung der Feudalherrschaft ist nicht gewollt. Schiller kann sich eine andere Herrschaftsform einfach nicht vorstellen. Schon vor der Revolution nicht. Also nicht erst unter dem Eindruck, des Tugendterrors der Jakobiner. Er sieht aber, dass Reformbedarf besteht. Das Publikum von Schiller und Goethe war sich einig, dass die Herrschaft von Philipp II. ein bisschen heftig war und dass das so nicht mehr geht. Das Stück zur Zeit der spanischen Inquisition spielen zu lassen und so die Herrschaft Philipp II. zu kritisieren war also keine besonders mutige Entscheidung. Und dann gibt es bei Schiller ja noch die böse Inquisition – eine Art „Weltverschwörung“. Die geheime böse Leitung. Wie in einer Verschwörungstheorie. Der Mächtige, bei Schiller Philipp II., ist gar nicht wirklich verantwortlich, weil er ja auch nur an den Fäden einer bösen geheimen Macht zappelt. Ich finde das ein Riesenproblem in dem Stück. Damit werden wir umgehen müssen. Denn Schillers versuch, Philipp II. auf diese Weise zu entlasten, finde ich nachgerade fahrlässig. Und zu glauben, dass Leute wie Putin, Bolsonaro, Trump oder Lukaschenka – und die sind, hinsichtlich der Machtfülle eines Philipp II. ja kleine Fische –, dass solche Männer so sehr unter ihrer Einsamkeit und Paranoia leiden, dass sie durch Nähe und Freundschaft Vertrauen gewinnen und beginnen ihre Politik zu überdenken? Wirklich? Im Ernst? Das ist aus historischer Sicht schon beinahe rührend naiv. Ich denke, kein Zuschauer wird das ernsthaft glaubt. Diese Stücke sind Märchen für Erwachsene.

Aber Schiller zeigt schon Abgründe auf.
Ja, er zeigt, wie sehr solch ein Herrschaftsmodell die Menschen vergiftet, zerstört, aushöhlt, in tiefe Einsamkeit stürzt. Damit hat er Recht. Es gibt nur Gegnerschaft, nur Misstrauen, es gibt überhaupt kein Vertrauen mehr. Und so ist das Leben selbst für die herrschende Klasse nicht mehr lebenswert. Man kann das auch runterbrechen auf einfache Situationen. Wenn das Arbeitsklima in einem Betrieb vergiftet ist. Wenn Macht so ausgeübt wird, dass sie wie bei einem Virus alle infiziert, eben gerade auch die Mächtigen selbst. In der berühmten Audienz-Szene sagt Posa ja auch sinngemäß zu Philipp: „Sie haben doch gar nichts davon, so, wie Sie das alles betreiben. Furchtbar, die Leute gehorchen zwar, aber es ist doch absurd, wie sich alle verstümmeln, um gehorchen zu können.“ Und natürlich hat Schiller damit recht. Es ist nur reichlich naiv, oder eben harmlos in der Kritik, zu erzählen, dass diese Einsicht, schon richtig was verändern würde. Ich wüsste gerade kein einziges Beispiel von einem Diktator, der freiwillig abgetreten ist.

Schwingt denn dieser Glaube wirklich mit? Das Ende ist ja nun nicht gerade optimistisch …
Nein, das Ende ist nicht optimistisch. Philipp lässt, gedrängt von der bösen, allmächtigen Inquisition, alle umbringen. Aber bei Schiller ist er dann eben nur noch ein alter gebrochener Mann, der abtreten will, dem das alles zu viel wird. Der „arme Herrscher“. Und das ist Kitsch. Aber, Laura Linnebaum, unsere Regisseurin, hat einige gute Ideen, der Naivität des Schillerschen Idealismus zu entgehen. Wir werden sehen, wir stecken ja noch mitten im Prozess, aber vielleicht wird es bei uns eben keine „weltverschwörerische“ Inquisition geben.

In der Vorankündigung zum Stück ist mir aufgefallen, dass von einem System der Unterdrückung die Rede ist, in dem „das Private zum Poltischen“ werden müsse. Das klingt ein wenig nach einem 68er-Slogan …
Schiller erhofft sich gewissermaßen, dass es menschlicher zugehen würde, wenn auch bei den Herrschenden die Einsicht reift, dass sie durch Unterdrückung in ihrem eigenen Menschsein nur verlieren werden. Womit er ja Recht hat, aber das führt eben noch zu keiner Veränderung. Heute versuchen sich die Herrschenden ja keinesfalls als abgehoben, sondern als ganz normale Leute darzustellen, die eben zufällig mit nacktem Oberkörper durch die Tundra reiten, Eishockey oder Golf spielen. Das Private wird schon längst politisch instrumentalisiert und der Größenwahn und die Allmachtsphantasie, die werden kaschiert und im Keller versteckt. Das Private ist die Tarnung in der Öffentlichkeit. Nicht das Gottgleiche. Schillers große Hoffnung hat sich als eine falsche, trügerische Hoffnung herausgestellt.

Was kann man denn heute mitnehmen aus dem Stück?
Dass man sich wirklich mächtig ins Zeug legen muss, um mächtige Menschen zu stürzen oder gar in ihrem Wesen zu verändern! Vielleicht kann das Stück als böse Erzählung, als böses Märchen für Erwachsene heute mehr Wirkung entfalten als in seiner idealistischen Intention. Im Sinne Max Frischs führt die negative Erzählung dazu, dass die Seele sich nach dem Besseren spannt– wenn sie nicht zynisch ist. Dann kann das Böse, das Traurige, die Aussichtslosigkeit in uns den Wunsch nach dem Gelingen wecken.

Auf dem Foto zur Vorankündigung halten Sie als Philipp II. die Bibel ziemlich ähnlich wie es Donald Trump kürzlich getan hat? Zufall?
Nein, das war natürlich schon Absicht. Aber das wird kein Porträt von Trump, das wäre Quatsch. Das bekäme man in das Stück überhaupt nicht reingedrückt. Aber auch Philipp ist ein alter, weißer Mann, der agiert wie ein gekränktes Kind. Einerseits ein pragmatischer mächtiger Mann, andererseits leidet er unter Eifersucht. Er muss alles kontrollieren, da er fürchtet, alle würden gegen ihn arbeiten – was ja auch stimmt. Sein eigener Apparat hintergeht ihn, manipuliert ihn. Alle manipulieren sich gegenseitig. Das sind, vielleicht bis auf seinen Sohn, allesamt von der Macht verkrüppelte Leute. Die arbeiten zwei Jahre für Trump und schreiben dann ein Buch darüber. Das hätten die Untergebenen von Philipp II. sicher auch getan, wenn sie dafür nicht auf dem Scheiterhaufen gelandet wären. Und dann gibt es natürlich noch die Angst Philipps, sein eigenes Kind könnte ein Kuckuckskind sein. Gezeugt von Don Carlos, seinem Sohn! Da ist Schiller ganz in seinem Element: Väter und Söhne! Ein paranoides, dunkles Labyrinth aus Eifersucht und Misstrauen. Und dementsprechend das Bedürfnis, jemanden zu haben, dem er vertrauen kann, jemand, der von außen kommt. Wenn Philipp nicht wirklich jemanden bräuchte, dann könnte die berühmte Szene mit Marquis Posa so gar nicht stattfinden. Durch eine genaue Analyse der Regierungssituation schafft es Marquis Posa als brillanter Analytiker, der auch den Mut zur offenen Kritik hat, sein Vertrauen zu erlangen. Inhaltlich kommen sie sich in keinster Weise nahe. Aber das Gespräch führt dazu, dass Philipp glaubt, in Posa den gesuchten Vertrauten zu haben. Vielleicht sogar den besseren Sohn. Dass nun aber genau dieser Posa ein Doppelagent ist und sich Philipp mit ihm quasi seine eigene Zerstörung ins Haus holt, das ist einfach große Krimi-Literatur.

Inwieweit ist Philipp II. auch eine tragische Figur?
Man muss eine Figur als Schauspieler verstehen und verteidigen und trotzdem als das zeigen, was sie ist: Ein in die Macht hineingeborener unverbesserlicher Potentat, an dem sich die junge Generation im Stück vergeblich abarbeitet, dem sie nicht gewachsen ist. Bei Schiller ist Philipp am Ende müde und durch seine Fehleinschätzung von Posa so getroffen und verunsichert, dass er die Macht an die Inquisition abgibt. Das halte ich für ausgemachten Kitsch. Ich bin da eher bei Gollum aus „Herr der Ringe“; die Macht ist ein Schatz, den man nicht hergibt, da lässt man sich eher die Arme abhacken. Aber natürlich ist es meine Aufgabe zu versuchen, dem Philipp in bestimmten Punkten recht zu geben, zu vermitteln, aus welcher Perspektive heraus er die Dinge betrachtet, damit überhaupt erst eine fruchtbare Diskussion entstehen kann. Ich finde, man darf solche Figuren auf keinen Fall von vornherein lächerlich oder klein machen. Denn das sind sie aufgrund ihrer Macht eben nicht. Leider.

Dass Lächerlichkeit der falsche Weg ist, kann ich einsehen – aber ist Verständnis denn tatsächlich angebracht für solche Leute?
Ich denke, das ist tatsächlich nötig. Was denn sonst? Wir wissen doch, dass diese Leute auch nur Menschen sind. Aber eben sehr mächtige Menschen. Es wäre reiner Populismus, zu behaupten, so jemand wäre ein ungeheuerliches Monstrum. Das stimmt ja nicht.

Interview: Christian Kaiser

Foto: Katrin Ribbe

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