Tag Archive | "2021-04"

Leonie Jael – Sängerin & Songschreiberin

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Leonie Jael – Sängerin & Songschreiberin


Mit einer angenehmen Mischung aus sanften und doch rockigen Popsounds verzaubert Sängerin Leonie Jael ihre Zuhörer. „Ich will keine Angst davor haben, meine Geschichten zu erzählen. Und ich mache es so, wie ich bin. Verträumt. Direkt. Brutal ehrlich“, erklärt sie auf ihrer Website. Und das kann man hören. In der neuen Single „Bis ans Meer“ ist man als ZuhörerIn hautnah dabei, wenn Leonie über unbeschwerte Zeiten spricht und alle wunderbaren Gefühle, die mit ihnen einhergehen. Eine richtig schöne Auszeit für die Seele, sodass man fast schon Fernweh bekommt. Das dazugehörige Video verbildlicht ihre Liebe für das Leben und die grenzenlose Freiheit.

Man könnte sagen, Leonie ist ein wahres Multitalent der Musik. Sie war viele Jahre als Chorleiterin und Vocal Coach tätig, doch jetzt konzentriert sie sich ganz auf das Songwriting und ihre eigene Musik. Schon als Teenager liebte sie es, auf der Bühne zu stehen und das Publikum mit ihrer authentischen Stimme zu beeindrucken. Später kam der Wunsch hinzu, ihre große Leidenschaft zum Beruf zu machen und so begann sie ein Musikstudium mit pädagogischem Schwerpunkt für den Schuldienst. Allerdings wurde der Musikerin schnell bewusst, dass ihr Freigeist ausgelebt werden möchte (und zwar nicht im Klassenzimmer). Also widmete sie sich ihrem ganz eigenen Weg und gab sich voll und ganz der Musik hin, zunächst indem sie Teil der Coverband „Steam“ wurde und eigene Versionen anderer Künstler spielte. Die Auswahl war facettenreich – von Größen wie „DuaLipa“ bis „Wir sind Helden“ war alles dabei.
Schließlich wagte sie einen einschneidenden Schritt: Die eigene Kreativität und Produktion eigener Songs sollten fortan im Mittelpunkt stehen. Am 14. März 2020 war es dann endlich soweit – Leonies erstes großes Konzert vor Publikum in einem Atelier, umgeben von Kunst. Aufgetreten ist sie zusammen mit ihrem Pianisten. Leider war das nun ausgerechnet der letzte Tag vor dem kompletten Lockdown.
Statt aufzugeben und an dem zu verzweifeln, was man sowieso nicht ändern kann, sah die ambitionierte Künstlerin das Positive an der Situation. Sie sagt: „Der Corona-Shutdown war meine Startzündung für den Release meiner eigenen Musik. Ich bin extrem dankbar für den Prozess der letzten Monate.“ Während einer Phase der Selbstreflexion und Erkenntnis gewann Leonie Anregungen und Songideen. Grundsätzlich sieht sie Inspiration in allem, seien es der Alltag, Gedanken, Gefühle oder die Verarbeitung von Erfahrungen. Auch nutzt sie ihre Musik, um Geschichten zu erzählen, nicht nur für sich, sondern auch für alle anderen. Immerhin dient die Kunst unter anderem zur Kommunikation oder als Ventil.
Genauso vielfältig wie Leonie selbst ist natürlich auch das, was sie produziert. Sie fühlt sich in verschiedenen Genres wohl und bleibt gerne Einflüssen gegenüber offen. Die Stimme der Sängerin gleicht einem Zusammenspiel aus Zerbrechlichkeit und Kraft. Gänsehaut pur. Das Ganze auf ihrer Muttersprache Deutsch, damit der Ausdruck und die Botschaft sehr deutlich spürbar bleiben.
In ihrer ersten Single „Einsam zu zweit“ spricht sie etwas aus, was sich wahrscheinlich viele nicht trauen würden, bleibt aber trotzdem mit den Worten „Es ist alles gut“ ihrem Optimismus treu.
Besonders berührend ist die Pianoversion der Single, die im Rahmen des HopeSongsFestivals im Sofaloft Hannover aufgenommen wurde. Durch das Festival wurden über 50.000 Euro für gemeinnützige Zwecke eingenommen – welch ein fantastischer Beweis für den Zusammenhalt von Künstlern und Musikern in Corona-Zeiten. Mit wie viel Herzblut Leonie Jael dabei ist, sieht man unter anderem daran, dass sie die gesamten Einnahmen von „Einsam zu zweit“ der CoronaKünstlerHilfe spendete.
Bis die Konzertbühnen wieder bunt erleuchtet werden, kann man sich von Leonies Talent auf allen Streaming- und Musikplattformen überzeugen oder ihre Website (www.leoniejael.de) besuchen. In der Zukunft kann sie sich auch die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern vorstellen. Auch wenn zurzeit keine genauen Pläne möglich sind, an ihren Zielen hält die Sängerin fest und dient sicherlich vielen als wunderbare Inspiration.

   ● Jamie Lüders

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Ein letztes Wort im April

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Ein letztes Wort im April


Herr Weil, können Sie mir die Lockerungsstrategie erklären, trotz steigender Zahlen – oder jedenfalls nicht deutlich sinkender Zahlen?

Wir haben derzeit eine sehr widersprüchliche Situation. Auf der einen Seite ist die Sehnsucht in der Bevölkerung groß, nach diesen langen Lockdown-Monaten jetzt endlich wieder ein bisschen mehr Normalität zuzulassen. Und wir erleben auch immer größere Sorgen bei vielen Gewerbetreibenden und Arbeitnehmern. Das ist alles sehr gut zu verstehen. Aber es gibt eben auf der anderen Seite auch eine wieder schwierige Infektionslage. Wir haben es inzwischen mit einem noch gefährlicheren Gegner zu tun als früher: Die deutlich ansteckenderen Mutationen haben die Oberhand gewonnen. Deswegen gibt es jetzt ein differenziertes System. Ist die Lage in den einzelnen Kommunen entspannt, kann man nach und nach lockern. Wird die Lage schlechter, gibt es nach und nach leider größere Belastungen. So haben wir Kontrollmöglichkeiten, gegebenenfalls müssen wir Öffnungen auch wieder zurücknehmen. Und bei sehr hohen Infektionszahlen gibt es dann leider kaum Lockerungen.

Mit der Nachvollziehbarkeit haben viele so ihre Schwierigkeiten. Hat die Politik jetzt nicht der allgemeinen Corona-Müdigkeit einfach ein Stück weit nachgegeben?

Entscheidend ist ja, dass wir diese Pandemie nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern bekämpfen können und nicht gegen sie. Das private Verhalten ist maßgeblich für die Entwicklung der Infektionszahlen. Wir können und wollen nicht einfach durchregieren, wir berücksichtigen so gut wie möglich die Haltung in der Gesellschaft. In Regionen, in denen die Infektionszahlen sehr gering sind, sind mehr Begegnungen zugelassen, etwas anderes wäre auch nicht auf Dauer zu vermitteln. Umgekehrt stehe ich aber auch dazu, dass es in Regionen mit hohen Infektionszahlen nicht zu nennenswerten Öffnungsschritten kommen kann.

Dann wollen wir hoffen, dass die Leute jetzt nicht zu früh zu leichtsinnig werden.

Ja, das hoffen wir, denn wir müssen unbedingt die Dinge unter Kontrolle behalten. Lockerungen kann es nur geben, wo die Infektionswerte das zulassen. Andernfalls leider eben nicht. Ich hoffe, dass die Bürger da auch in den nächsten schwierigen Wochen mitgehen und nicht leichtsinnig werden. Wir sind jetzt in einer Übergangszeit. Unser erklärtes Ziel ist, dass wir möglichst im Sommer alle impfen können, die das wollen. Das ist eine riesige Anstrengung, klar, aber wir haben trotz aller Schwierigkeiten eine reelle Chance, dieses Ziel zu erreichen. Das wäre dann der eigentliche Durchbruch. Bis dahin müssen wir vorsichtig bleiben und schrittweise versuchen, kontrollierbare Bereiche zu schaffen, in denen mehr möglich ist. Ich kann und mag mir nicht vorstellen, dass wir unsere Gesellschaft jetzt noch ein halbes Jahr tiefkühlen.

Was sagen Sie jenen Leuten, die reisen, auch mal in Hochrisikogebiete?

Ich finde das ausgesprochen unvernünftig und egoistisch. Und ich begreife auch nicht, warum die Bundesregierung jetzt die Reisen nach Mallorca freigegeben hat. Wir haben im letzten Jahr die Erfahrung gemacht, dass von so mancher Fernreise Virusinfektionen mitgebracht wurden. Dieses Risiko sollten wir vermeiden.

Inzwischen haben die Zustimmungswerte zur Corona-Politik ja deutlich gelitten. In der Bevölkerung ist von dem Gefühl, vergleichsweise ganz gut durch die Krise manövriert zu werden, kaum noch etwas übrig. Pleiten, Pech und Pannen, das ist eher der Eindruck. Auch in Niedersachsen. Wie gehen Sie mit der Kritik um?

Fehler müssen korrigiert werden und Kritik ist da völlig in Ordnung. Ganz viele Leute sind aber auch vor allem pandemiemüde. Letztlich sind wir es alle. Und ein solcher Frust sucht sich ein Ventil. So werden mitunter aus kleinen Fehlern schnell große und grundsätzliche Diskussionen um die Frage, was die da in der Politik eigentlich machen oder ob die überhaupt irgendetwas richtig machen. Deutschland ist im internationalen Vergleich und Niedersachsen ist im nationalen Vergleich bislang ziemlich gut durch die Pandemie gekommen. Eine solche Pandemie fehlerfrei zu bekämpfen, halte ich für unmöglich. Dafür ist das Virus zu unberechenbar, die Probleme sind zu vielfältig. Aber noch einmal, es ist völlig okay, die Politik zu kritisieren. Und schön ist es, wenn auch die Fortschritte zur Kenntnis genommen werden.

Das Brennglas, das nun in dieser Krise die Probleme besonders deutlich zeigt, ist ja viel zitiert. In den vergangenen Monaten scheint mir ein Problem tatsächlich mehr und mehr in den Fokus geraten zu sein: Deutschland leidet an seiner Bürokratie, daran, nicht flexibel zu sein, nicht mutig genug. Jedenfalls wird dieser Vorwurf zunehmend lauter. Wie stehen Sie dazu?

Nochmal: Im internationalen Vergleich steht Deutschland gut da. Aber ja, mitunter gehen wir zu gründlich und kompliziert vor, beim Impfen gibt es dafür Beispiele. Aber es muss auch gerecht zugehen und wesentliche Abläufe wollen geplant sein. Wenn beispielsweise der Bundesgesundheitsminister sagt, ab dem 1. März gäbe es Tests für alle, ohne im Vorfeld wirklich geklärt zu haben, wie das im Einzelnen vor sich gehen soll, dann löst das Verwirrung aus. Erst nachdenken und planen, dann die Umsetzung vorbereiten und dann twittern und Pressemitteilungen versenden – das hilft, Enttäuschungen zu vermeiden. Jeder versteht doch, dass es nicht so einfach ist, mal eben flächendeckend für 80 Millionen Menschen ein Testsystem aus dem Boden zu stampfen.

Herr Spahn hat ja gesagt, dass er am Erwartungsmanagement arbeiten muss.

Ja, das ist eine gute Einsicht.

Noch mal zum Krisenmanagement vor Ort. Da hat sich gezeigt, dass das jeweils sehr stark abhängig ist vom dort gewählten, handelnden Personal. Manche Kommunen glänzen mit richtig guten Ideen und guten Zahlen, man ist wach, kommunikativ und aktiv, in anderen Kommunen verkriechen sich die Oberbürgermeister … Warum regiert man nicht ein bisschen offensiver in die Kommunen hinein und macht ganz konkrete Handlungsvorgaben?

Da ich ja selbst mal Oberbürgermeister war, bin ich natürlich ein großer Fan von kommunaler Selbstverwaltung. Was genau wann und wie getan wird oder eben nicht, das sollte weitmöglichst vor Ort entschieden werden, solange es einen gemeinsamen Rahmen gibt. Dann sind auch die Verantwortlichkeiten klar, im Guten wie im Schlechten. Das ist auf der Landesebene ganz genauso.

Aber wäre es nicht viel verantwortlicher in so einer Krise, nach den Best-Practice-Beispielen zu suchen und die gelungenen Maßnahmen dann überall einzuführen? Also ein bisschen weniger Streuung der Verantwortung und ein bisschen mehr durchregieren?

Dass wir uns nicht falsch verstehen, in Niedersachen habe ich am Ende die Verantwortung, und das kann ich auch auf niemanden abschieben. Genauso ist im Bund am Ende die Bundeskanzlerin verantwortlich. Wir haben aber in so einem relativ großen Land wie Deutschland gar nicht die Chance, alles senkrecht von oben runter durchzuregieren. Und wir sollten das aus meiner Sicht auch gar nicht erst anstreben. Das führt eben nicht zu besseren Ergebnissen. Nehmen Sie beispielsweise das zentral regierte Frankreich. Wenn man den Verlauf der Pandemie in Deutschland und Frankreich vergleicht, hat das dezentrale System bei uns erkennbare Vorteile.

Interview: Lars Kompa

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Neu in der Stadt im April

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Neu in der Stadt im April


Credit: Axel HeiseCredit: Axel HeiseSchuh-Neumann eröffnet Schaufensterausstellung
Auch die acht Schaufenster des Traditions-Schuhhauses Neumann zieren ab sofort Arbeiten lokaler Kunstschaffender. Für kulturinteressierte Hannoveraner*innen bietet sich so eine weitere Gelegenheit, dem Corona-konformen Kunstgenuss zu frönen. Zum Auftakt sind derzeit zehn großformatige Bilder des Fotografen Axel Heise auf Leinwand in den Fenstern arrangiert, die unterschiedliche Perspektiven auf Hannover zeigen. Heise lebt und arbeitet seit mehr als 30 Jahren in seiner Wahlheimat Hannover und zählt hier zu den wichtigsten Vertreter*innen im Bereich Stadtfotografie. Alle Fotos der Ausstellung stehen auch zum Verkauf. Heises Bilder sind voraussichtlich noch bis in den April hinein zu sehen, danach sollen weitere Ausstellungen hannoverscher Kunstschaffender folgen. Seilwinderstraße 7, 30159 Hannover. Aktuelle Infos zu den Öffnungszeiten gibt es unter www.schuh-neumann.de. Mehr Infos zum Fotografen Axel Heise sind auf www.fotowelt-heise.de zu finden. Credit: Axel Heise

 

Fabrik-Kneipe Apotheke
Die Kulturfabrik Löseke (KUFA) in unserer Nachbarstadt Hildesheim ist ab dem 1. April um eine fabrikeigene Kneipe reicher: Die Apotheke, kurz APO, bietet nicht nur Getränke und einen warmen Mittagstisch an, sie möchte auch ein neuer Treffpunkt zur Vernetzung und sozialen Interaktion sein und weiteren Kulturangeboten neben dem regulären Abendprogramm in der KUFA Raum geben. Verbände, Organisation und andere Kooperationspartner*innen sollen in der Kneipe einen Ort finden, wo sie ihre Projekte planen und durchführen, aber auch Podiumsdiskussionen, Vorträge und Austauschabende mit Kulturinteressierten veranstalten können. Für diese kleinen und größeren Events wird sogar ein passendes Catering angeboten: Neben warmen und kalten Speisen stellt das APO-Team den Organisator*innen ihr Theken- und Küchenpersonal zur Seite, das schon im Vorfeld bei der Planung unterstützt und während der Veranstaltung zu einem gelingenden Abend beiträgt. Schließlich wird die APO sozialen und politischen Gruppen sowie Bündnissen mietweise als Besprechungsraum zur Verfügung stehen, um so einen Beitrag zur Vernetzung und Politisierung in Hildesheim zu leisten. Kulturfabrik Löseke (KUFA), Langer Garten 1, 31137 Hildesheim. E-Mail: kneipe@kufa.info. Mehr Infos gibt es zeitnah auf www.kufa.info.

 

Marktschwärmer-Wochenmarkt in der Nordstadt
Die Mehrheit der Verbraucher*innen interessiert sich dafür, was in ihren Lebensmitteln drinsteckt, wo sie herkommen und wer sie herstellt. Was liegt da näher, als die Erzeuger*innen während des Einkaufs einfach mal persönlich danach zu fragen? Auf den sogenannten „Marktschwärmer-Wochenmärkten“ wird dieser Direktkontakt möglich gemacht: Einmal in der Woche kommen Kund*innen und Erzeuger*innen für eine Stunde an einem zentralen Ort in ihrer Region zusammen, wo erstere online vorbestellte Lebensmittel direkt von ihren Hersteller*innen abholen können. In der Stadt Hannover gibt es bereits seit einiger Zeit eine solche „Schwärmerei“ auf dem REWE Parkplatz in der Heisterbergallee. Seit dem 12. März ist nun ein weiterer Standort in der Nordstadt dazugekommen: Immer freitags zwischen 16.30 und 17.30 Uhr lädt das Gastgeberpaar Vanessa und Reinhard Krapf im Innenhof des Hafven zum gemütlichen Einkauf ein. Zum wöchentlich wechselnden Sortiment, das auf der Website der Marktschwärmer einzusehen ist, gehören z.B. Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstwaren, Brot, Honig, Käse und Molkereiprodukte sowie ausgewählte Feinkostwaren. Die Lebensmittel stammen ausschließlich von Bauernhöfen und kleineren Manufakturen aus der Region – im Durchschnitt liegen zwischen Herstellungsort und Schwärmerei nicht mehr als 50 Kilometer Transportweg. Dank der Vorbestellung über den Onlineshop kann der*die Erzeuger*in exakt planen und vermeidet unnötige Kühl- und Transportkosten oder Verschwendung von verderblicher Ware. Die Abholung der Produkte erfolgt normalerweise persönlich durch die Kund*innen, doch sollte es einmal nicht klappen, kann bei Bedarf auch der Lieferdienst der Schwärmerei in Anspruch genommen werden. Die Idee der Online-Direktvermarktung kommt übrigens aus Frankreich, wo seit 2011 unter dem Namen „La Ruche qui dit Oui!“ („Der Bienenkorb, der Ja sagt!“) bereits über 800 Schwärmereien entstanden sind. In Deutschland startete das Netzwerk im Herbst 2014. Derzeit sind schon  117 lokale Märkte in 11 Bundesländern geöffnet, weitere 106 Schwärmereien befinden sich im Aufbau. Der neue Wochenmarkt in der Nordstadt findet immer freitags von 16.30 bis 17.30 Uhr im Innenhof des Hafven, Kopernikusstraße 14, 30167 Hannover statt. Kontakt bei Nachfragen unter Tel. 0170-8372502 oder per E-Mail an hello@relevand.de. Der Online-Shop ist auf www.marktschwaermer.de zu finden, aktuelle Infos gibt es auf http://blog.marktschwaermer.de/.  Credit: Markt Schwärmer

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Im Gespräch mit Illi Hinzberg über ihre „schlachthofromanze“

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Im Gespräch mit Illi Hinzberg über ihre „schlachthofromanze“


Foto: Gero DrnekEin kleines, feines und sehr persönliches Buch über das Fury-in-the-Slaughterhouse-Fansein hat Illi Hinzberg da geschrieben. Und die gute Nachricht zuerst: Man muss Fury gar nicht mögen, um dieses Buch zu mögen. Es steckt auch so eine Menge drin. Illi Hinzberg funktioniert ganz generell wie ein Schwamm, wenn sie sich für etwas interessiert, wird alles aufgesaugt, was an Wissenswertem zur Verfügung steht. Man ist immer wieder überrascht, was sie so alles weiß. Und was sie dann daraus macht. In einem großen Kessel rührt dieser brachial-kreative Geist eigentlich permanent ein ganz eigenes Süppchen zusammen, das dann immer neu schmeckt, mal zum Lachen bringt und mal zum Grübeln, mal anrührt und traurig macht, mal erhellt und euphorisiert. Kostproben bekommt man im direkten Gespräch, da geht es je nach Tagesform auch mal im Staccato zur Sache, oder eben in kurzen oder langen Texten. Nun also dieses erste kleine Buch als Fan über das Fansein und über das Sein im Allgemeinen und Besonderen, sie hat ihren Fury-Schwamm genommen und die Essenzen in Buchform gegossen, auf ihre ganz eigene Weise. Ein Wagnis – für Fury. Denn wenn die Jungs etwas über ihre Band wissen wollen, fragen sie Illi, weil Illi alles weiß. Die Sorge erschließt sich sofort: Weiß die vielleicht zu viel? Man kann die Furys beruhigen. Völlig unbegründet! Illi ist Fan – Illi Hinzberg hält also bei aller Offenheit dicht. Jedenfalls weitgehend …

Wann ist die Idee zum Buch entstanden?
Ich habe ja 2017 begleitend zur Akustiktour einen Blog geschrieben, der ein bisschen gekürzt auch im Buch zu finden ist. Das war eigentlich Christofs Idee. Er hat mich gefragt, ob ich das machen will. Und ich wollte natürlich. Also hat er das den Furys als gute Idee verkauft, und dann durfte ich mitfahren. Ich war hellauf begeistert. Und hatte total Schiss …

Warum das?
Ich hatte Schiss, dass die Leute das scheiße finden oder mich scheiße finden. Ich hatte Shitstorm-Alpträume. Das war aber nicht so. Zum Glück. Ich habe ausnahmslos wohlwollendes Feedback bekommen, manche fanden es sogar richtig super.

Das erklärt den Blog, aber noch nicht das Buch.
Die Idee kam von meiner Freundin Cora Alexandrou, die kürzlich leider gestorben ist. Die hat gesagt: „Illi, schreib doch mal den ganzen Fury-Quatsch auf!“ Und ich so: „Blödsinn, wer soll denn das lesen wollen?“ Aber nach dem positiven Feedback zum Blog habe ich gedacht: warum eigentlich nicht. Ich mache das jetzt einfach.

Wir können die Leute beruhigen, du hast nicht alles aufgeschrieben, es sind 120 kurzweilige Seiten geworden. Aber das war nur das Manuskript. Jetzt ist es ein Buch, erschienen im Charles Verlag. Wie kam das?
Ich habe natürlich überlegt, was ich mit dem fertigen Manuskript anstelle und wollte das zuerst im Eigenverlag rausbringen. Aber dann habe ich spaßeshalber dem Manager von Fury mal eine Mail geschrieben. „Hier, ich habe da so was Kleines, eventuell ist es auch blöd. Vielleicht hast du Zeit, mal in die Probekapitel reinzulesen.“ Und ich habe eine fünfzeilige Mail zurückbekommen!

Das klingt, als wäre das etwas ganz Besonderes.
Und ob! Holger Hübner ist ein eher wortkarger Mensch. Von dem gibt es nur Nettotext, nicht mehr als unbedingt sein muss. Eine fünfzeilige Mail ist also vergleichsweise ungefähr ein Roman. Er hat gefragt, was ich brauche, was er tun kann, wie wir das Ding unter die Leute kriegen. Ich habe geantwortet, dass ich einen Verlag suche. Und er hat geantwortet, dass ich dann mal dem Björn Bedey eine Mail schreiben soll. Das habe ich gemacht. Und jetzt gibt es das Buch.

Lass uns mal über dich als Fan sprechen. Du zitierst ziemlich zu Beginn Christof, der dein Fan-Dasein in seiner typisch-charmanten Art kommentiert: „Ja, Illi, das ist aber auch, weil du völlig bescheuert bist!“
Ja. Wunderschön auf den Punkt gebracht, oder? Ich habe 23 Jahre damit zugebracht, dieser Band hinterher zu reisen und deren Platten und T-Shirts zu kaufen. Schon irre.

Dieser Sound zieht sich so ein bisschen durch das ganze Buch. Du versuchst niemanden zu missionieren und hältst keine Vorträge. Du magst, du liebst Fury. Niemand sonst muss das. Es ist deine persönliche Geschichte. Und das Buch ist darum stellenweise sehr persönlich.
Ja, es steckt sehr viel Persönliches drin, was nicht nur lustig ist. Da ist zum Beispiel Nikos Tod.

Ein ganz enger Freund, der nach schwerer Krankheit in deinen Armen gestorben ist.
Ja. Das war sehr schwer. Und das gehört jetzt zu mir wie das Fan-Ding. Darum steht es auch im Buch.

Du versuchst ja zum Einstieg zu klären, warum du ausgerechnet bei Fury gelandet bist und nicht zum Beispiel bei Bad Religion. Und da gibt es diesen Live-Moment bei Fury. Der hat dich gepackt.
Das ist wirklich ganz schwer zu greifen. Die machen da auf der Bühne irgendwas, das mich total einfängt. Ich bin ja immer sehr nah dran, früher in der ersten Reihe, heute meist oben an der Seite. Und ich finde es unglaublich schön, in den Gesichtern zu sehen, wie die sich immer noch freuen, wie überrascht und begeistert die manchmal sind über die Reaktionen des Publikums. Mindestens genauso begeistert wie das Publikum selbst. Das macht wahnsinnigen Spaß, denen dabei zuzusehen. Insbesondere in den Gesichtern von Christof und Thorsten spiegelt sich das. Und Fury ist einfach auch ganz anders als andere Bands. Andere Bands sind immer gleich gut. Fury nicht, die greifen auch mal daneben. Und genau das macht es so nahbar und für mich einzigartig.

Sie sind also auch nach alle den Jahren noch zugewandt und ziehen nicht einfach nur ihre Show durch.
Natürlich ziehen sie ihre Show durch, aber eben bei jedem Konzert eine etwas andere Show. Und die entsteht gemeinsam mit dem Publikum. Wenn Thorsten sich über das Publikum freut, dreht der richtig auf. Und wenn Gero in Mönchengladbach vor 15.000 Leuten sein Mandolinen-Solo bei „When I’m Dead and Gone“ spielt, und wirklich alle mit den Armen wedeln, dann kommt das ganz direkt auf der Bühne an. Die nehmen das noch wahr und freuen sich darüber, das ist für sie einfach keine Selbstverständlichkeit. Und man schaukelt sich dann so gemeinsam hoch, das Publikum und die Band. Und alle sind hinterher schlagkaputt, das Publikum und natürlich die Band.

Das Fury-Publikum ist aus deiner Sicht auch ein besonderes Publikum. Lauter freundliche Menschen …
Ja, auf den Konzerten herrscht immer eine sehr liebevolle Atmosphäre. Inzwischen kenne ich natürlich viele Fans. Da gibt es zum Beispiel so ein Ehepaar aus Lübeck, die sind überall dabei. Herrlich zurückgenommen, die turnen auch manchmal Backstage rum und freuen sich einfach, dass sie da sein können. Und so sind eigentlich die meisten. Alle sind sehr warm miteinander. Und auch wenn man sich nicht so besonders gut kennt, werden dann manchmal kurzfristige Allianzen geschlossen. Wie kann man helfen, dass jemand zum Konzert kommen kann? Da wird einfach schnell eine Fahrgemeinschaft organisiert. Das ist die Fury-Gemeinschaft.

Triffst du eigentlich oft Leute, die Fury hören und den Kopf schütteln. Und sich fragen, was mit dir nicht stimmt?
Ja, zum Beispiel Christof und Gero. Aber sie sind sich immerhin einig, dass es schlimmer hätte kommen können: „Hauptsache nicht Wishbone Ash!“ Klar, es gibt natürlich nicht wenige, die dieses Fan-Ding seltsam finden. Aber weil ich niemanden bekehren will, gibt es nur selten Reibungspunkte. Andere haben darüber ihre Meinung. Sie dürfen sie behalten. Ich mache einfach mein Ding. Benjamin von Stuckrad-Barre hat mal über das Fansein geschrieben, dass das Schöne daran ist, dass man himmelschreiend euphorisch und dumm sein darf und niemand einem das verübeln kann. Das trifft es eigentlich ganz gut.

Spannend ist ja, dass du viele Jahre Fan warst, und jetzt mit Gero zusammen bist. Band-intern nennen sie das Spielerfrau, oder? Wie kam das?
Ja, Spielerfrau. Und das ist einfach so passiert. Ich war ja nie Groupie, ich war immer Fan der Band und vor allem der Musik. Wenn der letzte Song, „Seconds to fall“, vorbei war, bin ich glücklich und beseelt nach Hause gelatscht. Und dann gab es mal einen Abend, da habe ich nach einem Streit mit meinem damaligen Freund abends zufällig Gero getroffen. Eine Freundin hatte versucht, mich abzulenken, die war dabei. Gero hat gesehen, dass es mir nicht sehr gut ging und hat gefragt, ob man mich irgendwie aufmuntern könnte. Und dann sind wir zu dritt zu ihm und hatten einen sehr lustigen Abend. In der Folge haben wir dann ab und zu mal füreinander gekocht, das ist so ein gemeinsames Hobby. Aber da war nie was. Obwohl das vielleicht nach außen schon anders aussah. Thorsten hat mal nachgefragt bei den Konzerten in der TUI-Arena. „Was ist denn das eigentlich mit euch?“ Nichts, natürlich. Nur gute Freunde. Und dann war da irgendwann doch was. Wenn du eigentlich nur Fan bist, tust du dir mit so einer Geschichte keinen Gefallen. Du hast etwas von weiter weg toll gefunden, dann lernst du das noch mal ganz anders und barrierefrei kennen – das ist nicht automatisch eine Verbesserung. Das ist so ein bisschen wie ein Gemälde angucken. Von weiter weg sieht es vielleicht aus wie ein Norman Rockwell, und wenn man dann näher dran geht, ist es doch Hieronymus Bosch. Ist nicht immer schön. Der Trick ist zu lernen, dass einem ein Gemälde von Hieronymus Bosch vielleicht auch gefallen kann.

Also schon eine Fan-Bewährungsprobe, wenn man so will. Hat dein Fansein gewackelt?
Das ist wie mit so einer langjährigen Ehe. Kurz vor der Silberhochzeit hat man noch mal eine richtige Krise. Dann ruht die Liebe vorübergehend, ehe es dann doch gemeinsam in den Endspurt geht.

kartoniertes Buch 120 Seiten, 13,00 Euro Infos unter www.charlesverlag.de/schlachthofromanze

Wie lange hat es geruht bei dir?
Drei Tage. Vielleicht vier (lacht).

Du bist und bleibst Fury-Fan.
Ja, da ist nichts zu machen. Mit Haut und Haaren.

Du hast geschrieben, du springst an Konzert-Tagen entgegen aller Gewohnheiten vorfreudig aus dem Bett.
Das ist sonst wirklich gar nicht meine Art. Ich bin vor den Konzerten auch immer total nervös. Und das geht nicht weg. Bei der Akustik-Tour wusste ich ja nach dem dritten Abend ziemlich genau, was kommen würde – nervös war ich trotzdem. Und wenn es dann losgeht und alles klappt und der Strom nicht ausfällt zwischendurch, bin ich erleichtert und glücklich.

Fühlt sich das an wie ein eigener Auftritt?
Nein. Dann wäre es für mich auch nicht schön. Ich habe fürchterliches Lampenfieber. Das ist wirklich ganz schlimm bei mir. Ich verzichte mal auf nähere Beschreibungen.

Spannend fand ich auch, dass du geschrieben hast, dass es kaum einen Ort gibt, an dem du dich sicherer fühlst als bei einem Fury-Konzert in der ersten Reihe – mit 15.000 Menschen im Rücken.
Schlechte Menschen kennen keine guten Lieder. Und wenn es doch mal Getrampel und Gerangel gibt, dann dreht sich die erste Reihe kurz geschlossen um und hebt mal die Augenbraue. Dann ist Ruhe. Fury-Fans passen sehr aufeinander auf. Niemand möchte da irgendwelche Geschichten erleben, alle wollen gemeinsam, dass es möglichst schön wird. Inzwischen ist das alles für mich auch immer wieder aufs Neue eine ganz emotionale Zeitreise.

Bei der manchmal die Tränen in Strömen fließen …
Ja, ich bin bei manchen Stücken sehr nah am Wasser gebaut.

Der Fury-Dolchstoß ins Herz. Und dann wird das Messer gedreht.
Aber auf die gute Art. Das ist mehr so Akupunktur. Die Musik macht was mit mir. Sie macht mir aber vor allem auch gute Laune. Wenn ich einen schlechten Tag habe, mache ich mir die eine spezielle Platte von Fury an – perfekt.

Beschreib doch mal die Furys jeweils mit ein paar Sätzen. Gero zum Schluss.
Dann fang ich mit Christof an. Ein wirklich schöner Mensch, auch so innendrin. Ich mag, dass er sehr demütig mit seiner Kunst umgeht und total dankbar ist, dass er das alles machen darf. Das macht ihn zu einem sehr angenehmen Zeitgenossen. Und er hat so einen ganz besonderen Gitarrensound. Rainer ist immer interessiert und zugewandt. Und ständig mit irgendwas beschäftigt. Der netzwerkt total viel. Was ich bemerkenswert finde, ist, dass er gerne Musik machen möchte, die Sinn ergibt, die über die Musik hinaus funktioniert. Ist ein sehr schöner Ansatz. Christian ist ein unfassbar guter Musiker und er hat einen sehr speziellen Humor. Ein extrem wortwitziger Mensch. Der übrigens echt gut singen kann. Ich würde mir wünschen, dass sie ihn mal lassen. Toll Klavier spielen kann er auch. Thorsten ist unheimlich fleißig, ein Arbeitstier. Der produziert. Und er ist sehr um das Publikum bemüht, das habe ich ja schon erzählt. Und dann Kai, manche nennen ihn Gott. Er hat mal so eine Fan-Mail bekommen mit dem Vorschlag, er möge doch bitte das Telefonbuch als Hörbuch einsprechen, weil das garantiert wunderschön wäre. Und ja, ich würde mir das kaufen. Mit Kai kann man unter vier Augen ganz fantastische Gespräche führen. Er kommt auf den ersten Blick so ein bisschen polterig rüber und ist einfach auch diese schillernde Frontgestalt, aber er ist tatsächlich ein absolut liebenswerter, aufgeschlossener, ganz offener Mensch, der viele Fragen stellt. Er weiß gerne, mit wem er es zu tun hat.

Und jetzt Gero.
Da bin ich natürlich befangen. Gero kann immer alles. Ein Instrument, das der nicht spielen kann, muss erst noch jemand erfinden. Schon so ein bisschen ein Genie. Was es aber manchmal auch nicht leicht macht für die Mitmusiker. Ich glaube, er wäre oft sehr gerne viel sanftmütiger. Das gelingt ihm aber nur sehr schlecht (lacht).

Du willst ja nicht missionieren, aber versuch mal trotzdem, mich zum Fury-Fan zu bekehren.
Das kann ich nicht. Du müsstest einfach mitkommen auf ein Konzert. Ich kenne sehr viele Leute, bei denen das so entstanden ist. Und dann hört man hinterher natürlich auch die Platten ganz anders, weil die Stücke mit diesem Live-Gefühl verbunden bleiben. Ganz am Ende ist es vielleicht gar nicht so sehr die Musik, ich bin vielmehr Fan von dem Gefühl, das die Musik in mir hervorruft. Ich mag ja auch viele andere Bands, aber dieses spezielle Gefühl habe ich nur bei Fury. Fury ist also das Mittel meiner Wahl und hilft gegen alles.

Wie hast du dich gefühlt, als damals Schluss war bei Fury?
Das Loch war tief. Und der Termin der Bekanntgabe, „okay, noch diese Tour, dann ist Schluss“, und meine Hochzeit fielen auch noch ausgerechnet auf einen Tag. Das war ein scheiß Timing. Und es war schlimm, ganz offen und ehrlich, nach dem letzten Konzert am  30. August 2008 bin ich in ein tiefes, tiefes Loch gefallen. Eine Weile habe ich dann versucht, alles blöd zu finden, was mit Fury zu tun hatte, die Musik, alles. Ich wollte damit dieser ganzen Fury-Zeit die Bedeutung entziehen, damit es nicht mehr so weh tut. Kennt man ja von Trennungen. Klappt meistens nicht. Ich habe dann in den folgenden Jahren aber immer gedacht, dass die Enden noch zu lose sind, dass das noch nicht auserzählt ist, dass es das noch nicht war. Dann kam 2013 und danach 2017 die große Runde. Und in der Zwischenzeit gab es die Wohnraumhelden und die D ’Drnek Brothers und Wingenfelder und Rainer Schumann hat eine Soloplatte gemacht. Und ganz am Ende gibt es ja auch noch Bad Religion (lacht).        ● Lak

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Ich sitze hier in einem langweiligen Raum

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Ich sitze hier in einem langweiligen Raum


 Foto: meineresterampe / PixabayViel wurde schon geschrieben darüber, wie die Pandemie unseren Umgang miteinander und auch unsere Sprache verändert. Zusammengesetzte Wörter mit Impf- würden wir alle heute flüssig zu -chaos, -stau oder bald sogar -neid ergänzen, wo wir uns vor zwei Jahren noch ein … öh, -pass? herausgestottert hätten.
Neulich flatterte eine Konzertankündigung herein. Ein Gastmusiker wurde mit dem Hinweis angesagt, er reise geimpft extra aus Polen an. Das sind Informationen, die man früher nur über Hundewelpen bekommen hat (geimpft, entwurmt, mit Stammbaum). Man ahnt, dass die Information dazu dienen sollte, eventuell aufkommende Shitstürme im Keim zu ersticken. Nun hat man nicht nur Futter für den nächsten Shitstorm (Warum ist der Knabe schon geimpft?), sondern bekommt gleich unschöne Assoziationen mitgeliefert. Wir lassen nur geimpfte Polen rein, die sich zu unserer Verfassung bekennen (oder so ähnlich). Gleichzeitig lassen wir Tausende Sonnenhungrige ungeimpft raus nach Mallorca, um dort die Inzidenz mal wieder ordentlich aufzumischen. Und die Hiergebliebenen, die noch nicht zu müde sind, um sich aufzuregen, sitzen zu Hause im Homeoffice und schreiben böse Kommentare unter die Urlaubsfotos auf den Social Media-Kanälen. Nicht schön.
Ich glaube ja, dass Homeoffice nicht gut für uns ist. Natürlich ist das gerade nötig aus bekannten Gründen (Nein, bitte kein Shitstorm!) und man kann sich glücklich schätzen, wenn es überhaupt möglich ist, infektionsgeschützt zu Hause zu arbeiten. Trotzdem funktionieren Menschen besser, wenn sie soziale Kontakte und Kommunikationsmöglichkeiten in Form von ein paar KollegInnen um sich haben. Eremitisch veranlagte Ausnahmen bestätigen die Regel. Um dem zu begegnen, gibt es inzwischen sogar Online-Tools, die den Einsamen im Homeoffice nach dem Zufallsprinzip Work-Buddies zulosen, damit diese dann auf einem zusätzlichen Monitor still neben einem her arbeiten. Man spricht vorher kurz miteinander darüber, was man innerhalb der nächsten Stunde wegarbeiten möchte, und meldet später, ob man es geschafft hat. Das soll anspornen und eine prokrastinationsarme Arbeitsatmosphäre schaffen. Theoretisch könnte man sich natürlich auch super verquatschen, und es würde mich interessieren, ob man das als Option bei der Anmeldung mit angeben kann.
Was mich gerade fast mehr nervt als der aktuelle Kommunikationsmangel, ist ehrlich gesagt ein Ohrwurm. Auf allen Kanälen schallt gerade jedem, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, eine brandneue, bumsblöde Ballermann-Version von „Lemon Tree“ entgegen, dem Riesenhit der Pforzheimer Band Fool’s Garden von 1995. Ich hatte gehofft, diesen Song nie wieder hören zu müssen, auch wenn es eine sehr süße, taiwanesische Version davon gibt, bei der man immerhin den arg bräsigen Text nicht versteht. Nur leider ist es die Originalversion, die sich in mein Hirn gesetzt hat und die, ich schwöre, DRAUF UND DRAN IST, MIR EINE HIRNVENE ZU VERSTOPFEN! Und wie zum Hohn zeigt sich eine tiefe, präpandemische, möglicherweise sogar Kontaktbeschränkungen vorausahnende Wahrheit, die unter der flockig-zitronigen Oberfläche des Songs verborgen lauert und mir ins Ohr schnarrt: „Isolation is not good for me.“ Und da ich fest davon überzeugt bin, dass Ohrwürmer nur geheilt werden können, indem man sie weitergibt, möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken und auch ein bisschen entschuldigen, aber es ist sonst niemand da. Also:
Sing dah
Dah-dah-dah-dam, dee-dab-dah
Dah-dah-dah-dam, dee-dab-dah
Dab-deedly dah.

● Annika Bachem

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Astrid Laubisch von „Besucher auf 4 Pfoten”

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Astrid Laubisch von „Besucher auf 4 Pfoten”


Bereits seit 20 Jahren gibt es „Besucher auf 4 Pfoten”, einen ganz besonderen Besuchsdienst für Menschen, die in einer pflegenden oder betreuenden Einrichtung untergebracht sind. In der Regel sind es alte, oft demenzielle Menschen, manchmal auch Kinder und Erwachsene, die unter mehrfachen, schwersten Behinderungen leiden. Für viele von ihnen ist es ein besonderes Highlight, Besuch zu bekommen – vor allem, wenn ein kuscheliger, kontaktfreudiger Hund dabei ist.

Die Bothfelderin Astrid Laubisch hat ihre große Leidenschaft zum Beruf gemacht. 2007 gab sie ihren Bürojob auf, um eine Hundepension zu führen. Yoda, ihr erster Elo, war es, der sie zu „Besucher auf 4 Pfoten“ brachte. Elos sind Hunde, die bewusst als verspielte, ruhige Familienhunde gezüchtet werden.
„Yoda war einfach Senioren-affin“, erzählt Laubisch, „der ist schon, als er noch ganz jung war, immer im Wald gezielt auf alte Menschen losgegangen, um sich streicheln zu lassen. Wenn er einen Rollator gesehen hat, ist er sofort hin.“
Ein perfekter Therapiehund, dachte Laubisch und stieß im Netz auf zahlreiche, sehr teure Angebote, ihn zu einem solchen ausbilden zu lassen. Über die Homepage des Freiwilligenzentrums Hannover fand sie dann den unmittelbar zuvor gegründeten Besuchsdienst mit dem Satz: „Bei uns muss Ihr Hund kein Therapiehund sein.“ Perfekt! Yoda stieg ein, bevor er ein Jahr alt war – und war 15 Jahre später der dienstälteste Besuchshund der Gruppe. „Er hat das immer mit Begeisterung gemacht“, freut sich Laubisch, die mit Brösel mittlerweile schon den dritten Elo besitzt.
Es sind zurzeit 30 Einrichtungen, die den Besuchsdienst in Anspruch nehmen, und immer wieder melden sich neue. Die BesitzerInnen besuchen mit ihren Hunden in regelmäßigen Abständen die gleichen Heime, sodass man sie dort kennt. Astrid Laubisch geht einmal wöchentlich, da sie als Springerin fungiert, manchmal sogar dreimal, andere auch nur einmal im Monat.
Vor einem Treffen wird von der Heimleitung abgefragt, wer Hundebesuch möchte. Bei Menschen mit schwerer Demenz ist das so nicht möglich. „Da muss man einfach gucken“, sagt Laubisch, „das erfordert auch ein bisschen Fingerspitzengefühl von den begleitenden HundebesitzerInnen. Wir fragen immer, ob es okay ist, wenn der Hund näher kommt, behalten die Situation gut im Auge und bleiben immer dabei.“ In manchen Heimen erwarten die BewohnerInnen „ihre“ Hunde in einem Stuhlkreis, wo die Tiere dann die Runde machen. In anderen gehen die Vierbeiner von Raum zu Raum und besuchen so auch Bettlägerige.
Mit neuen Interessenten wird immer zunächst einmal ein Hundespaziergang verabredet, bei dem Astrid Laubisch oder ihre Kollegin Andrea Niebisch die Hunde beobachten und auch die BesitzerInnen kennenlernen. In beiden Fällen muss es passen: Die Hunde müssen aufs Wort gehorchen und sich auch gegenüber Artgenossen ruhig verhalten. Beim Einsatz dürfen sie sich weder von ungewohnten Gerüchen oder Automatik-Türen noch davon aus der Ruhe bringen lassen, dass sie auch mal ungeschickt angefasst oder laut angesprochen werden. Mancher Hund entpuppt sich als Naturtalent und läuft direkt schwanzwedelnd auf die Menschen zu. Andere zeigen kein Interesse oder sogar Anzeichen von Stress, und dann passt es eben nicht. Aber auch die menschlichen BegleiterInnen müssen mit der Situation in den Heimen zurechtkommen. Es gab schon Freiwillige, denen die direkte Konfrontation mit dementen Menschen und den Themen Alter und Tod zu viel war.
Interessanterweise scheinen die Besuchshunde genau zu spüren, wer aufgeschlossen reagieren wird und bei wem sie besser erst einmal Distanz halten. So hat Astrid Laubisch auch schon erlebt, dass einer ihrer Elos eine anfangs sehr reservierte Dame über Wochen „aufgetaut“ hat, indem er mit etwas Abstand sitzen blieb und nur geguckt hat, bis sie eines Tages ihre Hand ausstreckte und später zu einer begeisterten Hundefreundin wurde. „Im Umgang mit dementen Menschen haben wir auch schon kleine Wunder erlebt“, berichtet sie begeistert. „Menschen, die für uns gar nicht mehr zugänglich sind, reagieren dann plötzlich auf den Hund.“
Nachdem es jahrzehntelang Vorbehalte aus hygienischen Gründen gegen Tiere in Pflegeheimen gab, ist inzwischen erwiesen, dass der tierische Besuch sich positiv auf die Gesundheit der Besuchten auswirkt. „Ein gesunder Hund ist aus hygienischer Sicht keine Gefahr. Wir achten darauf, dass alle Beteiligten sich die Hände waschen, bevor wir weiterziehen, und unsere Besuchshunde schlecken auch keinem übers Gesicht“, lacht Laubisch.
Astrid Laubisch beschreibt die Heim-Besuche mit Brösel als Höhepunkt ihrer Woche. „Wenn ich wieder herauskomme, bin ich so erfüllt! Was gibt es Schöneres, als Freude zu verschenken? Wir kommen, und die Leute strahlen. Das ist eine tolle Aufgabe.“
● Annika Bachem                               Foto: Astrid Laubisch

„Besucher auf 4 Pfoten” freuen sich über Teams aus Mensch und Tier, die Lust haben, das Ganze einmal auszuprobieren.
Kontakt und Infos unter www.besucher-auf-4-pfoten.de

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